Geisteswissenschaft / Philosophie Philosophie in unserer Zeit

Re: Philosophie in unserer Zeit - und meine Liebe für Denis Diderot
geschrieben von marina
als Antwort auf cecile vom 13.08.2011, 11:58:42
Cecile, der Satz ist nicht von Heidegger. Carlos schrieb: „Mit solchem Gedanken beginnt um ca 600 bis 500 v. Chr. die griechische Philosophie. Das ist seit langem bekannt. Das lernt man in der Schule.“

Philosophie ist in Deutschland kein Schulfach, zu meiner Schulzeit schon mal gar nicht. Es wird inzwischen in manchen Schulen in der Oberstufe angeboten, manchmal oder meistens allerdings nur als AG. Und Heidegger wurde in der Nachkriegszeit viel gelehrt an den Unis, weil seine ideologischen Verstrickungen erst später richtig bekannt wurden. Erst seit einiger Zeit ist das anders (ich habe gerade keine Lust nachzusehen, in welchem Jahr das aufgedeckt wurde). Zur Zeit ist er wohl an den Unis in Deutschland "out", um es mal etwas salopp auszudrücken. In anderen Ländern anscheinend nicht, als ich vor einigen Jahren in Paris war, lagen seine Bücher in den Buchhandlungen haufenweise auf den Tischen. Aber da ist sowieso die "Phänomenologie" en vogue, in Deutschland ist es gerade eher die Sprachphilosophie.

clara
clara
Mitglied

Re: Philosophie in unserer Zeit - und meine Liebe für Denis Diderot
geschrieben von clara
als Antwort auf marianne vom 13.08.2011, 08:29:21


Ich bin -ohne Fülosofiiiie- einigermaßen glücklich.


Ich auch - einigermaßen! Höhere Mathematik braucht "man" meistens auch nicht (wie so viel anderes Schulwissen), und trotzdem ist sie für Einige spannend.
Aber ist es nicht so, dass fast jeder Mensch irgend wann über seine Existenz, deren Sinn oder Sinnlosigkeit nachdenkt und auch über das, was uns so oder so handeln lässt oder handeln lassen sollte?
Spannend finde ich, was einzelne so genannte Philosophen über die Jahrhunderte hinweg so alles darüber meinten und zu vermitteln versuchten. Schon die Vielfalt ihrer Gedanken weist auf dieses schier unendliche Gebiet hin, das sich ja auf alle Lebensbereiche erstrecken kann. Ob Philosophie hilft, das Leben zu bewältigen, ist eine andere Frage.

Clara
Marija
Marija
Mitglied

Re: Philosophie in unserer Zeit - und meine Liebe für Denis Diderot
geschrieben von Marija
als Antwort auf clara vom 13.08.2011, 12:35:24


Ob Philosophie hilft, das Leben zu bewältigen, ist eine andere Frage.

Clara




Liebe Clara,

diese Frage stellt sich mir auch.
Und obgleich ich u.a. auch in diesem Fach Kapazitäten hören durfte, ist meine ERKENNTNISTHEORIE was das Leben- s - Gefühl und die Phänomene der Bedeutungsebene der meisten Menschen anbelangt, in folgendem Videoclip
subsumiert :

Erkenntnisse

Mit schmunzelndem und erdverbundenem Gruß an alle Philosophen in diesen sonnigen Sonntag hinein

Marija

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miriam
miriam
Mitglied

Re: Philosophie in unserer Zeit
geschrieben von miriam
als Antwort auf clara vom 13.08.2011, 12:35:24
Clara– ich setze mal bei deinem Satz an, also "Ob Philosophie hilft, das Leben zu bewältigen, ist eine andere Frage."

Ich denke schon, dass im gewissen Sinne, dies der Fall ist. Etwas hoch gegriffen, könnte man ja sagen, dass wir auch eine geistige Nahrung benötigen, um unsere Existenz als lebenswert bezeichnen zu können.

Ich schrieb weiter oben über Denis Diderot ("Jacques le fataliste...") – natürlich gibt es auch in der heutigen Zeit Philosophen, die ich persönlich sehr gerne lese – und die, nach meiner Meinung, gute Begleiter sind, durch diese manchmal schwierige Reise die sich Leben nennt.
Denn es ist eine Reise, bei der sich auch Irrwege auftun – die übrigens auch ein gedankliches Abenteuer sein können. Darüber vielleicht ein anderes Mal.

Zurück aber zur Reise durchs Leben. Gerne suche ich mir dabei kluge Begleiter aus – mit anderen Worten: jene Denker unserer Zeit, die mir hilfreich erscheinen.

Richard David Precht ist derjenige den ich hier in erster Linie nennen möchte – und dabei vor allem sein wunderbares Buch – "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?"
Was sich so skurril ankündigt, ist voller Weisheit – und sehr nah an die Fragen der Gegenwart.

Man könnte Precht auch als den Erkenntnistheoretiker der Gegenwart bezeichnen. Er philosophiert über das, was uns eigentlich alle bewegt - doch seine Antworten auf die großen Fragen (der Gegenwart - oder allgemeiner Gültigkeit), werden uns niemals aufgezwungen.

Noch einen Namen möchte ich hier erwähnen: Friedhelm Moser, mit seinem Buch "Kleine Philosophie für Nichtphilosophen".

Vorläufig nur soviel

Miriam
Re: Philosophie in unserer Zeit
geschrieben von marina
als Antwort auf miriam vom 14.08.2011, 11:06:15
Das von dir erwähnte Buch von Precht habe ich auch gern gelesen. Es ist vor allem sehr empfehlenswert für Nicht-Experten, eignet sich auch als Einführung in die Philosophie, denn er behandelt die wichtigsten Fragestellungen sehr gut verständlich. Außerdem bezieht er die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung und damit die Frage des freien Willens mit ein, was die Sache sehr interessant macht (Clara, ich bin mir sicher, dass du das Buch mit großem Interesse lesen würdest).
Zu der Frage des freien Willens gab es mal eine lange, zum Teil sehr interessante Diskussion vor ein paar Jahren im ST, ich verlinke sie hier.
clara
clara
Mitglied

Re: Philosophie in unserer Zeit
geschrieben von clara
als Antwort auf marina vom 14.08.2011, 11:34:20
Marina, nachdem jetzt schon an verschiedenen Orten das Buch von Precht so gelobt wurde, werde ich es mir schleunigst zulegen (ich muss sowieso mal wieder mehr lesen - Bücher meine ich! )!

Außer meinem Schulwissen über Philosophie, das uns ein Theologe beibrachte, dessen Hobby Kant war, habe ich mich sehr wenig damit befasst. Dann wurde mir vor einigen Jahren die Philosophie durch das Buch "Sofies Welt" nahe gebracht. Jedem, der nicht zu viel Zeit und Hirnschmalz in diese Wissenschaft investieren will, sei dieses spannende, wie ein Krimi zu lesende Buch empfohlen.

@ Miriam: Ich habe allerdings schon oft fest gestellt, dass Leute, die sich geistig mit völlig anderen Dingen, als der Philosophie beschäftigen, leichter durch's Leben kommen, als die "Denker". Das Leben selbst ist oft der beste Lehrmeister.

@ Marija: Diese Werbung (Link) zeigt die philosphischen Sichtweisen! Wie im richtigen Leben und hoch geistig ist es auch nicht (bei den Männern nur ein paar Prozente!)

Clara

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Edita
Edita
Mitglied

Re: Philosophie in unserer Zeit
geschrieben von Edita
als Antwort auf miriam vom 14.08.2011, 11:06:15

Zurück aber zur Reise durchs Leben. Gerne suche ich mir dabei kluge Begleiter aus – mit anderen Worten: jene Denker unserer Zeit, die mir hilfreich erscheinen.
Richard David Precht ist derjenige den ich hier in erster Linie nennen möchte – und dabei vor allem sein wunderbares Buch – "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?"
Was sich so skurril ankündigt, ist voller Weisheit – und sehr nah an die Fragen der Gegenwart.
Man könnte Precht auch als den Erkenntnistheoretiker der Gegenwart bezeichnen. Er philosophiert über das, was uns eigentlich alle bewegt - doch seine Antworten auf die großen Fragen (der Gegenwart - oder allgemeiner Gültigkeit), werden uns niemals aufgezwungen.
Miriam
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Ging bis jetzt ähnlich, nun habe ich aber große Zweifel bekommen, ob ich ihn in Zukunft auch noch für den klugen Menschen unserer gegenwärtigen Denker bezeichnen und auf ihn verweisen möchte.
Warum ?
Seine Ansicht über das Thema " was ist ein richtiger Anschlag auf die Freiheit " in Zusammenhang mit " Big Data " hat mich doch ziemlich schockiert! Die Mordopfer der Charlie Hebdo - Redaktion seinen " nur " ein paar Leute gewesen, und der Anschlag auf das World Trade Center sei auch kein echter Anschlag auf die Freiheit gewesen, nur Big Data sei für jeden einzelnen für uns ein " echter Anschlag auf die Freiheit "! Mit dem Anschlag auf das Center sei nicht die Freiheit attackiert worden, sondern allein die Hegemonie Amerikas!
Was hat er sich dabei gedacht, solche Vergleiche zu ziehen, hat er überhaupt was dabei gedacht? Bedeuten " nur ein paar Leute " nichts?
Gibt es eine Regel wieviele Tote es sein müssen, oder eine vernachlaßbare Anzahl von Toten, um Anschläge auf die Freiheit als solche auch benennen zu dürfen?
Ich war bisher der Meinung, daß, wo immer auch nur ein Mensch von Terroristen ermordet wird, daß immer auch ein Anschlag auf die Freiheit aller Menschen ist!
Ist es für einen Philosophen moralisch vertretbar solche Vergleiche zu ziehen? Ich bin ziemlich ratlos und erst mal kuriert von Herrn Precht!



Edita
mane
mane
Mitglied

Re: Philosophie in unserer Zeit
geschrieben von mane
als Antwort auf Edita vom 25.02.2015, 14:10:44
Hallo Edita,

meint Precht nicht eher, dass diese Anschläge - für sich genommen - die Freiheit des Einzelnen, jedes Einzelnen, weit weniger betreffen, als die stille, digitale Revolution und die Einnahme des Individuums durch "Big Data"?

Das kurze Video zeigt, in meinen Augen, nicht den Kern der Sendung, in der Richard David Precht ein Gespräch mit Gabor Steingart, Herausgeber "Handelsblatt" über das Thema:
Big Data - Wer kontrolliert die digitalen Supermächte?"
führte.

Gruß Mane
olga64
olga64
Mitglied

Re: Philosophie in unserer Zeit
geschrieben von olga64
als Antwort auf Edita vom 25.02.2015, 14:10:44
Ja, liebe Edita - so belassen wir doch einfach auch den "Philosophen" ihre Meinung und die eigene Defintion, was Sie dafür halten.
Lange habe ich solche Menschen ein wenig beneidet, weil sie sich anscheinend mit ihrer wissenschaftlichen Leidenschaft ihr Leben finanzieren können. Aber bei den vielen TV-Auftreten und der Prominenz der Herren Precht und auch Sloterdijk kam ich ins Grübeln. Sie werden ja stinkreich dadurch. Sie formulieren ihre Bücher so gut verständlich, damit sie in grossen Umfange gekauft werden und zu diesem Reichtum beitragen. Und damit wird eine inflationäre SChwemme der Philosophie in Gang gesetzt, auch wenn früher entsprechende Kalendersprüche ausreichend für manche der Thesen gewesen wären.
Ich halte es da bei mir als Laiin doch lieber mit Adorno, Habermas, Kant und den letzten Grossen, die das Rampenlicht nicht so unbedingt brauchten, wie die oben erwähnten,deren Aussagen aber länger Zeit andauern dürften und es auch schon tun. Olga
nasti
nasti
Mitglied

Re: Philosophie in unserer Zeit
geschrieben von nasti
als Antwort auf olga64 vom 25.02.2015, 15:39:18
Precht und Raphaël Enthoven sind meine Lieblinge.

Sie schreiben und sprechen einfach, für Menschen verständlich. Einmal waren da Zeiten wo ich auch ganz lange philosophische Gespräche führte mit Kollegen aus Preßborg, am Ende habe ich meine Zeit verloren damit, unsere Gespräche haben zum NIX geführt.
ich glaube es nicht das Herr Precht wäre besondere gut situierter Herr. Und wenn, dann gönne ich Ihm. Bin so indirekt auf die beide Philosoophen Männer verliebt. :) :)Ich liebe die Philosophie, aber eher ist das bei mir eine Koketterie. :):)

Nasti

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