Forum Politik und Gesellschaft andere gesellschaftliche Themen Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft

andere gesellschaftliche Themen Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von Mareike
als Antwort auf aixois vom 19.10.2020, 15:41:44

Was beinhaltet der Begriff "Kultur".
Das lässt sich gar nicht so leicht in wenigen Sätzen definieren.

Rümelin hat sich bereits vor einem halben Jahr bemerkenswert geäußert: https://www.deutschlandfunkkultur.de/philosoph

In Krisenzeiten sollten wir nicht heftiger streiten, sondern den Konsens über Grundwerte stärken, so der Philosoph.

„Ich respektiere die andere Person als Bürgerin und Bürger. Wir reden miteinander. Wir versuchen, die Differenzen öffentlich zu klären. Wir führen Gründe an. Wir beschimpfen andere nicht, weil sie anderer Meinung sind. Und in der Tat, das erodiert gegenwärtig massiv.“

Durchwursteln ersetzt klare politische Haltung
Selbst in sehr stabilen alten Demokratien wie den USA und Großbritannien sei diese „Zivilkultur“ inzwischen beschädigt, meint Nida-Rümelin: „Ein Warnsignal!“ Mit Blick auf die deutsche Situation bemerkt er, die programmatischen Grundlagen politischen Handelns seien „im Zeichen eines pragmatischen Durchwurstelns“ seit Jahren hintangestellt worden:
„Bei allen Verdiensten, die die Bundeskanzlerin hat, haben wir jetzt eine lange Phase in ihrer Regierungszeit gehabt, in der das Argument, dass öffentliche Begründen, die Überlegung, wie die Dinge zusammenstimmen müssen, kaum noch eine Rolle gespielt hat. Und das fällt uns jetzt auf die Füße.“


Der südafrikanische Medizinanthropologe Cecil Helman hat Kultur 1984 in Bezug auf das Verhalten des Menschen definiert: es sei ein System von „Richtlinien“ für das Individuum als Mitglied einer bestimmten Gesellschaft.

Ein weites Feld ...

aixois
aixois
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von aixois
als Antwort auf Mareike vom 19.10.2020, 16:05:17

es wäre ja vielleicht schon mal was, wenn man von den hunderten Milliarden die für (u.a.) Großunternehmen verfügbar gemacht werden, sagen wir nur 1 oder auch nur eine halbe Milliarde für den kleinteiligen Kulturbetrieb, die Sängerinnen, den Pianisten, die Malerin, die 'Knaben'chöre (bei denen eine ganze 'Stimmbruchgeneration' ins Kontor schlägft) aber auch die anderen natürlich , usw. zur existenziellen Sicherung abgezweigt würden, bevor diese 'Kulturschaffenden' den  Beruf wechseln...

Corgy
Corgy
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von Corgy

Es ist ja bekannt, dass israelische Spezialärzte schon sehr häufig sehr schwer kranken, auch mittellosen Palästinensern geholfen und das Leben gerettet haben. Jetzt sah ich auf BBC heute Mittag, dass der schwer an Covid-19 erkrankte Generalsekretär der PLO, Saeb Erekat,  seit heute in einem israelischem Krankenhaus in Jerusalem behandelt wird. Sein Zustand ist sehr kritisch. Der Mann hatte vor einigen Jahren eine Lungentransplantation und sein Immunsystem ist deshalb besonders empfindlich. Nachdem sein Zustand sich dramatisch verändert hatte, brachte man ihn nach Israel. 

Abgesehen davon, das ich sowohl dem erkrankten Politiker als auch den Israelis wünsche, dass er gerettet und geheilt werden kann, ist das doch eigentlich eine Nachricht, die so wichtig ist, auch für die Beziehungen der Länder unter einander. Meine Meinung. 

Ob sich umgekehrt wohl ein hochrangiger israelischer Politiker in ein Krankenhaus begeben würde? Nicht wegen der guten Ärzte, die es auch da gibt - aber wegen seiner Sicherheit? Und warum wurde er nicht nach Kairo oder Saudi Arabien geflogen, zu den Gesinnungsbrüdern? Nein, wir müssen das gar nicht diskutieren. Ich denke jedoch, die ständigen Streitereien und das Säbelrasseln hört in einem solchen Moment endlich einmal auf und vielleicht denken auch die Hardliner auf Palästinensischer Seite ein wenig um, wenn Saeb Erekat geheilt heim kommt.  

Hier ein Artikel in den BBC News. Ich bin gespannt, ob ZDF und ARD auch davon berichten werden.


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Edita
Edita
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RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von Edita
als Antwort auf Mareike vom 19.10.2020, 16:05:17
Was beinhaltet der Begriff "Kultur".
Das lässt sich gar nicht so leicht in wenigen Sätzen definieren.

Rümelin hat sich bereits vor einem halben Jahr bemerkenswert geäußert: https://www.deutschlandfunkkultur.de/philosoph

Ein weites Feld ...
Ja Mareike - ein weites Feld, aber so weit wie Du es verortest, ist es nun doch nicht und warum wundert es mich nicht, daß Du ausgerechnet einen Aufsatz von Rümelin verlinkst, der nur seine Ansicht über unsere Demokratie, den Extremismus und die Kanzlerin darlegt, aber nichts über "Kultur", Du es aber so auslegst!
Es ist natürlich verlockend politische Ansichten unter Kultur zu verorten, ist aber falsch, weil Politik immer im Interesse eines Staates liegt und politische Bildung dient dem Verstehen der Politik, sie wird betrieben um die Menschen zu befähigen, politische Entscheidungen zu beurteilen, zu verstehen und zu treffen, und damit zu BÜRGERN zu machen, und das BÜRGERSEIN liegt im Intersse des Staates, in unserem Falle des demokratischen Verfassungsstaates, ergo gehört Politik in  staatliche Anliegen und ist kein menschliches Anliegen, Kultur aber ist alles was der Mensch hervorbringt oder schafft, und daß das schützenswert und erhaltungswert sei, und genau das hat Aixois wohl gemeint und nicht die poltischen Grundwerte, das Versagen der Politik oder die Unfähigkeit der Kanzlerin!

Edita
 
RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von Mareike
als Antwort auf Edita vom 20.10.2020, 08:45:35

Beachte bitte das von mir fett Geschriebene!
Wie werden Bürger zu Bürgern, die Solidarität leben, die achtsam sind im Umgang mit Mensch und Tier, die einen Sinn entwickeln für Lebens-Gemeinschaften?

Das, was Axois zur Sprache bringt, sind Ausdrucksformen der Kultur und so vielfältig, wie die Menschen nun mal sind.

Clematis
Clematis
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von Clematis
Ich kann hier keinen Beitrag zu diesem Thema schreiben
und den Begriff "Kultur" erörtern.

Nur:  Das Wort Kultur kränkelt, es wird zu häufig an banale
Hauptwörter angehängt, um sie gewichtiger scheinen zu lassen.

Wir sollten sparsamer damit umgehen.
Dann könnte der Begriff auch wieder klarer werden.

Clematis





 

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Edita
Edita
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von Edita
als Antwort auf Mareike vom 20.10.2020, 09:34:15

Das was Aixois zur Sprache bringt - sind KÜNSTLER, die selbstverständlich auch Bestandteil von Kultur sind und sie auch weiterbringen und weiterentwickeln, ....... nicht immer aber meistens, und er bedauert, daß sie im Rahmen der WIRTSCHAFTSHILFEN schlicht "vergessen" wurden ........ vielleicht auch bewußt ignoriert, wer weiß das schon ......  

Zitat Aixois:
........ die Sängerinnen, den Pianisten, die Malerin, die 'Knaben'chöre (bei denen eine ganze 'Stimmbruchgeneration' ins Kontor schlägft) aber auch die anderen natürlich , usw. zur existenziellen Sicherung abgezweigt würden, bevor diese 'Kulturschaffenden' den  Beruf wechseln...


Edita
olga64
olga64
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von olga64
als Antwort auf Edita vom 20.10.2020, 10:01:19

Ich vermisse es sehr, dass wir seit Monaten nicht mehr ins Theater, ins Konzert und ins Kino gehen können. Teilweise ist das ja wieder möglich, aber es widerstrebt uns, mit Mundschutz in der Vorstellung sitzen zu müssen und die Furcht vor Ansteckung doch der ständige Begleiter ist.
Wir lesen seit Monaten noch mehr als wir es immer getan haben und darüberhinaus wird das persönliche Gespräch auch immer wichtiger, um sich gedanklich auszutauschen. DAs empfinden wir auch als positiv.
Soweit ich informiert bin, werden auch Menschen im künstlerischen Bereich staatlich unterstützt; bzw. steht ihnen immer die Grundsicherung zu, wenn sie die Voraussetzungen dafür erfüllen (also nicht zu viel eigenes Kapital besitzen ,dass sie logischerweise zuerst mal aufbrauchen sollen, bevor der Steuerzahler einspringt).
Dafür müssen natürlich Anträge gestellt werden und ich bin oft verwundert ,dass manche, die etwas wollen und brauchen, dies anscheinend als Zumutung empfinden.
Das Geld fällt ja nicht vom Himmel, sondern kommt von denen, die Steuern bezahlen - wäre vielleicht gar nicht so schlecht, daran immer mal zu denken.

Bei Geschäften und Restaurants wundert es mich darüberhinaus sehr,dass diese - auch wenn sie in exponierten Grossstadtlagen liegen und bis zu Corona sehr erfolgreich waren (diesen Anschein jedenfalls vermitteln wollten), anscheinend nie Rücklagen gebildet hatten, die es ihnen auch ermöglichen, mal eine Durststrecke zu überwinden.
Die Mitarbeiter solcher Unternehmen erhalten aufgrund der ARbeitslosenversicherung Kurzarbeitergeld, aber halt auch nur, wenn sich solche Unternehmen nicht darauf beschränken, nur 450Euro-Jobs anzubieten. DA hierfür keine Sozialleistungen fällig werden, gibt es dann leider auch nichts im Ernstfall. Das wussten aber alle Beteiligten schon, bevor der Ernstfall eingetreten ist - vielleicht lernen sie ja darauf für die Zukunft. Olga

karl
karl
Administrator

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von karl
als Antwort auf aixois vom 19.10.2020, 12:56:14

Lieber @aixois,
Lieber @Der-Waldler

ich denke, dass Nida-Rümelin richtig erkannt hat, wie kritisch sich die Corona-Krise für das gesellschaftliche Gefüge in der westlichen Welt auswirkt. Unterschiedliche Teile der Gesellschaften kommen nämlich bisher sehr unterschiedlich gut durch die Krise.

Die rein medizinischen und sozialen Probleme lasse ich jetzt einmal vor - hier sind Rentner und Pensionäre aufgrund ihres Alters benachteiligt - und fokussiere mich allein auf die wirtschaftlichen Aspekte. Die jüngeren Generationen tragen wirtschaftlich eindeutig die höhere Last. Es sind ihre Arbeitsplätze und ihre Altersversorgung, die in Gefahr geraten sind.

Es trifft auch die reichen Schichten deutlich weniger als die armen Teile der Bevölkerung, die unverändert ihre Miete zahlen müssen.

Während viele Arbeiter und Angestellte in Teilzeit arbeiten, wird der strukturelle Wandel nicht zuletzt dadurch beschleunigt und die Digitalisierung erlebt insgesamt einen ungeahnten Schub. Der Strukturwandel läuft in Zeitraffer vor unseren Augen ab.

Z. B. unsere Autoindustrie kämpft ums Überleben. Sie hat in ihrer Überheblichkeit zusammen mit einem bescheuerten Verkehrsminister die Zukunft verschlafen und versucht jetzt krampfhaft, wach zu werden. Derweil wandert das Kapital der Reichen weg von den deutschen Automarken, hin zu den amerikanischen und chinesischen Elektroautoproduzenten wie Tesla, Nio, BYD. Überhaupt erfährt neue Technologie eine enorme Aufwertung, aber partizipieren tun hier nur diejenigen, die das Kapital haben zu investieren.

Die Corona-Krise erhöht somit die Spannungen in der Gesellschaft, vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich.

Noch kurz zur Anmerkung "Taxi ja, Robo nein". Ich bleibe hier bei meiner anderen Meinung. Der Vorteil der Autonomisierung des Fahrens liegt ja vor allem auch in der Erhöhung der Sicherheit bei gleichzeitigem Senken der Kosten. Möglich, dass starke Gewerkschaften noch das Mitfahren eines Taxifahrers für einige Jahre erzwingen können, aber wirkliche Zukunft hat das nicht.

Karl

karl
karl
Administrator

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von karl
als Antwort auf pschroed vom 19.10.2020, 12:57:22
...

Die Elektromobilitat wird meines Erachtens schnell an ihre Grenze stossen, vielleicht wird der Wasserstoffantrieb an Sympathie weiter gewinnen und die Reichweite der Autos erhöhen und somit als Entspannung fur viele Autofahrer, Handwerker, Reiseunternehmen sorgen.

... 
Lieber @pschroed,

auch wasserstoffgetriebene Autos werden über einen Elektromotor angetrieben. Der Wasserstoff ersetzt nur die Batterie. Autonomes Fahren ist zudem von der Antriebsart völlig losgelöst zu betrachten.

Karl

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