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Biowissenschaften Häufige Fragen zur Genetik

karl
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Re: Häufige Fragen zur Genetik
geschrieben von karl als Antwort auf Gerdd vom 31.07.2016 21:48:46
Lieber Gerdd,

nun, bei der Artbildung gibt es alle Übergänge, denke nur einmal an Pferd und Esel. Offensichtlich war die Fruchtbarkeit der Mischlinge aus Homo sapiens und Homo neandertaliensis auch reduziert.
Anfang 2014 wurden weitere, verfeinerte Analysen des Genflusses von Neandertalern zu Homo sapiens publiziert. Laut einer Veröffentlichung von Autoren der Harvard Medical School beträgt der Anteil des Neandertaler-Genoms in den Autosomen der heute lebenden Europäer 1,15 % und in denen der Ostasiaten 1,38 %, in den X-Chromosomen beider Bevölkerungsgruppen hingegen nur rund 0,20 bis 0,30 %, also nur rund ein Fünftel des Anteils in den Autosomen. Daraus wurde geschlossen, dass – vergleichbar mit anderen Säugetieren – die Fruchtbarkeit der männlichen Mischlinge reduziert war. Quelle.
geschrieben von aus Wikipedia


Ich habe übrigens 2,6% Neandertaler-Gene in mir.

Karl
karl
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Re: Häufige Fragen zur Genetik
geschrieben von karl als Antwort auf karl vom 25.07.2016 20:45:23
Heute entdeckt:

Neue Rezension des Heftes 'Erblichkeit der Intelligenz'

Immerhin wird die Wichtigkeit der Unterscheidung von "erblich" und "angeboren" (Unterschied zwischen heritability und heredity) anerkannt.

Karl
Wolkenschieber
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Re: Häufige Fragen zur Genetik
geschrieben von Wolkenschieber als Antwort auf karl vom 19.06.2017 10:05:54
Ohne jetzt den ganzen Faden gelesen zu haben:
Verstehe ich richtig:
Ererbt ist zB eine Behinderung oder eine Krankheit, die per Gentest nachgewiesen wird und angeboren zum Beispiel ein Schaden, der in der Zeit vor der Geburt entstanden ist?
Ich denke da an die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, von der so viele - selbst Ärzte - noch überzeugt sind, dass sie ererbt ist und in meiner Arbeit als Hebamme in sehr armen Ländern wie Haiti ist es sehr schwer, den Menschen begriflich zu machen, dass auch exogene Einflüsse wie Alkohol oder Chemikalien und falsche Ernährung in einem bestimmten Entwicklungsalter des ungeborenen Kindes Ursache sein können. Kommt in Haiti sehr häufug vor und wir sind froh, unter anderem jedes Jahr einen jungen Kiefern- und Gesichtschirurgen aus Deutschland dort zu haben, der fast nur solche OPs durchführt. Allein die Organisation Operation Smile mit der wir zusammen arbeiten, hat dort in den letzten 9 Jahren über 500 Kinder und Erwachsene operiert und ihnen ein Lächeln sowie die Möglichkeit, problemlos zu essen und zu trinken, geschenkt
karl
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Re: Häufige Fragen zur Genetik
geschrieben von karl als Antwort auf Wolkenschieber vom 20.06.2017 17:46:57
Ja, als Genetiker ist es für mich klar, dass Vieles angeboren ist in dem Sinne, dass Genmutationen z.B. für Missbildungen verantwortlich sein können, andererseits aber auch, dass Vieles, was bei der Geburt bereits sichtbar wird, umweltbedingt sein kann. Denke nur an die "Contergan-Affäre".

Das Anliegen von Herrn Niggeschmidt und mir in dem kleinen "Springer Essentials" Heft war jedoch noch ein anderer Punkt. In der deutschen Umgangssprache wird "erbliches Merkmal" synonym zu "angeborenes Merkmal" verwendet, wobei "angeboren" meist als genetisch fixiert gesehen wird.

Wissenschaftlich bezieht sich die Definitionen von "Erblichkeit" (Heritabilität/Heritability) jedoch überhaupt nicht auf ein Individuum, sondern Heritabilität ist der genetisch verursachte Anteil an der Streuung eines Merkmals in einer untersuchten Menge von Individuen, z. B. den Bewohnern eines Landes.

Wir zeigen an einfachen Beispielen, dass dieser messbare genetische Anteil an der Variabilität eines Merkmals innerhalb einer Gruppe nicht für die Merkmals-Unterschiede zwischen Gruppen gilt.

Die "Erblichkeit" eines Merkmals ist keine Naturkonstante, sondern variiert stark in Abhängigkeit von Umweltbedingungen.

Die richtige Interpretation von der in populären Veröffentlichungen (Bildzeitung etc.) oft gelesenen Aussagen, die "Erblichkeit" von z. B. der Intelligenz sei 70-80% bedeutet deshalb entgegen dem normalen Sprachverständnis nur, dass an der Chancengleichheit in der untersuchten Gesellschaft gravierende Abstriche zu machen sind, denn bei echter Chancengleichheit gäbe es nur genetische und durch Zufall bedingte Unterschiede, die "Erblichkeit" wäre also nahe 100%.

Zudem: Gegebene Gruppenunterschiede könnten trotz 100%iger "Erblichkeit" innerhalb der Gruppen theoretisch zu 100% auf Umweltfaktoren beruhen (den Anteil zufälliger Streuung außer Acht lassend).

Als Beispiel kann die Wuchshöhe von ausgesätem Weizen auf zwei Feldern dienen. Das eine Feld wird gedüngt, das andere nicht.

Im obigen Faden bin ich auf all das bereits ausführlicher eingegangen.

Herzliche Grüße, karl
karl
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RE: Häufige Fragen zur Genetik
geschrieben von karl als Antwort auf karl vom 24.06.2017 08:23:46

Sarrazin - Wissenschaft?


Postcast des WDR

Der Redakteur hat auch mich in Freiburg besucht.

Karl