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Aktuelle Themen Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?

olga64
olga64
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Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von olga64
Seit heute steht der Vater des Amokschützen von Winnenden vor Gericht. Es wird juristisch geprüft, welche Mitschuld ihn an dem Massaker trifft, welches seit Sohn verursachte.
Die Pistole lag "frei" rum (der Vater gibt an, dass er Angst vor Einbrechern hatte); Der Safe-Code war simpel und dem Sohn bekannt ,der sich sogar damit brüstete, ihn zu kennen.
Der Vater nahm den Sohn schon früh in den Schützenverein mit und war stolz, wenn der Sohn "traf". Ich denke er war über den "big shot" nicht mehr froh und stolz. Immerhin verlor der Vater seine berufliche Existenz, musste an einen anderen Ort umziehen und verlor natürlich auch seinen Sohn. Besonders tragisch stellt sich mir dies für die Mutter und Schwester dar, die vermutlich überhaupt keinerlei Schuld, ausser evtl. Erziehungsfehlern tragen, aber auch vor Gericht vernommen werden. Wichtig ist dieser Prozess anscheinend für die Leidtragenden, die Angehörige verloren haben. In solchen Fällen frage ich mich oft, ob eine Bestrafung wirklich Genugtuung bringen kann - leider wird ja keiner mehr lebendig von den Menschen, die damals zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Olga
Linta †
Linta †
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von Linta †
als Antwort auf olga64 vom 16.09.2010, 16:49:42


Für mich trifft den Vater keine Schuld. Zu dem Amoklauf wäre es auch ohne
die Waffe des Vaters gekommen.

In diesem Falle war es für den Jungen nur etwas einfacher, doch von seinem
Vorsatz hätte ihn mit Sicherheit niemand abbringen können. Eine Waffe kann man sich auch anders besorgen.

L.
Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von traumvergessen
als Antwort auf olga64 vom 16.09.2010, 16:49:42
Die Frage von Schuld oder Nichtschuld ist im Leben immer sehr schwer zu beantworten. Wie viele Leute sitzen im Gefängnis, bedingt durch eine freudlose Kindheit und Jugend? Wie viele Eltern grämen sich, dass ihre Kinder einen Weg eingeschlagen haben, den sie nie vorgezeichnet haben. Die Frage, ob schuld oder nicht schuld, kann niemand ohne die Kenntnis der näheren Umstände beantworten. Eine Verurteilung oder ein Freispruch auf diesem Wege ist nicht opportun. Allein die Justiz ist bei Kenntnis und Ermittlung des Sachverhalts in der Lage, hierüber zu urteilen. Ich jedenfalls maße es mir nicht an.

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luchs35
luchs35
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von luchs35
als Antwort auf olga64 vom 16.09.2010, 16:49:42
Kann die Familie des Amokschützen von einem Gericht überhaupt noch schlimmer bestraft werden als durch das anschliessende Schicksal der gesamten Familie, die ihren Sohn ebenfalls verloren hat und deren Existenz vernichtet ist. Die Tochter muss unter einem fremden Namen in einem anderen Ort leben, die Mutter wird noch immer psychologisch behandelt.

Kein Zweifel, der Vater hat einen folgeschweren, unverzeihlichen Fehler begangen, der vielen Menschen das Leben kostete und deren Familie in tiefste Verzweiflung riss. Aber mit welcher Strafe kann das überhaupt aufgewogen werden?

Wenn die Sportschützen nichts aus diesem schlimmen Ereignis gelernt haben, bringt auch eine noch so hohe Strafbemessung nichts.

Richter möchte ich in dieser Sache jedenfalls nicht sein. Und ich kann auch nicht sagen, welche Gefühle ich gegenüber dieser Familie hätte, wenn eines der Opfer aus meiner Familie stammen würde.
Rache? Hass? Mitleid? Es ist schwer, hier zu urteilen.

Luchs
clara
clara
Mitglied

Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von clara
als Antwort auf luchs35 vom 16.09.2010, 17:28:36
Das Leben der Familie des Todesschützen ist ja genau so zerstört wie das der der Opferhinterbliebenen. Ich neige auch zu Lintas Meinung, dass sich der Junge auf jeden Fall eine Waffe hätte besorgen können. Die Tat war sicher keine Spontanaktion, aber der leichte Zugang zum Waffenschrank und die Schießausbildung kamen natürlich gelegen.
Nach unserer Rechtsprechung hat der Vater vielleicht keine moralische, aber juristische Schuld, die auch geahndet werden muss, weil sonst ja dem Leichtsinn, bzw. der Sorglosigkeit im Umgang mit Waffen Tür und Tor geöffnet wären.
Außerdem gibt eine Verurteilung des Vaters den Hinterbliebenen der Opfer wenigstens eine gewisse Genugtuung, was von Psychologen als wichtig zur Trauerbewältigung angesehen wird.

Clara
ingo
ingo
Mitglied

Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von ingo
Der Vater eines psychisch kranken Sohnes hat eine Pistole ungesichert auffindbar "rumliegen" lassen. Sowas kann nicht hingenommen werden. Ich schliesse mich auch nicht der Auffasung an, dass diese Tat so oder so passiert wäre. Wenn der Sohn keine Waffe in die Hände bekommen hätte, hätte er diese Tat nicht begehen können. Es kann auch nicht von vornherein relvant sein, dass "die Familie schon genug gestraft ist"; das kann sich m.E. allenfalls strafmildernd auswirken. Mein Fazit: Der Vater trägt soviel Schuld, dass er bestraft werden muss. Eine Geldbuße, wie vorher beabsichtigt, kann da nicht greifen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Richter unter Berücksichtigung aller Umstände eine deutliche Bewährungsstrafe verhängen werden.

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eko †
eko †
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von eko †
als Antwort auf ingo vom 17.09.2010, 14:24:24
Zitat:

" Der Vater trägt soviel Schuld, dass er bestraft werden muss."


Also, ich weiß nicht, ich sehe das ein bisschen anders. Eine solche Forderung ist nur auf Rache aufgebaut. Und ich sehe auch keinerlei Anzeichen dafür, dass sich durch diesen Mann eine solche Tat wiederholen würde.

Die Hinterbliebenen erwarten naturgemäß eine Bestrafung. Das ist auch nachvollziehbar, aber:
wird dadurch auch nur einer der erschossenen Menschen wieder lebendig?

Wenn ja, dann bestrafen. Aber das wird nicht der Fall sein.

Das Ganze ist eine Tragödie, gewiß. Die Eltern, die ihr Kind verloren haben, müssen mit ihrem Schmerz fertig werden. Aber der Vater hat mehr verloren! Er hat seinen Sohn verloren, aber auch seine Existenz! Und er muss mit der Schuld leben. Die Eltern werfen ihre Gefühle der Rache auf den Vater, dieser Vater muss meiner Meinung nach mehr ertragen......und er kann niemand anderm die Schuld geben.

Ist so ein Leben noch erstrebenswert?


e k o
rolf †
rolf †
Mitglied

Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von rolf †
als Antwort auf eko † vom 17.09.2010, 14:50:17
Wenn es maßgebend ist, ob ein Ermordeter wieder lebendig wird, wenn der Mörder bestraft wird, darf kein Mörder bestraft werden.
Durch Strafe wird keine Tat ungeschehen, also weg mit dem Strafgesetzbuch, weg mit Gefängnissen usw.
Wiedergutmachung kann, wie bisher, durch Zivilgerichte angeordnet werden, wobei natürlich in den meisten Fällen der Erfolg sehr gering sein wird.
bongoline
bongoline
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von bongoline
als Antwort auf olga64 vom 16.09.2010, 16:49:42
Ich denke, einigen der Hinterbliebenen aus diesem Amoklauf wird eine Verurteilung des Vaters sagen wir mal eine gewisse Genugtuung bereiten.

Aber ich denke, wie viel mehr könnte ein Strafgericht den Vater verurteilen als er und seine Familie sowieso schon unter der ganzen Situation erlebt. Ich denke, sehr viel frohe Stunden wird der Vater, sofern er ein gewisses Maß an Verantwortungsgefühl hat, nicht mehr haben.

Weiters denke ich, dass eigentlich vergessen wird, wieviele "Waffen" in Form von Mopeds, Motorrädern, Autos von den Eltern für ihre Sprößlinge gesponsert werden. Es hat alles seinen rechten lauf mit Lenkerberechtigung etc., aber sollte so ein Jugendlicher dann womöglich mal in eine Menschegruppe fahren und es mehrere Tote gibt, dann zieht man sicher nicht den Geldgeber für den fahrbaren Untersatz zur Rechenschaft, dass er sozusagen die "Waffe" dem Jungendlichen in die Hand gegeben hat.

Ich kenne nur die Selbstvorwürfe der Patin meines Sohnes, die ihrem Sohn zum 20. Geburtstag ein Motorrad finanzierte, der dann bei einem Überholmanöver mit den Gepäcktaschen am LKW hängen blieb und unter dem LKW zu Tode kam. Sie hatte keine ruhige Stunde mehr, immer die Vorwürfe, ich bin Schuld an dem Tod meines Sohnes. Jetzt war es nur der eigene Sohn, was, wenn er andere zu Tode gebracht hätte?

bongoline
hinterwaeldler
hinterwaeldler
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von hinterwaeldler
als Antwort auf eko † vom 17.09.2010, 14:50:17
Wenn ja, dann bestrafen. Aber das wird nicht der Fall sein.
geschrieben von eko

Ich bin zwar nicht der Richter, aber der Mann hat gegen das geltende Waffenrecht verstoßen. Damit ermöglichte er dem Sohn seine Tat. In dem Fall trifft zu: §211 Abs 2 http://dejure.org/gesetze/StGB/211.html und §27 StGB http://dejure.org/gesetze/StGB/27.html

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