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Anthropologie / Psychologie Gesellschaft und Tiere - Grundlagen und Perspektiven der Human-Animal Studies

Mareike
Mareike
Mitglied

Gesellschaft und Tiere - Grundlagen und Perspektiven der Human-Animal Studies
geschrieben von Mareike

Angeregt durch Fragestellungen im Thread: https://www.seniorenportal.de/community/forum/haustiere/hund-und-mensch-das-geheimnis-einer-freundschaft?tid=1012896
stelle ich hier mal eine Thematik ein, die bisher innerhalb der Sozialwissenschaften kaum reflektiert wurde. 
https://www.bpb.de/apuz/75812/gesellschaft-und-tiere-grundlagen-und-perspektiven-der-human-animal-studies?p=all


Zitat: "Erst in den vergangenen Jahren nahm die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Mensch-Tier-Verhältnis, beeinflusst durch gesellschaftliche Debatten über den ethischen und sozialen Status von Tieren, zu, und es entwickelte sich das Forschungsfeld der Human-Animal Studies (HAS). Die Forschungsthemen sind dabei so vielfältig wie das komplexe Verhältnis der Menschen zu den Tieren selbst. Zu den in den HAS agierenden Disziplinen gehören etwa Soziologie, Philosophie und Anthropologie sowie die Kultur-, Literatur- und Rechtswissenschaften."

 

TNolte
TNolte
Mitglied

RE: Gesellschaft und Tiere - Grundlagen und Perspektiven der Human-Animal Studies
geschrieben von TNolte
als Antwort auf Mareike vom 21.09.2019, 11:50:24

Es war den Versuch wert, das Thema "Verhältnis Mensch - Tier" auf eine (sozial)wissenschaftliche Ebene zu heben.

Wie ich bereits im Thread https://www.seniorenportal.de/community/forum/haustiere/hund-und-mensch-das-geheimnis-einer-freundschaft?tid=1012896 betonte, kenne ich mich auf diesem Gebiet als Sozialwissenschaftler wissenschaftlich nicht aus. Ich kann nur von subjektiven Beobachtungen und gesellschaftlichen Phänomenen ausgehn. Das ist wissenschaftlich aber mehr als vage. 

Silberweide
Silberweide
Mitglied

RE: Gesellschaft und Tiere - Grundlagen und Perspektiven der Human-Animal Studies
geschrieben von Silberweide
als Antwort auf Mareike vom 21.09.2019, 11:50:24

Danke für den Link, das ist ein sehr interessanter Artikel. Das Thema hatte ich so noch gar nicht auf dem Schirm, obwohl es ja wichtig genug ist.

"Ein zentraler Versuch, die Mensch-Tier-Beziehung auf Handlungs- und Interaktionsebene soziologisch-theoretisch zu fassen, wurde von Theodor Geiger unternommen. Er analysiert die Möglichkeit einer sozialen Beziehung zwischen tierlichen und menschlichen Individuen, und kommt zu der Ansicht, dass eine solche Beziehung auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung als ein Wesen mit Subjektqualität (Du-Evidenz), aufgebaut ist."

Das liest sich so harmlos, ist aber ein gigantischer Schritt. Mich würde interessieren, wie du dazu stehst, Mareike. Du hast das doch bestimmt nicht ohne Grund hier reingestellt ...?

Mareike
Mareike
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RE: Gesellschaft und Tiere - Grundlagen und Perspektiven der Human-Animal Studies
geschrieben von Mareike
als Antwort auf TNolte vom 29.09.2019, 23:26:00

@TNolte
Mich auskennen mit der Thematik, tue ich auch nicht.

Deine Anmerkungen im Thread "Freunschaft Mensch und Hund,
ich zitiere: " .... Ich lese die Erlebnisse der ForenteilnehmerInnen mit Hunden mit Interesse und Respekt, aber auch mit persönlicher Skepsis. Ich kennzeichnete das - und da passt das Kindchenschema sehr gut hinein - bereits mit dem Begriff Sublimation (Übergang, Umlenkung in Hinblick auf Wünsche) und ergänze in diesem Zusammenhang die Projektion.

Das funktioniert ähnlich wie in der Religion mit dem Gottesbild. Den Begriff der Projektion haben besonders Friedrich Feuerbach ((1806–1880), deutscher Philologe und Philosoph) und Sigmund Freud ((1856-1939), österreichischer Psychonalytiker und Religionskritiker) geprägt.

Manchmal werden auch Hunde von Menschen "vergöttert" oder zumindest "vermenschlicht", indem ihnen Eigenschaften und Fähigkeiten zugeschrieben werden, die zwar subjektiv empfunden werden, aber objektiv kaum beweisbar sind.


führten dazu, dass ich mir die Frage stellte: Was sagt denn die heutige Wissenschaft dazu?

@Silberweide
Damit ist Deine Frage auch schon halbwegs beantwortet ...
Es ist meine Neugierde und Lernbegierde, die dazu führte, dass ich dieses Thema eröffnete.
Wir haben duch Google und Co die Möglichkeit uns etwas schauer zu machen.

Bei mir persönlich stelle ich fest, dass ich mit dem biblischen Bild: "Der Mensch als Krönung der Schöpfung" aufgewachsen bin, aber im Laufe der Jahren dieses Bild immer mehr korrigiert habe. Und ich glaube, damit stehe ich nicht alleine.

In diesem Zusammenhang wird man dann allerdings mit immer mehr Fragestellungen konfrontiert.

Ganz besonders die Thematik der Massentierhaltung mit all den verabscheuungswürdigen Begleitumstände beschäftigt mich.

Aber auch erfreuliche Themen wie der von Dir angesprochen Bereich ".... dass eine solche Beziehung auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung als ein Wesen mit Subjektqualität (Du-Evidenz), aufgebaut ist" fesseln mich. Eine solche Beziehung setzt  im Grunde Respekt  voraus und ist schwer mit der Nutztierhaltung in Einklang zu bringen.

Beim Thema "Du-Evidenz" kam mir spontan Martin Buber in den Sinn.
Meine Tochter, die im Schwerstgeistigbehinderten-Bereich als Sonderschullehrerin tätig ist, musste sich in ihrer Studienzeit mit dem Ich-Du befassen, um ihre Arbeit "Nonverbale Kommunikation" wissenschaftlich begründen zu können. 
Wie kann man z. B. mit Kindern kommunizieren, welche schwergeistig-behindert sind, blind und taub sind, keine "Sprache" haben?
So ist es nachvollziehbar, das über andere körperliche Signalen kommuniziert werden kann und muss. In diesen Bereichen können z. B. Hunde vorbildhaft sein. Lächeln 

Ich bin auf Eure Beiträge gespannt.

Link zur "Du-Evidenz": https://www.erna-graff-stiftung.de/du-evidenz/

Silberweide
Silberweide
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RE: Gesellschaft und Tiere - Grundlagen und Perspektiven der Human-Animal Studies
geschrieben von Silberweide
als Antwort auf Mareike vom 30.09.2019, 16:01:07

Danke, Mareike, jetzt versteh ich schon besser, was dich mit dem Thema verbindet. Lächeln

 

Wie kann man z. B. mit Kindern kommunizieren, welche schwergeistig-behindert sind, blind und taub sind, keine "Sprache" haben?
So ist es nachvollziehbar, das über andere körperliche Signalen kommuniziert werden kann und muss. In diesen Bereichen können z. B. Hunde vorbildhaft sein. 

Solche Fragen haben mich auch immer fasziniert. In meiner beruflichen Arbeit früher spielte klassisches Kommunikationstraining (mit Menschen) eine große Rolle, und natürlich geht es da immer auch um die nonverbalen Signale. Privat habe ich dann im Umgang mit unseren Hunden und Pferden ein breites Betätigungsfeld gefunden, um die Möglichkeiten der Kommunikation mit Tieren auszuloten. Die ist ja zwangsläufig größtenteils nonverbal (wenn auch nicht völlig, denn die meisten Hunde und Pferde verfügen aus langjähriger Erfahrung über einen passiven "Menschenwortschatz" und können viele Lautäußerungen ihrer Versorger durchaus richtig deuten). Noch wichtiger ist natürlich der Austausch von Körpersignalen, da sind sie uns eindeutig über. Mein Mann sagt immer: "Dein Hund weiß mit Sicherheit mehr über dich als du über ihn." Ich glaube das ebenfalls. Die Wahrnehmungsfähigkeit unserer vierbeinigen Freunde ist in der Tat phänomenal. 

Wie kann man nun einigermaßen sicher ausschließen, dass man dieses Verständnis nicht nur in die Tiere hineinprojiziert und sie somit vermenschlicht? Ich (und viele Hunde-/Pferdebesitzer, die ich kenne) finde das ziemlich einfach: Man erkennt an ihren Reaktionen, an ihren Handlungen, an ihrem Verhalten, ob und wieviel sie wirklich verstanden haben. Da gibt es die schönsten Tests.

Tja, das ist ein Riesenthema, mit dem ich schon seit vielen Jahren intensiv zugange bin. Deshalb höre ich jetzt lieber mal auf, will ja niemanden mit meinen Ergüssen langweilen ...

Errötet

Auf jeden Fall: Wenn man sich mit der Intelligenz, Sensibilität und Kommunikationsfähigkeit von Tieren mal ausführlicher befasst hat, stellt sich die Frage nach ihren "Rechten" eigentlich gar nicht mehr. Man wundert sich eher, wie Menschen auf die Idee kommen können, ihnen das alles abzusprechen und sie zu "vertierlichen".

 

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