Forum Politik und Gesellschaft Innenpolitik Chancengleichheit im Schulsystem?

Innenpolitik Chancengleichheit im Schulsystem?

Re: Chancengleichheit im Schulsystem?
geschrieben von klaus
als Antwort auf hugo vom 08.09.2010, 18:20:58
"so sahen wir ca 1950 aus"
geschrieben von hugo


Da habt ihr aber Glück gehabt.

Wir waren erheblich mehr Schüler in einer Klasse- nämlich 54.
Hatten aber eine sehr hübsche Klassenleiterin.

Klasse(klaus)


Ich bin 3. v. rechts oben(Klasse 2- 1949) ----- Und du ?

clara
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Mitglied

Körperliche Züchtigung ist beschämend!
geschrieben von clara
als Antwort auf digi vom 08.09.2010, 22:49:09
Clara: ...Und ich glaube nicht, daß er es gut fand, hin und wieder mal ne Watsche auszuteilen.(digizar)
Warum hat er es dann getan?


Weil der Empfänger so renitent war,
und damit 'Gefahr im Verzuge' war?



Digizar, zu meiner Schulzeit gab es auch die Prügelstrafe, und auch ich bekam einige Male wegen Geschwätzigkeit im Unterricht ein so genanntes Patschhändchen, also einen Schlag mit einem Stock auf die flach auszustreckende Hand. Für eine kleine Hand (ich war ca. 10 Jahre alt) ziemlich schmerzhaft und anhaltend! Die Jungen wurden über’s Knie gelegt und verdroschen.

Es ist sehr gut, dass in Schulen keinerlei körperliche Strafen mehr erlaubt sind. Schlimm genug, dass sie in vielen Elternhäusern noch angewandt und Kinder sogar tot geschlagen werden! Auch ist erwiesen, dass nicht wenige Menschen, die als Kind körperliche Misshandlungen erleiden mussten, später als Erwachsene diese Erfahrung an die nächste Generation weiter geben. Manchen fällt es schwer, aus diesem Teufelskreis heraus zu kommen.

Strafen sind ohnehin das letzte Mittel bei der (schulischen) Erziehung. Für einen Lehrer ist es ein Armutszeugnis, sich Autorität nur mit Androhung oder Ausführung von Prügeln zu verschaffen, als Machtdemonstration eines Stärkeren gegenüber einem Schwächeren. Mit dem eigentlichen pädagogischen Ziel hat dies nichts zu tun. Zusätzlich kann bei Kindern Angst vor körperlicher Strafe zu einer Lernhemmung führen.

Ich stimme nicht mit Dir überein, dass sich jemand, ein Kind, die „Dresche verdient“. Es war aber zur damaligen Zeit noch ein übliches und nicht weiter nachgefragtes „Erziehungs“-Mittel. Heute ganz unmöglich, weil die Eltern sofort auf die Barrikaden steigen und es sich auch die Schüler ab einem gewissen Alter nicht mehr gefallen ließen – und eventuell zurückschlagen würden.

Interessant in diesem Zusammenhang und wenigstens ein wenig zum Ausgangsthema passend, ist die Tatsache, dass bis vor einigen Jahrzehnten nur Volksschüler körperlich gezüchtigt werden durften, keine Gymnasiasten!

Gruß, Clara

P.s. Das sind schöne Klassenbilder, Hugo und Klaus! Sie ähneln doch sehr meinen, fast nur reinen Mädchenklassen, früher wurde ja noch getrennt.
rolf †
rolf †
Mitglied

Re: Chancengleichheit im Schulsystem?
geschrieben von rolf †
Das erinnert mich an eine Lehrerin, die auch gerne mit einem kräftigen Rohrstockschlag in die linke Hand strafte. Dazu setzte sie sich vor dem Missetäter auf den Tisch, der Schüler oder die Schülerin durfte seine Hand auf ihr Bei legen und dann schlug sie in die offene Hand.
Bis sie an den Falschen, nämlich mich geriet, ich zog meine Hand rechtzeitig Weg, sodaß sie den Schlag spürte. Sie hat den Rohrstock nie mehr benutzt, ihr war wohl vorher garnicht bewußt, wie weh das tat.

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digi
digi
Mitglied

Re: Also, ich finde das beschämend
geschrieben von digi
als Antwort auf marina vom 08.09.2010, 23:46:28
digizar: ...Meine Kinder haben nie einen Handstreich erleiden müssen...

Ja, tollerweise hast Du aber auch gar nichts verstanden, Marina, geschweige denn überhaupt gelesen.

Mir dann so eine Unverschämtheit zu unterstellen
aus meiner Beschreibung wie es mir ergangen ist,
und daß es mir auch so gefallen würde,
ey, das ist schon ein verdammt starkes Stück.

Bei manchen Menschen kommt halt immer wieder ihr frustriertes Leben durch, die können dann auch gar nicht mehr anders, als auch noch hier ihren unqualifizierten, gehässigen Seich zwanghaft bei jeder unpassenden Gelegenheit ablaichen zu müssen.

Dazu gehörst auch Du ganz offensichtlich.
Ich wünsche Dir ein langes, ausgefülltes Leben damit;
hoffentlich angereichert mit eigenem weiterem Schrott, damit Du Dich auch richtig darin wohlfühlst.

-digi-

Die Beschwerdestelle ob meiner ach so garstigen Worte ist der 'webmaster'.
_______________________________________________


Dennoch stelle ich ein paar Beispiele, Fallkonstruktionen hier ein.
Vielleicht regen sie Dich und andere doch zum richtigen Lesen und Nachdenken wenigstens mal an.

Dazu waren alle meine bisherigen Beiträge gedacht, selbst mit Vorschlägen bestückt.
Nun denn, sie waren es.

Man beachte dazu meine Visitenkarte
und besonders diesen Link:

Perverses? (pdf)
vangelis
vangelis
Mitglied

Re: Chancengleichheit im Schulsystem?
geschrieben von vangelis
als Antwort auf rolf † vom 09.09.2010, 14:03:45
Da hänge ich mich mal dran,

bei mir war es ein Kaplan zu dem ich als 10 Jährige nicht sagte,"Guten Morgen Herr Kaplan".Schon bekam ich die berühmten Tatzen, also auf die Hand mit Stock geschlagen.
2 Monate später hatte ich meine 1.Kommunion, ich wollte nicht, musste aber.
Die Priester und Kirche waren seit dieser Zeit bei mir untendurch.
Auch meine Unterrichtenden Klosterschwestern waren nicht viel besser.
Sie wollten unbedingt, dass ich ins Kloster eintrete.
Wenn ich mir das heute noch vorstelle, bekomme ich eine leichte Wut.
Ich habe meine Kinder nie geschlagen oder gewatscht darauf bin ich heute noch stolz.Sie sind beide erfolgreich im Leben.

vangelis
carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Chancengleichheit im Schulsystem?
geschrieben von carlos1
als Antwort auf Urego vom 07.09.2010, 20:47:19
"Chancengleichheit im Schulsystem?"

@ urego,
ich hänge mich an deinen ersten Beitrag einfach an. Du greifst ein Beispiel der deiner Meinung nach ungleichen Lehrerversorgung auf und knüpfst daran die Frage der Chancenungleichheit in der Schule (ich schreibe bewusst nicht "Schulsystem").

M.E. gibt es das Ideal Chancengleichheit, aber nicht die Chancengleichheit in der Wirklichkeit. Sie kann auch nicht durch eine gute Lehrerversorgung allein "hergestellt" werden, nach dem Motto "Genügend Lehrer = mehr und bessere Bildung". Chancengleichheit ist nicht dasselbe wie die Zuteilung einer gleich großen Wurstscheibe. Bildung ist ebenkeine Wurstscheibe, die in „gleicher“ Weise zugeteilt wird. Deshalb wäre es besser, wir sprechen von Chancengerechtigkeit. Aber auch dann fliegen die Chancen nicht zu. Chancen müssen ergriffen werden. Es sind nicht immer die Intelligentesten, die die chancen ergreifen, eher die Motivierten, Gerissenen, Praxisorientierten von vornherein im Elternhaus Geförderten, Aggressivere.

Es könnte sein, dass mehr Lehrer bessere Bildungschancen bedeuten. Wenn jedes Kind individuell gefördert werden könnte, seine eigenen Lehrer hätte, wäre die Chance eher größer, dass Bildungschancen ergriffen würden. Es wird aber im Falle der von dir genannten Zahlen (20 pro Klasse – wohl deshalb so niedrig, weil es um Lernbehinderte geht) nicht in jedem Falle so sein, nicht zwangsläufig. Nicht einmal die Intelligenz, weniger die unterschiedliche "genetische" Ausstattung bis zu einem gewissen Grade, dann vor allem die soziokulturellen Faktoren spielen die entscheidende Rolle. Wer Schüler bei ihrem positiven oder negativen Lernerfolg beobachtet, ihren häuslichen Hintergrund, ihre Freizeitbeschäftigung, ihre Lektüre heranzieht, wird oft ebenso interessante Aufschlüsse erhalten wie durch einen Intelligenztest, obwohl sie korrelieren werden. Eine anregungsreiche (nicht reiche) familiäre Umgebung wirkt immens stimulierend.


Ein Lehrer wird beim Kennenlernen einer Klasse sich zunächst durch die mündliche Beteiligung ein Bild zu machen versuchen, und von vornherein spielt die Notengebung, der Leistungsdruck mit. Er wird erleben, dass die ersten schriftlichen Arbeiten eine andere Einordnung ergeben als die mündlichen Leistungen. Wie soll er Leistung bewerten, d. h. Mündliches und Schriftliches gewichten? Wie überhaupt die mündlichen Äußerungen? Im Hinterkopf hat der Unterrichtende evetuell das Schema der Gaußschen Glockenkurve, der "normalen" Intelligenzverteilung. Er erwartet demzufolge eine kleine Spitzengruppe, einen großen durchschnittlichen Bauch und das Gegenteil der Spitzengruppe unten. Aber dann erlebt er, dass die Zusammensetzung der Klassen diesem Bild der Normalverteilung nicht entsprechen. Es gibt Abweichungen nach oben und unten. Er wird weitere Erfahrungen machen, wenn er ein oder zwei Parallelklassen unterrichtet und nach dem identischen Unterricht (sofern im Zeitablauf möglich!), die gleichen Tests vorgibt. Er wird unterschiedliche Ergebnisse vorliegen haben, andere Notenverteilungen und andere Schnitte oder auch recht ähnliche. Es gibt Lehrer, die sofort nachsehen, welche Zeugnisnoten und Tests Schüler bisher geschrieben haben. Am Ende, bei der Notengebung, muss der Unterrichtende darauf achten, dass kein zu starker Notensprung vorliegt (Vorschrift!). Ich erinnere mich an meine eigene Zeit an den Mathematikunterricht in der 6. Klasse. Der Unterrichtende war Aushilfslehrer, eigentlich war er Chemiker in der Industrie. Es war das Jahr 1948. Nun gut, ich schrieb eine sechs nach der anderen. Die Aufgaben waren richtig verstanden, das Ergebnis war in allen Stellen richtig, nur das Komma war verrutscht. Also alle Aufgab en sechs. Bei achtmaligem Schulwechsel in wenigen Jahren fehlte die Sorgfalt bei mir. Im Zeugnis gab es ein ungenügend. Im nächsten Jahr kam ein anderer Lehrer. Streng, aber hilfsbereit. Ich schrieb nun zweien. Der knöpfte mich vor, nahm mich hart ran, aber ich merkte, dass er es gut meinte. Mehr als vier hätte es nach Vorschrift nicht geben dürfen. Also erhielt ich eine drei. Mathematisch denken lernte ich in der Schule nicht. Es war reiner Rechenunterricht, darauf abgerichtet Aufgaben nach Schema zu lösen, Lehrsätze zu beweisen und tödlich langweilig. Dass große Mathematiker auch Philosophen, Theologen und Naturforscher waren, erfuhr ich später. Das waren Denker, ich lernte halt Rechner kennen. Meine Tochter erlebte die gleichen intellektuellen Tranfunzeln in diesem Fach. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie immer noch. Die Lehrbücher scheinen aber schon Hinweise auf eine Öffnung in Richtung Öffnung auf andere Fächer zu enthalten. Wer anderen etwas vermitteln will, muss in sich ein Feuer spüren, muss selbst sich wundern und selbst staunen können und neugierig sein.


Die Qualität des Unterrichts spielt eine Rolle. Es gibt Schulleiter, die ihre Lehrer dadurch überwachen, dass sie (trotz Sprechanlage) gerne Mitteilungen ins Klassenzimmer überbringen. Herrscht Tohuwabohu oder kann ein dezentes Klopfen gehört werden? Wir sollten uns von der Vorstellung lösen, dass ungebildeten (unintelligenten) Schülern hoch gebildete intelligente Lehrer gegenüber stehen. Lehrer machen täglich Fehler über Fehler, fachlich, didaktisch, pädagogisch. Mir ist bekannt, dass eine Konrektorin einer Grund- und Hauptschule Schwächen in der deutschen Rechtschreibung und im Sprachverständnis hat. Das ist bis jetzt niemand aufgefallen, spielt vielleicht auch keine so bedeutende Rolle mehr heute. Auch die Vorstellung, dass Kinder aus so genannten besseren Kreisen, auch automatisch besser sind, ist eine Feststellung, die nicht in jedem Fall bestätigt wird. Sie sind oft lethargischer und arroganter, aber auch wiederum motivierter, treten gern mit Führungsanspruch auf, auch wenn Leistungen nur durchschnittlich sind. Es ist ein Märchen, dass die Intelligentesten die Führungsposten in Staat und Gesellschaft übernehmen. Es sind die Machtbewusstesten, Ehrgeizigsten und Skrupellosesten. Zu hohe Intelligenz schadet nur bei schnellen Entscheidungen.

@ digizar,
da gebe ich dir recht, digi. Sechs Studen lang still sitzen ist nicht im Programm des Organismus eines Jungen vorgesehen. Er braucht Sauerstoff und muss rennen und laufen. Die Schule zwingt ihn zum Stillsitzen. Dem ließe sich durch häufigere kurze Unterbrechungen mit kürperlicher Betätigung abhelfen. Ich wundere mich heute, wie Jungen die große Zahl der Lehrerinnen ertragen. Das hat nichts mit Anti-Gefühlen gegenüber Frauen zu tun.

c.

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clara
clara
Mitglied

Re: Chancengleichheit im Schulsystem?
geschrieben von clara
als Antwort auf carlos1 vom 09.09.2010, 17:34:36
Carlos, ich greife nur den letzten Absatz Deines Beitrags heraus, weil zu allen von Dir genannten Faktoren nichts weiter hinzu zu fügen ist.

In der Grundschule, wo die Kinder altersmäßig den größten Bewegungsdrang haben (auch Mädchen! ), sind die von Dir geforderten kurzen Unterbrechungen zwecks Bewegung schon seit langem in den Unterrichtsablauf eingeplant und in ihrer Art zum gerade behandelten Stoff gehörend, besonders in den ersten beiden Schuljahren. Sie sind deshalb gut innerhalb des Klassenzimmers durchzuführen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass fünf- bis siebenjährige Kinder lediglich 15 Minuten und acht- bis zehnjährige 20 Minuten konzentriert arbeiten können. Da geht es gar nicht anders, als kurze Pausen einzuplanen, eben um dem Bewegungsdrang der Kinder Rechnung zu tragen. In höheren Jahrgängen erfordern bestimmte Fächer einen Blockunterricht von 90 Minuten, was problematisch ist, weil schon nach höchstens 50 Minuten die Konzentration schwindet. Eine Zeit, die auch für Erwachsene gilt, wie jeder an sich selbst bei einem Vortrag z.B. fest stellt.

Es wird allgemein nicht als positiv empfunden, dass die Lehrkräfte an Grundschulen bis zu 80% weiblich sind, oft ist dort der einzige Mann der Rektor, nichts Neues! Jungen brauchen unbestritten auch männliche Vorbilder, zumal diese in den Familien zunehmend auch fehlen, denkt man an die vielen allein erziehenden Mütter. Durch Kriege sind Jungen leider schon oft ohne diese männlichen Vorbilder aufgewachsen.
Aber selbst kleine muslimische Machos müssen sich mit der Verweiblichung der(Grund) Schulen abfinden und notgedrungen lernen, Anweisungen von Frauen zu befolgen.
Vielleicht trauen sich irgend wann mal wieder mehr Männer zu, in einer Grundschule zu unterrichten! Immerhin ist sie noch eine echte Gesamtschule und für ihre Schüler ist noch alles möglich!

Gruß, Clara

Urego
Urego
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Re: Chancengleichheit im Schulsystem?
geschrieben von Urego
als Antwort auf clara vom 10.09.2010, 13:18:34
Liebe Clara, lieber Carlos,

für mich erscheint es wie eine Anmaßung, Euren Beiträgen noch etwas hinzufügen zu wollen. Sie sind sehr qualifiziert und erfahrungsreich. Darum tue ich es auch nicht.

Urego
carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Chancengleichheit im Schulsystem?
geschrieben von carlos1
als Antwort auf Urego vom 10.09.2010, 16:53:12
" ...für mich erscheint es wie eine Anmaßung, Euren Beiträgen noch etwas hinzufügen zu wollen. Sie sind sehr qualifiziert und erfahrungsreich." urego


Hallo urego,
übertreibe bitte nicht. Es sind Normal-Sterbliche, die schreiben, die Fehler machen. Der Funke, der sie am Leben erhält , ist die Hoffnung etwas Neues zu erfahren und zu lernen. Das allein ist schon gute Unterhaltung.

Clara hat eine wichtige Sache angesprochen:

"Untersuchungen haben gezeigt, dass fünf- bis siebenjährige Kinder lediglich 15 Minuten und acht- bis zehnjährige 20 Minuten konzentriert arbeiten können. Da geht es gar nicht anders, als kurze Pausen einzuplanen, eben um dem Bewegungsdrang der Kinder Rechnung zu tragen.


In den Grundschulen haben die Kinder die Möglichkeit sich in einer Ecke eigenständig zu beschäftigen, Material sich auszusuchen zur Arbeit oder mit dem Computer zu üben. Sie könne sich etwas bewegen. Meine Frau unterrichtete an einer Grundschule und hatte eine Menge Möbel und Regale mit vielen selbt gestaltetem Unterrichtsmaterialien in ihrem Klassenzimmer untergebracht. Es wechselt die gemeinsame Arbeit mit den Schülern und Gruppenarbeit ab. Ich fand es interessant, dass intensiv auch Wochen vorher auf Projekte am Schuljahrsende hingearbeitet wurde, etwa zum Thema Wald, oder dem Thema Milch. Das Projekt Pflanzen wurde über den nebenan liegenden Schulgarten und eine große Anzahl von Blumensämlingen vorbereitet, die Wochen vorher gezogen wurden und dann verkauft wurden. Die Kinder lernten mit Eifer rechnen, denn sie mussten mit dem Geld umgehen lernen, wenn sie Einahmen erzielen wollten. Die Eltern, die zu Besuch ins Zimmer kamen, kauften ihnen für mehrere hundert DM (damals noch) Pflanzen ab. Ich erinnere mich, dass ich aus Anlass des Projekts Milch nach Stuttgart fahren musste mit einem Spezialanhänger, um die Holzkuh abzuholen. Eine Holzkuh also, in die Wasser gegossen wurde, damit sie gemolken werden konnte. Das ganze Zimmer war voll mit Milchprodukten und Schautafeln. Die lebensgroße buntgescheckte Holzkuh war die Attraktion, hier wurde gemolken, was das Rindvieh hergab. Meist kam gar nichts, weil eine bestimmte Technik beim Melken erforderlich ist.

"In höheren Jahrgängen erfordern bestimmte Fächer einen Blockunterricht von 90 Minuten, was problematisch ist, weil schon nach höchstens 50 Minuten die Konzentration schwindet. Eine Zeit, die auch für Erwachsene gilt, wie jeder an sich selbst bei einem Vortrag z.B. fest stellt." clara


Der Blockunterricht wäre eine Supersache, wenn er praktiziert würde. Wird er aber nicht. Doppelstunden sind m.E. kein Blockunterricht. Blockunterricht ist im Grunde ein Crashkurs, in dem während mehrerer Wochen in Intensivarbeit methodisch und didaktisch gezielt auf ein Ziel (z B. Kleines Latinum oder ein anderer Abschluss) hin gearbeitet werden könnte. Je intensiver sich jemand mit einer Sache befasst, die ihn interessiert, desto besser arbeitet er sich ein und umso weniger ermüdet er. Jede neue Stunde bedeteutet Umschaltung auf ein anderes Thema, neu motivieren, anstatt üben, üben .... . Vor allem im Sprachunterricht wird zu viel Zeit auf Spielchen und für Pippifax verplempert anstatt Automatismen einzuüben. Wenn Integration im Mittelpunkt steht ist Spracherwerb ein zentrales Ziel.

c.






clara
clara
Mitglied

Re: Chancengleichheit im Schulsystem?
geschrieben von clara
als Antwort auf carlos1 vom 11.09.2010, 22:54:25


Der Blockunterricht wäre eine Supersache, wenn er praktiziert würde. Wird er aber nicht. Doppelstunden sind m.E. kein Blockunterricht. Blockunterricht ist im Grunde ein Crashkurs, in dem während mehrerer Wochen in Intensivarbeit methodisch und didaktisch gezielt auf ein Ziel (z B. Kleines Latinum oder ein anderer Abschluss) hin gearbeitet werden könnte.

c.

Das stimmt, Carlos, Unterrichtsblock (z.B. eine Doppelstunde) wäre richtiger. Blockunterricht wird aktuell an Berufsschulen durchgeführt, oft für relativ seltene Ausbildungsberufe (z.B. Musikinstrumentenbauer oder Schornsteinfeger). Die Auszubildenden lernen dabei manchmal auch an speziellen Fachberufsschulen mit nur einem oder wenigen Standorten in Deutschland.

Besonders an Grundschulen, aber auch in der Unterstufe der weiterführenden Schulen sind Bildungseinheiten ein gutes Konzept. Sie kommen der gründlichen Behandlung eines Themas entgegen, weil dieses in den verschiedenen Fächern von verschiedenen Seiten unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet wird. Für die Schüler ganzheitlich und abwechslungsreich. Also eine Art Gesamtunterricht.

Was Du im Sprachunterricht unter „Spielchen“ verstehst, weiß ich nicht. In den modernen Sprachen sind Spielszenen erfahrungsgemäß nützlich, um reale Situationen im Ausland nachzustellen. Lieder und Verse sind für den Wortschatzerwerb auch gut geeignet. Ich könnte mir schon vorstellen, dass diese Art des Spracherwerbs auch für Migrantenkinder geeignet wäre, learning by doing. Was vor Jahren noch das Sprachlabor in den Schulen war, ersetzen heute Computer-Lernprogramme. Darin werden auch Vokabeln und Grammatik geübt. Das moderne Latein-Lehrbuch, das ich neulich sah, war didaktisch so aufbereitet, wie ich es mir früher nie hätte vorstellen können!

Aber das bürgerliche Rechnen, wie es einmal hieß (Mathematik meine ich nicht, obwohl es heute so bezeichnet wird), sollte wirklich geübt und nochmal geübt werden – ohne Taschenrechner! Dann würden auch die vielen Beschwerden der Ausbildungsbetriebe aufhören, die sich zu Recht über die katastrophalen „Leistungen“ der Schulabgänger gerade auch in diesem Fach beklagen!

Gruß, Clara



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