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Aktuelle Themen Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?

luchs35
luchs35
Mitglied

Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von luchs35


Seit fünf Jahren berichtet der Journalist und Nahostexperte Ulrich Tilgner differenziert über die Lage im Irak.
Nun räumt er seinen Sessel. Er kündigte seinen Vertrag als Leiter des ZDF-Büros in Teheran sowie seinen Posten als Sonderkorrespondent für den Nahen und Mittleren Osten.
Begründung: Er fühle sich in seiner Arbeit immer mehr eingeschränkt und bezog sich dabei vor allem auf Afghanistan, wo, so Tilgner, "deutsche Soldaten sterben".

In einem Intervieuw mit einer Schweizer Zeitung wies er auf die Bündnisrücksichten hin, die sich auf die redaktionelle Unabhängigkeit der Sender bezieht, wobei politische Sendungen immer mehr zurückgedrängt werden.
Zukünftig wird er für das Schweizer Fernsehen arbeiten, was er eigentlich nebenbei schon lange machte. In der Schweiz werden seine Berichterstattungen hoch bewertet, wobei er hauptsächlich die Zusage einer Arbeitsmöglichkeit ohne Eingriffe betont.

Wie kann oder soll man Tilgners Ausage werten? Wird uns zuviel Sand in die Augen gestreut, wenn wir die täglichen Nachrichten in den Sendern verfolgen oder in den Zeitungen lesen. Wie weit sind Journalisten noch unabhängig?
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luchsi35
hafel
hafel
Mitglied

Re: Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von hafel
als Antwort auf luchs35 vom 13.02.2008, 18:41:44
Die letzten objektiven Kriegsberichterstatter´gab es im Vietnam.
Das hatte dann die amerikanische Armee geändert und erhalten wir doch schon seit Jahren gut zensierte Berichte. Warum sollte man dann U. Tilgner aus der Reihe tanzen lassen?
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hafel
miriam
miriam
Mitglied

Re: Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von miriam
als Antwort auf luchs35 vom 13.02.2008, 18:41:44
Ein wichtiges Thema, luchsi.

Hier ein Artikel der mir auch sehr relevant scheint.

Ich zitiere:

Über die Initiative "honestly concerned":
Faire Israel-Berichterstattung und gegen Antisemitismus


Von Jörn Schumacher

Seit anderthalb Jahren engagiert sich eine Gruppe von Bürgern für eine "wahrhaftige Nahost-Berichterstattung und gegen Antisemitismus" in Deutschland. Durch eine Mailingliste, in der inzwischen über 1.200 Empfänger eingetragen sind, verbreiten die Mitglieder nahezu jeden Tag einen aktuellen Pressespiegel sowie private Briefwechsel und Kommentare rund um das Thema Naher Osten, Judentum und Antisemitismus.

Durch den Vergleich unterschiedlicher Nachrichtenberichte zu einem Ereignis bekommt der Leser oft einen besseren Eindruck von dem, was "wirklich" in Israel los ist, als es ein Blick auf die Headlines der großen Medien leisten kann. Wenn Nachrichten in Zeitungen, im Rundfunk oder im Internet Israel einseitig darstellen, Fakten verzerren oder Antisemitisches beinhalten, schreibt das eine oder andere Mitglied der Gruppe dem verantwortlichen Redakteur einen protestierenden Brief. Viele dieser Leserbriefe werden dem täglichen Meldungsüberblick als Kopie angehängt und ermutigen andere, in so einem Fall ebenfalls die Stimme zu erheben. Zudem verbreitet die Liste Veranstaltungen und organisiert oder unterstützt Aktionen zum Thema.

Weiter siehe den Link

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miriam

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karl
karl
Administrator

Re: Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von karl
als Antwort auf luchs35 vom 13.02.2008, 18:41:44
Ich sehe mit Besorgnis die einseitige Berichtserstattung in unseren Medien speziell in Bezug auf die internationalen Konfliktregionen. Über das Internet ist es glücklicherweise möglich, auch an alternative Quellen z. B. zum Nahen Osten heranzukommen, aber es bedarf der aktiven Suche.

Ansonsten werden wir schon mit Überschriften in die Irre geleitet. Der Druck, der auf die Journalisten ausgeübt wird, ist wahrscheinlich nicht einmal direkt in dem Sinne "Bausche die Übergriffe der einen Seite auf und verschweige, die der anderen", ich vermute, dass die Journalisten teilweise einen vorauseilenden Gehorsam praktizieren. Sie wollen, dass ihr Bericht und nicht derjenige des Kollegen auf die Seite 1 genommen wird.

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karl
gila
gila
Mitglied

Re: Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von gila
als Antwort auf luchs35 vom 13.02.2008, 18:41:44
Uns wird Sand in die Augen gestreut.... Leider
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denkt
gila
hugo
hugo
Mitglied

Re: Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von hugo
als Antwort auf karl vom 13.02.2008, 18:56:00
es gibt andererseits jedoch auch Berichte, da stockt einem fast der Atem wenn man sich hindurchliest und fragt sich,,,kann denn das so tatsächlich wahr sein, hat der Journalist da nicht zu weit ausgeholt ?

oder, falls das so stimmt, wird der seinen Posten noch lange unbehelligt behalten, wird der jemals wieder einen bauchbaren Auftrag bekommen?

Ich kann mir nicht vorstellen das sich die ca 200 Journalisten welche für den Irakkrieg extra ausgesucht und geschult wurden da zu weit aus dem Fenster lehnen.

Beispiel siehe Von Barry Grey
August 2005 Washington Post


--
hugo

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pilli †
pilli †
Mitglied

Re: Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von pilli †
als Antwort auf luchs35 vom 13.02.2008, 18:41:44
das journalisten alle unabhängig arbeiten, habe ich noch nie geglaubt, darum stellt sich für mich die frage nicht mit dem bezug auf die frage: noch arbeiten ?

mein link führt zum interview von Tilgner mit dem Migros-Magazin, einer "in Grossauflage verteilte Gratiszeitung eines Lebensmittelhändlers wie Lidl oder Aldi" (zitierte stelle aus medienlese).

Ulrich Tilgner berichtet nicht nur regelmässig für das Schweizer Fernsehen, er verbringt auch einen Grossteil seiner Freizeit im Tessin und Engadin. An der Swiss Award Gala 2004 wurde der Deutsche Dritter in der Kategorie «Schweizer des Jahres» – nach Roger Federer und Ernesto Bertarelli.
geschrieben von migros-magazin


seine besondere verbundenheit zur Schweiz und zu erwartende steuererleichterungen dürften nicht nicht nur ausschlaggebend gewesen sein?

des weiteren biete ich als hintergrundüberlegung folgendes, zitiert aus dem blog medienlese, an:

Das Schweizer Fernsehen ist noch nie durch besonderen Mut aufgefallen. Die werden ihn erstmal machen lassen. Auch Israel mal zu kritisieren, fällt in diesem Umfeld sicher leichter. Das deutsche Fernsehen muss sich - aus bekannten Gründen - dafür immer zuerst bei den Israeli entschuldigen.

Brisanter in der Schweiz sind die wirtschaftlichen Zusammenhänge. In UBS und CS - zwei der grössten Banken der Welt - gibt es starke arabische Einflüsse. Das ist relativ neu. Einer der grössten Aktionäre der CS ist ein saudisch-amerkanischer Familienkonzern, der auch an prominenter Stelle im Verwaltungsrat vertreten ist. Bei der UBS will ein geheimnisvoller saudischer Grossaktionär einsteigen, der sich noch bedeckt hält. In der Schweiz weiss kaum jemand etwas über diese Zusammenhänge, weil die Medien da nie dahinterschauen. Ausserdem wird Dubai als wichtiger Standort für die Interessen der Schweizer Fianzindustrie ausgebaut.

Gleichzeitig will die rechte schweizerische Volkspartei SVP mit viel Getöse den Bau von Minaretten in der Schweiz per Gesetz verhindern. Sie weiss noch nicht, dass viele Moscheebauten in Europa mit saudischem Kapital finanziert werden.
geschrieben von medienlese


klingt doch spannend?

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pilli
mulde1
mulde1
Mitglied

Re: Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von mulde1
als Antwort auf karl vom 13.02.2008, 18:56:00
Karl ist es nicht vielfach so,das die Redaktionen=
Chefredakteure Vasallen der "Herausgeber " sind"?
Die Redaktionen dürfen nur das bringen was in das politische Tagesbild des Herausgebers passt
Die Parteisympathisants spielt eine nicht zu unterschätzende
Rolle.
Für mich(_hier nur für mich_) ist da ein Herr Du Pont aus Köln eines der negativsten Beispiele, wo ein Redakteur
bis in die örtliche Berichterstattung vom Herausgeber
abhängig ist!
Das ganze nennt sich dann in der Aufmachung
"-_Überparteilich -- Unabhängig_"
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mulde
pilli †
pilli †
Mitglied

Re: Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von pilli †
als Antwort auf mulde1 vom 13.02.2008, 19:56:01
wenn du erlaubst, mulde

der mann trägt den namen: Alfred Neven DuMont;

wenn schon, dann auch bitte richtig.


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pilli
silhouette
silhouette
Mitglied

Re: Wie unabhängig dürfen Journalisten noch arbeiten?
geschrieben von silhouette
als Antwort auf hafel vom 13.02.2008, 18:50:56
Oh Hafel,
objektive Vietnam-Berichte? Welche meinst du, die der deutschen Presse? Wenn ja, widerspreche ich dir mit allem Nachdruck. Denn es war ausgerechnet die deutsche Vietnam-Berichterstattung, die mich zum ersten Mal auf den Idee gebracht hat, dass sie komplett auf USA-freundlich getrimmt ist.

Ich habe 1968-69 in Brüssel gelebt und die Nachrichten von der belgischen und französischen Presse bezogen. Wenn ich dann am Wochenende nach Deutschland kam, hatte ich sehr stark den Eindruck, die Presse berichtete dort von einem ganz anderen Krieg. Die krassesten Scheußlichkeiten wurden jedenfalls systematisch aus der deutschen Presse rausgehalten.
--
silhouette

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