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Aktuelle Themen Urlaub ist für alle da

myrja
myrja
Mitglied

Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von myrja
als Antwort auf FrauOberschlau vom 15.08.2014, 11:58:19
ich kann nur für mich sprechen, als ich hartz4 bezog...

mein tag fing erst gegen 10.30 uhr an und lust irgend etwas sinnvolles zu tun war gleich null... weil jeder tag gleich war

das geld kam vom staat und ich hatte weiter nichts zu tun, als meine wohnung sauber zu halten und mit den katzen zu spielen...

achja, ein paar bewerbungen für´s amt mussten sein, also schnell das branchenbuch rausgeholt, adressen rausgesucht und die bewerbungen losgeschickt... es kamen nur absagen, denn die elektrobranche war zu der zeit tot, es gab kaum aufträge... bis ich dann mal nachfragte bei der arge, ob ich nicht auf altenpflege umschulen könne, von allein wurde mir das angebot nicht gemacht

ansonsten wurde den ganzen tag fern gesehen und auf´s wochenende gewartet, weil da dann mein heutiger mann kam und über´s wochenende blieb... das geld hätte nie gereicht, auch dann nicht wenn ich nur wurst von aldi gegessen hätte

meine situation war weitaus besser, als die von anderen hartz4 empfängern, denn mein mann lies mir immer geld da, damit ich mich mit allem nötigen versorgen konnte und auch das futter für die katzen

irgendwann stellt sie eine lethargie ein und ich bin froh da wieder raus zu sein, denn schön war das nicht

und in der schule zur ausbildung in der altenpflege saßen nur hartz4 empfänger und was da abging kann sich niemand vorstellen... ein umgangston herrschte dort wie in der untersten assischicht... es wurde gleich rumgepöbelt, einige nahmen drogen oder waren alkoholiker... der schule war das egal, hauptsache das geld kam rein, denn sicherer konnten die einnahmen kaum sein, als vom staat bezahlt...

wie gesagt, das war meine hartz4 zeit, verallgemeinern will ich das nicht...

f.o.


Nun Frau Oberschlau,

nicht jeder reagiert in Hartz IV so wie Du.

Bei mir hatte damals der Bezug von Hartz IV genau das Gegenteil bewirkt. Ich konnte nicht Zuhause rumsitzen und die Katze streicheln. Da hätte ich auf Dauer Angst gehabt zu verblöden.

So habe ich mich politisch und sozial stark im Stadtteil engagiert. Eigentlich habe ich da fast mehr gearbeitet als in einem regulären Job.

Natürlich habe ich mich auch beworben, aber nicht schriftlich. Ich bin persönlich zu den Firmen gegangen mit meinen Unterlagen. Leider hat mir das Alter stets einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Aber durch mein Engagement im Stadtteil kannte man mich und so bekam ich dann über Empfehlungen einen Job im sozialen Bereich, den ich heute noch mache, obwohl ich längst in Rente bin.

Warum ich das hier schreibe? Ganz einfach, ich kannte viele, die es ähnlich wie ich machten und nur wenige, die nur Zuhause rumhingen. Die Meisten wollen arbeiten und tun alles dafür. Man muss nicht phlegmatisch werden, sich in sein Schicksal ergeben, nur weil man arbeitslos ist!

Warum so viele Menschen das Bild vom faulen Arbeitslosen, der zudem noch die Wohnung vermüllt und nicht auf Körperhygiene achtet, im Kopf haben, ist doch klar. Nur über diese wird in der Presse berichtet. Nur sowas gibt eine Schlagzeile und davon leben schließlich die Presseleute. Und viele, viele Menschen sind nicht bereit, mal zu schauen ob es wirklich die breite Masse der Arbeitslosen ist, über die sie da im Fernsehen und in der Zeitung erfahren.

Myrja
EhemaligesMitglied44
EhemaligesMitglied44
Mitglied

Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von EhemaligesMitglied44
Ist das hier der Start von sozialen Unruhen in Deutschland?

Holger
rehse
rehse
Mitglied

Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von rehse
als Antwort auf myrja vom 15.08.2014, 14:01:54
Sehr treffend finde ich den letzten Absatz.
Die "Sozialpolitiker" Scholz/SPD und Clement (ehemals SPD) wollten den "faulen HartzIV-Beziehern Beine machen." Geld wurde ausgegeben, aber es wurden nicht Viele gefunden, die in diese Schublade gepasst hätten. Ihre Aktionen haben Geld gekostet für dürftige Ergebnisse.
Es gibt einfach zu wenig Arbeit, die ordentlich bezahlt wird.
Ein Professor, der sich auf dem Arbeitsmarkt auskennt, prognostizierte einmal die Zahl 1,7 Millionen Menschen, die für reguläre Arbeit zu alt bzw. zu krank sind. Darunter fallen auch Drückeberger. Aber sie sind längst nicht die Hauptnutznießer des Sozialsytems.

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myrja
myrja
Mitglied

Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von myrja
als Antwort auf EhemaligesMitglied44 vom 15.08.2014, 14:07:57
Schön wär's Holger!

Mich wundert eh, wo die Arbeitslosenbewegung geblieben ist, die es mal gab und die relativ groß war.

Myrja
sittingbull
sittingbull
Mitglied

Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von sittingbull
passend zum thema :

Franz Müntefering ... ehemaliger vorsitzender der SPD und "erfinder"
der rente mit 67 ... plädiert für eine Agenda 2030 oder 2040 .

wenn "sozialdemokraten" von "reformen" quatschen ...
sollte einem angst und bange werden .

Die Welt

sitting bull
Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von ehemaliges Mitglied_0af83
als Antwort auf karl vom 15.08.2014, 12:55:43

Er stellt fest, dass die beiden Pole der Gesellschaft, die Unter- und Oberschicht, Gemeinsamkeiten besäßen, die auf den ersten Blick nicht auffielen.

Beide nähmen nicht am Erwerbsleben teil und hätten sich aus dem Leistungsprinzip, einer wichtigen Stütze unseres Gesellschaftsystems, ausgeklinkt. Die einen würden von den Zinsen ihres Vermögens, die anderen von Sozialhilfe leben. Beide Gruppen gäben diese Art des Lebensunterhaltes als Erbe weiter.

Damit vollziehe sich auch die Verabschiedung aus dem bürgerlichen Werte- und Moralsystem – die einen würden versuchen, das Finanzamt, die anderen das Sozialamt auszutricksen.
geschrieben von karl


Karl
1.
Es ist eine infame Unterstellung, dass jeder der ein Vermögen besitzt, versucht Steuern zu hinterziehen.
2.
Es ist ein Unterschied, ob ich von meinem Eigentum ( selbst oder von den Vorfahren erarbeitetes und versteuertes Vermögen ) lebe oder mein Leben von anderen Menschen ( Steuerzahler ) , die dafür arbeiten müssen, finanzieren lasse.

Wer sein Leben nicht selbst finanzieren kann, sollte Hilfe bekommen. Warme Wohnung, Essen, Kleidung,Krankenkasse und Möbel.

Für Kinder sollten Kindergarten- und Schulsachen , Ferien- und Klassenreisen gezahlt werden.

Luxus muss der arbeitende Bevölkerungsteil nicht finanzieren.

Hannes

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bukamary
bukamary
Mitglied

Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von bukamary
(Ironie an)Ja, ja, da haben wir es wieder einmal. Die bösen sozial schwachen und die guten sozial abgesicherten (Ironie aus).

Natürlich gibt es Hartzer, die das sozialrecht mißbrauchen. Es wird sie immer geben aber im Verhältnis zur überwiegenden Bevölkerung sind es eine verschwindend geringe Zahl, die wir eigentlich aushalten könnten. Warum entsteht in vielen Köpfen aber die Vorstellung, dass es die Mehrheit sei? Angst? Neid?
Und auf der anderen Seite Steuerbetrug und sämtliche Steuervorteile ausnutzen.
Bei genauerem Hinsehen gibt es ausser der von Margit in ihrer Buchbesprechung genannten Gemeinsamkeiten wohl noch einige mehr über die man eigentlich garnicht reden möchte.

Richtig, jeder ist zunächst einmal für sein eigenes Leben verantwortlich. Allerdings kann er dies nur im Rahmen der Möglichkeiten tun, die ihm zur Verfügung stehen. Für viele Aspekte kann der einzelne nichts, da hat die Gesellschaft eine Mitverantwortung.

Klischees sind hervorragend dazu geeignet, sich nicht mit den Problemen auseinanderzusetzen, eigene Ängste bestätigt zu bekommen und sich aus der Verantwortung zu ziehen, das eigene Wohlergehen zu rechtfertigen.

Inzwischen ist einiges in Bewegung gekommen. M.E. wird aber noch zuviel an Symptomen herumgedoktert anstatt mal das System zu hinterfragen. Und vorallem sind viele Entscheidungen Interessen- gesteuert.

Aber zum eigentlichen Thema. Auch hier ist sicherlich in den letzten Jahren einiges getan worden. Für sozialschwache bleibt es dennoch eine zusätzlich finanzielle Belastung, die nicht alle stemmen können.
Es ist auch sicherlich nicht notwendig hier weiß der Teufel wohin zu fahren aber eine Abwechslung, eine andere Umgebung/anderes Umfeld kann hier schon sehr hilfreich sein.

In diesem Zusammenhang: die Tafeln, Arche und ähnliche Einrichtungen sind sicherlich im Moment hilfreich. Allerdings empfinde ich es als Schande, dass solche in einem der reichsten Länder notwendig sind. Ich sehe sie auch nicht unkritisch. Meine Hauptkritik besteht darin, dass sie eher so angelegt sind, die bestehenden Strukturen zu verfestigen anstatt irgendetwas an der Gesamtsituation zu ändern.Außerdem beruhigen Sie ungemein das Gewissen der Gesellschaft.

Auch wenn es nicht direkt mit dem Ausgangsthema zu tun hat hier noch einen Link. Über einige der Aussage lohnt es sich vielleicht mal nachzudenken.

Der kinderreport

bukamary
FrauOberschlau
FrauOberschlau
Mitglied

Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von FrauOberschlau
als Antwort auf myrja vom 15.08.2014, 14:01:54
myrja, ich war zuerst nur geschockt und traurig ohne arbeit zu sein, weil ich eben schon so alt war und eine chance auf arbeit bestand nicht

vom amt bekam ich nicht ein stellenangebot und als dann hartz4 eintrat wurden die auflagen drastischer und nichts tat sich...

irgendwann habe ich dann resigniert, bis ich den gedanken der umschulung hatte, denn auf dauer wollte ich nicht so weiter leben... mit fast 50 jahren bekommt man nicht mehr so leicht einen job und ich war heilfroh, dass das in der altenpflege so gut klappte

sofort nach beendigung der ausbildung hatte ich einen job der gut bezahlt wurde und der mir spaß machte...

nicht alle die die ausbildung beendet hatten, wollten arbeiten viele sagten, jetzt erstmal pause machen und dann weiter sehen was passiert... da fragte ich mich dann schon, warum die den beruf erlernt haben und hinterher nicht arbeiten wollen

leider waren das genau die, die mit alkohol und drogen zu tun hatten, dabei waren die kurz über 30 und hätten alle chancen der welt gehabt zu arbeiten...

die arbeiten wollen bekommen keinen job und die die einen haben könnten wollen nicht arbeiten das ist auch realität

und wenn dann noch kinder da sind und das miterleben, muss man sich nicht wundern, wenn diese später genauso leben wollen... es wird ihnen ja vorgelebt

f.o.
karl
karl
Administrator

Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von karl
als Antwort auf tessy vom 15.08.2014, 13:05:32
Um auf das ursprüngliche Thema zurück zu kommen:
Die Idee "Geld für Urlaub" kam nicht von Hartz4 Empfängern sondern von Politikern.
Die "Idee" könnte ja auch vom volkswirtschaftlichen Nutzen her sinnvoll sein. Ich jedenfalls würde es allen Kindern gönnen, einmal unbeschwert Urlaub machen zu können. Es gäbe dann vielleicht weniger verbiesterte Erwachsene.

Karl
FrauOberschlau
FrauOberschlau
Mitglied

Re: Urlaub ist für alle da
geschrieben von FrauOberschlau
als Antwort auf karl vom 15.08.2014, 14:46:03
ja karl, dann löse schon mal dein sparbuch auf und schicke diese kinder in den urlaub...

ich bin früher nie weg gewesen in den ferien und trotzdem nicht verbiestert geworden

diese aussage halte ich für sehr weit hergeholt denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun

f.o.

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