Forum Blog-Kommentare Erinnern oder vergessen?

Blog-Kommentare Erinnern oder vergessen?

omasigi
omasigi
Mitglied

Erinnern und nicht vergessen
geschrieben von omasigi
Lieber Pan,Du konntest als Kind den Anfang des Tausendjährigen - Reiches miterleben.
Ich nicht, da ich mitten drin geboren wurde.
Aber die Zerstörungen kann ich in meiner Erinnerung abrufen. Meine Geburtsstadt Pforzheim wurde noch in den letzten Kriegstagen bombardiert.
Schwierig war es bereits meinen Kindern das ganze Geschehen nahe zu bringen. Und bei den Enkeln ist es noch schwieriger.
Du musstest noch die Flucht miterleben und die Heimat verlassen. Der neue Anfang ist sicher nicht immer so einfach verlaufen. Denn die Menschen in den unterschiedlichen Regionen unseres Heimatlandes haben jeweils eine andere Mentalität.Hab ich jetzt erst wieder erfahren als Süddeutsche den Norddeutschen gegenüber.
Zwar nicht unüberwindbar aber halt anders.
Die Erinnerung dürfen wir nie verblasen lassen, gerade in der heutigen Zeit, wo wieder Konflikte aufkommen.
omasigi
Pan
Pan
Mitglied

Für
geschrieben von Pan
Deine Worte. liebe Sigi, einfach nur "Danke"
Es tut gut, nicht immer nur als Spinner abgetan zu werden, nur weil man mahnend den Finger hebt.
Aber vielleicht muss jede Generation ihre eigenen Erfahrungen sammeln, aus den Erlebnissen der vorherigen zu lernen, scheint unsagbar schwer zu sein ...
Liebe Grüße von
Pan~
Syrdal
Syrdal
Mitglied

Sehr wichtig!
geschrieben von Syrdal
Jeder Rückblick auf die schweren Zeiten sagt uns Alten, die wir die bittere Not der Kriegs- und Nachkriegsjahre erlebt und irgendwie überlebt haben, welch wunderbares Geschenk es ist, ohne Angst vor Bomben, ohne Hunger frei von bedrückenden Sorgen in gewärmter Stube leben zu dürfen. Es ist ein Dank in Demut, dieses teure Geschenk Tag für Tag erneut zu empfangen, eine Demut, die bei den im späteren Überfluss Geborenen auf Unverständnis trifft, weil sie allein nur mit diesem Begriff nichts anfangen können. - Diese dankbare Demut aber macht uns bei aller materiellen Knappheit ungemein reich - ein Reichtum für das Herz und für die Seele.
Danke für Deine Erinnerung!
Syrdal


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ladybird
ladybird
Mitglied

Lieber Pan
geschrieben von ladybird
Da ich ein Nachkriegs-Flüchtlingskind bin (1945) habe ich den Aufbau der Trümmer noch erlebt. Mein Wissen über die Zeit davor, habe ich von meinen Eltern, die aus dem Sudetenland vertrieben wurden und durch ihre Gespräche und einem Fluchtagebuch.Das machte mir bis in meine Jugend nur ANGST
Deine Erinnerung ist teilweise auch meine, wie gesagt durch Erzählungen.
Ich habe das große Glück, dass sich mein Mann (er war nur aus Köln evakuiert)durch mich Interesse an unserer deutschen Geschichte, fand. So bereisten wir u.a. das Land meiner Wurzeln (Sudentland, wie Schlesien, Ostpreussen usw.)
Mehrmals besuchten wir auch Deine Stadt, jetzt Polen.)
Das "Begreifen unserer Geschichte" hilft mir beim Verarbeiten.
Doch noch etwas: ich gehöre noch der Eltern Betreben: meinem Kind soll es einmal besser gehen.
Schon ich als Eltern hatte nicht mehr dieses Denken, denn mir ging es einfach gut--weil es wohl alle betraf.
Es war so!
Mein 13 jähr. Enkel fragte mich neulich: "wie hast du deine Kindheit ausgehalten, ohne TV"?
An was erinnern sich unsere Enkel einmal?
Danke für Deine Gedanken, die mich wieder positv aufrüttelten und eine Dankbarkeit hinterließen,
herzlichst ladybird-Renate
Basta
Basta
Mitglied

an pan
geschrieben von Basta
moin moin.
ich kann mich daran erinern, das ich für meinen vater kippen sammeln musste. und zwar in der nähe des casinoes der englaender. und mit meiner mutter holz sammeln in den
trümmern. aber als kind hatten wir den schönsten spielplatz den es gab. in den zerbombten haeusern. später, etwas älter, metalle sammeln und zum schrotthaedler bringen.
gruss
basta/helmut
Ela48
Ela48
Mitglied

Erinnerung..
geschrieben von Ela48
Die Gedanken sind frei, die eigene Wahrnehmung spielt bei mir und sicher auch bei einigen Menschen eine große Rolle
Ich bin Jahrgang 1948, mein Vater ist in Köln geboren und aufgewachsen, meine Mutter kam aus dem Sudetenland, aus dem sie mit meinen Großeltern fliehen musste.
„Heimat“ war für meine Mutter eine dicke Überschrift in ihrem Leben. Sie wollte in manchen Zeiten, so habe ich es als Kind wahrgenommen, nicht in der Gegenwart leben. Ihr Denken war auf ihre Heimat ausgerichtet.
Sie hat meinen Vater buchstäblich auf ihre persönliche Lebensinsel mitgenommen, umgeben von imaginärem Wasser, wie eine Festung, kein Mensch hatte Zutritt. Auch ich hatte Schwierigkeiten, mit einem Boot das Ufer zu erreichen, um mein eigenes Leben zu beginnen.
Die Schönheit ihres Denkens/Sprechens über ihre Heimat, ihre Empfindung zu dem Gewesenen hat mich viele Jahre gekostet, um einigermaßen verstehen zu lernen, warum diese Verklärung erfolgt ist.
Sie hielt mit aller Macht mich und meinen Vater fest, sie wollte NICHTS mehr verlieren, sie hatte schon soviel verloren …
Mein Vater und ich hüllten uns in Schweigen, ließen „sie“ ihre beherrschenden Gedanken leben.
Die Nachkriegsgeneration hat an den Lasten und der Aufarbeitung auch heutzutage noch sehr viel zu arbeiten.

Kurz gefasst, weil es noch mehr zu berichten gebe.

Aber sie war meine Mutter...

Ela

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Pan
Pan
Mitglied

Liebe Ela
geschrieben von Pan
ich kann das Verhalten Deiner Mutter verstehen. Wer immer nur alles hinter sich lassen muss, möchte den Rest des Lebens wenigstens noch behalten.
Bei mir ist es ähnlich, wenn auch anders gelagert. Wenn man in einer Zeit -1934 - geboren ist, über deren Geschichtsabläufe man heute am liebsten schweigen möchte, hat man auch andere Wertvorstellungen des Lebens. Wenn dann noch die Entwurzelung aus der Heimat dazukommt, wird es manchmal unmöglich, zu schweigen.
Ich habe niemals -trotz aller Bemühungen - eine echte Heimat wiedergefunden! Voll Unrast und immer auf der Suche nach ETWAS, das vielleicht gar nicht existierte.
Erst heute, im hohen Alter, fange ich an, Wurzeln zu bilden, jetzt, wo es schon Herbst (des Lebens) ist.
Danke für Deine Erläuterungen, liebe Ela. Sie helfen auch mir, mehr zu verstehen, was die "damals" Alten dachten...
Liebe GRüße von
Horst
Ela48
Ela48
Mitglied

Lieber Pan
geschrieben von Ela48
Ich danke Dir sehr für Deine Worte, Du verstehst es.
Manchmal braucht es Zeit im Leben, um das innere Gleichgewicht zu erlangen.
Gedanken über Menschen und der Welt mit all ihren bunten Facetten verstehen zu lernen, werde ich wohl nie schaffen.

lieber Gruß
von Ela mit einem Gruß für Ingrid
tilli †
tilli †
Mitglied

Es ist gut, das du diesen Blog geschrieben hast
geschrieben von tilli †
Erst heute kann ich diesen Blog kommentieren. Es ist doch schwer.
Ja, es ist nicht leicht diese Zeit zu vergessen. Eigentlich
müsste man es tun. Doch ich kann sie nicht vergessen. Ich bin auch Jahrgang 1934. Meine Heimat werde ich nicht vergessen. Denn bloß dort sind wir die Einheimischen. Ja, so ist es und so wird es bleiben. Die Menschen werden es nie verstehen. Flüchtlinge, die Vorurteile sind noch heute da. Keiner will verstehen das die heutigen Flüchtlingi die vor der Gewalt flüchten, ihre Kinder schützen wollen vor den Kriegen die heute in unserer Zeit weiter ihr Unwesen treiben.
Es ist einfach zu schwer Bilder im Fernsehen zu erleben die, die Bilder der Kindheit erinnern. Aber heute ist es viel schlimmer.
Ich bin schon 80 Jahre alt und mein Leben ist nicht mehr so wichtig, aber die Angst das unsere Nachkommen solche Zeit erleben könnten ist schon da.

Viele Grüße Tilli
Pan
Pan
Mitglied

Was, liebe Tilly,
geschrieben von Pan
kann denn schon noch geschehen, das uns ent-geistern sollte?
Alles ist gesagt, nichts wurde beschönigt und trotzdem geht alles so weiter, wie gehabt.
Vielleicht muss die Nachfolgegeneration jedes Mal ihre eigenen Fehler machen?? Waren wir -damals- anders? Ich glaube, das ist das Vorrecht der Jungen, alles leichter zu sehen.
Wir als Senioren sollten da keine Angst haben. Wozu? Wovor?

Ich denke oft, wenn ich solche Gedanken habe: "Na und???"
Liebe Grüße Euch von
Horst

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