Forum Politik und Gesellschaft andere gesellschaftliche Themen Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft

andere gesellschaftliche Themen Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft

ingo
ingo
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von ingo
als Antwort auf karl vom 19.10.2020, 12:01:46

Du hast Dir sehr viel Mühe gemacht und nüchtern zusammengefasst, was uns erwarten kann/wird. Vielen Hypothesen schließe ich mich an; aber es sind halt nur annahmen/Vermutungen/Wahrscheinlichkeiten. Angesichts Deines Beitrages traue ich mich, einen Gedanken zu äußern, den ich seit Kurzem habe: Der derzeitige gesellschaftliche Zustand kommt, wenn/falls es zu sehr vielen Geschäftspleiten und Kündigungen kommt, ziemlich nahe an die Nachkriegszeit heran. Ein direkter Vergleich ist nicht möglich, weil Länder nicht durch Bomben zerstört sind; aber dafür trifft die Pandemie die ganze Welt; und das ist mindestens so schlimm, wie der Weltkrieg.
Für mich ganz persönlich gibt's noch einen Gedanken: Derzeit scheint es so, als würde eine Infektion nicht zu einer Dauerimmunität führen. Haben wir bei Grippe zwar auch nicht; aber Covid ist tödlicher. Ich bin jetzt 76 und befürchte, dass ich für den Rest meines Lebens nicht mehr so frei leben kann, wie bisher. Um auf Euer Auto zurückzukommen: Wenn ich an der Haltestelle stehe und die Autos vorbeifahren sehe, beneide ich sie für dieses kleine Stückchen persönlicher Freiheit und denke wehmütig an mein Auto zurück, das ich vor ca.  6 Jahren habe verschrotten lassen 😩

karl
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Administrator

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von karl
als Antwort auf Nelia vom 19.10.2020, 13:12:36
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Pkt 3: Klimaveränderungen in gravierenden Umfang erfolgen in einem sehr großem Zeitraum, und natürlich ständig. Unser Einfluss auf eventuelle Beschleunigungen wäre fast eine extra Diskussion wert. Hier wo unser Haus steht, war schon mal Meer und dann 7m dickes Eis. Daher ist eigentlich der Boden eher unfruchtbar und muß mühsam gepäppelt werden, um zu ernten. Wie sind eigentlich die derzeitigen Werte von Stuttgart? Wesentlich besser? Stuttgart ist ja schon vor Corona mit Fahrverboten aktiv gewesen.
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Ich möchte jetzt eigentlich nicht in die Diskussion eintreten, ob der Klimawandel menschengemacht ist. Dass es schon immer Klimawandel gab, ist bekannt, aber auch früher schon war das Leben auf dieser Erde daran beteiligt (nicht nur die Physik der Sonne, Vulkanismus etc.). Es geht um den Beitrag, den der Mensch derzeit leistet, um das Klima zu verändern. Dass er dies tut wird unter Wissenschaftlern nicht bestritten. 

Wie sich Corona auf die Umwelt auswirkt, kann man z. B. bei GEO nachlesen. Die Effekte sind nicht nur positiv (Luftverschmutzung), sondern es gibt auch negative (vermehrter Plastikverbrauch).
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Pkt 4: China wird eher diktatorisch geführt und ich bin mir nicht so sicher, ob die Krise nicht aus ideologischen Gründen statt wissenschaftlichen beendet wurde. Ich würde es eher nicht mit D vergleichen.

Pkt 5: Machtverschiebungen deuten sich an, noch wabert alles hin und her, auch innerhalb Europas. Was ich persönlich gut finde. Eindeutige Machtgefüge sind für die Gesellschaft nicht unbedingt entwicklungsfähig.
China hat nicht das Gesellschaftsmodell, das mir gefällt, aber diese meine Feststellung ändert nichts daran, dass China offensichtlich (zumindest bisher) als absoluter Gewinner aus der Krise hervorgeht. Leider scheint dies der Tatsache geschuldet zu sein, dass es eine Diktatur ist, die ganze Landstriche komplett abriegeln konnte. Chinas Wirtschaft wächst wieder rasant und der sowieso erwartete Sturm an die Spitze der Weltwirtschaft ist durch Corona enorm beschleunigt worden, insbesondere weil die USA gleichzeitig in dieser Krise so kläglich versagt haben.

Karl
aixois
aixois
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von aixois
als Antwort auf karl vom 22.10.2020, 12:13:54

Die KI-Folgenabschätzung besonders auf low-tech Arbeitsplätze ist - wie allseits bekannt - ein  Thema, das weitgehend an der Öffentlichkeit vorbeigeht. Ich bin kein Gegner selbstfahrender Fahrzeuge, wohl aber einer weiteren Präkarisierung der Arbeit, i.e. dem Entstehen einer - jetzt mal überspitzt gesagt - neuen Dienstleistungskast, selbst wenn sie, einkommensmäßig,  weit oberhalb eines 'Lumpenproletariats' anzusiedeln wäre. Solange Arbeit ein Kostenfaktor ist, werden alle Mittel eingesetzt, um sie zu minimieren. 

'Meine' Riksah kann ich mir gut in Fußgängerbereichen vorstellen, rob-cars eher weniger.


Ich teile die Besorgnis einer aufkommenden Krise der Gesellschaft durch das Virus,  die Nida Rümelin anspricht. Ich sehe aber nicht, wie die Diskrepanz der Werte "Gesundheit"/"Leben" vs. "Wirtschaftswachsstum" überwunden werden könnte. Rümelin übrigens auch nicht.
Gibt es da irgendwo ein Gleichgewicht der Schadensaufrechnungen ?

Sicher ist, dass wenn das Virus nicht unter Kontrolle gebracht werden kann, die Wirtschaft auch ohne jegliche Einschränkungen Schaden nehmen wird (Ausfall von Nachfrage und systemrelevantem, nicht sehr schnell ersetzbarem qualifizierten Personal).
Ob der schwedische Weg da einen Kompromiss darstellen kann, bezweifle ich. Auch dort gehen die Zahlen nach oben mit bald  einer dreifach höheren Mortalität als in DE.


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JuergenS
JuergenS
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf karl vom 22.10.2020, 12:13:54
....unter anderem....:

Noch kurz zur Anmerkung "Taxi ja, Robo nein". Ich bleibe hier bei meiner anderen Meinung. Der Vorteil der Autonomisierung des Fahrens liegt ja vor allem auch in der Erhöhung der Sicherheit bei gleichzeitigem Senken der Kosten. Möglich, dass starke Gewerkschaften noch das Mitfahren eines Taxifahrers für einige Jahre erzwingen können, aber wirkliche Zukunft hat das nicht.

Karl
geschrieben von karl
kann sein, aber die Jahre könnten sich auch sehr hinziehen, apre nous wahrscheinlich, zumindest nach mir.

Denn das ganze ist ja nicht nur Fahrzeugtechnik, sondern lenkung von da "droben", das erfordert ein Netz wie Internet, das muß finanziert werden, eine echter globalläufer.
olga64
olga64
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von olga64
als Antwort auf karl vom 22.10.2020, 12:37:51
....
 
 
China hat nicht das Gesellschaftsmodell, das mir gefällt, aber diese meine Feststellung ändert nichts daran, dass China offensichtlich (zumindest bisher) als absoluter Gewinner aus der Krise hervorgeht. Leider scheint dies der Tatsache geschuldet zu sein, dass es eine Diktatur ist, die ganze Landstriche komplett abriegeln konnte. Chinas Wirtschaft wächst wieder rasant und der sowieso erwartete Sturm an die Spitze der Weltwirtschaft ist durch Corona enorm beschleunigt worden, insbesondere weil die USA gleichzeitig in dieser Krise so kläglich versagt haben.

Karl
geschrieben von karl
Ich sehe das genauso - aber welches Land weltweit hat (mit wenigen Ausnahmen) ein wirklich korrektes und einwandfreies Gesellschaftsmodell?
China ist das Land der Zukunft und nur darum geht es der kommunistischen Partei und deren Führer, die sich ebenfalls auf Lebenszeit ernennen. Damit soll in China natürlich auch historisch vieles wieder gut gemacht werden ,was dieses Riesenland über sehr lange Zeit auch erleiden musste.

Chinas Wirtschaft wächst und auch wir in Deutschland können daran profitieren. Unsere wichtigste Industrie (Automobil, Chemie usw.) sind seit vielen Jahren dort mit vielen Werken vertreten. Das hat auch einen Feedback auf Deutschland und auch Europa.
Chinas Wirtschft wächst trotz der jahrelangen Nadelstichpolitik des Herrn Trump.
Den USA wird eine Erholung der Wirtschaft frühestens ab 2024 vorhergesagat - bis dahin werden Millionen Amerikaner sehr arm werden und sich weitere Unruhe an diesen Tatsachen entzünden. Olga
Der-Waldler
Der-Waldler
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von Der-Waldler
als Antwort auf aixois vom 22.10.2020, 13:05:56
Ich sehe aber nicht, wie die Diskrepanz der Werte "Gesundheit"/"Leben" vs. "Wirtschaftswachsstum" überwunden werden könnte. Rümelin übrigens auch nicht.
Gibt es da irgendwo ein Gleichgewicht der Schadensaufrechnungen ?
 

Ich glaube, das ist der Kern des Problems. Und ich frage mich immer besorgter, ob man nicht irgendwann doch dem "Durchseuchen" freien Lauf lassen wird...

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aixois
aixois
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von aixois
als Antwort auf Der-Waldler vom 22.10.2020, 16:47:41

ob sich das die Mehrheit der Gesellschaft gefallen liesse , die 'Wirtschaft' ganz sicher nicht.

Denn das immunisieren der Herde braucht entweder Zeit oder verläuft so exponentiell, dass die angerichteten Schäden an Leib und Leben , ein einfaches "Wiederhochfahren" auf längere Zeit ausschliessen würden.

Entschlossenes und rasches Handeln, das für eine erfolgreiche  Bekämpfung einer Epidemie unabdingbar ist, kann -auf begrenzte Dauer- nicht vereinbar sein mit der Normalität  einer uneingeschränkten  Ausübung demokratisch-freiheitlicher Rechte. Wobei die vornehmste Aufgabe des Staates ist, die Rechte seiner Staatsbürger zu schützen und durchzusetzen, wobei die Wahrung der Würde des Menschen an erster Stelle kommt.

Das heisst aber, dass der Bürger auf einen Teil seiner Rechte verzichten muss, immer aber im Vertrauen darauf, dass die Staatsorgane sich an Recht und Gesetz halten und dieses zeitweise Abtreten von Rechtsansprüchen nicht missbrauchen. Außerdem gäbe es ja immer noch die Gerichte, die korrigierend eingreifen könnten.

Ich bin kein Anhänger des freien 'Laufenlassens', das widerspräche  den Goldstandards der Seuchenhygiene und -bekämpfung. Mir fällt kein Beispiel ein, wo eine Krankheit ohne jegliches Zutun des Menschen von alleine, nur durch eine "Durchseuchung" (Ansteckung) von gut 2/3 der Bevölkerung zum Verschwinden gebracht worden wäre.

Da man bis heute noch nicht weiss (wissen kann) wie sich SARSCoV2 verhält und wie das mit der Immunisierung aussieht,käme das einem gigantischen , hochriskantem Menschenexperiment gleich.

Man kann sicher vieles an den auferlegten Einschränkungen  kritisieren. Das sie rein willkürlich und grundlos waren, und es keine Korrekturen gegeben hätte,  ist eine haltlose Behauptung. Die Parteien sind gegen das "Durchregieren" (was immer damit gemeint ist) , wollen jetzt ihre Rechte wieder wahrnehmen, weil die Zeit der eiligen Entscheidungen vorbei sei, es braucht wieder viele Stunden gründlicher Debatte, Ausschüsse mit besseren Experten, um besser zu entscheiden  usw.

Aber was soll besser entschieden werden ? Eine Mehrheitsabstimmung z.B. ab wann, wo, die Sperrstunde gelten soll, oder ob sich 10,15, 25, 50 .... Leute in der Öffentlichkeit treffen dürfen oder wie die Abstände für Chöre sein sollen .... ?  Dass da die Fraktionen, die bisher ohne Rollen- Selbstverständnis in der Coronakrise waren, bessere Beschlüsse treffen werden, darf bezweifelt werden. Es wird eher zu noch mehr Verunsicherung in der Verwaltung kommen und damit  letztlich zu noch mehr (sich absichernder) Bürokratie. 

JuergenS
JuergenS
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von JuergenS

Ich hab das Gefühl, angeregt durch vieles, Fakten, Widersprüche, Diskussionen hier bei ST, dass es an ein Wunder grenzen würde, wenn Deutschland langfristig besser wegkommt als die Staaten, die uns umgeben, wie Tschechien, Italien etc.etc., weil es keine Insel auf Dauer geben kann, die Ansteckung lauert überall.

Und ob man das Ansteckungs-Geschehen auf Dauer bei uns minimieren kann, die Zahl der Toten, vergleichsweise deutlich niedrig halten kann, es wird sich zeigen.

Wenn die WElt global ist, dann auch bei corona.

Ob es je einen berechtigten "Schäfflertanz" geben kann/wird, wer weiss.

Noch bündelt sich der Globus nicht gemeinsam gegen diese Seuche, diese Veränderung wäre vielleicht die größte Erwartung gemäß Überschrift, die da heisst:

"Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft"

schorsch
schorsch
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von schorsch
als Antwort auf Der-Waldler vom 22.10.2020, 16:47:41
.......Und ich frage mich immer besorgter, ob man nicht irgendwann doch dem "Durchseuchen" freien Lauf lassen wird...
Das wird sich dann der letzte Überlebende wohl auch fragen!? (;-))
olga64
olga64
Mitglied

RE: Die Corona-Krise verändert unser Verhalten und die Gesellschaft dauerhaft
geschrieben von olga64
als Antwort auf Der-Waldler vom 22.10.2020, 16:47:41
Ich sehe aber nicht, wie die Diskrepanz der Werte "Gesundheit"/"Leben" vs. "Wirtschaftswachsstum" überwunden werden könnte. Rümelin übrigens auch nicht.
Gibt es da irgendwo ein Gleichgewicht der Schadensaufrechnungen ?
 

Ich glaube, das ist der Kern des Problems. Und ich frage mich immer besorgter, ob man nicht irgendwann doch dem "Durchseuchen" freien Lauf lassen wird...
Die BEispiele der Länder, wo dies bisher praktiziert wurde, sind nicht sehr motivierend, wenn man auf die Todeszahlen sieht. Z.B. die Zahlen in Schweden, in Relation gesetzt zu der Bevölkerungszahl und auch BEvölkerungsdichte,die ja in Schweden viel geringer ist als z.B. in Deutschland.
Aber ich denke,dass dies alles abhängig sein wird, wann es einen Impfstoff gibt. Aus dem Gesundheitsministerium ist heute zu hören ,dass dieser zB. Anfang nächsten Jahres Freigabe erhalten könnte,dann aber die logistischen Probleme beginnen. Bis zu einer relativ hohen Durchimpfung z.B. der deutschen Bevölkerung würden wiederum mindestens 1/2 Jahr vergehen und in dieser Zeit stecken sich die Leute natürlich weiter an.
Und dabei betrachten wir nur unser Land - bis z.B. 8 Milliarden Menschen einigermassen durchgeimpft werden können, dürften Jahre vergehen. Hinzu kommt hier auch noch das grosse Problem, dass z.B. arme Länder Probleme haben werden, an den Impfstoff überhaupt zu kommen, weil sich die grösseren Mengen bereits die finanzstarken Nationen reserviert haben.

In einer Studie an einem Impftoff ist erstmals ein Todesfall dokumentiert worden; in Brasilien starb ein 28-jähriger  Mann, der an einem Test des Pharmakonzerns Astra Zeneca teilgenommen hat. Details wurden noch nicht mitgeteilt. Normalerweise laufen hier sog. Blind-Tests ab; eine Probandengruppe erhält das Vakzin, die andere ein Placebo. Der Kreis, der über diese Zuordnungen Bescheid weiss, ist sehr gering.

Allerdings sollte man auch bedenken, dass die Unternehmen ca 50 - 60.000 Teilnehmer als Probanden in ihre Studien einschliessen. Das entspricht der Grösse von Kleinstädten. Und so, wie in solchen Städten regelmässig Menschen erkranken, können auch bei Probanden jederzeit Probleme auftreten, die nicht immer ursächlich mit der Studie im Zusammenhang stehen müssen. Olga

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