Eigene Geschichten aus meinem Nachtbuch

aus meinem Nachtbuch
geschrieben von ehemaliges Mitglied

Ich bin es müde ...


... vom Winde verweht zu werden
... ständig Angst zu haben
... nicht schlafen zu können
... tagtäglich traurig zu sein
... niemandem anzugehören
... Schmerzen erleiden zu müssen
... nichts oder zuviel zu essen
... kleine Blitze zu sehen
... gegen Haß anzukämpfen
... mich selbst nicht zu mögen
... um Kräfte zu kämpfen
... nicht denken zu wollen
... kein hobby zu haben
... die Sonne zu meiden
... den Regen zu hassen
... das Datum zu vergessen
... nicht telefonieren zu wollen
... mich nicht in den Keller zu trauen
... fremde Hilfe zu beanspruchen
... keinen klaren Gedanken zu haben
... verlorene Liebe zu vermissen
...

Ich bin es müde ...
... immer müde zu sein.




 

chris33
chris33
Mitglied

RE: aus meinem Nachtbuch
geschrieben von chris33
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 23.12.2019, 14:08:29

du lässt es zu, dass wir durch dein gedicht  einen blick in d /eine seele tun dürfen - in eine innere (nackte) welt, die u.a. von ängstlichkeit und erschöpfung geprägt ist....

ein blick, der mir weht tut.

danke

chris33
 

RE: aus meinem Nachtbuch
geschrieben von ehemaliges Mitglied
    Begegnung
 
 
 
Marienkäfer.png
 


Irgendwann einmal fand ich einen Marienkäfer auf der Fußmatte vor meiner Wohnungstür.
Ich nahm ihn vorsichtig auf meine Hand -, sagte: bringe deine Glückspunkte einem, der traurig ist - und ließ ihn fliegen.

Dann ging ich hinunter, um in meinem Briefkasten nach Post zu sehen. Aber niemand hatte mir geschrieben.

Als ich zurück kam, saß der Marienkäfer wieder auf der Fußmatte vor meiner Tür.
Die Glückspunkte waren wohl für mich bestimmt.

 

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RE: aus meinem Nachtbuch
geschrieben von ehemaliges Mitglied
wir – die Kriegskinder

Der Krieg hat uns zu Ruinen gemacht. 
Wie die, zwischen denen wir auf der Flucht aus der Heimat nachts zu den Quartieren gingen, in denen nur die Kinder schliefen. 

Nachts konnte man die Ruinen schwanken sehen. 
Die durchlöcherten Mauern würden einfach nach vorn fallen. Neue Schuttberge auf denen bildend, die man am Rand aufgehäuft hatte, um die Straßen für die Flucht der Menschen freizuhalten. Da wuchs nichts mehr. Bäume, deren Stämme grau waren von der Asche -, mit Ästen wie Mahnfinger. Alles verbrannt.
In einem Feuer, das dunkler war als die Christbäume, die über der Stadt (Anm.: gemeint ist Dresden 1945) hingen, als es losging.
RE: aus meinem Nachtbuch
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 23.12.2019, 15:54:19

es macht mich betroffen, 
was du schreibst. 

Und traurig. 
Es gibt nichts, was ich darauf sagen könnte. 

DSCN0303.jpg
Trotzdem wünsche ich dir eine schöne Weihnachtszeit. 

Lieben Gruss, Agathe 

RE: aus meinem Nachtbuch
geschrieben von ehemaliges Mitglied
ohne Titel


Man sollte hinausgehen. 

Drüben ist der Weg nun zugewachsen. Man kann die Hunde nicht mehr sehen, wenn sie sich gegenseitig begrüßen oder bekläffen. 
Unten ging ein Mann vorbei, dessen Gesicht aussah wie eine Totenmaske. Vielleicht war es ja eine. 
Mein Freund, der alte Baum am Waldrand, hat noch einmal versucht, seine Krone zu schmücken, aber es sind nur mehr ganz kleine Blättchen geworden, die den Vögeln keinen Schutz bieten. Sie meiden ihn und wiegen sich auf saftigen Zweigen woanders

Es ist die Zeit der Mini-Käfer und kleinen Mücken, die hereinkommen und gleich wieder hinaus wollen – durch die geschlossenen Fenster. 
Noch gibt es keinen wolkenlosen Himmel: es sind dort oben die Wolkenberge, die man hier in der Niederung nicht findet. Heute schwimmen sie eilig nach Osten, und ein mittlerer Wind läßt noch immer frösteln. 
Der Baum vor dem Fenster sieht schmutzig aus, seit die rosa Blüten dem Luftzug nachgegeben haben und sich von den Ästchen lösten, um sich unten zu einem Teppich zu versammeln. Flüstern sie? Dann schwemmt der Regen sie bräunlich auf, und sie vermengen sich mit dem Erdboden. 

***

Man sollte hinausgehen. 
Aber man ist ein Kellerkind. Und geht nicht hinaus. Zieht die Gardinen zu – und stellt die Heizung wieder an. In diesem Jahr wird es keinen Sommer geben.

***


Ohne Titel?
Kellerkinder überschreiben sich nicht.

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chris33
chris33
Mitglied

RE: aus meinem Nachtbuch
geschrieben von chris33
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 24.12.2019, 16:54:06

auch für kellerkinder gibt es  möglichkeiten und  neue chancen...

ja man sollte hinausgehen, egal wie schwer die überwindung sein wird ... 😉

denn jeder mensch hat die freiheit zu einer chance, einer gelegenheit oder möglichkeit sie zu ergreifen und anzunehmen - also ja oder nein zu sagen...

und dieser sommer, so wie er kommt - ob regen oder "shine"-

wird der schönste des lebens - und  weder "kellerkind noch wunderkind" - sondern nur "ich" werde  noch sein...


chris33




 

RE: aus meinem Nachtbuch
geschrieben von ehemaliges Mitglied

Wer sein Tagebuch „Nachtbuch“ nennt, hat Gründe hierfür, über die er allerdings wohl nicht öffentlich diskutieren möchte.

Es ist ein Buch zum „Weg-schreiben“ - zumeist trauriger Gedanken.
Eine kleine stille Hilfe für die Seele.

😔


Ich bitte daher, hier möglichst keine Kommentare zu meinen Texten einzusetzen.
Wer Stellung nehmen möchte, möge dies per PN tun.

Vielen Dank für Verständnis. 

RE: aus meinem Nachtbuch
geschrieben von ehemaliges Mitglied
... auch unter vielen Menschen kann man einsam sein ...
RE: aus meinem Nachtbuch
geschrieben von ehemaliges Mitglied
Ich war immer für alle da.
Weshalb ist es niemand für mich?
 😪

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