Forum Wissenschaften Anthropologie / Psychologie Propaganda - Der "Third Person Effect" und Der First-Person-Effekt

Anthropologie / Psychologie Propaganda - Der "Third Person Effect" und Der First-Person-Effekt

Edita
Edita
Mitglied

RE: Propaganda - Der "Third Person Effect" und Der First-Person-Effekt
geschrieben von Edita
als Antwort auf Mareike vom 23.09.2022, 18:04:32

Richtig - das ist diskussionswürdig .......

Es wird aber nicht gelingen, weil wir uns nicht einmal darauf einigen können, was sind Tatsachen, was sind Fakten und was sind seriöse Nachrichten, welchen kann man vertrauen?

Mehr als einmal habe ich hier in unterschiedlichsten Threads erlebt, daß sogar Live-Bildern aus diversen Quellen, verifizierten Nachrichten aus unterschiedlichsten Quellen die Glaubwürdigkeit abgesprochen wurde und stattdessen hanebüchene gegenteilige Begründungen aus dubiosen Quellen als "Meinung" hier präsentiert wurden!

Zum Beispiel ist und war Trump ein Meister im Verschleiern und Vertuschen von Ereignissen und Tatsachen, nicht umsonst brachte seine Beraterin den Begriff von "alternative facts" auf's Tapet!
Diese "Kunst des suggestiven Verschleierns" beherrscht(e) er so perfekt, daß viele Leute zum Schluß nicht mehr wußten was wirklich war, was wirklich geschehen ist, was war angesagt, er schuf in den Köpfen seiner Anhänger eine für ihn perfekte
" Pseudoumwelt", wie Lippmann es nennen würde!

Diese Pseudoumwelt hat er so perfekt inszeniert, daß ihr bis heute nicht beizukommen ist und Anhänger für ihn lieber Straftaten begehen und dafür lange Knast-Jahre in Kauf nehmen, als sich von Trump zu lösen!

Und so geht es mit allen Menschen dieser Welt, eine sind empfänglich für Pseudo-Umwelten und andere eben nicht, und daraus entsteht m.M.n. das Verständigungsproblem, die Pseudo-Umweltler halten sich für die wahren Kenner dieser Welt und der Zusammenhänge und winken entweder alle anderen Erkenntnisse milde lächelnd ab oder kämpfen für "ihre Wahrheit" bis in den Knast ........

Und solche "Trumps" kommen auch in Gestalt eines Bernd Höcke, einer Dr.Alice Weidel, eines Dr. Schiffmann, eines Prof.Dr. Bhakdi, usw. daher!


Edita

pschroed
pschroed
Mitglied

RE: Propaganda - Der "Third Person Effect" und Der First-Person-Effekt
geschrieben von pschroed
als Antwort auf Edita vom 24.09.2022, 09:07:24

Das hast du gut beschrieben Edita 👍Phil.

Rispe
Rispe
Mitglied

RE: Propaganda - Der "Third Person Effect" und Der First-Person-Effekt
geschrieben von Rispe
als Antwort auf pschroed vom 24.09.2022, 09:15:02

Finde ich auch. Und da sage ich wieder das, was ich hier schon ein paarmal geschrieben habe:
Diese ganzen großartigen Theoriegebäude über Propaganda habe nur dann einen Sinn, wenn sie sich in der Praxis erweisen , d. h. dass man sie verinnerlicht hat und an den entscheidenden Stellen erkennt, wo Propaganda stattfindet.
Wenn das nicht der Fall ist, kann man sich die Theorien gleich ganz sparen, dann hat man sie entweder nicht begriffen oder man setzt sie nur selektiv für sich selber passend ein.


Anzeige

Mareike
Mareike
Mitglied

RE: Propaganda - Der "Third Person Effect" und Der First-Person-Effekt
geschrieben von Mareike
als Antwort auf Mareike vom 23.09.2022, 18:04:32
Zurück zu Lippmann:

Dass die Demokratie die wünschenswerte Staatsformsei, davon blieb er überzeugt. Bis in seine späten Schriften hat ihn die Sorge um das Überleben der liberalen Demokratie (zumal in den USA) umgetrieben. Aber er tat dies doch mit einem klaren Blick für ihre Gefährdungen, nicht nur die äußeren durch totalitäre Bewegungen, sondern auch die inneren, die den Rückblick des Publizisten auf das 20. Jahrhundert mit zunehmendem Alter verdüstert zu haben scheinen. Das gilt jedenfalls für sein letztes Hauptwerk „The Public Philosophy“ (1955). Ähnlich schrieb er im
gleichen Jahr in seinen „Essays in Public Philosophy“:

Die unglückselige Wahrheit ist, daß die überwiegende öffentliche Meinung in den kritischen Augenblicken stets falsch geurteilt hat, mit destruktiver Wirkung das Verkehrte wollte. Das Volk hat gegen die Urteile unterrichteter und verantwortungsbewußter Männer in amtlichen Stellungen immer wieder sein Veto eingelegt. Es hat die Regierungen, die gewöhnlich wußten, was vernünftiger
gewesen wäre, oder was nötig oder was förderlicher war, gezwungen, mit Zuwenigem zu spät zu kommen oder mit Zuvielem fortzufahren, zu friedliebend im Frieden, zu kriegslüstern im Krieg zu sein, zu neutralistisch und zu nachgiebig in Verhandlungen oder gerade zu unversöhnlich starr.
Die Meinung der Massen hat in unserem Jahrhundert steigende Macht erlangt. Und sie hat sich als gefährliche Zwingherrin bei den Entscheidungen erwiesen, bei denen es um Tod und Leben geht.“
Lippmann 1955/1957: 29


595 Reihe „Klassiker der Kommunikations- und Medienwissenschaft heute“

Anzeige