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Innenpolitik Aldi und die Obdachlosen

olga64
olga64
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Re: Obdachlose-Armut
geschrieben von olga64
als Antwort auf Tina1 vom 29.05.2015, 06:45:48
ABer Tina - weshalb werden Sie schon wieder mir gegenüber persönlich, wo Sie mich doch gar nicht kennen? ES kann ja auch umgekehrt gewesen sein: als Halbwaise mit 15 Jahren arbeitete ich als Schülerin in einem Supermarkt, um weiter aufs Gymnasium gehen zu können. Dann ging es ins Ausland, um die Sprachen zu erlernen - ich arbeitete dafür.
Dann kam das Studium - ich verdiente es mir mit vielfältigen Jobs.
Bei allem wusste ich, dass es hart ist, aber immer besser werden wird - so kam es dann ja auch.
Es verschaffte mir aber auch die mentale Sicherheit, dass ich den wohl meisten Situationen in meinem Leben gewachsen sein werde- und so kam es dann auch. Diese Sicherheit im Leben erschien mir immer wichtiger als z.B. staatliche Transferleistungen, die mich vermutlich in die Resignation und auch in die Bequemlichkeit getrieben hätten.
Ich war und bin immer dafür gewesen, armen Menschen zu helfen (insbesondere denen, die Zuflucht in unserem Land suchen, bzw. eine gerechte Chance erwarten). ABer diese Hilfe soll temporär sein und auf dem Fundament aufgebaut werden, dass es Hilfe zur Selbsthilfe ist - nur so kann es klappen,dass jemand seine weitere Chance selbst sieht und ergreift. Olga
pschroed
pschroed
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Re: Aldi und die Obdachlosen
geschrieben von pschroed
als Antwort auf mart1 vom 29.05.2015, 11:30:40
Ich habe nicht das Gefühl, dass du ablenken wolltest. ...
Ich wollte nur auf einen Automatismus hinweisen, den die Boulevardzeitungen perfekt können. Auf diesen Zug steigen dann leider viele auf..hat doch jeder schon einmal negative Erfahrungen gemacht....und schon sind Kriegsflüchtlinge Verbrecher und Betrüger etc.

Ich hoffe, du verstehst mich da richtig. Ich meine nicht, dass du absichtlich ablenken wolltest oder den Verkäufern miese Absichten unterstellst.


Nein ich verstehe nicht was du mir persönlich sagen möchtest "Sorry"

Phil.
Bruny
Bruny
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Re: Obdachlose-Armut
geschrieben von Bruny
als Antwort auf olga64 vom 29.05.2015, 17:33:07
Es geht um Obdachlose und das Aldi Verbot bezüglich des Verkaufs einer kleinen Broschüre. Aber was kommt als Antwort:
Ich, ich, ich, ich, ich - aber es geht nicht um Ihren Werdegang Olga, es sei denn Sie sind Obdachlos?
Bruny

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adam
adam
Mitglied

Re: Obdachlose-Armut
geschrieben von adam
Wenn zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht dasselbe. Wenn durch Google, Facebook oder Youtube Milliardengeschäfte mit fremden Eigentum gemacht werden, gilt es als genial innovativ und geschäftstüchtig. Tut es ein obdachloser Fiftyfiftyverkäufer, gilt er als Schmarotzer und kriminell. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen, wenn der Versuchung erlegen wird, Geld zu verdienen und dabei die Gelegenheit zu eigenen Gunsten zurecht gebogen wird.

Aldikunde bin ich nicht, konnte aber vor Penny ein Jahr lang beobachten, wie sich ein Fiftyfiftyverkäufer zum Geschäftsmann zu eigenen Gunsten wandelte.

Was kam zuerst? Der herrenlos herumstehende Einkaufswagen mit Eurostück oder der Kunde, der ein Eurostück brauchte und bei dem alten Mann gewechselt haben wollte? Niemand weiß es, aber der Zeitungsverkäufer erkannte die Gunst seines Standortes und sein Interesse verschob sich vor einem guten Jahr vom Zeitungsverkauf auf die Eurostücke in den Einkaufswagen. Kann man es ihm verübeln, wenn er sie zuerst nur einsammeln mußte, z.B. von genervten Müttern, die den Wagen einfach stehen ließen, weil sie sich um ihre Kinder kümmern mußten oder in Zeitnot waren?

Der alte Herr griff natürlich zu, wie es jeder getan hätte. Und er erkannte mit der Zeit, wie er sanft nachhelfen konnte. Er lief Leuten entgegen, die den Einkaufswagen zurück zum Stand bringen wollten und so mancher überließ ihm den Wagen. Oder er zog eine ganze Wagenschlange aus dem Unterstand, befreite sie von Zetteln, Prospekten und Gemüseresten, wobei er natürlich den Weg zum Unterstand blockierte, das Zurückbringen verhinderte und siehe da, schon standen wieder ein paar herrenlose Wagen da. Jetzt war er schon Geldwechsler, zum angestrebten Kurs von 1:2, das heißt 1 Eurostück gegen ein Zweieurostück, weil er gerade nur ein einziges Eurostück hatte und er war zuständig für die Einkaufswagen. Hinzu kam das Hundesitten.

Hundehalter, die mit ihren Vierbeinern zum Einkaufen gingen, banden ihre Hunde im Eingangsbereich von Penny oder direkt daneben, vor der Bäckerei, an. Nun ist es nicht jedermanns Sache, vor dem Betreten von Penny von einer Deutschen Dogge auf den Nährwert geschätzt zu werden oder sich, vor der Bäckerei, in den direkten Gefahrenbereich eines rosafarbenen Pinranha-Zwergpudels zu begeben. Also baten Penny und die Bäckerei darum, die Hunde im Auto zu lassen. Was aber tun, wenn man zu Fuß oder mit dem Fahrrad, samt Hund unterwegs war? Der Kauf eines Autos, nur für den Pennyparkplatz wegen Hund, rechnete sich nicht wirklich. Also bat man den Zeitungsverkäufer um Hilfe und band die Hunde bei ihm fest. So kam es für diesen zum dritten Obolus-Geschätsbereich , nein zum vierten, denn Zeitungen sollte er ja auch noch verkaufen.

Was tut ein Betrieb, der personalmäßig nicht aufstocken kann, aber weiter gewinnstrebend expandieren möchte? Richtig! Er automatisiert! Der Zeitungsverkäufer tat dies mittels eines nagelneuen Iphones, das er in der Parkbucht der Einkaufwagen plazierte und südosteuropäische Folklore spielen ließ.

Nun klingt südosteuropäische Folklore, abgespielt in der Lautstärke eines startenden Jumbojets, für das schunkelliedgewöhnte Gemüt des durchschnittlichen Rheinländers, etwa wie eine Mischung zwischen lautsprecherverstärktem Muezzin in Kairo und dem bayrischen Schuhplattler der Sägewerkszunft. Also mieden die Düsseldorfer Eingeborenen den Unterstand der Einkaufswagen und ließen diese lieber gleich in gehörigem Abstand stehen, mit Eurostück, versteht sich.

War es den Aufwand wert? Diese Frage muß gestellt werden, also kommen wir zur Buchführung. Vorsichtige Schätzungen, unter Berücksichtigung von Fleiß des Zeitungsverkäufers und Kundenandrang, ergeben einen Tagesverdienst an Eurostücken zwischen 50 und 200. Gehen wir von der goldenen Mitte aus, von 125 Euro am Tag, ergibt das, bei 20 Arbeitstagen im Monat, einen Monatsverdienst von 2500,-€, rein netto cassa. Sicher mehr als durch Zeitungsverkauf und geboren aus der gleichen Idee wie bei Google, Facebook oder Youtube.

Leider hatte es für unseren Zeitungsverkäufer kein vergleichbares goldenes Ende, denn ihm wurde der Aldiskandal zum Verhängnis. Er verkauft nur wieder nur Zeitungen, am Revers seines abgetragenen Mantels hat er einen Plastikausweis, die Zeitungen wieder vor der Brust. Nur das Iphone spielt noch, allerdings leiser und westliche Weisen. Ein Trost mag dem Mann sein, daß er im vergangenen Jahr geschätzte 20.000,-€ verdient hat.

Beobachtet bei Penny, gegenüber Bahnhof Eller, über der Unterführung der Vennhauser-Alle.

--

adam
Bruny
Bruny
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Re: Obdachlose-Armut
geschrieben von Bruny
als Antwort auf adam vom 31.05.2015, 10:34:49
Danke für die Erheiterung am heutigen Tag . Auch wenn es im Prinzip um Armut geht, glaube ich doch dass Du gegen meinen herzhaften Lacher nicht einzuwenden hast
Bruny

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