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Aktuelle Themen Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?

Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von ehemaliges Mitglied_84475
als Antwort auf vom 20.02.2009, 13:15:47
es dürfte wohl um geld gehen ursula und mit dem kauf der bücher wird doch das verhalten unterstützt. Oder etwa nicht ?

und mutter und sohn scheinen sich einig zu sein, sonst hätte sie vielleicht ein veto gegen die veröffentlichung eingelegt.

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plumpudding
geschrieben von plumpudding




Hallo plumpudding, ganz sicher geht es hier auch um Geld:
Mehrfach haben sowohl Tilman Jens als auch Inge Jens in den Medien erwähnt, dass die Bereitstellung einer ständigen Pflegerin (eine Bäuerin aus Mähringen) natürlich viel Geld kostet und nur durch frühere Einnahmen aus Buchverkäufen möglich sei ("Frau Thomas Mann" stand lange auf der Bestsellerliste)...

Natürlich behagt es mir nicht so recht, dass ich durch meinen Kauf des neuen Buches das schäbige Verhalten der Familie Jens indirekt unterstütze. Aber ich sah leider keine andere Möglichkeit, an das Buch, das mich so sehr interessierte und erst seit dem 16.02. im Handel ist, heranzukommen ...

Aber es dürfte nicht nur Geld sein, was Tilman Jens zum Schreiben dieses Buches veranlasst hat!

Gert Ueding, seit 1988 Nachfolger von Walter Jens auf dem Tübinger Lehrstuhl für Rhetorik, hat das Buch und dessen mögliche Hintergründe in einem (wie ich finde lesenswerten) Artikel in WELT ONLINE treffend dargestellt und analysiert (Link-Tipp).

Ueding spricht u.a. von "literarischem Vatermord" und von Rache an dem im gesunden Zustand - aus Sicht des Autors - "unangreifbaren Patriarchen, der seiner Frau die akademische Karriere versagt und seinen Sohn in die ewige Rolle des Zukurzgekommenen drängt..."

Gruß, Ursula
Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ehemaliges Mitglied_84475 vom 21.02.2009, 13:03:23
nur ursula wissen wir wie der vater zu hause gewesen ist ? eine abrechnung mit seinem tun, des sohnes und der mutter gegenüber dem vater und ehemann?

wie viele dieser leute, die im rampenlicht stehen und standen waren in den eigenen 4-wänden keinesweg so, wie der rest ihn oder sie sehen wollte. z.b. ist bekannt, dass einem willi millowitsch mehr als einmal die hand gegen seine sprösslinge ausgerutscht ist. es ist bekannt, dass ein heinz ehrhardt entgegen den klatschzeitungsberichten, seine zeit nicht mit seinen kindern verbracht hat. es ist bekannt, dass ein theo lingen in seinem privatleben mehr als nur ein kotzbrocken gewesen sein muss, usw, usw.

und bei all den unzulänglichkeiten des einzelnen, zolle ich den kinder heute meinen respekt, dass sie die illusion des elternhauses weiter spinnen. aber ich habe auch verständnis für die, die das nicht können.

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plumpudding
majana
majana
Mitglied

Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von majana
als Antwort auf vom 20.02.2009, 13:15:47
es dürfte wohl um geld gehen ursula und mit dem kauf der bücher wird doch das verhalten unterstützt. Oder etwa nicht ?

und mutter und sohn scheinen sich einig zu sein, sonst hätte sie vielleicht ein veto gegen die veröffentlichung eingelegt.

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plumpudding
geschrieben von plumpudding


Da bin ich ganz Deiner Meinung Plumpudding.

Ich finde es entwürdigend, dass ein Mensch, der sich aufgrund seiner Demenzerkrankung nicht wehren kann so vorgeführt wird, aber das scheint ja z. Z. "in" zu sein, man denke da nur an Johannes Hesters, der immer noch der Öffentlichkeit präsentiert wird, obwohl er eigentlich nur noch eine traurige Gestalt ist. Man kann es zwar nicht mit dem Fall Walter Jens vergleichen, aber der Tenor ist doch wahrscheinlich auch hier der schnöde Mammon.

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majana

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majana
majana
Mitglied

Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von majana
als Antwort auf vom 20.02.2009, 13:15:47
es dürfte wohl um geld gehen ursula und mit dem kauf der bücher wird doch das verhalten unterstützt. Oder etwa nicht ?

und mutter und sohn scheinen sich einig zu sein, sonst hätte sie vielleicht ein veto gegen die veröffentlichung eingelegt.

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plumpudding
geschrieben von plumpudding


oessilady
oessilady
Mitglied

Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von oessilady
als Antwort auf ehemaliges Mitglied_84475 vom 20.02.2009, 11:13:51
Oh ,das sind eigentlich meinungen,die ich so nicht teile.Ich las einen Teil dieser Schilderung und ich denke, es ist nicht so,daß der Sohn damit seinem Vater schadet. Vielmehr macht es Mut ,das zu lesen weil
diese Geschichte zeigt,daß diese Alterskrankheit jedwede Schranken hat.
Was heißt,sie kann jeden von uns treffen,egal wie intensiv die hirnzellen auf Trab gehalten werden oder auch nicht.Alzheimer und Demenz
ist quer durch die Bevölkerung anzutreffen.Es kann also nicht zutreffen,daß es durch wenig hirnzellen -beschäftigung mehr Demenz
gibt.Wenn so einen großen Denker (es gibt wenige Menschen,die ihr ganzes Leben lang das Denken und Reden so wie er als Lebenselixier betrachtet und gelebt haben) diese Krankheit aus der reellen Existenz
entschwinden läßt,dann ist das an Tragik kaum zu überbieten.Die beschreibung der Krankheit und ihre zerstörerische Art,wie sie das
beim davon betroffenen und seinen Lieben auswirkt.Ich empfinde das nicht als Bloßstellung sondern sehr mutig,das zu schildern. Ich glaube dieser Denker Herr Jens selbst darüber geschrieben und diskutiert haben wollte,wenn er dazu noch fähig wäre.Deshalb finde ich es nicht in Ordnung ,daß man seinen Sohn so mißversteht-er muß ja seinen vater am besten kennen. Warum nimmt man an daß es nur um der Geldmacherei willen geschieht ? Dieses ist meine Meinung zu diesem Thema.oessilady
schorsch
schorsch
Mitglied

Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von schorsch
als Antwort auf ehemaliges Mitglied_84475 vom 20.02.2009, 11:13:51
Geld stinkt bekanntlich nicht!


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schorsch

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wanda
wanda
Mitglied

Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von wanda
als Antwort auf schorsch vom 21.02.2009, 16:28:34
Das Buch habe ich nicht gelesen, nur Eure Ausführungen hier und einen Zeitungsartikel.
Aber - jeder, der sich über Demenz informieren möchte, kann das tun, indem er medizinische Fachliteratur liest. Im übrigen ist in unserem Alter kaum jemand anzutreffen, der diese Krankheit nicht auch im weiteren Bekanntenkreis hätte.

Wenn es wirklich so ist, dass hier eine Art "Abrechnung" stattfindet, dann widert mich das an. Wie kann ich mit jemanden abrechnen, der sich nicht mehr wehren kann.

Für mich war Walter Jens ein Mann, den ich geachtet habe und wenn es wirklich so ist, das Geldnot ein Buch erfordert, dann hätte man auch eine Art Biografie schreiben können, die der Persönlichkeit entspricht und nichts Diffamierendes hat.
Da fällt mir Harald Juhnke ein, seine Frau - die sehr wohl hätte abrechnen können - hat ihn vor Presse, vor Medien und allem, was ihn in seinem Zustand hätte zeigen können, geschützt. Und so ist es richtig.
Ein Mensch der verfällt, hat unseren Schutz nötig.
--
wanda
pea
pea
Mitglied

Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von pea
als Antwort auf wanda vom 22.02.2009, 08:38:12
Ein Mensch der verfällt, hat unseren Schutz nötig.



Das ausgerechnet die Bild-Zeitung,
deren normale Leser wohl kaum vorher etwas von Walter Jens gewußt haben dürften,
mit dieser unsäglichen Home-Story versorgt worden ist...

Hoffentlich wird das Honorar dafür wenigsten für die Pflegerin verwendet.


--
pea
old_go
old_go
Mitglied

Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von old_go
als Antwort auf pea vom 22.02.2009, 08:52:11
Wanda

Wenn es wirklich so ist, dass hier eine Art "Abrechnung" stattfindet, dann widert mich das an.

das denke ich auch!

Darüber hinaus ist es nicht nur taktlos,sondern auch feige,
einen durch Krankheit wehrlos gewordenen Menschen in aller Öffentlichkeit blosszustellen!

Gudrun
longtime
longtime
Mitglied

Re: Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?
geschrieben von longtime
als Antwort auf old_go vom 22.02.2009, 09:10:09
In der FAZ nachzulesen zum Fall der Demenz von Walter Jens:

Der Theologe Hans Küng erlebt mit eigenen Augen die Demenz seines Freundes Walter Jens: Küng wohnt in Tübingen nur drei, vier Minuten von dem legendären Rhetor entfernt, der nun verwirrt ist. In seinem Beitrag erinnert Küng daran, dass Jens und er vor Jahren ein Plädoyer für die aktive Sterbehilfe gehalten haben.
Es erscheint nächste Woche in aktualisierter Form unter dem Titel „Menschenwürdig sterben“ bei Piper zusammen mit einer Bestandsaufnahme von Inge Jens, in der sie ihre Erfahrungen mit der Krankheit ihres Mannes schildert." (Text von FAZ:)

Küngs Aufsatz s. TIPP!


Das Schmäh- und Dreist-Buch „Demenz“ von Tilman Jens über seinen Vater, der ihm nicht mehr antworten kann, wird am Montag auf FAZ.NET besprochen.


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longtime

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