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andere gesellschaftliche Themen Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung

Bremer Roland
Bremer Roland
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Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von Bremer Roland

Mein Name ist Rainer Schäffer und bin 73 Jahre alt und wohne in Bremen.

Seit 2015 bin ich im Ruhestand und kümmere mich seit dem um die Benachteiligungen der Generation 65+ in der KFZ-Versicherung. Mir fiel nämlich auf, als ich einen neuen Wagen zugelassen habe, dass die KFZ-Versicherung recht hoch war. Besonders stutzig wurde ich, als ich auf Spiegel-Online Ende August 2015 lesen musste, dass die KFZ-Versicherer zu den normalen Kfz-Prämien bei den Senioren bis zirka 100 Prozent Zuschläge erheben.

Das hat mich sehr erbost, so dass ich eine Petition im September 2015 an den Deutschen Bundestag verfasst habe. Nach hartnäckigen Einsätzen teilte mir der Petitionsausschuss mit, dass schließlich am 21.2.19  die Annahme der Petition vom Petitionsausschuss befürwortet worden ist. Der Bundestag hat die Petition zur Erwägung an die Bundesregierung (Bundesfinanzministerium) zur Stellungnahme gegeben.

Die Stellungnahme des Bundesministers für Finanzen (BMF) lag am 3.9.19 vor. Die KFZ-Versicherer müssen sich, wie die Bundesregierung mitteilt, ihre Tarife so kalkulieren, dass es nicht zu einer Altersdiskriminierung kommt und stimmt dem Petitionsausschuss zu, dass die altersabhängige Tarifierung transparenter werden sollte. 

Nunmehr wurde die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aufgefordert, entsprechende Analysen zu erstellen.

Jetzt ist die Arbeit leider nicht zu Ende, da die BaFin nicht mitteilt, was eigentlich analysiert wird und was viel wichtiger ist, ob unabhängige Sachverständige, Verbraucherschützer usw. an den Untersuchungen mitwirken. Bis jetzt hat der Gesamtverband der Versicherer (GDV) stets die "Feder" der BaFin und der Politiker geführt.

Nun soll es für heute genug sein. Weitere Details und Berichte folgen. Freuen würde ich mich über sachdienliche Hinweise, wofür ich mich schon jetzt bedanke.

hobbyradler
hobbyradler
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RE: Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von hobbyradler
als Antwort auf Bremer Roland vom 14.12.2019, 18:35:36

Fahranfänger sind häufig unsicherer als erfahrene Autofahrer, ihre Versicherungsprämie ist deshalb erhöht.

Bei alten Menschen kommt diese Unsicherheit für den Einzelnen schleichend, unbemerkt. Mancher mag das auch nicht wahrhaben.

Ich würde es begrüßen, wenn ab einem festen Alter Gesundheits - und Reaktionstests zum Behalten des Führerscheins festgelegt würden.

Sofern die Versicherungen nachweisen können, dass alte Menschen eine erhöhte Risikogruppe für das Verursachen von Verkehrsunfällen darstellen, berechtigt das auch eine höhere Versicherungsprämie.

Ciao
Hobbyradler
 

Bremer Roland
Bremer Roland
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RE: Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von Bremer Roland
als Antwort auf hobbyradler vom 14.12.2019, 19:31:11

Zu betrachten und zu vergleichen ist hier die homogene Gruppe von etwa 47,1 Millionen PKW-Halter (KBA) im Verhältnis zu der Teilmenge der ca. 9,7 Millionen Senioren ab 65 Jahren als PKW-Halter, die bei langjährigen unfallfreien Versicherungsverläufen von über 30 Jahren mit Zuschlägen bis ca. 100 % zur Vergleichsprämie unter 60 Jahren zur KFZ – Versicherung ohne nachgewiesenen Grund und/oder Anlass belegt werden.
 
Zwischen beiden vorgenannten Gruppen gibt es nach den bisherigen Erkenntnissen keine Unterschiede von solcher Art und Gewicht, die eine ungleiche Behandlung rechtfertigen können. Alle fahren einen PKW. Die Risiken und Wagnisse der Versicherungswirtschaft ergeben sich aus über 40 Einzel-Wagnissen, also mit dem Risiko des Betriebes von PKW‘s, LKW’s, Kräder, Bussen, E-Bikes usw.  im öffentlichen Straßenverkehr. Alle Personenkraftwagen gehören zu der Wagnisart 112 PKW der KFZ-Versicherer mit der die Gefahren und der Betrieb im öffentlichen Straßenverkehr für die KFZ-Halter einheitlich erfasst sind und bilden somit eine gleichartige homogene Risikogruppe.
 
Innerhalb der KFZ-Versicherung werden junge und alte Autofahrer zu Unrecht als Risiko eingestuft. Das Risiko verteilt sich innerhalb der etwa 47 Millionen KFZ-Halter.

Ein Beispiel: Die Hauptbeschuldigten PKW-Fahrer als Hauptverursacher an Unfällen mit Personenschaden (Lt. Stat. Bundesamt) sind am Risiko der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr lediglich mit ca. 0,076 % vertreten. Alle anderen Altersgruppen liegen höher.
 
Grafiken  JGS 2017 Anzahl Schäden und Euro Kopie.jpgDie Behauptung der KFZ-Versicherer die jungen und die alten KFZ-Halter sind die Hauptverursacher von Unfällen mit den meisten Schadenssummen kann mit den Statistiken des GDV zweifelsfrei widerlegt werden.

Unterstellt wird dabei oft eine Beeinträchtigung der Generation 65+. Sofern Senioren körperliche Einschränkungen haben und sie werden auffällig, muss das überprüft werden, ob der Verkehrsteilnehmer  noch fahrtüchtig ist oder nicht.

Um einer Diskriminierung der älteren Generation vorzubeugen, muss diese Prüfung alle Fahrzeugführer umfassen. Es ist im Interesse der Verkehrssicherheit unabdingbar, dass alkoholsüchtige, tablettenabhängige oder psychische aufgefallene Personen mit geistigen oder körperlichen Mängeln am öffentlichen Straßenverkehr auf ihre Verkehrstauglichkeit geprüft werden.  Dass Alter alleine kann nicht das Merkmal sein, dass jemanden die Mobilität genommen wird und darum nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.


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AnneG
AnneG
Mitglied

RE: Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von AnneG
als Antwort auf Bremer Roland vom 15.12.2019, 10:51:53

Hallo Bremer Roland,

ich finde es super, wofür du dich einsetzt. Auch deine Arbeit diesbezüglich finde ich toll.

Ich bin jetzt 60 J., und gebe schon seit ca. 10 Jahren zu, dass ich ganz langsam immer unsicherer beim Auto fahren werde. Manchmal kann ich es gar nicht fassen, denn Auto fahren war immer meine Leidenschaft.

Aber ich passe mich an: Fahre heute keine weiten Strecken mehr, fahre auf der Autobahn hinter einem LKW hinter her (wenn ich denn überhaupt auf die Autobahn muss), lege Termine in der Stadt auf dem Vormittag (da weniger Verkehr) und kaufe auf den angrenzenden Dörfern ein, da ich selber auf einem Dorf wohne (wo es aber keine Einkaufsmöglichkeiten gibt). 

Müsste ich noch mal einen Führerscheintest nebst fahren aufgrund des Alters machen, würde ich vermutlich durch fallen. Dann wäre ich hier in dem kleinen Dorf komplett aufgeschmissen. 

 

hobbyradler
hobbyradler
Mitglied

RE: Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von hobbyradler
als Antwort auf Bremer Roland vom 15.12.2019, 10:51:53

Da du dir so Mühe gibst, versuchte  ich das nach zu rechnen. Leider sind die Angaben zur Anzahl in den einzelnen Gruppen nicht gegeben. Lediglich 47,1 Millionen Halter insgesamt, davon 9,7 Millionen ab dem Alter von 65 Jahren.

Wenn ich mir nun mal die Unfallzahlen vorknöpfe, dann haben die Senioren 15% mehr Unfälle als der Rest, sofern ich den Rest als Einheit sehe.

Der Rest darf eigentlich nicht als Einheit gesehen werden, denn den Jugendlichen ist ja auch eine häufigere Unfallhäufigkeit vorzuhalten. Das würde bedeuten, dass die Gruppe der Senioren gegenüber den beiden mittleren Gruppen weit mehr als 15 % mehr Unfälle hat
 

Dass Alter alleine kann nicht das Merkmal sein, dass jemanden die Mobilität genommen wird und darum nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.

Das ist mir völlig neu, wer oder welche Institution fordert das?

Ciao
Hobbyradler
 
Alexs
Alexs
Administrator

RE: Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von Alexs
als Antwort auf Bremer Roland vom 15.12.2019, 10:51:53

Die Versicherungen rechnen doch mit ihren eigenen Schadensfällen. Versicherte im Alter von X kosten die Versicherung im Schnitt Y. Da sind absolute Zahlen überhaupt nicht wichtig.

SUV Fahrer zahlen deshalb auch mehr Beitrag als andere - nicht weil sie mehr Unfälle bauen, sondern weil die Kosten pro Unfall höher sind. Mit einem SUV macht man in der Regel mehr kaputt als z.B. mit einem Smart. Es ist wirklich so einfach...

Es sind also andere Statistiken, die für die Berechnung der Beiträge herangezogen werden. Mit Diskriminierung hat das nichts zu tun.


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Bremer Roland
Bremer Roland
Mitglied

RE: Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von Bremer Roland
als Antwort auf Alexs vom 15.12.2019, 17:52:55

Die Einteilung in Typklassen (SUV oder Smart) ist ein anderes Thema, genauso wie Regionalklassen.

Hier geht es um zwei Punkte:
1. Diskriminierung der Senioren über 65 Jahren durch eine anlasslose Gesundheitsprüfung. Wenn, muss es eine diskriminierungsfreie Prüfung bei entsprechendem Anlass für alle geben. 
2. Zahlung eines Zuschlages auf die Kfz-Prämie von etwa 6 % ab 65 Jahren bis über 100 % bei 80 Jahren, obwohl diese 30 Jahre und länger unfallfrei unterwegs sind.

Alexs
Alexs
Administrator

RE: Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von Alexs
als Antwort auf Bremer Roland vom 16.12.2019, 09:23:44

Ich denke, ich habe es ausreichend erklärt. Die Typklassen war nur ein Beispiel zur Veranschaulichung.
Das ist ein anderes Thema, welches jedoch ganz genauso gehandhabt wird.

heide
heide
Mitglied

RE: Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von heide
als Antwort auf Bremer Roland vom 16.12.2019, 09:23:44

Hallo Bremer Roland...
Du solltest hier wirklich mal von echten Zahlen sprechen, denn wenn ich mir zum Beispiel unsere Policen anschaue, so zahlt mein Mann - Alter 83, jährlich über 160 Euro mehr als ich 73 Jahre alt - und das, obwohl ich sogar VK versichert bin. Ich zahle übrigens unter 300 Euro jährlich, fahre einen kleinen BMW...unfallfrei.

Gruß
Heide

Bremer Roland
Bremer Roland
Mitglied

RE: Altersdiskriminierung in der KFZ-Versicherung
geschrieben von Bremer Roland
als Antwort auf heide vom 16.12.2019, 10:24:56

Gerne erkläre ich, wie man den Alterszuschlag seiner Kfz-Prämie ermitteln kann. Am Besten ist es, dass ein Vergleichsportal aufgerufen wird. Dazu legt man seinen Versicherungsvertrag und/oder letzte Prämienrechnung und seinen KFZ-Schein sowie Führerschein. Danach ruft man die Seite im Vergleichsportal für einen Versicherungswechsel auf. Nun werden die erforderlichen Daten eingegeben, die alle aus dem Versicherungsvertrag usw. zu ersehen sind.
Sie geben auch ein: Haftpflicht, Vollkasko usw. 

Nachdem die Angaben mit Ihren richtigen Daten eingegeben sind, lassen Sie das Vergleichsportal rechnen und sehen dann, welches Ihre Prämie zu Ihrem Alter ist (Notieren oder Seite ausdrucken).
Anschließend klicken Sie die Seiten rückwärts bis zu dem Geburtsdatum und geben zum Beispiel ein Datum mit 59 Jahren ein. Verändern dann das Datum des Führerscheins, was zum geänderten Geburtsdatum mindestens plus 18 passen muss.
Jetzt weiter klicken bis zum Berechnen. Hier wieder Zahlen merken oder ausdrucken. Jetzt sehen den Unterschied.

Da dieser Vergleich bei jedem Versicherungsnehmer individuell ist, kann man das auch nur einzeln berechnen lassen.

Ich füge noch Statistiken an, die solche Vergleiche zeigen.Zuschläge KFZ-Versicherung ACE Übersicht.jpg
FB Zuschlag 1.3.19.jpgEigener Prämienvergleich bei einem Marktführer bei sonst gleichen Voraussetzungen.


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