Forum Kommentare zu den Artikeln der Blogger Gruppenbeitraege "Synthetische Biologie: Künstliche Bakterien die tun, was wir wollen? Chancen und Risiken."

Gruppenbeitraege "Synthetische Biologie: Künstliche Bakterien die tun, was wir wollen? Chancen und Risiken."

karl
karl
Administrator

Fachchinesisch?
geschrieben von karl
Falls ich zuviel Fachchinesisch in obigem Artikel geschrieben habe, bitte einfach fragen. Ich verspreche zu antworten. Es gibt keine dummen Fragen!

Karl
navallo
navallo
Mitglied

Skeptische Anmerkung
geschrieben von navallo
Karl,
für mich zeigt Craig Venter in seiner Selbstdarstellung Züge eines selbstverliebten Manikers. Die können zunächst erfolgreich sein. Warten wir es ab.

Die Vorgänge erinnern mich sehr an die sowjetische Biologin Olga Lepeschinskaja.
Die hatte vor etwa 60 Jahren großmäulig behauptet, Leben aus der Retorte – die sogenannte Urzeugung – wissenschaftlich gelöst zu haben. Wie Venter stand sie einem großen qualifizierten Team vor. Ihrem Kommunismus war sie so ergeben, daß sie als Ziel ihrer Forschungen sogar die Verlängerung des Lebens von „Sowjetmenschen“ offiziell ankündigte. Sie erhielt höchste Auszeichnungen, ihre vermeintlichen Versuchsergebnisse waren Unterrichtsstoff der Schulen.
In den 60ern fiel sie in Ungnade und Vergessenheit; denn die publizierten Versuchsergebnisse ließen sich nirgendwo reproduzieren.

In der DDR glaubte Manfred von Ardenne vor 50 Jahren, den Medizinern endlich gezeigt zu haben, wie man den Krebs mit Hilfe hyperbaren Sauerstoffs und Hyperthermie besiegt. Mir sträubt sich heute noch das Gefieder dieser aus meiner Sicht kläglich gescheiterten Versuche an kranken Menschen. Trotzdem gibt es noch Anhänger.

Ein bißchen Zukunfts-Spinnerei gehört unbedingt zur wissenschaftlichen Arbeit. Wo liegen die Grenzen zu irrealistischer Schaumschlägerei?
senhora
senhora
Mitglied

Risiken
geschrieben von senhora
Der Blick auf die ethische Seite interessiert mich, die wissenschaftliche überfordert mich doch ziemlich, gebe ich zu.
Neben sicher möglichen segensreichen Anwendungen, tritt aber auch hier wieder die Gefahr des Missbrauchs auf.

Aus dem »Spiegel«
Der Aufschwung der Gensynthese wirft radikal neue Sicherheitsfragen auf. Der Komplettnachbau der DNA eines größeren Bakteriums ist noch außer Reichweite -Escherichia coli aus dem Darm etwa hat gut 4,6 Millionen Basenpaare. Für die 185 000 Basenpaare Erbsubstanz des Pockenvirus - es wurde 1979 von der WHO für ausgerottet erklärt - wäre er hingegen theoretisch möglich.
Selbst etliche Hersteller fordern deshalb neue Sicherheitsregeln.
[....]
Und im Oktober 2005 rekonstruierte eine Gruppe um Jeffery K. Taubenberger vom Pathologischen Institut der U.S. Army in Rockville (Maryland) 13 500 Basenpaare des Influenzavirus von 1918. Der damit nachgebaute Grippeerreger demonstrierte in Tierversuchen sein tödliches Potential.
geschrieben von Aus dem "spiegel"

Ein Problem bei wissenschaftlichen Ergebnissen ist m. M. n., dass die Wissenschaftler die Verantwortung für deren Verwendung an die Politik und Wirtschaft weitergeben. Dort werden die wissenschaftlichen Methoden ökonomisiert und privatisiert und die hehren Ziele verschwinden im kapitalistischen Verwertungssystem.

Senhora

P.S. Dann noch gute Besserung!

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karl
karl
Administrator

Antwort an navallo
geschrieben von karl
Hallo navallo,

m. E. ist Craig Venter keineswegs vergleichbar mit Olga Lepeschinskaja. Es ist ja nicht so, dass Craig Venter bisher schlechte Arbeiten produziert hätte. Ganz im Gegenteil, er hat als Privatmann das Rennen beim Sequenzieren des menschlichen Genoms gegen das offizielle Humangenomprojekt eines weltweiten Universitätenverbundes gemacht und seine Sequenzdaten waren alles andere als Schrott. Das ist objektiv (quantitativ) überprüfbar.

Also der Ausweg zu sagen, das stimmt nicht, was er geschafft hat, das geht nicht. Wir müssen uns mit seinen Ergebnissen und Zielen auseinander setzen.

Karl
karl
karl
Administrator

Antwort an Senhora
geschrieben von karl
Hallo senhora,
Ein Problem bei wissenschaftlichen Ergebnissen ist m. M. n., dass die Wissenschaftler die Verantwortung für deren Verwendung an die Politik und Wirtschaft weitergeben. Dort werden die wissenschaftlichen Methoden ökonomisiert und privatisiert und die hehren Ziele verschwinden im kapitalistischen Verwertungssystem.
bei Craig Venter ist das anders, er gibt keine Verantwortung weiter, sonder vermarktet und verwertet selbst.

Den Sicherheitsaspekt werde ich in der Pfingstpause noch behandeln und hoffe auf einen interessanten Gedankenaustausch.

Karl
navallo
navallo
Mitglied

Antwort an Karl
geschrieben von navallo
Hallo Karl,
inzwischen habe ich mir das von Dir eingestellte Video in voller Länge über Craig Venter angesehen, welches einige Monate vorher gemacht wurde. Ich bin schwer beeindruckt. Das kommt bei mir nicht allzu häufig vor. Der Mann hat eine unwahrscheinliche Ausstrahlungskraft, beherrscht die Materie, argumentiert sehr sachlich und redet wirklich keinen Schrott. Als er auf seine frühere humorige Äußerung auf die Frage angesprochen wurde, ob er Gott spielen wolle, argumentierte er jetzt sinngemäß: „Wir betreiben nicht Religion, sondern Wissenschaft“. Interessant waren auch seine Stellungnahmen zu den landläufig unausbleiblichen Ängsten, denen er sich stellen muß. Er hat Risiken keineswegs bagatellisiert, sondern nüchtern abwägend eingeschätzt. Es stimmt, wenn der darauf hinweist, daß Forschungsergebnisse auch mißbraucht werden können. Das darf nicht dazu führen, Forschung – einschließlich gentechnischer - zu verbieten. Damit würden weitaus schlimmere Folgen für die unaufhaltsam wachsende Weltbevölkerung in Kauf genommen. Militante Bedenkenträger erweisen uns keinen Dienst, wenn sie wissenschaftliche Lösungsansätze globaler Probleme verhindern.

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karl
karl
Administrator

@ navallo
geschrieben von karl
Danke für deine Einschätzung. Ich bin auf diese Videos erst heute im Rahmen meiner Recherche gestoßen und mir ist es ebenso ergangen wie Dir.

Dieser Mann hat eine extrem starke Persönlichkeit und er wagt Dinge auszusprechen, wo andere sich auf die Zunge beißen würden aus Angst, politisch nicht korrekt zu sein. Er weiß, was er sagt und beeindruckt.

Karl
navallo
navallo
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Denkbares Anwendungsbeispiel: monoklonale Antikörper gegen Krebs und andere Krankheiten
geschrieben von navallo
Als Ergänzung der von karl genannten Anwendungmöglichkeiten in der Medizin. Vielleicht ist damit die mögliche Bedeutung Craig Venters leichter zu ermessen.

Seit Anfang der 80er Jahre ergab sich durch die Forschungen über monoklonale Antikörper durch Jerne, Köhler und Milstein (Nobelpreis 1984) unter anderem eine Möglichkeit, neben den bislang geübten Verfahren zur Krebsbehandlung – Operation, Bestrahlung und Zytostatika – Krebserkrankungen auch immunologisch anzugehen. Über komplizierte Verfahren kann man Antikörper herstellen, die gezielt und sehr spezifisch nur eine ganz bestimmte Zellart (Krebszellart) angreifen und vernichten. Das brachte die Aussicht, die „Kollateralschäden“, die man bei der üblichen Krebs-Therapie in Kauf nehmen muß, verhindern zu können. Eines der Probleme war, daß die benötigten Antikörper nicht in wünschenswerter Menge hergestellt werden konnten. Ein anderes, daß diese „Impfstoffe“ nicht in erforderlicher Reinheit produziert werden konnten und deshalb unerwünschte Nebenwirkungen zeigten. Ein weiteres Problem war der für lange Zeit unerschwingliche Preis. Hinzu kommen die Hemmnisse durch Patentrechte oft kleinerer Firmen, die selbst nicht in der Lage sind, den Markt ausreichend zu bedienen.

In den letzten 10 – 15 Jahren hat die Erforschung monoklonaler Antikörper langsam wieder Fahrt aufgenommen, aber auch weiter Rückschläge gebracht. So waren vor wenigen Jahren 6 Freiwilllige der Firma TeGenera – sie existiert m. W. inzwischen nicht mehr – infolge der Versuche lebensgefährlich erkrankt. Inzwischen gibt es schon als Medikament oder zur Diagnostik zugelassene monoklonale Antikörper bei einer Reihe schwer behandelbarer Krankheiten.
Neben zahlreichen Krebsarten (besonders sog. Blutkrebse, Leukämie oder Hodgkin) zählen dazu inzwischen Rheuma, Schuppenflechte, multiple Sklerose, Asthma, Osteoporose, Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantation ... ...

Bisher war der Einsatz monoklonaler Antikörper wegen der oben genannten Probleme speziellen Zentren vorbehalten und für normale Sterbliche ziemlich unerreichbar. Craig Venters Forschungsergebnisse könnten diesen Behandlungs- und Diagnostikmethoden meines Erachtens jetzt tatsächlich zu großen Durchbruch verhelfen. Ich hoffe, daß er genügend Verantwortung zeigen wird, diese Türen ohne allzuviel profitorientierte Patenthemmnisse offen zu lassen.
arno
arno
Mitglied

Die Politiker bestimmen die Nutzungsmöglichkeiten der wissenschaftlichen Erkenntnisse!
geschrieben von arno
Hallo, senhora,

Ein Problem bei wissenschaftlichen Ergebnissen ist m. M. n., dass die Wissenschaftler die Verantwortung für deren Verwendung an die Politik und Wirtschaft weitergeben. Dort werden die wissenschaftlichen Methoden ökonomisiert und privatisiert und die hehren Ziele verschwinden im kapitalistischen Verwertungssystem.


die Verantwortung für die Organisation der menschlichen Gemeinschaft, - also alles, was in, mit und um sie herum geschieht- , trägt die Politk.
Deshalb ist es auch richtig, wenn die Politiker bestimmen, wie mit den
wissenschaftlichen Erkenntnissen umgegangen werden soll.
Auch die Art der Nutzung in einem Wirtschaftssystem wird von der Politik bestimmt.

Viele Grüße
arno
arno
arno
Mitglied

Die Evolution kann der Mensch nicht aufheben!
geschrieben von arno
Hallo, karl,

ich denke, dass wir noch lange nicht von einer synthetischen
Biologie sprechen können, wenn ein erstes Genpräparat
hergestellt worden ist. Das Genpräparat kann sicher unter künstlichen,
von Wissenschaftlern optimierten Laborbedingungen die "Software"
entfalten lassen, aber es hat sich dadurch noch lange nicht im
Wirkungsgefüge der Natur über die Auslese der Evolution bewähren können!
Erst dann, wenn ein Genpräparat die Überlebenfähigkeit
in der Natur garantiert, beherrscht man erst einen sehr kleinen
Teil der sythetischen Biologie.

Viele Grüße
arno

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