Forum Allgemeine Themen Aktuelle Themen Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?

Aktuelle Themen Warum schützt niemand Walter Jens vor seinem Sohn?

eleonore
eleonore
Mitglied

Re: Familiärer Hintergrund
geschrieben von eleonore
als Antwort auf dutchweepee vom 26.02.2009, 02:05:46
manche söhne und töchter berühmter,bedeutende,wichtige, oder wieauchimmer eltern rechnen mit ihre kindheit und eltern öffentlich ab.
so manche, vor publikum liebende mami oder papi kommt nicht immer gut weg, was in fall von herrn jens nicht stimmen muss.
ich kenne seinen buch noch nicht, werde es aber lesen.

so z.B. Niklas Frank, der mit seine eltern in 2 bücher ins gericht geht,
*Der Vater* und *Meine deutsche Mutter*.

(Niklas Frank, sohn von Hans Frank,Generalgouverneur im besetzten Polen, in NürNberg verurteilt und gehängt.)

was das demenz angeht:
der demenz oder alzheimer erkrankung eines walter jens oder ronald reagan ist für die breite massen spannender, als die von frau/herr müllermayerschmitz.
es mag gar eine gewisse genugtuung für die normale publikum dabei sein, dass es ein berühmtheit von ein doch so unschöne krankheit nicht verschont bleibt.

ob man damit vor der öffentlichkeit geht oder nicht, bleibt in endeffekt jedem selbst überlassen.


--
eleonore
carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Familiärer Hintergrund
geschrieben von carlos1
als Antwort auf eleonore vom 26.02.2009, 05:42:34
"Deine Anregung, diesen Thread zum Ausgangspunkt zu nehmen, einmal über die Schrecken der Demenzerkrankungen zu reden ..." Karl

Ich schrieb meinen Beitrag gesternn morgen und setzte ihn in das Forum am Abend. Dadurch bedingt habe ich deinen guten Vorschlag nicht mehr in meine Überlegungen aufgenommen. Der Umgang mit der Altersdemenz ist das Problem aus unserer Sicht und weniger die Verletzungen des Tilman Jens durch den Vater, Erzpatriarchen und worgewaltigen Blitzeschleuderers Walter Jens. Aber die Querverbindungen sind in der Literatur da.

Eine Familie, in der immer nur einer das letzte Wort hat, in dem Gefühle eine Nebenrolle spielen, allein der Logos waltet, ist ein Schlachtfeld menschlicher Beziehungen. Hier müssen alle zurückweichen. Das verletzt. Es fängt mit einfachen Dingen an, aber gerade sie sind bezeichnend. Heute morgen las ich im Feuilleton den Hinweis auf die Eingangstür des Hauses Jens in Tübingen. Groß prangen dort die zwei Namen in Metallbuchstaben an der Tür: WALTER JENS. Ein befreundeter Literaturwissenschaftler wurde dadurch zur Frage veranlasst, ob denn sonst niemand im Hause wohne. Inge Jens, wie berichtet, lächelte nur. Ist das aber zum Lachen?

Wie gehen wir mit einem übermächtigen, erdrückenden Patriarchen um? Wie gehen wir mit Krankheit, Siechtum oder Tod um? Weil wir den Tod tabuisieren, Kranke und Alte abschieben, das Sterben auslagern, nehmen wir ihn nicht wahr, beziehen wir ihn nicht ein in unsere Planungen und unser Denken. Aber der "Tod ist ein Teil der Ordnung der Natur" (Montaigne). Eine alte Weisheit. Die vielen Hinweise in diesem Thread auf Beispiele konfliktreicher Vater-Sohn-Beziehungen in der Literatur (der Konflikt Friedrich Wilhelms I. mit seinem Sohn, auch Fr. der Große genannt, ging so weit, dass der König die Todessrafe wegen Desertion forderte!), weisen auf gängige Strukturen hin.

Walter Jens ist weit über 80 Jahre alt. Die Lebenserwartung hat sich seit 120 Jahren städnig erhöht. Sie wird - rebus sic stantibus - sich weiter erhöhen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Forschung es Menschen ermöglichen wird, 150 oder 250 Jahre zu leben. Wird es eine Leben ohne Alzheimer oder anderen Krankheite sein? Welche Vater-Sohn-Beziehungen wird es dann geben? Wie wird das intergenerationelle Zusammenleben, das Beruf, Karriere umfasst, geregelt sein? Das Buch von Tilman Jens beschreibt den Abschied von dem dementen Vater. Welches Buch würde er schreiben können oder müssen, wenn der Patriarch 200 Jahre in bester Gesundheiut erleben würde? Müsste er dann nicht zu einer anderen Waffe greifen, nicht nur zur Waffe des Wortes?

c.
Angst vor Demenz?
geschrieben von ehemaliges Mitglied_84475
als Antwort auf dutchweepee vom 26.02.2009, 02:05:46
@ursula

Aus jedem deiner Sätze spricht die Angst, daß wir selbst alle irgendwie mit zunehmendem Alter "weich im Bregen" werden. Noch vor wenigen Jahren konnte ich im Kopf ein geradzahliges Ergebnis von 177:3 errechnen. Heute brauche ich für Additionen nen Taschenrechner. Ist das beginnende Demenz oder Faulheit?


dutchweepee


@dutchweepee,
... eine interessante Interpretation meiner Beiträge !


Natürlich ist es richtig, dass jeder realistischeweise damit rechnen muss, irgendwann einmal dement zu werden, wenn er nur alt genug wird. Allerdings kann jeder durch seine Lebensweise (in Grenzen) auf sein individuelles Erkrankungsrisiko Einfluss nehmen, positiv wie negativ.

Was mich betrifft bin ich da (auch wenn Du es gern anders hättest ) ausgesprochen gelassen: Bei mir gibt es keinerlei Risikofaktoren wie Diabetes, hoher Blutdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol etc. pp), und auch eine genetische Disposition ist weit und breit nicht erkennbar.
Ich halte es daher für durchaus wahrscheinlich, dass "meine" Demenz erst im zarten Alter von 110 Jahren aufwärts auftritt, was mich dann wohl nicht mehr besonders interessieren wird ... ))

Dir wünsche ich, dass auch Du nicht vorzeitig (um mit Deinen Worten zu sprechen) "weich im Bregen" wirst und dass Dich - sollte es anders kommen - die liebe Verwandtschaft nicht (wie den armen Walter Jens) als schlagendes, spuckendes Etwas und in nassen Windeln der Öffentlichkeit vorführt...


Gruß, Ursula

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EehemaligesMitglied58
EehemaligesMitglied58
Mitglied

Re: Angst vor Demenz?
geschrieben von EehemaligesMitglied58
als Antwort auf ehemaliges Mitglied_84475 vom 26.02.2009, 09:40:32
Man kann ja als biopgraph oder angehöriger über bekannte persönlichkeiten, deren stärken und schwächen posthum auch real und kritisch berichten.
Man sollte aber nicht seinen frust oder seine öffentlichkeitsgeilheit befriedigen in dem man das befinden oder den zustand seiner nächsten angehörigen mit einer krankheit, für die keiner kann und vor der keiner geschützt ist öffentlich breit tritt.
Wegen unversöhnlicher differenzen in fragen der gesellschaftsordnung habe ich kein gutes verhältnis zu meinem vater gehabt und wir sind uns auch nach der wende nicht wesentlich näher gekommen.
Aber mir wäre es nie in den sinn gekommen die letzten stunden meines vaters, die ich miterlebt und mitgelitten habe einer öffentlichkeit mitzuteilen etwa nach demn motto, nun hat er endlich was er meiner meinung nach verdient hat.
Wenn der herr T über alzheimer schreiben muß, dann soll er eine wissenschaftlich abhandlung über diese krankheit fertigen.
Insofern stimme ich mit allen aussagen, die ursula zu diesem thema geäußert hat völlig überein.
--
gram
Re: Angst vor Demenz?
geschrieben von ehemaliges Mitglied_84475
als Antwort auf EehemaligesMitglied58 vom 26.02.2009, 10:25:35

...Aber mir wäre es nie in den sinn gekommen die letzten stunden meines vaters, die ich miterlebt und mitgelitten habe einer öffentlichkeit mitzuteilen etwa nach demn motto, nun hat er endlich was er meiner meinung nach verdient hat.
Wenn der herr T über alzheimer schreiben muß, dann soll er eine wissenschaftlich abhandlung über diese krankheit fertigen.
Insofern stimme ich mit allen aussagen, die ursula zu diesem thema geäußert hat völlig überein.
--
gram
geschrieben von gram



Danke, gram, Du hast richtig erkannt, worum es mir geht!

Als ich das Buch von Tilman Jens las, empfand ich in seinen Schilderungen des Vaters in seinem gegenwärtigen Zustand durchgängig eine gewisse Häme, so nach dem Motto: "Da seht Ihr ihn in seinem erbärmlichen Zustand, den von Euch so verehrten großen Intellektuellen. Und diesen Zustand hat er selbst herbeigeführt: Er ist in die Demenz geflüchtet, um sich mit seinen historisch-/politischen Verfehlungen der Jugendzeit nicht auseinandersetzen zu müssen ..."

Diese öffentliche Präsentation des ahnungslosen und in seinem Elend wehrlosen Walter Jens in Kombination mit den angeblich "wahren Gründen" der Krankheit nimmt diesem die Würde und hat mit dem angeblichen Wunsch des Sohnes nach Aufklärung und nach Enttabuisierung des Themas "Demenz" nicht das Geringste zu tun.


Gruß, Ursula
carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Angst vor Demenz?
geschrieben von carlos1
als Antwort auf ehemaliges Mitglied_84475 vom 26.02.2009, 12:29:00
"Diese öffentliche Präsentation des ahnungslosen und in seinem Elend wehrlosen Walter Jens in Kombination mit den angeblich "wahren Gründen" der Krankheit nimmt diesem die Würde und hat mit dem angeblichen Wunsch des Sohnes nach Aufklärung und nach Enttabuisierung des Themas "Demenz" nicht das Geringste zu tun." Ursula

Ursula, ich verstehe deinen Standpunkt sehr gut. Du verkennst aber völlig, dass das Vorgehen des Sohnes Tilman Jens beste Jenssche Tradition ist. Jeder handelt nach dem Gesetz, nach dem er angetreten ist. Walter Jens war Aufklärer aus Überzeugung, maßlos, hemmungslos, lautstark, öffentlichkeitsgeil. Er war ein äußerst schwieriger Mensch. Die Öffentlichkeit zum Richter machen, also nicht ungewöhnlich bei ihm. Es liegt in der Tradition der Aufklärung, dass sie an die Öffentlichkeit drängt, auf den Marktplatz, das Scheinwerferlicht suchte er deshalb gerne. Richter sein über andere, das lernte man im Hause Jens von früh auf. Was ist daran so überraaschend, wenn der Sohn in die Fußtapfen des Vaters tritt? Häme, ganz sicher. Angenehm und menschlich vertretbar? Nein. Aber so ist das eben. Wer im Olymp des intellektuellen Dünkels lebt, schert sich einen Dreck um Sitte, Brauch, Stil, Konvention, menschlichen Anstand oder sonst was. Das kalte logische Kalkül, das allein zählt, das geschliffene Wort über alles.

Es geht auch anders bei Personen der Öffentlichkeit. Nancy und Ronald Reagan (amerikanischer Ex-Präsident 80er Jahre) gingen ganz anders vor. Als Ronald Reagan im Alter dement wurde, verabschiedete er sich vor dem völligen Abgleiten in die Nacht aus der Öffentlichkeit. Kein Bild mehr, keine Interviews, kein Lamento. Nichts. Nur Schweigen und die Bitte dies Schweigen zu respektieren. Die Öffentlichkeit sah nur noch den Sarg beim Staatsbegräbnis. Er blieb "unbeschädigt" im Gedächtnis seiner Landsleute. Diese Nancy Reagan war die heimliche Präsidentin der USA, eine intelligente Frau, aber keine Intellektuelle. Ronald Reagan war alles andere als ein großer Geistesheld. Er hatte in vielen Hollywoodfilmen den Westernheld gespielt, aber sein Abtreten hatte im Hinblick auf seine letzte Krankheit einfach Stil.

Es ginge also auch anders. Aber wie gesagt: Jeder handelt gemäß dem Gesetz, nach dem er angetreten.

c.

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wanda
wanda
Mitglied

Re: Angst vor Demenz?
geschrieben von wanda
als Antwort auf carlos1 vom 26.02.2009, 20:39:07
ich denke, dass inzwischen alles gesagt wurde und die Positionen geklärt sind.
Zu dem letzten Beitrag möchte ich nur sagen, als ich "antrat",
--herrschten ganz andere Gesetze. Jeder ist in der Lage, sich über Traditionen hinwegzusetzen und so zu handeln, wie er es als Mensch möchte.
wanda
Re: Angst vor Demenz?
geschrieben von ehemaliges Mitglied_84475
als Antwort auf carlos1 vom 26.02.2009, 20:39:07

Jeder handelt nach dem Gesetz, nach dem er angetreten ist.
c.


Hallo Carlos,

das kann aber keine Entschuldigung sein, allenfalls eine mögliche (spekulative) Erklärung!

Jeder geistig gesunde erwachsene Mensch ist für sein Handeln selbst verantwortlich und kann sich nicht einfach auf seine Erbanlagen (nach Goethe das "Gesetz, wonach du angetreten"), auf eine "schwere Kindheit", ungünstige Vorbilder etc. zurück ziehen. Das sehe ich wie wanda.


Gruß, Ursula
baerliner
baerliner
Mitglied

Re: Angst vor Demenz?
geschrieben von baerliner
als Antwort auf wanda vom 27.02.2009, 08:02:11
Wanda,

auch wenn die Positionen geklärt sind und ich in diesem Thema nur interessierter Mitleser bin, meine ich, dass dieses Thema eines der wenigen ist, wo sich das Lesen lohnt. Ich lese also gerne weitere Diskussionsbeiträge.
--
baerliner
Re: Angst vor Demenz?
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf baerliner vom 27.02.2009, 09:16:56
was wäre eigentlich wenn tilman jens über lieschen müller-meisenbach geschrieben hätte ?

würden sich dann auch alle aufregen und sagen der hat lieschen müller-meisenbach beleidigt und ihr die würde genommen ?

nimmt sich herr heesters die würde, weil er sabbern mit 105 immer noch auf die bühne geht?

oder weil er in einem interview zum besten gibt hitler wäre ein gutmensch gewesen?
--
plumpudding

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