Diskussion historischer Ereignisse Erinnerungen an den 13. Februar

hafel
hafel
Mitglied

Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von hafel
Als Kinder einer mitteldeutschen Großstadt hatten wir uns daran gewöhnt, im letzten Kriegsjahr fast jede Nacht den Luftschutzkeller aufzusuchen. In den letzten Kriegsmonaten war es jede Nacht, so dass wir uns nur noch die Schuhe ausgezogen hatten, wenn wir Schlafen gingen. Wenn die Luftschutz-Sirene aufheulte, zogen wir uns schnell unsere Schuhe an, nahmen eine Wolldecke mit, hingen uns ein Namenschild um –falls wir verschüttet wurden, und tappten in den Keller.

So heulten auch in der Nacht des 13. Februars die Sirenen und wir hofften, dass die Bomber ihre tödliche Last bitte wo anders abladen würden und uns verschonen würden.

Wir Kinder – meine drei Jahre ältere Schwester und ich – mussten uns für den Luftschutzkeller ganz alleine fertig machen. Wir hatten noch eine über 80-jährige Oma mit in der Familie leben und musste sich unsere Mutter um die Oma kümmern, denn wir wohnten in der II. Etage eines Mietshauses.

Unten im Keller versammelten sich die Hausgemeinschaft und hockten alle eng zusammen – ob sie sich mochten oder nicht. Allen war eines gemeinsam, die nackte Angst unser Haus könnte von einer Bombe getroffen werden. So murmelte der eine und die andere ein stilles Gebet.

Im Luftschutzkeller waren Feldbetten und einfache Holzbänke aufgestellt, wo die Erwachsenen saßen. Wir Kinder hockten auf dem Fußboden und hatten uns deshalb eine Decke mitgebracht. Der Luftschutzwart – meist ein überzeugter Nazi – zählte die Hausgemeinte durch und achtete darauf, dass nur „würdiges“ Leben den schützenden Keller betreten durfte (wenn ihr wisst, was ich damit meine!)

Da die Vorwarnzeiten recht kurz waren, dauerte es dann auch nicht sehr lange bis wir ein grässliches Rumpeln verspürten, dass alle herumstehenden Gegenstände zu tanzen anfingen. Es war als wenn die Luft voller Steine war, die ein riesengroßer Bagger vor sich her schob. So war das Bombergeräusch äußerst gespenstisch; die Luft vibrierte. Im Keller saß alles schweigend und jeder war mit sich selber beschäftigt Nur ganz kurze Bemerkungen zerschnitten das Schweigen, wie: „die sind gerade über uns“, oder „die schienen wo anders hin zu wollen“. Und so war es auch in der Nacht am 13. Februar 1945.

Wir, unsere Stadt war diesmal nicht das Ziel der Bombereinheiten. So dauerte es noch eine Weile und es gab die erlösende Entwarnung. Dennoch hörten wir im Hindergrund die dumpfen Geräusche von Explosionen

Nach jedem Luftangriff gingen die Erwachsenen auf den Hof um eventuelle Schäden zu sichten. Und so durften wir Kinder auch kurz „die Lage peilen“. Es war eine kalte, dunkle Februarnacht. Am Horizont, in Richtung Osten, war der Himmel blutrot. Der gesamte Horizont war in einem in sich wechselnden Rot verschmolzen. Ich habe nie wieder in meinem Leben einen solchen Himmel gesehen und würden ihn Maler malen, glaubte man nicht an die Echtheit. Es war gespenstisch!

Die Erwachsenen sagten, „das sei Dresden“. Dresden, die sächsische Perle lag ca. 110 km östlich von unserer Stadt entfernt. Nie in meinem Leben, werde ich diese Nacht vergessen. Welch eine sinnlose Tat, diese Kulturstadt in Schutt und Asche zu legen. Der militärische Nutzen war Null und debattieren da heute noch Historiker, über die Sinnlosigkeit.

Möger der 13. Fe4bruar ein ständiges Mahnmal sein!

Hafel
MiBo
MiBo
Mitglied

Re: Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von MiBo
als Antwort auf hafel vom 13.02.2010, 10:49:36
Guten Morgen Hafel,

ich hatte während meiner aktiven Berufszeit häufig in der früheren DDR zu tun und mehrfach Gelegenheit mit Überlebenden dieses Bombenangriffs zu sprechen. Es muss die Hölle gewesen sein. Luftmarschall Harris, der diesen Angriff befehligte, hat man überings in London ein Denkmal ein Denkmal errichtet.

Gruß MiBo
hugo
hugo
Mitglied

Re: Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von hugo
als Antwort auf hafel vom 13.02.2010, 10:49:36
ja danke hafel,,
Möge der 13. Februar ein ständiges Mahnmal sein!
,,und Ansporn, immer alle Probleme mit unseren Nachbarn friedlich zu lösen, besser noch, freundschaftliche Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.

hugo

Anzeige

ika1
ika1
Mitglied

Re: Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von ika1
als Antwort auf hafel vom 13.02.2010, 10:49:36
Lieber Hans
Du hast alles geschrieben , was wir damals erlebt haben.
Es ist eine traurige Geschichte und sollte sie nie vergessen werden.
Ich hatte immer meine Schwierigkeiten mit den alleine anziehen.
Da aber die Hausbewohner angst hatten, eillten sie dann unserer Mutter zu hilfe.
IKa
bongoline
bongoline
Mitglied

Re: Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von bongoline
als Antwort auf hafel vom 13.02.2010, 10:49:36
Lieber Hans,

2004 war ich in Dresden und ich bin irgendwie mit sentimentalen Gedanken durch die Stadt spaziert, denn kurz vor der Bombardierung war mein Vater ja in Dresden auf einem Kurs.

Die Ansichtskarte von Dresden vor der Bombardierung habe ich jetzt eingescannt, ich hoffe, nicht gegen Copyright zu verstoßen, schreibe hier jedenfalls mal die Daten von der Karte rein: Originalaufnahme Walter Hahn, Dresden, Godeffroy-Str. 26



bongoline
perlchen74
perlchen74
Mitglied

Re: Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von perlchen74
als Antwort auf ika1 vom 13.02.2010, 11:45:28
Hallo ika, hallo hafel, ich gehöre auch zu den Kindern, die diese schreckliche Nacht überstanden hat. Wir wohnten in der Nähe vom Postplatz, bei zweiten Bombenangriff wurden wir völlig ausgebombt. Ich frage mich immer wieder, wie sind wir nur aus dieser Hölle rausgekommen. Ich bekam noch als junge Frau Gänsehaut, wenn ich aus dem Keller Kohlen holte. Aber auch in anderes vielen Städten, mussten die Menschen dieses Leid durch machen.
Deshalb bin ich so dankbar, dass meine Kinder und Enkelkinder davon verschont bleiben. Nein, so etwas darf es nie wieder geben. Aber, ich habe so meine Zweifel, was wird wenn wir Zeitzeugen alle verstorben sind? Es grüßt euch das Perlchen und wünscht allen einen friedlichen Tag.

Anzeige

Re: Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf perlchen74 vom 13.02.2010, 12:17:25
Hallo ika, hallo hafel, ich gehöre auch zu den Kindern, die diese schreckliche Nacht überstanden hat. Wir wohnten in der Nähe vom Postplatz, bei zweiten Bombenangriff wurden wir völlig ausgebombt. Ich frage mich immer wieder, wie sind wir nur aus dieser Hölle rausgekommen. Ich bekam noch als junge Frau Gänsehaut, wenn ich aus dem Keller Kohlen holte. Aber auch in anderes vielen Städten, mussten die Menschen dieses Leid durch machen.
Deshalb bin ich so dankbar, dass meine Kinder und Enkelkinder davon verschont bleiben. Nein, so etwas darf es nie wieder geben. Aber, ich habe so meine Zweifel, was wird wenn wir Zeitzeugen alle verstorben sind? Es grüßt euch das Perlchen und wünscht allen einen friedlichen Tag.


Na, wie angenehm, wenn es noch ein Luftschutzraum mit Decken war.

Ich habe in dieser Zeit nicht gelebt. Gott sei Dank.
aber ich hörte die Berichte der Vorfahren.
Das waren Großeltern und deren Kinder.
Die hatten die erste "Ausbombung" hinter sich (Hamburg).
Hamburg spielte keine große Rolle.
Alles, was ich dazu weiß ist, der "Führer" war nur einmal dort.

Also die Großeltern mit Kindern waren schon ausgebombt,
saßen im Erdloch vor der Stadt im Bereich von "Behelfsheimen", sprich Bretterbuden.

Ja, so ist das. Das Pendel schlägt zurück.
Das Pendel, welches angestoßen wurde, wenn ein Volk "über die Grenzen" geht.
Da ist es völlig wurscht, wer da über die Grenzen ging.
Hauptsache, man muß sich nicht wegen der "Grenzgänger" schämen.
Wenn das zurückschlagende Pendel dann Andere daheim trifft, dann ist das "selber Schuld".

Mich macht sowas zornig und dann bin ich "beratungsresistent".
Für mich gilt ein Mensch erst als schuldig, wenn er Schuld auf sich geladen hat.

Deshalb kann ich auch das Thema "Menschenrecht" etwas anders betrachten als der Normalbürger.

Ja, ich bin "angefressen".

nordstern
hafel
hafel
Mitglied

Re: Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von hafel
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 13.02.2010, 13:03:21
@ Nordstern: "Na, wie angenehm, wenn es noch ein Luftschutzraum mit Decken war."

Ich kann mit Deiner Zynischen Bemerkung wenig anfangen, dafür ist die Sache zu ernst. Um aber Dir zu antworten: "angenehm war das mit der Wolldecke dennoch nicht, denn sonst hätten wir auf dem blanken Fußboden gesessen.

Wie angenehm, dass Dir diese schreckliche Zeit erspart blieb. Wie sagte mal Kohl: "Die Gnade der späten Geburt!"

Hafel
Re: Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf hafel vom 13.02.2010, 13:09:17
Hallo Hafel,

Ich wollte nicht zynisch gegen Dich sein.
Ich habe hier stellvertretend für die toten Angehörigen geschrieben.
Weil die Reinwaschung in den betreffenden Threads mir zu einfach erschien.

Meine Meinung zu Menschenrecht habe ich dort zwar geltend gemacht,
aber "keine Antwort ist auch eine Antwort".
Ich bin auf Seiten der geschundenen Zivilbevölkerung.
Entschuldige bitte, wenn es falsch rüberkam.

nordstern.
perlchen74
perlchen74
Mitglied

Re: Erinnerungen an den 13. Februar
geschrieben von perlchen74
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 13.02.2010, 13:03:21
Hallo nordstern, ich habe nur eine Frage an Dich. Warum greifst Du mich an? Was habe ich geschrieben dass Dich erzürnt? Gruß Perlchen

Anzeige