Innenpolitik 13. August 1961

ingo
ingo
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13. August 1961
geschrieben von ingo
Dass an diesem Tag mit dem Mauerbau begonnen wurde, wissen wir. Wenn ich heute Zeitungen angucke, finde ich zwar im Zusammenhang mit der Schießbefehl-Diskussion zwar hier und da auch einen Hinweis auf das heutige Datum; aber das war's denn auch. Das ist nicht der Untergang des Abendlandes; mir fällt nur auf, dass es Jahr für Jahr Gedenkfeiern zu Ereignissen gibt, die über 60 Jahre zurückliegen, die kaum noch ein Lebender selbst kennt, während dieser Tag "vergessen" wird. Naja-die Mauer hat ja auch "nur" ca. 190 Menschenleben gekostet....und derer gedenke ich heute.
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kreuzkampus
schorsch
schorsch
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Re: 13. August 1961
geschrieben von schorsch
als Antwort auf ingo vom 13.08.2007, 10:03:56
Bedenkt: Damals wurden zig Menschen gefunden, die 1. die Steine aufeinander schichteten und 2. zig Menschen, die mit schussbereiter Waffe erstere beaufsichtigten. Wie konnte so was nur geschehen? Könnte das heute auch wieder?
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schorsch
kagula
kagula
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Re: 13. August 1961
geschrieben von kagula
als Antwort auf ingo vom 13.08.2007, 10:03:56
Ich habe diesen Tag in Hanau erlebt. Bei einem Spaziergang am frühen Morgen fiel mir auf das die amerikanische Garnison einem aufgreregtem Bienenstock glich - überall stellten sich gepanzerte Kolonnen auf, wurden Lastwagen bemannt - kurz, die Aufregung war nicht zu übersehen.
Ich selbst hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung über die Vorgänge in Berlin.
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kagula

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ehemaligesMitglied57
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Re: 13. August 1961
geschrieben von ehemaligesMitglied57
als Antwort auf schorsch vom 13.08.2007, 10:14:02
Bedenkt: Damals wurden zig Menschen gefunden, die 1. die Steine aufeinander schichteten und 2. zig Menschen, die mit schussbereiter Waffe erstere beaufsichtigten. Wie konnte so was nur geschehen? Könnte das heute auch wieder?
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schorsch


Zu Deiner ersten Frage, schorsch, möchte ich sagen, dass man die Vorgänge um den 13. August 1961 immer auch im historischen Kontext sehen muss, will man sie halbwegs richtig bewerten. Die Teilung unseres Landes begann nunmal nicht am Morgen jenes Augusttages, sondern wurde von Russen und Amerikanern noch während des Krieges in Jalta beschlossen. Diese späte Rache der Sieger ist nunmal ein geschichtliches Faktum, und dieses kommt in der aufgeregten öffentlichen Diskussion leider kaum mal aufs Tapet. Den Mauerbau selbst muss man quasi als logische Folge dieser bereits vollzogenen Teilung betrachten, wenn man unterstellt, dass die "DDR" vor der Wahl stand, sich ausbluten zu lassen, und sich sozusagen aufzugeben, oder aber an ihrer Linie festzuhalten. Es standen sich aber zu jener Zeit mächtige Militärblöcke gegenüber, und ich behaupte mal, dass es am allerwenigsten im Ermessen der "DDR" lag, hier zu entscheiden, wie es weitergeht. Die Entscheidung, ob Mauer oder nicht, wurde denen von den Russen aber locker abgenommen. Hätten die Ostdeutschen sich geweigert, die Mauer zu bauen, dann hätten die Russen selbst dort ein Bollwerk aufgezogen, denn ihren westlichsten Vorposten namens "DDR" hätten die ums verrecken nicht aufgegeben. Dass sich genügend Willfährige fanden, ist ein anderes Thema.
Ob das auch heute wieder geschehen könnte? So 1:1 gesehen sicher nicht, es gibt ja auch keinerlei Anlass dafür. Den Treppenwitz Heiligendamm möchte ich hier gar nicht erst bemühen. Dennoch kann ich auch unser System nicht gänzlich freisprechen von der Sünde des Mauerbauens und Mauerbewachens. Gemeint ist die Separierung unserer Gesellschaft in Oben und Unten, in Gebildete und dumm gehaltene. Arme, Hartz-IV-ler, verarmte Kinder/Alte werden ganz bewusst vom öffentlichen Leben fern gehalten. Als Mittel dafür bedient sich der Staat verknappter Geldzuweisungen an diese Leute, die sich damit ein selbstbestimmtes Leben in der Regel nicht ermöglichen können.

Sind wir den Mauerbauern/bewachern moralisch wirklich um soviel überlegen, indem wir diese Zustände zulassen?
--
gerald
eko
eko
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Re: 13. August 1961
geschrieben von eko
als Antwort auf ehemaligesMitglied57 vom 13.08.2007, 11:09:16
"werden ganz bewusst vom öffentlichen Leben fern gehalten"

hmm, grübel, grübel !

Wer hält da wen ganz bewusst von welchem öffentlichen Leben fern ?? Das hätte ich ja ganz gerne etwas deutlicher formuliert erfahren. dezidiert nennt man das glaub ich, wenn man mit Fremdwörtern glänzen will.

Ach soooo:


"Als Mittel dafür bedient sich der Staat verknappter Geldzuweisungen an diese Leute, die sich damit ein selbstbestimmtes Leben in der Regel nicht ermöglichen können."

Au, au, au, das tut einem ja in den Augen weh!!

Ich denke eigentlich, dass "der Staat", von dem hier nebulöserweise gesprochen wird, nur das ausgeben kann, was er auch einnimmt....und wenn nix mehr in der Kasse ist, kann auch - zumindest aus diesem Topf, der dafür vorgesehen ist - nix mehr verteilt werden.

Dass aber der Staat, wer auch immer damit gemeint sein mag, ein Interesse daran haben soll, bestimmte Teile seiner Bürger von den Fleischtöpfen fernzuhalten, also das halte ich für inzwischen ziemlich verstaubte Propaganda a la Schnitzler.

Tut mir leid, Gerald, aber so sehe ich das. (


--
eko
ehemaligesMitglied57
ehemaligesMitglied57
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Re: 13. August 1961
geschrieben von ehemaligesMitglied57
als Antwort auf eko vom 15.08.2007, 13:38:11
Der Staat, lieber eko, steht gemäß seines Daseinssinnes schon in der Pflicht seinen Bürgern gegenüber. Nur um mal ein aktuelles Beispiel zu nennen: Wenn er von seinen Bürgern fordert, bis 67 zu arbeiten, muss er im Gegenzug aber auch die Bedingungen schaffen, dass die Leute in diesem Alter auch noch Arbeit bekommen. Er macht das nicht, dass wissen wir, er überlässt den Arbeitsmarkt weitestgehend der freien Wirtschaft. Die tut sich inder Regel schon schwer mit über-50-jährigen, was über 60 ist, wird behandelt, als hätte es die Seuche. Also bedient sich der Staat, der sowas zulässt, skrupellos an 2 Jahren Rentengeldern.
Natürlich kann nur das ausgegeben werden, was eingenommen wird. Aber auch hier versäumt der Staat seine Pflicht als Regularium, dass dafür zu sorgen hat, dass jeder seiner Bürger in die Lage versetzt wird, sein Lebensunterhalt mit seiner eigenen Hände Arbeit zu betreiten. Wenn nicht Arbeit für alle da ist, dann muss die vorhande Arbeit eben aufgeteilt werden. So einfach ist das. Das hat auch überhaupt nichts mit Sozialismus oder kommunistischer Spinnerei zu tun, die Du mir mit Deinem kleinen "Schnitzler"-Schlenker andichten wolltest, sondern ganz schlicht und einfach mit Moral.
Ich kann doch nicht allen ernstes einerseits euforisch die booooomende Wirtschaft in den höchsten Tönen preisen, und andererseits 7,4 Millionen Bundesbürger mit Hartz IV ruhig stellen. Das passt nicht ganz zusammen.
--
gerald

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eko
eko
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Re: 13. August 1961
geschrieben von eko
als Antwort auf ehemaligesMitglied57 vom 15.08.2007, 16:36:34
@ gerald:

Ich glaube, es würde nichts schaden, wenn Du ein bisschen Nachhilfe in Staatsbürgerkunde nehmen würdest.

Mir schwirrt jedes Mal der Kopf, wenn ich solche Sprüche höre von wegen, der Staatmüsse Arbeit für seine Bürger schaffen, wenn er schon das Rentenalter auf 67 erhöhen wolle. Wer solche Aussagen macht, hat nach meiner Einschätzung herzlich wenig Ahnung von den tatsächlichen Verhältnissen. Ich möchte wirklich gerne wissen, wie Du Dir das vorstellst, wie der Staat Arbeit beschaffen und verteilen soll. Ich hab da keine Vorstellung davon. Wir haben nun mal eine Marktwirtschaft. Das ist sicher nicht immer und nicht überall das Gelbe vom Ei, aber von allen Übeln noch immer dasjenige, das uns am wenigsten Probleme macht.

Arbeit lässt sich nun mal nicht verwalten und gerecht verteilen, , wie soll das denn gehen ohne abschnürende Bürokratie? Und wo soll denn Arbeit herkommen? Das ist doch nicht Aufgabe eines Staates. Solche Modelle sind doch bislang überall auf der Welt gescheitert.

Und wenn das Rentenaufkommen zu gering ist, um jedermann ein sorgenfreies Leben zu garantieren, ja was dann? Wenn der Kuchen nicht groß genug ist, müssen die Stücke eben kleiner gemacht werden. Anders geht das doch gar nicht.
--
eko
hafel
hafel
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Re: 13. August 1961
geschrieben von hafel
als Antwort auf ehemaligesMitglied57 vom 15.08.2007, 16:36:34
Gerald: Der Staat kann überhaupt keine Arbeitsplätze schaffen (sei dem er bläht seine Verwaltungen auf... aber das will doch keiner?) Der Staat muss die Voraussetzungen für Arbeit schaffen. Arbeit schafft immer das Gewerbe.
--
hafel
ehemaligesMitglied57
ehemaligesMitglied57
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Re: 13. August 1961
geschrieben von ehemaligesMitglied57
als Antwort auf hafel vom 16.08.2007, 10:27:04
@ eko und hafel

Nachhilfe in Sachen Wirtschaft kann nie schaden, auch ich, der ich die meiste Zeit meines Berufslebens selbständig war und bin, bin sehr aufgeschlossen, wenn es darum geht, neues zu erfahren.
Ihr beiden habt zwei Wörter aufgeschnappt, nämlich STAAT und ARBEIT, habt diese mit eurem Denkmuster verglichen, und dann erbost geantwortet: der Staat kann keine Arbeit schaffen.
Nur mal zum Vergleich, geschrieben hatte ich:

Wenn er von seinen Bürgern fordert, bis 67 zu arbeiten, muss er im Gegenzug aber auch die Bedingungen schaffen, dass die Leute in diesem Alter auch noch Arbeit bekommen.


Ist der Unterschied in der Aussage für euch erkennbar?

--
gerald
hafel
hafel
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Re: 13. August 1961
geschrieben von hafel
als Antwort auf ehemaligesMitglied57 vom 16.08.2007, 10:46:40
Richtig Gerald: die Wirtschaft muss auch die Bedingungen aufnehmen.
--
hafel

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