Forum Politik und Gesellschaft Innenpolitik Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!

Innenpolitik Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!

lars
lars
Mitglied

Re: Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!
geschrieben von lars
als Antwort auf clara vom 15.12.2012, 16:31:36
Das sehe ich genau gleich als unbeteiligter clara.
Unsere lieben Nachbarn,"grosser Kanton" haben die Tendenz, fast alles nachzumachen. Es hat sich aber schon gebessert in letzter Zeit! Vermehrt wird aufbegehrt, das finde ich gut, ist bei uns schon X Jahre möglich. Wir haben halt eine richtige Demokratie, und sogar die älteste. Finde es auch komisch, dass für die ehemalige DDR immer noch Steuerabgaben abgezweigt werden von den Wessis, sollten sich doch finanziell schon längst erholt haben von dem "Schreck"?
pippa
pippa
Mitglied

Re: Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!
geschrieben von pippa
als Antwort auf clara vom 15.12.2012, 16:31:36
Dagegen glaube ich, dass unter gewissen Umständen aus einem biederen (Spieß)Bürger rasch ein gewissenloser Mörder werden kann. Geschickte Demagogen können eine harmlose Grundeinstellung zu ihren Gunsten manipulieren, und der betr. Mensch merkt es noch nicht mal, wenn und dass er zum Verbrecher wird. Beispiele dafür gibt es genug.


Das glaube ich auch. Je biederer desto leichter haben es die Verführer.

Nie werde ich vergessen, was meine Eltern, die ursprünglich aus dem Ruhrpott stammen, sehr oft erzählten:

Vor 1933 hingen in ganzen Straßenzügen der Bergarbeitersiedlungen aus jedem Fenster kommunistische roten Fahnen. 1933 waren über Nacht daraus plötzlich Nazifahnen geworden. Sie hatten einfach ein schwarzes Hakenkreuz drauf gemalt.

Pippa
sysiphus
sysiphus
Mitglied

Re: Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!
geschrieben von sysiphus
"Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!" OK, dafür nicht, aber wofür denn?

Vielleicht für den Weiterbestand der NVA-Raketentruppe? Wiedereinsetzung in den Offiziersrang? Laut Produkt-Kurzbeschreibung bei amazon, waren "Die Fla-Raketentruppen mit ihren Komplexen sowjetischer Bauart eine der modernsten Waffengattungen der Nationalen Volksarmee."

Das war typisch für den Pleitestaat DDR, modernste Waffen, aber totaler Zerfall der Infrastruktur. Ganze Wohngebiete dem Verfall preisgegeben. Strassen, Bahngleise, Wasser- und Abwasserrohre, Fabriken marode.

"... heute werden uns Milliarden aus der Tasche gezogen..." Das ging selbstverständlich nicht bei der DDR-Bevölkerung, wurden die doch für ihren Arbeitseinsatz unter erschwerten Bedingungen mit Alu-Chips abgespeist.

Eine Diktatur habe ich "hautnah" erlebt, eine weitere mußte ich aus nächster Nähe ertragen. Deshalb bin ich für Demokratie und Marktwirtschaft.

sysiphus...

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hugo
hugo
Mitglied

Re: Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!
geschrieben von hugo
als Antwort auf lars vom 15.12.2012, 17:02:45
Finde es auch komisch, dass für die ehemalige DDR immer noch Steuerabgaben abgezweigt werden von den Wessis, sollten sich doch schon längst erholt haben von dem "Schreck"?
geschrieben von lars


hallo lars, ich nehme mal zu Deinen Gunsten an, das Du sowas nicht aus tiefster Überzeugung (die auf handfesten Beweisen basiert) schreibst, sondern aus Unwissenheit oder weil Du das irgendwo immer wieder mal in westdeutschen Medien aufgeschnappt hast.

ich empfehle Dir hierzu mal einen Link,,,da werden recht unterhaltsam, einleuchtend und gut begreifbar die verschrobenen Relationen Deiner Denke geradegerückt.
Reiche DDR? Arme BRD!

Ich hab auch noch einige Links und Buchempfehlungen wonach die gesamte Gemengelage der Wendezeitschuldenhöhen Ost-West usw fachlich nachgewiesen und verständlich dargestellt wird,,

haste Dich schon mal gefragt warum es bis heute keine brauchbare auf wissenschaftlicher Basis beruhende DDR-Abschussbilanz bzw DM -Eröffnungsbilanz gibt ?

aber es gibt Berechnungen welche den Schaden Ost und den Nutzen West mit ca 7 Billionen DM bewerten.

»Abschlussbilanz DDR« K.Blesing

ist zwar ne spannende Thematik,,wir hier jedoch zumeist absichtlich nicht verstanden und dementsprechend ignoriert oder verunglimpft,,also nur ein kurzer O.T. -Abstecher für Dich

hugo
Die-Klostermaus
Die-Klostermaus
Mitglied

Alles ... bloß sich nicht mit der Realität auseinandersetzen!
geschrieben von Die-Klostermaus
als Antwort auf miriam vom 14.12.2012, 11:13:06
[...] Vielleicht lässt sich das auch anders ausdrücken: der Utopie die immer einen gesellschaftlichen bzw. historischen Neuanfang begleitet, folgt die Ernüchterung.
Bei näherer Betrachtung stellt man meist fest, dass es sich dabei eigentlich um eine persönliche, aber auch kollektive Konfrontation mit der Realität, handelt.
Getäuscht und in der Folge ent-täuscht, hat uns eigentlich die von uns selber aufgebaute Utopie.

Miriam[/size]


Transzendiert man konkrete reale Tatbestände auf eine wie auch immer geartete abstrakte Ebene, besteht eben die Gefahr, daß man die Realität mit ihren konkreten Bezügen, Ursachen, Erscheinungsformen, Folgen etc. aus den Augen verliert. Statt der Frage nach persönlicher, systemischer, struktureller oder auch: gesellschaftlicher und politischer Verantwortlichkeit nachzugehen, ergeht man sich - pardon! - ins philosophische Geschwafel.

Als Reaktion auf solche Worte bleibt nur eine Art Fatalismus, ein Sich-Gegeben-sein und/oder sich "Ins-Dasein-hineingeworfen-sein" oder so ... (Man beachte nur, wie Philosophen etwa zwischen 1914 und 1950 auf die Fragen und Probleme reagiert haben ...)

Die Klostermaus
Re: Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!
geschrieben von klaus
als Antwort auf hugo vom 15.12.2012, 18:07:52
"aber es gibt Berechnungen welche den Schaden Ost und den Nutzen West mit ca 7 Billionen DM bewerten."
geschrieben von hugo


Habe ich doch immer schon geahnt, dass die DDR der reichste Staat der Welt war. Pro Kopf der DDR Bürger waren das ja knapp 1/2 Mio DM.
OHHHHH !

Das Gesamtvermögen(Geldvermögen, Sachwerte und Immobilien und Gebrauchsvermögen) der BRD wurde 1990 auf 6,2 Billionen DM geschätzt.

Wenn ich mir überlege, in welchem Zustand Immobilien und andere Sachwerte in der DDR waren, wird mir klar, was die alte BRD sich da unter den Nagel gerissen hat.
Allein die großen Industrieanlagen( Leuna, BUNA,...), das Bahn- und Wasserstraßennetz, die Kommunikationsanlagen ( modernstes Telefonnetz mit enormem nostalgischen Wert...)und... waren allein schon mehrere Billonen wert.
Ganz zu schweigen von der spitzenmäßigen Wohnbausubstanz und dem hervorragenden Straßennetz.

Schön - mal mit den Billionen, die uns da geraubt wurden, zu operieren.
Vielleicht versuchen wir's beim nächsten mal mit der nächst höheren Einheit Billiarden.

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clara
clara
Mitglied

Re: Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!
geschrieben von clara
als Antwort auf lars vom 15.12.2012, 17:02:45

Unsere lieben Nachbarn,"grosser Kanton" haben die Tendenz, fast alles nachzumachen. Es hat sich aber schon gebessert in letzter Zeit! Vermehrt wird aufbegehrt, das finde ich gut,
geschrieben von lars

@ Lars
Die Bevölkerung müsste dennoch viel mehr aufbegehren und vor allen Dingen es auch zeigen! Es gibt schon Einiges, was sich unbedingt ändern muss
Was genau Du unter "nachmachen" meinst, weiß ich nicht. Bekannt sind die Deutschen (alte BRD) schon länger dafür, dass alles, was aus den USA kommt, gern imitiert wird, positiv wie negativ, doch darin steht Deutschland nicht allein.

Unter "richtiger Demokratie" verstehst Du wahrscheinlich die direkte. Das geht aber nur in relativ kleinen Ländern, und auch in der Schweiz gab es lange Zeit undemokratisches Verhalten, z. B. wurden Frauen erst sehr spät zu Wahlen zugelassen.

Zu der Solidaritätsabgabe, die West-und Ostdeutschen ab einem bestimmten Einkommen abverlangt wird: Sie ist in die Kritik geraten, Einige fordern, sie abzuschaffen.
Ich bin allerdings gegen das Aufrechnen Ost-West, weil dies immer noch eine gedankliche Trennung beinhaltet. Dass in der ehemaligen DDR noch längst nicht alles in Butter ist, vor allem auch Arbeitsplätze fehlen, ist Tatsache, auch die Löhne sind durchschnittlich geringer. Im Westen, z.B. im Ruhrgebiet gibt es ebenfalls bedürftige Regionen. Ich meine, der Soli muss dahin, wo er benötigt wird, egal wo in der BRD das ist.

Clara
hafel
hafel
Mitglied

Re: Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!
geschrieben von hafel
als Antwort auf klaus vom 15.12.2012, 19:07:16
Hahahaha, Klaus, ich lache mich kringlich.

Die DDR nahm ja nicht einmal ihr eigenes Geld an. Ich musste mal, weil ich angeblich beim Abbiegen nicht geblinkt hatte, 10 DM bezahlen. Ich bot dem VOPO erst einmal das Ost-Umtauschgeld, welches ich reichlich als "Eintrittsgeld" pro kopf und Tag umtauschen musste, an. Nix da, ich musste in "West" bezahlen". Auf meine Frage hin, warum erkennen Sie ihr eigenes Geld nicht an?, wurden aus den 10 DM dann 20 DM. Diese Frage war unsozialistisch.

Ja, ja es war schon ein reicher Staat, der sein eigenes Geld nicht in der Währung hatte.

Hafel
hobbyradler
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Ralph Hartmann
geschrieben von hobbyradler
als Antwort auf hugo vom 15.12.2012, 18:07:52
Der Autor:
Ralph Hartmann
lars
lars
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Re: Dafür bin ich 1989 nicht auf die Straße gegangen!
geschrieben von lars
als Antwort auf hugo vom 15.12.2012, 18:07:52
Klar wusste ich nicht soviel über die damalige DDR Hugo.
Wunderte mich aber schon, als ich 1990 von Kassel herkommend Richtung Eisenach - Jena - Ostberlin, die trostlosen grauen Häuser sah, schlechte Strassen usw. uebernachtete in einem ehemaligen Stasihotel, ohne Sterne! Aber gesoffen wurde trotz allem an der Bar, sicher wegen Traurigkeit, ob das ehemalige Beamte waren? Frage mich Hugo, wo sind die Millionen geblieben?
Zudem die Menschen einsperren mit einer Mauer - Stacheldraht um das Land - Stadt. So etwas bleibt bei den Menschen haften, das ganze Leben lang!

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