Forum Politik und Gesellschaft Innenpolitik Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch...

Innenpolitik Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch...

mart1
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Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, ...
geschrieben von mart1

von dem wird auch genommen, was er hat.“ ...

Pygmalion im Klassenzimmer von R. Rosenthal und L. Jacobson, leider auf Englisch

Self-fulfilling prophecies sind sehr mächtig, besonders innerhalb gesellschaftlicher Einrichtungen. Hier wird deren Macht im Klassenzimmer gezeigt.
mart1
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Re: Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, ...
geschrieben von mart1
als Antwort auf mart1 vom 31.08.2010, 12:47:19
[i]Nun haben aber gerade angesehene Intelligenzforscher wie Leon Eisenberg und Robert Rosenthal (beide Harvard University) schon in den Sechziger Jahren nachgewiesen, dass eine große Reihe von Intelligenztests gar nicht Intelligenz misst, sondern eher die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe oder Schicht und deren Erfolgsaussicht in einem ganz bestimmten Schulsystem.

Rosenthal ließ in kalifornischen Schulklassen Intelligenztests durchführen. Da- nach nannte er den Lehrern in jeder Klasse einige Schüler, die in den Tests besonders gut oder schlecht abgeschnitten hätten. Tatsächlich waren die an- geblich guten und schlechten Schüler allein nach dem Zufall ermittelt worden.

Und siehe da: Im folgenden Schuljahr verbesserten die Zufalls-Musterschüler ihre Leistungen gegenüber ihren Klassenkameraden beträchtlich. Den Lehrern erschienen diese Zufallsgenies “wissensdurstiger, sympathischer, selbständi- ger” als die übrigen Schüler.

Die im Test schlecht Eingestuften wurden als “weniger sympathisch” abquali- fiziert. Geradezu erbost reagierten die Lehrer, wenn die angeblich schlechten Schüler ihre Leistungen – entgegen den Erwartungen – beträchtlich steigern konnten.
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Felide1
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Re: Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, ...
geschrieben von Felide1
als Antwort auf mart1 vom 31.08.2010, 13:51:10
Ja Mart,

Vorurteile sind oft grausam.

Vor vielen Jahren hat sich an einer Schule folgendes zugetragen:

Handarbeitsstunde - Socken - wurden benotet.

Die Tochter eines Hoteliers hatte ihre Arbeit vergessen und bat ihre Mitschülerin die Tochter eines Arbeiters ihr ihre Arbeit (Socken) zu leihen damit sie keinen 5er (bei uns eine schlechte Note) bekommt. Gutmütig gab die Tochter des Arbeiters ihrer Kollegin ihre Arbeit zum Benoten. Hotelierstochter bekam für die Arbeit die sie nicht selbst geleistet hat eine 1, die Arbeitertochter mit der selben Arbeit und von ihr allein fertiggestellt eine 4. Die Arbeitertochter war bei der Lehrkraft nicht gut angeschrieben ,sie konnte diese nämlich nicht am Sonntag zum Essen einladen ,was die Andere konnte.

Grüsse von Felide

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mart1
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Ein sehr gutes Beispiel
geschrieben von mart1
als Antwort auf Felide1 vom 31.08.2010, 18:18:43
hast du da gegeben, Felide.

Die Handarbeit einer Tochter aus reichem, angesehenem Haus wird besser bewertet als exakt dieselbe Arbeit einer Tochter aus armer Familie.

Jetzt frage ich mich, wie sich das auf die Arbeitsmoral und die Einstellung der Arbeitertochter ausgewirkt hat. Ist sie dadurch motiviert worden, sich zu verbessern, intensiver mitzuarbeiten oder hat das eine Abwehrhaltung gegenüber der Schule bewirkt? Vor allem, da sich diese Voreingenommenheit der Lehrerin sicherlich nicht nur bei einer Handarbeitsarbeit sondern auch auf andere schulische Leistungen bezogen hat.

Ich hätte mir gesagt, "ihr könnts mich" und mich darauf beschränkt, was mir Anerkennung bringt.... und das wäre nicht die Schule gewesen, sondern das, was mir in meinen Kreisen Lob einbringt.

Felide1
Felide1
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Re: Ein sehr gutes Beispiel
geschrieben von Felide1
als Antwort auf mart1 vom 01.09.2010, 09:59:24
Mart,

dieses Arbeitermäderl von damals ist heute über 40 und steht besser da als die Andere.Zuerst war sie wohl angefr....., aber anschließend wohl sehr motivert, es Allen zu zeigen.
Natürlich hätte dies auch in die andere Richtung nämlich Abneigung driften können.
Geholfen hat ihr sehr wahrscheinlich die Unterstützung die sie von ihren Eltern erhalten hat.

Grüsse Felide
hinterwaeldler
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Re: Ein sehr gutes Beispiel
geschrieben von hinterwaeldler
Solange ihr euch mit dem Schwachsinn eines T.S. beschäftigt, erfüllt es seinen Zweck.
Intelligenz: Was ist das? Doch nicht etwa ein Gen? Damit wäre die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe genetisch vorprogrammiert. Das ist das Absurdeste, was ich seit langen lesen musste.

Wissen und Erfahrung ist hauptsächlich eine Komponente des sozialen Umfeldes vom Babyalter an. Selbstverständlich besitzen die Kinder akademisch gebildeter Eltern die besseren sozialen Voraussetzung auch wieder eine akademische Bildung zu erhalten. In sozial benachteiligten Familien (Hartz4, Migranten etc) dürfte das eher die Ausnahme sein. Das alles ist ein wesentlicher Bestandteil und die Voraussetzung für die Bildungspolitik eines Staates bzw. Landes. Das Thema gab es übrigens in Deutschland schon mal zwischen 1933 und 1945 und endete auf dem Schlachtfeld (nur die Starken überleben), in KZs und Euthanasie.

Ps:
A.M. ist gegen eine Einheitsschule in Deutschland, obwohl sie eine Einheitsschule besuchte und als Pfarrerstochter eine akademische Ausbildung sogar in Moskau und Leningrad erhielt. A.M. wurde umgedreht. Die Lobby hat ihre Arbeit zur vollsten Zufriedenheit ihrer Auftraggeber erledigt.

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mart1
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Re: Ein sehr gutes Beispiel
geschrieben von mart1
als Antwort auf hinterwaeldler vom 01.09.2010, 13:09:28
"Solange ihr euch mit dem Schwachsinn eines T.S. beschäftigt, erfüllt es seinen Zweck," sagst du Hinterwaeldler.

Ich denke, auch heute gibt es besonders im vom Abstieg (wirklich oder nur gefühlt ist gleich) bedrohten Mittelstand und in wohlhabenden Kreisen, die sich zur Rechtfertigung ihres Reichtum und der größer werden Spanne zur den armen Schichten gedrängt fühlen, das unerhörte Bedürfnis logische Erklärungen zu finden.

Der rechtschaffen erscheinende und seriös wirkende S., der gar gerne anklingen läßt, dass er ehrlich besorgt sei und dass er nebenbei doch gerne Geld verdient, liefert sie.

Da ist eine sachliche Widerlegung und das Liefern von tatsächlich überprüfbaren Tatsachen wichtig... auch und gerade für diejenigen, die verwirrt sind und auf die Vorlage "Er sagt ja nur, was so lange nicht gesagt werden durfte.) hereinfallen.

Wo dieser Pseudo/Primitivsozialdarwinismus bereits einmal hinführte, hast du beschrieben. Es soll nicht noch einmal dazu kommen.

Vielleicht ist folgender Hinweis interessant, dass Schülerarbeiten nach dem jeweiligen Vornamen! des Schülers unterschiedlich bewertet werden. (keine Vornamen, die auf die ethnische Herkunft schließen lassen, sondern nur solche, die mit der Unterschicht assoziiert werden)!

Oder als positive Anregung die Rütlischule, die vom Lehrpersonal als nicht mehr führbar bezeichnet wurde (zur damaligen Zeit wahrscheinlich richtig), und die nun in wenigen Jahren sich doch gewaltig geändert hat.

“Vor drei Jahren waren gerade mal 29 Prozent der Zehntklässler fit für das Gymnasium. Im vergangenen Schuljahr waren es schon 51 Prozent.”

Der Schulleiter “sieht die Schüler, die noch vor zwei Jahren als hoffnungslose Fälle galten und die jetzt freiwillig am Nachmittag zum Nachhilfe-Unterricht gehen. Er erzählt von den Kindern, die sogar in den Ferien weiter lernen wollten, von den Müttern, die in dieser Zeit in der Schule für die Kinder Mittagessen kochten. Es ist, als wäre ein Schalter umgelegt worden.”



Innerhalb von drei Jahren haben sich die schulischen Leistungen der Rütli-Schüler (hauptsächlich Muslime) also radikal verbessert (statt 29 Prozent sind nun 51 Prozent “fit für das Gymnasium”). Es mag ja nicht alles ganz so toll sein wie beschrieben, aber hat auf jeden Fall Vorbildwirkung für eine positive, problemorientierte Vorgangsweise und zeigt wie wenig die Abklassifizierung "arm, fremdsprachig, bildungsfern, nicht förderbar" hilfreich und wie kontraproduktiv sie ist.
karl
karl
Administrator

Re: Ein sehr gutes Beispiel
geschrieben von karl
als Antwort auf hinterwaeldler vom 01.09.2010, 13:09:28
Solange ihr euch mit dem Schwachsinn eines T.S. beschäftigt, erfüllt es seinen Zweck.
Das sehe ich nicht so. Es ist wichtig, Schwachsinn auch als solchen zu bezeichnen und zu begründen, warum es Schwachsinn ist.

Karl
senhora
senhora
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Re: Ein sehr gutes Beispiel
geschrieben von senhora
als Antwort auf mart1 vom 01.09.2010, 14:31:58
Da liefere ich doch gleich eine positive Pressemeldung vom 30.03.2010 nach:
Von lernbehindert bis gymnasialempfohlen – die Rütli-Schule nimmt alle Kinder auf. 680 Schüler sind es zurzeit, aber die Zahl soll steigen. Das neue Gemeinschaftsschulkollegium umfasst 90 Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen. Weil mehr als 90 Prozent der Schüler nichtdeutscher Herkunft sind, versucht Heckmann, auch das Kollegium multikulturell aufzustellen. Kollegen aus der Ukraine, Slowenien, der Türkei und England sind schon dabei. Eric Denton etwa, Deutsch- und Englischlehrer, kommt aus den USA und freut sich über die gestalterische Freiheit, die er an der Rütli-Schule genießt. „Das hatte ich als College-Professor in den USA nicht“, sagt er.

Senhora

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