Geisteswissenschaft / Philosophie Person und Gewissen

Mareike
Mareike
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Re: Person und Gewissen
geschrieben von Mareike
als Antwort auf eka231246 vom 07.02.2013, 18:42:05
Ja Eka

in den Gesprächen mit den Enkeln wird mir allerdings auch immer klarer, dass das Leben der beste Lehrmeister ist.

Die zehnjährige Enkelin hatte in einer Situation gelogen, weil sie sich keinen anderen Rat wußte. Dadurch entstand jedoch ein Streit zwischen zwei Menschen ,die ihr lieb und teuer sind.

"Wie komme ich da wieder raus Oma?"

Das Rauskommen war sehr einfach und befreiend und wird so gewiss für sie eine wichtige Erfahrung sein.

Mareike
Medea
Medea
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Re: Person und Gewissen
geschrieben von Medea
Bei den sehr interessanten Diskussionen über "Gewissen" frage ich mich jedesmal, wo das Gewissen von
Attentätern, Terroristen, Mördern, Amokläufern bleibt,
schalten die es vor ihren Taten aus, ist es womöglich gar nicht "angelegt" in ihrer Persönlichkeitsstruktur? Dann kann es auch
nicht anerzogen werden.


Wäre es so, dann gäbe es offensichtlich sehr viele
gewissenlose Menschen auf unserem Planeten.

M.
olga64
olga64
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Re: Person und Gewissen
geschrieben von olga64
als Antwort auf Medea vom 07.02.2013, 19:10:38
Wenn man das fehlende Gewissen bei den "Tätern" reklamiert, so muss man leider auch berücksichtigen, dass z.B. Terroristen immer der Meinung sind, sie würden im Sinne einer guten Sache handeln und dafür oft auch ihr eigenes Leben einsetzen.
Es gab ja auch schon Terroristen, die im Nachhinein in der Geschichte als verehrte Revolutionäre rehabilitiert wurden.
Nicht nur das Gewissen bei diesen "Tätern" scheint nicht existent zu sein, sondern auch keinerlei Angst vor Strafen, wenn der Täter überleben sollte - und nicht einmal vor Todesstrafe, wie das BEispiel der LÄnder ja belegt, in denen diese praktiziert wird, die Verbrechen aber nicht in hohem Umfange abnehmen. Olga

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pilli
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Re: Person und Gewissen
geschrieben von pilli
als Antwort auf Medea vom 07.02.2013, 19:10:38
ein der saison angepasstes "Schlupfloch" mit facettenreichen möglichkeiten zu prüfen, ob sich das eigene gewissen meldet oder gar "Gewissensnot" über manch gehört und gesehenes sich einstellt und das lachen verhindern könnte, darf ich zur entspannung anbieten:

der wdr überträgt heute um 22.00 uhr die in Köln gut etablierte und von mir in vorjahren gerne besuchte "Stunksitzung" der alternativen karnevalisten.



- Die Stunksitzung ist eine alternative, kabarettistische Sitzung im Kölner Karneval. Die Bezeichnung spielt auf die Prunksitzungen des organisierten Sitzungskarnevals an, von dem sich die Stunksitzung bewusst abgrenzt. Der Ausdruck Stunk ist eine Abwandlung von Gestank und steht für Provokation und angezettelten Streit. In der Karnevals-Session 2010/2011 fanden 50 Sitzungen mit rund 55.000 Jecken statt...

- ...Die Themen der politischen Nummern reichen von der Weltpolitik über die deutsche Politszene bis zu Kölner Lokalthemen. Artistische Nummern und die Verballhornung bekannter Filme, klassischer Musik und Lieder – oft im kölschen Dialekt – ergänzen das Programm. Beliebte Ziele des Spotts sind unter anderem Politiker, die Bundeswehr, die katholische Kirche, insbesondere Joachim Kardinal Meisner, die Düsseldorfer Rivalität, der lokale Fußballverein 1. FC Köln sowie die Bergheimer (Provinzspott) und die traditionellen Karnevalsgesellschaften, insbesondere das Kölner Dreigestirn und die Roten Funken...

- ...Das Kölnische Stadtmuseum zeigte im April 2010 die Sonderausstellung Karneval instandbesetzt? Politik, Protest, Provokation und Persiflage, eine kritische Hommage zum 25-jährigen Jubiläum der Stunksitzung...

- ...In der Stunksitzung 2006 wurden der Papst Benedikt XVI. und der Kölner Kardinal Joachim Meisner als schwule „Ratze und Meise“ im Bett dargestellt. Dies erfüllte nach Meinung einiger Bürger den Straftatbestand der Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen. Die Strafanzeige einer Privatperson löste ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren aus, das jedoch im März 2006 eingestellt wurde. Bereits 1993 gab es eine Anzeige, weil in einer Stunksitzung ein Kruzifix mit der Aufschrift „Tünnes“ gezeigt wurde. Die darauf erfolgte Beschlagnahme dieser Requisite erwies sich im Nachhinein als nicht haltbar: Ebenso wie der Sketch „Ratze und Meise“ war auch diese Aktion nach Auffassung des Gerichts durch die Kunstfreiheit gedeckt.

- ...Der WDR übte mehrfach Selbstzensur, indem er bei Fernsehübertragungen der Stunksitzung bestimmte Inhalte nicht gesendet hat:

1992 bezeichnete der Kabarettist Jürgen Becker den Kölner Kardinal Meisner in einer Rede als „Arschloch“. Bei der Ausstrahlung der Aufzeichnung wurde das Wort elektronisch übertönt.
2006 wurde der Sketch „Ratze und Meise“ aus der Aufzeichnung herausgeschnitten.
2011 wurde der Auftritt von Bruno Schmitz als Bischof Walter Mixa in der Zusammenfassung der Sitzung nicht gesendet, nachdem es im Vorfeld Kritik an dem Sketch gegeben hatte. In der Langfassung der Stunksitzung zeigt der WDR nur eine geschnittene Version des Sketches.
geschrieben von wiki


Stunksitzung

hier hat das gewissen wohl einige geplagt, die probleme hatten mit der verballhornung, dem alten kulturell geprägten brauch? ich bin gespannt, ob sich auch mein gewissen trotz der vorliebe für den alternativen karneval heute abend in der form meldet: "ne, leute, bei aller liebe aber datt geht gar nicht"

wdr vorschau zu den themen der heutigen stunksitzung

---
pilli mit zwinkernden grüssen an miriam und andere kenner der kölner-kabarett-szene
karl
karl
Administrator

Re: Person und Gewissen
geschrieben von karl
als Antwort auf Medea vom 07.02.2013, 19:10:38
frage ich mich jedesmal, wo das Gewissen von
Attentätern, Terroristen, Mördern, Amokläufern bleibt,
schalten die es vor ihren Taten aus

@ Medea,

es ist eine Frage der Definition. Ob man/frau ein "gutes" oder ein "schlechtes" Gewissen hat, hängt von der Frage ab, ob das eigene Handeln den eigenen Wertmaßstäben entsprochen hat oder nicht.

Gerade Überzeugungstäter werden deshalb meist ein "gutes Gewissen" haben, weil sie das taten, was sie für richtig hielten.

Man sollte deshalb Überzeugungstätern nicht fehlendes "Gewissen" vorwerfen, sondern falsche Wertmaßstäbe. Ein Beispiel ist die erst kürzlich hier im ST erwähnte RAF-Mörderin Inge Viett, die ihre Taten noch heute als richtig ansieht.

Anders ist das bei ungeplanten, spontanen Untaten, wo die Täter oft lebenslange "Gewissensbisse" plagen, weil sie entgegen ihren eigenen Wertmaßstäbe erfolgt sind.

Karl
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Person und Gewissen
geschrieben von luchs35
als Antwort auf Medea vom 07.02.2013, 19:10:38
Gewissen kann anerzogen werden, wenn die Grundlage Moral und Ethik bildet. Das ist eine der Aufgaben von Eltern, denen die Erziehung ihrer Kinder in die Hand gelegt wird. Auch gute Vorbilder helfen bei der Entwicklung des Gewissens mit, zudem viel Lob für Verhalten,bei dem ein Kind gezeigt hat, dass es einen korrekten Weg in einer zweifelhaften Situation erkannt hat.

Gewissen entwickelt sich bei Kindern sehr langsam und nicht "ganz von allein" , aber ich bezweifle, dass Gewissen etwas ist, das man nicht mehr verlieren kann. Wenn andere Anreize- besonders im Zusammenhang mit Geld, Ruhm , Ansehen - stärker werden als das anerzogene Gewissen, fliegt es oft sehr schnell über Bord.

Dann steht beim Wort "Gewissen" höchstens noch die Furcht vor dem Erwischtwerden, also vor einem Verlust der nach außen gezeigten Fassade eine Rolle. Das hat natürlich sehr viele verborgene "Spielarten".

Gewissen muß also mit etwas verbunden werden, das für den Menschen eine seelische /psychische Verinnerlichung wird, das ihn zu Taten anspornt, zu denen das Gewissen ihn treibt.

Luchs

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anjeli
anjeli
Mitglied

Re: Person und Gewissen
geschrieben von anjeli
als Antwort auf luchs35 vom 07.02.2013, 19:59:55
Es gibt unglückliche Lebensumstände, da wird das Gewissen verschüttet, wenn jeder um das nackte Überleben kämpft.

Ich denke an die Menschen in Gefangenschaft in Sibirien. Die Männer zum Teil auch noch sehr jung, die haben ihr Gewissen zum Schweigen gebracht. Sie waren zum Teil verroht, abgestumpft
und mitleidslos geworden. Sie hatten ihre eigenen Interessen im Sinn.
Ich habe mit vielen Männern gesprochen, die in Gefangenschaft waren.

Sie haben auch keine Freude empfunden z.B. wenn Weihnachten war. Es war ein Tag wie jeder andere und die Arbeit war schwer wie immer.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, deren Gewissen noch funktionierte. Ich denke mal, diese Menschen sind dann die ersten gewesen, die gestorben sind.
Auch ist auch erwiesen, dass die jüngeren Männer zuerst gestorben sind. Eventuell hängt das auch mit dem Gewissen und der Lebenserfahrung zusammen.

Es ist auch schon vorgekommen, dass eine sterbende Frau im Hospiz im Gespräch einer Mitarbeiterin gesagt hat, dass sie vor vielen Jahren ihren Mann getötet hat. Das war der perfekte Mord, sie wurde nie überführt.
Hat sie das Gewissen geplagt, so kurz vor dem nahenden Tod?

anjeli
Mareike
Mareike
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Re: Person und Gewissen
geschrieben von Mareike
als Antwort auf luchs35 vom 07.02.2013, 19:59:55


Gewissen muß also mit etwas verbunden werden, das für den Menschen eine seelische /psychische Verinnerlichung wird, das ihn zu Taten anspornt, zu denen das Gewissen ihn treibt.

Luchs

Dieses "etwas" würde ich Person nennen.

Einer der ersten Wissenschaftler, die erforscht haben, wie Gewissensbildung geschieht, war Lawrence Kohlberg. Er schloss aus seinen Untersuchungen, dass es sechs aufeinander aufbauende
Stufen der Moralentwicklung gibt.

Hier eine kurze Übersicht:
Stufen der Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg

Mareike
daddy60
daddy60
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Re: Person und Gewissen
geschrieben von daddy60
als Antwort auf karl vom 07.02.2013, 19:55:30
frage ich mich jedesmal, wo das Gewissen von
Attentätern, Terroristen, Mördern, Amokläufern bleibt,
schalten die es vor ihren Taten aus
geschrieben von karl

@ Medea,

es ist eine Frage der Definition. Ob man/frau ein "gutes" oder ein "schlechtes" Gewissen hat, hängt von der Frage ab, ob das eigene Handeln den eigenen Wertmaßstäben entsprochen hat oder nicht.

Gerade Überzeugungstäter werden deshalb meist ein "gutes Gewissen" haben, weil sie das taten, was sie für richtig hielten.

Man sollte deshalb Überzeugungstätern nicht fehlendes "Gewissen" vorwerfen, sondern falsche Wertmaßstäbe. Ein Beispiel ist die erst kürzlich hier im ST erwähnte RAF-Mörderin Inge Viett, die ihre Taten noch heute als richtig ansieht.

Anders ist das bei ungeplanten, spontanen Untaten, wo die Täter oft lebenslange "Gewissensbisse" plagen, weil sie entgegen ihren eigenen Wertmaßstäbe erfolgt sind.

Karl


Karl, ich entdecke hier wieder Vorurteile und Unterstellungen. Sowie unkritisches übernehmen von Begrifflichkeiten die niemand gründlicher hinterfragt.

Hier ist die Rede von Überzeugungstätern. Wer genau ist denn "überzeugt", die Person der man einfach proforma etwas unterstellt, oder die unterstellende Person?

Woher nimmst du deine "Überzeugung" dass bei einem Täter sowohl sein Bewusstsein ebenso sein Unterbewusstsein vollauf so funktionierte wie man sich dies gemeinhin wünscht?!

Es kann ein Schlaganfall völlig unbemerkt und ohne erkennbare Folge eintreten, oder hälst du das für gänzlich ausgeschlossen?
Völlig ausgeschlossen hälst du aber pauschal einfach jeglichen -ich nenne es mal vereinfacht- geistigen Defekt. Kurzfristig oder längerfristig.

Selbst die Justiz sieht solche Dinge als möglich an. Verminderte Schuldfähigkeit etc.
Gibt es aber nur in Ausnahmefällen, nie oder selten in deiner Argumentation. Da gibt es nur das eine Extrem. Überzeugung.

Überzeugung gibt es in zwei Versionen. Siehe zweiter Absatz.
daddy60
daddy60
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Re: Person und Gewissen
geschrieben von daddy60
als Antwort auf Mareike vom 07.02.2013, 13:13:17
Nochmal Antje Schrupp:
"Viele Bücher, in deren Titel das Wort »Gewissen« vorkommt, sind Biografien oder Autobiografien oder Festschriften zu Ehren irgendeiner Persönlichkeit. Persönlichkeiten, die sich dadurch auszeichneten, dass sie ein »Gewissen« hatten. Und was bedeutete das konkret? Es bedeutete keineswegs, dass sie schön brav waren, nichts Verbotenes taten. Sie taten im Gegenteil gerade das: Sie halfen Juden in Deutschland während des Nationalsozialismus, traten für Umweltschutz ein, als das noch nicht modern war, und so weiter. Sie folgten nämlich dem eigenen Gewissen mehr als den Gesetzen, dem Zeitgeist, dem Mainstream, waren aufrechte Streiter für das Gute, moralisch integre Menschen, die keine Angst davor hatten, sich unbeliebt zu machen und oder gar verfolgt und verurteilt zu werden."

Mareike


Das gefällt mir, ist ganz in meinem Sinne. Respekt vor den Menschen die viel riskierten und unbeirrt Menschen in Not halfen. Wie diese, die den Juden halfen, keine Angst hatten und sich nicht einfach dem Mainstream unterordneten.

Mir wollte man zu meiner Bundeswehrzeit ein schlechtes Gewissen einreden. Ich würde mich nicht Vaterlandskonform verhalten und sogar Befehle nicht befolgen.

Ich machte darauf aufmerksam nicht freiwillig zur Bundeswehr gekommen zu sein, sondern zwangsweise weil eingezogen. Ich machte darauf aufmerksam, dass man mir ohnehin nur in meiner Dienstzeit verschiedene Befehle geben kann, nach meiner Entlassung nicht mehr.

Ich verweigere verschiedene Befehle auch in meiner Dienstzeit, wenn diese nicht mit meinem Gewissen bzw nicht in Einklang meiner Überzeugung zu bringen sind. Und ich verweigerte Befehle, die zum Tode anderer führen können, ob mit oder ohne Waffe.
Hatte z.B. einen Befehl verweigert einen nicht ordnungsgemäß abgesicherten Schwertransport durchzuführen. Bekam nach eingehender Untersuchung Recht, diesen Befehl verweigert zu haben.

Mir war zwar sehr mulmig zumute, als ich diesen Befehl verweigerte, zumal er nur auf einer Aussage des Fahrlehrers beruhte. Dieser sagte, der Fahrer ist für die ordnungsgemäße Verladung verantwortlich und kein Befehl eines Generales o.ä. kann den Fahrer von seiner Verantwortung entbinden.
Okay, im Kriegsrecht kann das ganz anders sein, aber wir hatten keinen Krieg, Kriegsrecht war nicht anwendbar.

Ich differenziere zwischen angeblichem Gewissen und eigener Überzeugung. Wer Juden selbst unter dem Risiko half, das eigene Leben verlieren zu können, handelte nicht aus Gewissensgründen sondern aus Überzeugung.

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