Forum Wissenschaften Anthropologie / Psychologie ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,

Anthropologie / Psychologie ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,

olga64
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Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von olga64
als Antwort auf Edita vom 20.08.2014, 16:30:32
Zu Befehl - habe ich nun gelesen. ABer ist eine Analyse aus 2011 eines einzelnen Menschen wirklich so,dass sich die Nation hier zum Marsch in die Institutionen aufmachen sollte? Es würde schon helfen, unsere Familienministerin zu motivieren, wenngleich die ja aufgrund der Länderzuständigkeiten auch nur begrenzte Kompetenzen haben dürfte. Ich denke,dass die Eltern als erste Adresse für ihre Kinder verantwortungsvoller mit ihrem Nachwuchs umgehen müssen und nicht an die Lehrer delegieren sollten. Olga
Edita
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Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von Edita
als Antwort auf olga64 vom 20.08.2014, 17:04:50
Ich denke,dass die Eltern als erste Adresse für ihre Kinder verantwortungsvoller mit ihrem Nachwuchs umgehen müssen und nicht an die Lehrer delegieren sollten.
geschrieben von Olga


Liebe Olga, ich denke, daß sie das auch höchst ungern tun, ich zitiere aus dem ZEIT-Artikel :

" Becker: Sie wollen den schulischen Abstieg des Kindes verhindern – mit allen Mitteln."

" Eltern empfinden die Schule als ein System, das auf das Leben ihrer Kinder enormen Einfluss hat, das sie selbst aber kaum beeinflussen können. Diese Situation hat etwas Bedrohliches. Und wenn dann von der Schule ständig Beschwerden kommen und die Eltern zum Handeln aufgefordert werden, bleibt ihnen nach dieser Logik gar nichts anderes übrig, als bei ihrem Kind anzusetzen. "

Ich denke, diese beiden Zitate zeigen eindeutig, daß Eltern die Art der Erziehung und Betreuung eben nicht freiwillig an die Lehrer delegieren, sondern sie handeln so aus Angst, sie könnten ihrem Kind schaden, wenn sie dem Lehrer widersprechen!

Edita
olga64
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Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von olga64
als Antwort auf Edita vom 20.08.2014, 17:23:23
Auf eine gewisse BEvölkerungsschicht mag das zutreffen - bei den anderen, den akademischen ist es aber umgekehrt. Da werden ja Lehrer juristisch belangt, wenn die süssen Kleinen schlechte Zensuren erhalten und bei Elternabenden niedergebrüllt, wenn sich die Lehrer erlauben, ihre Sicht der Dinge zu schildern. In unserer Familie gibt es ja viele Lehrer, die dies seit Jahren recht frustriert berichten. DAs grosse Übel ist, dass unser Bildungssystem nach wie vor föderal aufgebaut ist und jedes Bundesland und sei es noch so klein, eigene Gesetze haben kann, so unsinnig sie auch sein mögen.
Was gesellschaftlich für mich immer unbegreiflicher ist, ist die Tatsache, dass es immer weniger Kinder gibt und noch weniger geben wird und die Eltern der wenigen anscheinend nicht mit diesen umgehen können oder überhaupt bereit sind, dies zu tun. Mir tun Kinder, die heute aufwachsen, schon lange leid und es kommt auch nicht von ungefähr, dass sie sich abschotten hinter ihren Computern, Smartphones und innerhalb ihrer eigenen Freundeskreise. Was werden das wohl mal für seltsame, autistische Erwachsene? Olga

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Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von sirod49
als Antwort auf Edita vom 19.08.2014, 14:46:33
ADHS,
davon wurde bei uns damals in der ehemaligen DDR nicht gesprochen, war mir jedenfalls nicht bekannt.
Mir wurde gesagt und bescheinigt, dass mein Kind verhaltensgestört wäre.
Die Klassenlehrerin wies mich darauf hin, dass das Kind nicht “normal” wäre und ich sollte es doch bitte beim Arzt vorstellen, es sei zappelig und unkonzentriert.

Mir wurde ärztlich bescheinigt, dass mein Kind verhaltensgestört ist und eine mögliche Ursache der Verhaltensstörung könnte folgender Grund sein:
Bei einem 8 Monatskind sei das Großhirn noch nicht voll entwickelt. So etwa ab der Pubertät könnte man damit rechnen, dass die “normale geistige Entwicklung” erreicht wäre…

Das Kind wurde viele Jahre, mit Medikamente “ruhig gestellt“, (lauter rötliche Pillen, den Namen weiß ich nicht mehr) damit es in der Schule nicht den Unterricht stört und besser,konzentrierter mitarbeitet.
Unter Einwirkung dieser damaligen Medikamente war ein normales Lernen erst recht nicht gegeben und die Lernbereitschaft und Mitarbeit versagte mehr und mehr.

Ich glaube, die Nebenwirkungen der Medikamente haben im damals kindlichem Körper mehr Unheil angerichtet.

Leider war ich zu gutgläubig, ich kann es nicht mehr rückgängig machen.

Aus diesen eigenen Erfahrungen bin ich gegen eine übermäßige Medikamentengabe bei überaktiven Kindern, denn es ist sicher nicht alles krankhaft.

In der heutigen Zeit wird häufig von ADHS gesprochen, wenn Kinder verhaltensauffällig sind und ein “Abschieben” in eine Förderschule ist in meinen Augen nicht immer der richtige Weg, denn ein Zurück in eine andere Schule ist später wohl nicht möglich, glaube ich.

Kinder, die Kindereinrichtungen besuchen, sind schon immer und heute noch mehr, einem hohen Stress ausgesetzt. Nicht jedes Kind verkraftet zu große Gruppen mit entsprechenden Lautstärken wie lautes Kindergeschreie, oder auch lautstarkes Gedröhne aus dem Radio (hören wir selbst oft vom Schulhort hier im Wohnort) und auch überfüllte Räume und lange, aufregende Computerspiele, u. s. w.
Sie wollen aber mithalten können und dies kann sich dann als ungewünschtes Verhalten äußern.

Der Tagesablauf der Kinder in den Kindergärten, Schulen, Schulhort gibt den Kindern heute kaum eine Chance, das Gemüt mal etwas runter zu fahren und das ist aber so wichtig.

Ich würde bei verhaltensauffälligen Kindern die Ursachen nicht nur im Elternhaus, sondern auch in den entsprechenden Kindereinrichtungen (auch schon Kindergarten!) suchen wollen. Ich habe schon mal zu einer Erzieherin gesagt, dass es gut wäre, täglich eine Ruhestunde oder eine Flüsterstunde einzuführen. So etwas wie Mittagsschlaf gibt es ja ab dem Besuch der Grundschule auch nicht mehr, aber es wäre sicher gut für alle Kinder und die Medikamente könnten dann bald da bleiben wo sie sind, nur nicht im Körper der Kinder.


sirod49
Edita
Edita
Mitglied

Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von Edita
als Antwort auf sirod49 vom 21.08.2014, 16:08:26

Das Kind wurde viele Jahre, mit Medikamente “ruhig gestellt“, (lauter rötliche Pillen, den Namen weiß ich nicht mehr) damit es in der Schule nicht den Unterricht stört und besser,konzentrierter mitarbeitet.
Unter Einwirkung dieser damaligen Medikamente war ein normales Lernen erst recht nicht gegeben und die Lernbereitschaft und Mitarbeit versagte mehr und mehr.

Ich glaube, die Nebenwirkungen der Medikamente haben im damals kindlichem Körper mehr Unheil angerichtet.

Leider war ich zu gutgläubig, ich kann es nicht mehr rückgängig machen.
sirod49
geschrieben von sirod49


Fett hervorgehoben von mir!

Oh-je, oh-je Sirod, das tut mir leid, das ist ja eine schlimme Geschichte, aber das ist genau der Grund, warum ich den Fred hier aufgemacht habe !
Es kommt bei Psychpharmakan, die man Kindern verabreicht, oftmals noch dazu, daß die meisten gar nicht auf den kindlichen Stoffwechsel abgestimmt wurden, sondern man verabreicht sie Pi mal Daumen nach Gewicht und Körpergröße, und viele Ärzte vertrösten Eltern immer damit, daß Medikamente im kindlichen Körper schneller verstoffwechselt werden, und darum eine Überdosierung " kaum " möglich sei! Meine Tochter wurde medikamentös 3 mal " vergiftet ", das erste mal, als sie 9 Monate alt war, da bekam sie als Tagesdosis 30 Luminaletten gegen die epileptischen Anfälle, wenn ich damals bloß alles das gewußt hätte, was ich heute weiß............
Aber so ist es auch bei Eltern, Unwissenheit kann Eltern auch zu Komplizen von unfähigen " Pädagogen " und " gleichgültigen " Medizinern machen!

Edita
mane
mane
Mitglied

Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von mane
als Antwort auf Edita vom 19.08.2014, 14:46:33
......sind alle Eltern, egal welchen Bildungsgrads bereit, um den schulischen Abstieg ihres Kindes zu verhindern, ihm Psychopharmaka zu verabreichen, von den 21 schulischen Verdachtsfällen kamen aber nur 4 zur näheren klinischen Abklärung, d.h. die restlichen Eltern und Kinder können dankbar sein, an dieser " Becker-Studie " teilgenommen zu haben, sonst wären diese Kinder wohl auch zu
" behandlungsbedürftigen " ADHS-lern "erklärt" worden!

ADHS - Lehrer - Entspannt Euch!

Edita


Liebe Edita,

ich glaube, dass nur wenige Eltern bereit sind, ihrem Kind auf einen vagen Verdacht hin, Psychopharmaka zu verabreichen.
Sicher gibt es, wie in dem Bericht erwähnt, überforderte Alleinerziehende und Eltern, die aufgrund des Verhaltens ihrer Kinder, einen schulischesn Abstieg befürchten und darum schnell bereit sind, ihr Kind medikamentös behandeln zu lassen. Doch das zu verallgemeinern, würde den meisten Eltern nicht gerecht werden.

In meinem Familien-, Bakannten- und Freundeskreis gibt es viele lebhafte Kinder, ich kenne aber nur ein einziges, welches Medikamente nimmt, weil es nachgewiesenerweise ADHS hat.

Wichtig ist es für Eltern, einen Facharzt oder eine Klinik für Kinderpsychiatrie aufzusuchen und nach den Ursachen der Symptome zu forschen. Dazu gehören lange Gespräche mit den Eltern und dem Kind und weitere Untersuchungen bei anderen Ärzten, wie hier in dem Focus-Artikel u.a. gut beschrieben wird.

Wenn es versäumt wird, Kindern, die diese Erkrankung wirklich haben, zu helfen, dann geht das nicht nur auf Kosten des Unterrichts in der Schule und des Familienlebens, sondern diese Kinder leiden und sind unglücklich, dass sie so sind, wie sie sind.

Aus obigem Link:

Oft leiden die betroffenen Kinder darunter, dass sie sich nicht konzentrieren können, keine Freunde finden und ihre Leistungen in der Schule ständig nachlassen. „Mein Sohn fand schon im Kindergarten keine Freunde. Selbst mit 14 Jahren hat er nur Kontakte, die ich ihm vor Jahren gesucht habe“, berichtet die Mutter eines betroffenen Kindes. In der Schule blieb er stets unter seinen intellektuellen Möglichkeiten. „Das hat er selbst auch gemerkt und sehr darunter gelitten, er bekam Depressionen“, berichtet sie. „Eines Tages saß er neben mir und sagte: Mama, wenn ich weiter in die Schule gehen muss, möchte ich nicht mehr leben.“

Gruß Mane

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Edita
Edita
Mitglied

Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von Edita
als Antwort auf mane vom 22.08.2014, 10:42:30

Liebe Edita,
ich glaube, dass nur wenige Eltern bereit sind,
Gruß Mane
geschrieben von mane


Ja-ja liebe Mane, glauben heißt nichts wissen , oder anders ausgedrückt, es kann doch einfach nicht sein, was nicht sein darf !
Schön wäre es, wenn es so wäre, aber........aber......

Laut des Arztreports 2013 der Barmer GEK sieht es aber anderscht aus, demnach sind in Deutschland 472000 Jungen und 149000 Mädchen betroffen, und die seit 2006 bis 2011 rapide angestiegenen Zahlen lassen doch vermuten, daß Ärzte zu schnell die Diagnose ADHS stellen, weil Eltern beklagen, daß die Kinder Lernschwierigkeiten haben, renitent oder sogar aggressiv sind ! Oftmals sind auffälliges Verhalten und Aggressivität der Kinder aber ein zorniger Protest gegen das Ohnmachtsgefühl, mit den eigenen Leistungen nicht den Erfordernissen in Elternhaus und Schule zu genügen!
Versteh mich nicht falsch, es gibt viele Kinder , die auffälliges Verhalten an den Tag legen, aber sie leiden eben nicht an ADHS!
Die hohe Anzahl von Fehldiagnosen spricht aber dafür, daß Allgemein- oder Kinderärzte einfach zu wenig Zeit für ihre Patienten aufbringen, wahrscheinlich auch ein Wissensdefizit bei dem Krankheitsbild ADHS und letztlich auch drängelnde Eltern, denen der Lehrer in der Schule wegen des " dauernden Störenfrieds " das ADHS- Syndrom eingeflüster hat,im Nacken sitzt, und die das Problem schnell aus der Welt geschafft haben möchten, " am besten mit ner Pille ", so denken sie, so geht's am schnellsten! Dabei müßten diese Eltern nur eines investieren, nämlich Zeit!
Aufschlußreich, was die Eltern betrifft, ist auch, daß die Diagnose zum Ende des Grundschulalters, dann steht nämlich der Wechsel zur weiterführenden Schule an, immer ansteigt!

Edita
Doppelnick2gesperrt
Doppelnick2gesperrt
Mitglied

Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von Doppelnick2gesperrt
als Antwort auf Edita vom 22.08.2014, 17:33:50
Genau so verhält es sich mit der Diagnose "Burnout".
Nicht jeder, der über gewisse Symptome klagt, hat ein Burnout.

Viele medizinische Modebegriffe werden viel zu schnell als praktische
Problemlösung gesehen.

J.
Bruny
Bruny
Mitglied

Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von Bruny
als Antwort auf Edita vom 22.08.2014, 17:33:50
Wenn alle Kinder die laut, unruhig, unkonzentriert und zappelig sind ADHS hätten, dann wären 99% der spanischen Kinder krank. Die gehen anders mit dem Problem um, da werden mehr Pausen gemacht

Das Problem mit un- oder übermotivierten Lehrerinnen mussten wir leider auch leidvoll erfahren.

Gruß, Bruny
mane
mane
Mitglied

Re: ADHS - Wenn Pädagogen sich anmaßen medizinische Diagnosen zu stellen,
geschrieben von mane
als Antwort auf Edita vom 22.08.2014, 17:33:50
Hallo Edita,

vom Präsidenten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte kommt eine Nachricht, die hoffen lässt, dass es möglicherweise ein Umdenken im bisher recht sorglosen Umgang mit der Verschreibung von Methylphemidat (Ritalin) gibt. Ebenfalls soll die Zahl der Kinder, die Medikamente gegen ADHS bekommen haben, von 2009 bis 2012 um gut 3,4% zurückgegangen sein.

Weniger Ritalin verschrieben

Gruß Mane

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