Innenpolitik Das E10-Chaos

karl
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Administrator

Das E10-Chaos
geschrieben von karl
Es ist m. E. unglaublich, was derzeit an den Tankstellen geschieht. Wer blickt da noch durch? Es gibt seit langem größte Zweifel am Biosprit, da Ackerland zur Gewinnung von Autokraftstoff umgewidmet wird und in Folge die Lebensmittelpreise gerade in armen Ländern steigen.

Jetzt war bei uns eine 10% Beimengung von Bioalkohol zum Sprit beschlossen, aber offensichtlich wurde sich nicht richtig darum gekümmert, was dies für die Motoren bedeutet. BMW jedenfalls hat für alle seine Modelle Bedenken angemeldet.

E10 war nie der richtige Weg zur ökologischen Autofahrt. Wieder einmal hat die Politik dramatisch versagt und muss nun Schadensbegrenzung betreiben.
Um die Einführung des Biosprits E 10 droht nun auch ein Streit in der Koalition. Während das CDU-geführte Umweltministerium an der neuen Benzinsorte festhält, will der Koalitionspartner FDP die Sache verschieben.
geschrieben von Welt.de
Scheint mir eine sehr späte Diskussion in der Regierung zu sein. Die "spinnen" da oben.

Karl (der trotz Urlaub das Auto zuhause lässt)

Mechtild
Mechtild
Mitglied

Re: Das E10-Chaos
geschrieben von Mechtild
als Antwort auf karl vom 07.03.2011, 11:08:45
So weit ich informiert bin, hat uns das die EU eingebrockt. Aber ein Verbrechen bleibt es, dass wertvolles Ackerland für Sprit verbraucht wird, wenn immer noch Menschen hungern.




Re: Das E10-Chaos
geschrieben von klaus
als Antwort auf karl vom 07.03.2011, 11:08:45
Auch ich halte nichts von diesem Kraftstoff, da er kaum eine Verbesserung der Umweltwerte bringt und eine Gefahr für die Welternährung darstellt.
Dass sich ausgerechnet Özdemir über die Einführung aufregt ist blanke Heuchelei.

Grünen-Chef Cem Özdemir - der Mann der "2. Chance"-den du hier verlinkt hast- hat es allerdings versäumt, ganz klar zu sagen, welche Partei sich in Deutschland vehement für die schnelle Einführung von Biosprit eingesetzt hat und alle Warnungen von Biologen, Ernährungswissenschaftlern und Ökologen als dummes Geschwätz abgestempelt hat.


2 Dinge erwähnt der Herr Özdemir nicht mehr.
1. Die Grünen haben in Brüssel den Beschluss fast einheitlich begrüßt und sogar gefordert, den Anteil an Bio-Ethanol schnell zu erhöhen auf 25% ( EU-Sitzung v. Mai 2007).
Als Beispiel wurde Brasilien mit E75 genannt.
2. Noch heute fordert z.B. B. Höhn( im ARD-Moregenmagazin/ verg. Freitag) reine Pflanzenkraftstoffe, obwohl das eine völlige Umnutzung der Landwirtschaft bedeuten würde.



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silhouette
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Mitglied

Re: Das E10-Chaos
geschrieben von silhouette
als Antwort auf klaus vom 07.03.2011, 11:57:31

Dass sich ausgerechnet Özdemir über die Einführung aufregt ist blanke Heuchelei.

Grünen-Chef Cem Özdemir - der Mann der "2. Chance"-den du hier verlinkt hast- hat es allerdings versäumt, ganz klar zu sagen, welche Partei sich in Deutschland vehement für die schnelle Einführung von Biosprit eingesetzt hat und alle Warnungen von Biologen, Ernährungswissenschaftlern und Ökologen als dummes Geschwätz abgestempelt hat.


2 Dinge erwähnt der Herr Özdemir nicht mehr.
1. Die Grünen haben in Brüssel den Beschluss fast einheitlich begrüßt und sogar gefordert, den Anteil an Bio-Ethanol schnell zu erhöhen auf 25% ( EU-Sitzung v. Mai 2007).
Als Beispiel wurde Brasilien mit E75 genannt.
2. Noch heute fordert z.B. B. Höhn( im ARD-Moregenmagazin/ verg. Freitag) reine Pflanzenkraftstoffe, obwohl das eine völlige Umnutzung der Landwirtschaft bedeuten würde.


Danke für die dringend notwendige Klarstellung!
ingo
ingo
Mitglied

Re: Das E10-Chaos
geschrieben von ingo
als Antwort auf Mechtild vom 07.03.2011, 11:30:25
Das dachte ich bis vor kurzem auch, Mechtild. Stimmt aber nicht.
olga64
olga64
Mitglied

Re: Das E10-Chaos
geschrieben von olga64
als Antwort auf ingo vom 07.03.2011, 15:41:21
Bevor auch dieser Thread wieder in die übliche Politikerbeschimpfung ausartet - kann mir jemand erklären, weshalb eine Erhöhung von Ethanol um 5% in der Konsistenz von dann 10% (es sind ja seit Jahren schon 5% Ethanol dem Sprit beigefügt) auf einmal so kritisch sein sollte? Oder handelt es sich hier wieder mal um ein grosses, deutsches Forum für Wichtigtuer? Vielleicht kann ja hier jemand kurz und bündig eine qualifizierte Aussage treffen. Wäre schön - Olga

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ingo
ingo
Mitglied

Re: Das E10-Chaos
geschrieben von ingo
als Antwort auf olga64 vom 07.03.2011, 16:55:04
Die Antwort wird hier keiner geben können. Dafür müßte man schon bei der Autoindustrie nachfragen. Die hat aber stellenweise schon eine ganz klare Antwort gegeben, indem sie für bestimmte Fahrzeugtypen bereits "Nein" gesagt hat. Dazu gehört auch mein Seat Toledo, Bj. 93, der überwiegend mit VW-Golf/Passat-Aggregaten ausgerüstet ist.
Es ist übrigens keine Politikerbeschimpfung, wenn man sagt, dass die Bundesregierung "heimlich, still und leise" eine gravierende Veränderung herbeigeführt hat, die nicht, wie verbreitet, von der EU vorgeschrieben wurde. Was solche Verhaltensweisen für Folgen haben können, haben wir übrigens in Stuttgart erlebt. Sowas geht heutzutage einfach nicht mehr. Was hier noch nicht erwähnt wurde, ist, dass die Änderung mit der Brechstange herbeigeführt werden sollte, indem man auf Superbenzin eine "Strafsteuer" erhoben hat. Damit sollte ein gewisser Zwang ausgeübt werden; und sowas geht heutzutage auch nicht mehr.
In Hannover ist es übrigens so, dass an Tankstellen, an denen es bereits E10 gibt (und nur an denen!) das Super Plus genauso teuer ist, wie das Super. Falls sich das deutschlandweit durchsetzten sollte, kann ich nur jedem E10-Gegner empfehlen, Super Plus zu tanken, weil mit 98 Oktan der Kraftstoffverbrauch verringert wird. Die Schuldzuweisung mache ich mal nach der Ausschluss-Theorie: Weder die Kfz-Hersteller, noch die Mineralölindustrie haben etwas mit E10 zu tun. Keiner von beiden ist deshalb verpflichtet, die Kunden zu informieren. Beide Seiten, vor allem die Ölmultis, sollten eigentlich den Teufel tun und Empfehlungen herausgeben. Was würde denn ein Kunde machen, wenn sein Auto kaputt ginge? Er würde den verklagen, der ihm den falschen Rat gegeben hat-oder?
olga64
olga64
Mitglied

Re: Das E10-Chaos
geschrieben von olga64
als Antwort auf ingo vom 07.03.2011, 17:21:32
Ich denke, die Automobilfabriken hätten ihre Kunden/Käufer vorher mittels Rundschreiben konkret informieren müssen. Die Mineralölkonzerne können es nicht - sie verfügen ja nicht über die Kundenkarteien der Spritkäufer.
Und die Kunden sind anscheinend nicht bereit, sich mit den Autoherstellern in VErbindung zu setzen, bzw. die Listen im Internet zu prüfen. Obwohl sie sparen könnten, was das Volk der Schnäppchenjäger doch sonst so gerne macht.
Alles stinkt ziemlich nach Wahlkampf-Getöse: da dieses E 10 wohl auch sehr mit den Grünen in Verbindung gebracht wird, erhofft man sich wohl,dass diese in Baden Württemberg nicht erfolgreich abschneiden werden. Das braucht es aber doch gar nicht - die Grünen haben ja bereits seit dem Gipfel der Stuttgart 21 Demos, die es ja so nicht mehr gibt- bereits stark in den Umfragewerten eingebüsst und ein Grüner MP erscheint ja nur noch als Illusion.
Olga
Re: Das E10-Chaos
geschrieben von klaus
als Antwort auf ingo vom 07.03.2011, 15:41:21
@ingo !

Man sollte hier vielleicht bei der Diskussion um den Bio-Kraftstoff die geschichtliche Entwicklung dazu in Deutschland betrachten.

Im April 2009 hatte der Bundestag für ein Absenken der Förderung des Sprits aus Pflanzen gestimmt.(Der Bundesrat legte damals Einspruch ein gegen das Gesetz zur Absenkung der Quote zur Beimischung von Biokraftstoff von 6,25 Prozent auf 5,25 Prozent.)
Bei der Abstimmung im Bundestag stimmte übrigens die Grünenfraktion GEGEN die Absenkung auf 5,25% Biosprit.
In der Bundestagsdebatte sprachen sich die Grünen sogar für eine Erhöhung des Anteils an Biosprits auf Pflanzenbasis auf über 10% aus. - mit dem Ziel der Erhöhung des Anteils auf 25% Biosprit bis 2015.

Der Ursprung der Bio-Sprit-Debatte in Deutschland liegt bei der Rot-Grün-Regierungszeit. Die rot-grüne Regierung hatte den Ausbau der Biokraftstoffe betrieben. Viele Landwirte bauten Zuckerrüben oder Raps für den Öko-Sprit an, große Kapazitäten zur Verarbeitung und Biosprit-Herstellung wurden aufgebaut.

Siehe auch:
http://www.rp-online.de/auto/news/Bundesrat-will-Biosprit-Anteil-nicht-senken_aid_719265.html

Meine Meinung dazu ist, dass unter den heutigen Bedingungen eine weitere Steigerung des Biosprit-Anteils unterbunden werden sollte.

Dass einige Vertreter der Autoindustrie( z.B.der Leiter der BMW-Mechanikentwicklung, Thomas Brüner, der den Verdacht hat, dass Motoren durch E10 stärker als bisher bekannt in Mitleidenschaft gezogen werden könnten) nach mehrjähriger Testphase jetzt erst feststellen, wie gefährlich der 10%-ige Anteil sich auswirken KÖNNTE, finde ich mehr als eigenartig.

Geradezu eine Frechheit finde ich die plötzliche politische Kehrtwende der Grünen, sich heute zu Gegnern des Biosprits aus Pflanzen machen zu wollen, obwohl sie genau wissen, wer die Diskussion angerührt hatte und welche Ziele sie noch vor wenigen Monaten hatten.

Der Bundesverkehrsminister hat sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, da er die heutige Diskussion hätte veraussehen können und kein Zwang zur schnellen Einführung bestand.

Nicht zuletzt muss ich mich wundern, dass sich sehr viele Autofahrer beschweren, dass sie nicht wüssten, welche Autotypen in der "Negativliste" v. E10-Super stehen.
Diese Listen sind im Internet schon länger veröffentlicht und die Autohändler/Reparaturbetriebe hätte jeder kostenlos um Rat fragen können.

Vielleicht bringt ja der E10- Gipfel Aufklärung und ich wäre nicht sauer, wenn der Einsatz v. E10 nach hinten oder ganz "verschoben" würde.
So viel Eigeninitiative sollte man schon zeigen.
Re: Das E10-Chaos
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf klaus vom 07.03.2011, 11:57:31
Wenn Klaus eingreift dann ist die CDU in Nöten, ja ganz klar wie immer, Schuld haben wieder einmal die anderen.
Wenn sich jetzt CDU und FDP streiten, dann solltest Du jetzt nicht wieder ablenken und den Grünen die Schuld geben.

Warte es doch einfach mal ab, was an diesem Gipfel alles ans Tageslicht kommt, dann kannst Du Schuldzuweisungen machen.

Ich tanke E 10 schon seit einiger Zeit, feststellen kann ich, dass der Verbrauch steigt. Die exakte Steigerung kann ich nicht emitteln, denn dann müßte ich immer gleiche Strecken zu zu gleicher Fahrzeugdichte fahren, doch mein Durchschnittsverbrauch ist 6,3 auf 6,6 Liter/100km gestiegen.
Also vermutlich kann jeder auch Super Plus tanken und kommt von den Kosten auf den gleichen Nenner.

Doch das ist dann wieder eine satte Preiserhöhung, die wir unserer Regierung speziell Herrn Röttgen zu verdanken haben, die Grünen können jetzt da weniger dafür.

Josef


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