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Aktuelle Themen Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?

chris
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Mitglied

Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von chris
als Antwort auf luchs35 † vom 16.09.2010, 17:28:36
Richter möchte ich in dieser Sache jedenfalls nicht sein. Und ich kann auch nicht sagen, welche Gefühle ich gegenüber dieser Familie hätte, wenn eines der Opfer aus meiner Familie stammen würde.
Rache? Hass? Mitleid? Es ist schwer, hier zu urteilen.



Liebe Luchsi,

soviel kann ich sagen, den Eltern der betroffenen Schüler hilft Rache nicht und auch
nicht Hass. Die Verurteilung lindert nicht den Schmerz um den Verlust des geliebten
Kindes.

Was helfen kann ist die Liebe und die Erinnerung an viele schöne gemeinsame Stunden.
Doch der Schmerz wird bleiben, er kann im Laufe der Zeit erträglicher werden.


Chris

Papa_Joe
Papa_Joe
Mitglied

Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von Papa_Joe
als Antwort auf hinterwaeldler vom 17.09.2010, 15:44:48
@hinterwaeldler

Hallo Hinterwäldler, Du zitierst ganz richtig: ....der Mann hat gegen das geltende Waffenrecht verstoßen........

Ich war ca. 15 Jahre begeisterter aktiver Sportschütze, zuerst mit der Sportpistole Cal. 22, danach mit dem Sportgewehr Cal. 22 in der 3er-Disziplin (liegend, stehend, kniend). Zu meiner aktiven Zeit konnte man voll Stolz darauf hinweisen, dass das Sportschießen eine der Sportarten mit der geringsten (!) Unfallziffer war. Man hat sich gegenseitig "vergattert", die Waffen so aufzubewahren, wie es Sicherheit und Bestimmungen vorgeschrieben haben.

Wer infolge Nichtbeachtung der ges. Bestimmungen so etwas Entsetzliches wie in Winnenden passiert ist, ermöglicht, muss unter Anwendung der entsprechenden Gesetze bestraft werden, schon als warnendes Beispiel für andere Waffenbesitzer.

Ich habe nach Winnenden meine Waffen im Landratsamt zur Vernichtung abgegeben, auch wegen meiner inzwischen 7 Enkel.

Papa Joe
Felide1
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von Felide1
als Antwort auf olga64 vom 16.09.2010, 16:49:42

Da ich selbst ein "Flintenweib " war, erlaube ich mir dazu meine Gedanken nieder zuschreiben.

Es ist klar die Waffen gehören so versorgt, dass kein Unbefugter dazu Zugang hat.

Der Vater war in meinen Augen was die Versorgung der Waffe anlangt nachlässig, aber hat er damit auch Schuld an dem Massaker, ich traue mich nicht hier eine Schuldzuweisung auszusprechen.

Der Sohn so wird gesagt, war schon sehr früh mit im Schützenverein also hat er den Umgang mit der Waffe gelernt und wußte damit umzugehen, somit hätte er sich sicher auch anderwärtig eine Waffe besorgen können.

Ich bin eher geneigt zu fragen, was hat den Burschen dazu gebracht das er so ein Massaker veranstaltet.Wer oder was hat dazu beigetragen das er so eine Wut entwickeln konnte um auf Menschen zuschießen.

Jede(r) Vater, Mutter ,)Opa und Oma muß froh sein wenn sich ihre Kinder Enkelkinder so entwickeln,dass sie nicht auf die schiefe Bahn kommen. Auch Einflüsse von ausserhalb der Familie können beitragen,das jemand abrutscht.



Felide

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hugo
hugo
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von hugo
als Antwort auf eko † vom 17.09.2010, 14:50:17
stimmt eko,,ich möchte weder in der einen noch in der Haut der Anderen stecken, egal ob Vater des Täters oder der Opfer,,

aber fraglich ist mir auch claras Version:

Außerdem gibt eine Verurteilung des Vaters den Hinterbliebenen der Opfer wenigstens eine gewisse Genugtuung, was von Psychologen als wichtig zur Trauerbewältigung angesehen wird. (Clara)

wenn der Gesetzgeber und die Richter die mit Genugtuung verbundene psychologische Trauerbewältigung als vorrangig betrachten müssten, dann haben wir bald wieder die Todesstrafe, dann brauchen wir auch keine Richter mehr, dann entscheidet der Wille oder Unwille der Hinterbliebenen das Strafmaß,,,brrr dann bekommen wir wieder die Blutrache,,oder ?

hugo
eko †
eko †
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von eko †
als Antwort auf Felide1 vom 17.09.2010, 16:41:17
Zitat felide:

"ich traue mich nicht hier eine Schuldzuweisung auszusprechen."


Das, Felide, ist der Dreh- und Angelpunkt.

Wer sagt, der Vater habe Schuld, weil er die Waffe nicht ordnungsgemäß weggeschlossen habe, macht es sich m.E. etwas zu einfach.

Aber so einfach liegen die Dinge wiederum auch nicht. Was überhaupt bislang noch gar nicht zur Sprache kam, ist die Tatsache, dass dieser junge Mordschütze in der Schule nicht zurecht kam. Man hat ihn gemobbt und gehänselt und das hat bei ihm einen Gefühlsstau bewirkt, der dann durch die Schießerei zum Ausbruch kam. Das Elternhaus war wahrscheinlich so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie nicht erkannten, welche Veränderungen in ihrem Sohn vor sich gingen.

Wenn man hier überhaupt von "Schuld" (welch entsetzliches Wort!) sprechen kann, dann sind auch seine Lehrer und seine Mitschüler mit daran "schuld", denn sie haben durch ihr Verhalten mit dazu beigetragen, diesen Jungen auf die furchtbare Bahn zu bringen.

Jetzt nur den Vater dafür büßen zu lassen, weil der die Waffe offen im Schlafzimmer aufbewahrt hat, finde ich etwas - pardon! - primitiv. Wäre der Junge von seiner Umgebung so angenommen worden, wie er es sich sicher gewünscht hatte, hätte auch eine offen herumliegende Waffe ihn sicher nicht dazu verleitet, diesen Amoklauf zu begehen.

e k o







adam
adam
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von adam
als Antwort auf hinterwaeldler vom 17.09.2010, 15:44:48
Wenn ja, dann bestrafen. Aber das wird nicht der Fall sein.

Ich bin zwar nicht der Richter, aber der Mann hat gegen das geltende Waffenrecht verstoßen. Damit ermöglichte er dem Sohn seine Tat. In dem Fall trifft zu: §211 Abs 2 http://dejure.org/gesetze/StGB/211.html und §27 StGB http://dejure.org/gesetze/StGB/27.html
geschrieben von eko


Momentan ist der Vater wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz angeklagt. Ob gegen ihn auch wegen fahrlässiger Tötung verhandelt wird, ist noch nicht entschieden.

Keinesfalls wird er wegen Mord oder Beihilfe zum Mord angeklagt werden. Beides hat er nicht getan.

--

adam


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loretta †
loretta †
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von loretta †
als Antwort auf adam vom 17.09.2010, 23:23:54


Ich meine die heutige Strafe, die seitens des Gerichtes verhängt wurde, ist nur für die Hinterbliebenen der Opfer eine Genugtuung.

Ich denke, dieser Vater ist schon genug gestraft, dass er seinen Sohn verloren hat und andererseits, dass dieser wiederum 15 Menschen getötet hat.

Dieser Mann wird wohl nie seinen Seelenfrieden wiederfinden, egal welche Prozesse mit welchen Strafen noch folgen. Das ist Strafe genug.

loretta
adam
adam
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von adam
als Antwort auf loretta † vom 17.09.2010, 23:38:14
loretta,

ich finde nichts von einem Urteil. Hab ich was verpaßt?

--

adam

loretta †
loretta †
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von loretta †
als Antwort auf adam vom 17.09.2010, 23:51:28

Neee? sorry, adam, dann hab mich wohl geirrt.

Jetzt fällts mir ein .... Berlin-Mahlsdorf. Das war der Typ, der das Mädel vergewaltigt und erstochen hatte, weil er es geil fand, diesen "kick" dabei zu haben.

Der hat heute lebenslänglich bekommen.

sorry, noch mal für meine Inkompetenz.

loretta



adam
adam
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Re: Wieviel Schuld hat der Vater des Amokschützen von Winnenden?
geschrieben von adam
als Antwort auf loretta † vom 17.09.2010, 23:58:13

Na, dann warten wir mal ab . Ein Urteil für den Vater des Amokläufers zu finden, das der Schuld entspricht und auch der Erwartungshaltung der Hinterbliebenen, wird wohl fast unmöglich sein.

Vielleicht wäre es für die Hinterbliebenen eine größere Genugtuung als die Bestrafung des Vaters, wenn endlich der Privatbesitz von Waffen verboten würde. Ehe ich eine Kausalität zwischen der Schuld des Vaters zur Tat des Sohnes ziehen würde, sollte auf die Mitschuld der Politik verwiesen werden, die dem Druck der Waffenlobby immer wieder nachgibt.

Waffen, schon gar keine großkalibrigen, gehören nicht in Privathände.

--

adam


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