Innenpolitik Klassenkampf

sysiphus
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Klassenkampf
geschrieben von sysiphus
Es ist schon recht lange her als die Arbeiter sechs Tage in der Woche, mit dem Henkelmann in die Maloche gingen, per Pedes. Die verstanden sich damals als Arbeiterklasse. Politisch standen sie mehrheitlich zur SPD. Die Versuche der Kommunisten nach dem ersten Weltkrieg eine Räterepublik nach sowjetischem Muster zu errichten, scheiterte an der Antispartakushaltung (Antikommunismus) der Arbeiterklasse.

Eins, zwei, drei im Sauseschritt, eilt die Zeit, wir eilen mit. (Wilhelm Busch). Das allerdings ist einigen Leuten bis Heute noch nicht aufgefalln. Derzeit gibt es statt 6 Tage, 48 Stunden Wochenarbeitszeit, die 28.8 bis 38,5 Arbeitsstunden pro Woche. Viele Arbeitnehmer kommen auch nicht mehr per Pedes zur Arbeit, nunmehr fahren sie im eigenen Mercedes da hin. Auch die Lohntüte ist ein Begriff von Vorgestern, wie es die sind, die mit uralten Parolen versuchen die Probleme der modernen Zeit zu lösen.

sysiphus...
dutchweepee
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Re: Klassenkampf
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf sysiphus vom 28.05.2013, 17:01:38
Alle verbesserten Arbeitsbedingungen wurden von den Arbeitern in harten Klassenkämpfen erstritten. Nichts wurde freiwillig "gegeben". Auch heute noch wird von Arbeitgewährern betrogen, erpresst und am Arbeiter gespart:

Golem: "Zalando, eine Gründung der Samwer-Brüder, lässt seine Lagerarbeiter den ganzen Tag stehen. Sitzen ist verboten, siebeneinhalb Stunden lang. Für mehrere hundert Mitarbeiter gibt es nur einen Toiletten-Container, der mitten in der Halle steht und verschmutzt sei. Das berichtet das ZDF Magazin Zoom in dem Beitrag "Gnadenlos billig" von Marc Rosentahl."

Nichts hat sich verändert und alle Verbesserungen gibt es nur durch den Klassenkampf!
olga64
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Re: Klassenkampf
geschrieben von olga64
als Antwort auf dutchweepee vom 28.05.2013, 17:26:50
Es wäre vielleicht sinnvoll, die vielen Kunden von Zalando, Amazon und anderen Betrieben dieser Art - die aber in unserem Land nicht das Rückgrat bilden - aufzufordern, dort nicht mehr zu kaufen. Dann erledigt sich dies schnell -dürfte aber schwierig werden, weil gerade Damen gerne den spitzen Zalando-Schrei ausstossen.
Sie sollten sich aber auch an den Unternehmen VW-Audi, Daimler, BMW, Bosch, Siemens usw. orientieren, die Hundertausende Menschen beschäftigen und dank starker Betriebsräte für gute Gehälter, gute und sichere Arbeitsbedingungen usw. sorgen. Wäre dies nicht so, würden nicht so viele Leute dort gerne arbeiten. Wenn die jemals abziehen aus Deutschland, bekommen wir wirklich Probleme, die dann sicher auch mit Arbeitskämpfen nicht mehr zu regeln sind. Einen Vorgeschmack erleben wir in Kürze in Bochum, wo Opel dicht gemacht wird. Aber hier hat m.E. der Betriebsratsvorsitzende einfach zu hoch gepokert: so unter dem Motto, entweder wir bekommen recht und wenn nicht, verzichten die Leute auf ihr Einkommen. Finde ich bedenklich diese Grabenkämpfe, die in einer globalisierten Welt so einfach nicht mehr zu führen sind. Olga

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sittingbull
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Re: Klassenkampf
geschrieben von sittingbull
als Antwort auf sysiphus vom 28.05.2013, 17:01:38
Die Versuche der Kommunisten nach dem ersten Weltkrieg eine Räterepublik nach sowjetischem Muster zu errichten, scheiterte an der Antispartakushaltung (Antikommunismus) der Arbeiterklasse.


tatsächlich scheiterte sie wohl eher an der haltung der SPD ...
die folgerichtig in der "versenkung" der genossen liebknecht/luxemburg im
"berliner landwehrkanal" endete .

was ist bloss los mit dir ?

sitting bull
sarahkatja
sarahkatja
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Re: Klassenkampf
geschrieben von sarahkatja
als Antwort auf sysiphus vom 28.05.2013, 17:01:38
Hallo sysiphus,
ich habe als ganz kleines Mädchen Kontakt zu ganz jungen
Kommunisten gehabt. Sie waren Arbeiter bei der Hafenbahn in Düsseldorf
und unterschieden sich gewaltig von den dort üblichen Gelegenheitsarbeitern.
Sie waren menschlich, sehr sauber und das nicht nur äußerlich, sondern auch
in ihrem Umgang miteinander und sie hatten sicher ihre Ideale.

Was danach kam, wissen wir.
Wir wissen aber auch, dass es keine Lösung sein kann, ohne Voraussicht und ohne
dementsprechende Verantwortung, dem jeweiligen Zeitgeist zu huldigen.
Die Zeiten der Ideale und des Daranglauben sind vorbei.
Nirgendwo und nirgendwann wachsen die Bäume in den Himmel.
Und daran ändert auch kein Hinweis, dass es früher so und heute besser ist.
Es war besch…… genug und wird es wieder sein, wenn wir nicht aufpassen.

Sarahkatja
sysiphus
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Re: Klassenkampf
geschrieben von sysiphus
als Antwort auf sarahkatja vom 29.05.2013, 18:27:29
Sarahkatja, als Zeitzeugin hast Du den Eindruck deiner Begegnungen mit jungen Kommunisten geschildert. Dir ist aber schon bewußt, dass man von einigen Individuen nicht auf die Ideologie schließen kann, die von denen vertreten wurde.

Wo von ich geschrieben hatte, war die Situation am Anfang der Demokratie in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg. Von den Geschehnisse deser Zeit gibt es vielfältige Quellen. Hier war meine Quelle der Zeitzeugenbericht des jüdischen Fabrikanten Oskar Münsterberg aus dem LeMO.

Dass es keine Veränderungen gibt und Verbesserungen nur durch den Klassenkampf erreicht werden, ist eine Behauptung, die auf eiseitige oder ungenügende historieche Informationen schließen läßt. Nur ein Beispiel von vielen, Henry Ford. In seiner Automobilfabrik hatten die Beschäftigten einen Acht-Stunden-Arbeitstag und schon 1913 bekamen sie fünf bis sechs Dollar pro Tag. Das war für damalige Verhältnisse ein vergleichsweise sehr guter Lohn. Diese Bedingungen mußten nicht von Klassenbewußten erkämpft werden, es waren freiwillige Leistungen des Unternehmers.

Aktuell fällt mir dazu ein weiteres Beispiel ein: Sonderzahlung für 2012: 7200 Euro für jeden VW-Angestellten. Kein Erfolg von Klassenkämpfern.

sysjphus...

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olga64
olga64
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Re: Klassenkampf
geschrieben von olga64
als Antwort auf sysiphus vom 30.05.2013, 12:51:05
Aktuell fällt mir dazu ein weiteres Beispiel ein: Sonderzahlung für 2012: 7200 Euro für jeden VW-Angestellten. Kein Erfolg von Klassenkämpfern.

sysjphus...


Das ist nicht alles: soeben wurde der Haustarif für Hunderttausende VW-Mitarbeiter abgeschlossen - in zwei Tranchen mehr als 5% plus Einmalzahlung. Ohne markige Klassenkampf-Sprüche. DAfür hätten die fleissigen und zufriedenen VW-Mitarbeiter auch sicher keine Zeit. Olga
adam
adam
Mitglied

Re: Klassenkampf
geschrieben von adam
als Antwort auf dutchweepee vom 28.05.2013, 17:26:50
Alle verbesserten Arbeitsbedingungen wurden von den Arbeitern in harten Klassenkämpfen erstritten. Nichts wurde freiwillig "gegeben". Auch heute noch wird von Arbeitgewährern betrogen, erpresst und am Arbeiter gespart:

Golem: "Zalando, eine Gründung der Samwer-Brüder, lässt seine Lagerarbeiter den ganzen Tag stehen. Sitzen ist verboten, siebeneinhalb Stunden lang. Für mehrere hundert Mitarbeiter gibt es nur einen Toiletten-Container, der mitten in der Halle steht und verschmutzt sei. Das berichtet das ZDF Magazin Zoom in dem Beitrag "Gnadenlos billig" von Marc Rosentahl."

Nichts hat sich verändert und alle Verbesserungen gibt es nur durch den Klassenkampf!


dutch,

Du machst schon wieder die Ausnahme zur Regel.

Seit ich lebe, gab es auf deutschem Boden zweimal Klassenkampf um bessere Lebensbedingungen. Der erste (1953) wurde mit Panzern nieder gewalzt und der zweite (1989) war erfolgreich. Die Aufstände gegen die herrschende Klasse fanden beide in der Deutschen Demokratischen Republik statt, einem Staat, der sich anmaßte zu behaupten, er sei für die arbeitenden Menschen geschaffen worden.

--

adam
digizar
digizar
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Re: Klassenkampf
geschrieben von digizar
als Antwort auf adam vom 30.05.2013, 23:46:25
Die Aufstände gegen die herrschende Klasse fanden beide in der Deutschen Demokratischen Republik statt, einem Staat, der sich anmaßte zu behaupten, er sei für die arbeitenden Menschen geschaffen worden.
geschrieben von Adam

Einfach Klasse, Adam! Mitten zwischen die Augen. Chapeau!
adam
adam
Mitglied

Re: Klassenkampf
geschrieben von adam
als Antwort auf digizar vom 31.05.2013, 00:46:54
Wobei ich dutch ganz bestimmt nicht zwischen die Augen treffen, sondern veranlassen wollte, darüber nachzudenken, warum der Klassenkampf falsch sein muß, wenn er gegen das System angewandt wird, das ihn propagiert. Er ist deshalb falsch, weil die "Klassen" miteinander reden müssen und nicht gegeneinander kämpfen.

Nur im Miteinander funktioniert ein Staat und ist am erfolgreichsten, wenn alle Gesellschaftsschichten, auf der selben Basis stehend, aneinander wenigstens tolerieren, weil die eine nicht ohne die andere kann.

--

adam

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