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Innenpolitik Medienkompetenz und Medienkritik

ttrula
ttrula
Mitglied

Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von ttrula

Ich habe mir lange überlegt, ob ich einen Thread zum Thema Medienkompetenz und Medienkritik aufmachen soll. 
Hier im ST gibt es einige Diskutanten, die Medienkritik automatisch gleichsetzen mit subversiver Russlandliebe, Lügenpresseschreierei also AfD-Nähe und auf jeden Fall ein Zeichen radikalen Denkens. Gefährlich in der Meinungsäußerung und damit wert, vernichtet zu werden.
Insofern erwarte ich eine Menge Schmutzkübel.

Ja, ich bin medienkritisch. Für mich gehört das zur Medienkompetenz.
Propaganda gibt es aus allen denkbaren Richtungen, seltsamerweise wird es oft allein mit Russland verbunden. Obwohl, nicht wirklich seltsamerweise, denn diese Sichtweise wird von den Mainstreammedien stark gefördert.


Heute kam ein sehr interessantes Interview im Steingart-Podcast mit dem Medienwissenschaftler  Prof. Norbert Bolz.

Thema:
Medien im Visier.
(Ursachen für den Vertrauensverlust in die Mainstreammedien).


Prof. Bolz fasst in so komprimierter Weise die Ansichten zusammen, die ich teile, dass ich - allein schon zum Verständnis meiner Absichten, diesen Thread zu eröffnen - empfehle, sich das Gespräch anzuhören. Das wäre fruchtbarer für eine Diskussion, als mit den üblichen Unterstellungen mir gegenüber zu arbeiten.

Steingart Podcast Hauptthema Medien im Visier
Es beginnt in dem Podcast Höhe 8:38.

Abgesehen davon, dass Prof. Bolz hier eine andere Sichtweise auf die hier gerne verteufelten Alternativen Medien anbietet, spricht er auch sehr deutlich am Ende des Gesprächs an, welcher Gefahr man sich als Medienkritiker aussetzt und weshalb er auch erst mit Erreichen des Rentenalters bestimmte Zusammenhänge anspricht und das es leider eine schweigende Menge von Medienleuten gibt, die ihren Broterwerb nicht mit kritischem Verhalten untergraben wollen/können.
 

RE: Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ttrula vom 14.03.2019, 11:10:05

Interview mit Jörg Scheller, Zürcher Hochschule der Künste, der zusammen mit dem Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich den Twitter-Account des Medienwissenschaftlers Norbert Bolz analysiert hat

Radikalisiertes Getwitter von Medienwissenschaftler Bolz Rechtsruck unter deutschen Intellektuellen?

ttrula
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Mitglied

RE: Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von ttrula
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 14.03.2019, 12:00:16

du kannst in dem Wiki-Beitrag ausführlich über Bolz nachlesen.

Es ist zu wohlfeil, ihn einfach in die rechtsradikale Ecke zu stellen. Im Wiki-Beitrag erfährst du auch ein bisschen über die Zusammenhänge.

Bolz polarisiert mit seiner Kritik. Und wie er am Schluss des Interviews schon anklingen lässt - als Medienkritiker muss man einiges ertragen können.

Hast du das Interview gehört, oder gleich einen Beleg für deine Denkrichtung gesucht? Auch dazu sagt er was.


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Karl
Karl
Administrator

RE: Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von Karl
als Antwort auf ttrula vom 14.03.2019, 11:10:05

Medienkritik ist gut, aber bitte immer auch die eigenen Informationsquellen einbeziehen - und möglichst schwarz-weiß Malerei vermeiden.

Für mich ist die Vielfalt unserer Medienlandschaft etwas Gutes. Ich erkenne keine Gleichschaltung, sondern viele Strömungen. Gut ausgebildete Journalisten halte ich noch immer für einen Gewinn und selbsternannte Nachrichteninterpretierer bei Youtube oder Twitter sind für mich keine Primärquellen.

Karl

ttrula
ttrula
Mitglied

RE: Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von ttrula
als Antwort auf Karl vom 14.03.2019, 12:16:39

Karl, ich habe und werde meine Informationsquellen eingestellt/einstellen.
Hast du das Interview angehört?
Kostet etwa 10 Minuten.

Mitglied_81b4260
Mitglied_81b4260
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RE: Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 14.03.2019, 12:00:16

Hätte mich sehr gewunden,  wenn diese vernichtende Kritik nicht gekommen wäre.

Aber, was qualifiziert die beiden Herren dafür?


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RE: Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von ehemaliges Mitglied
Auszug:
Der Fall dieses Uni-Professors zeigt, wie sich Menschen auf Twitter radikalisieren
Der Berliner Medientheoretiker Norbert Bolz änderte seine politische Meinung in 1.200 Tweets um 180 Grad. Warum?

Es ist kein allzu neues Phänomen, dass manche Menschen im fortgeschrittenen Alter konservativer werden. Die eigene Kraft lässt nach und mit ihr das Verständnis für alle, die kraftvoll für Veränderungen einstehen. Der Fall von Norbert Bolz aber ist ein besonderer, denn hier hat sich jemand in herausgehobener gesellschaftlicher Position über Twitter radikalisiert.
Bolz ist 64 und Professor an der TU Berlin. Als Medientheoretiker und Philosoph ist er in seinem Feld eine Größe. Er hält Vorträge, veröffentlicht Aufsätze, viele Studierende geisteswissenschaftlicher Fächer lesen seine Texte. Über die vergangenen drei Jahre aber hat sich Bolz von einem liberalen Vordenker zu jemandem entwickelt, der nicht nur konservativer wird, sondern Rechtspopulisten, AfD und Pegida nahesteht. Seine Radikalisierung lässt sich komplett auf Twitter verfolgen, in etwa 1.200 Tweets.
 
Zwei Autoren haben den Account von Bolz eingehend untersucht. Jörg Scheller, selbst Dozent für Kunsttheorie in Zürich, und der freie Autor Wolfgang Ullrich beschreiben in ihrem Text für die Online-Ausgabe der Zeitschrift Pop , wie Zustimmung von rechts Bolz "anspornt, noch polemischer zu formulieren und sich die Reiz- und Kampfvokabeln der rechten Szenen zu eigen zu machen". Dabei outen sich die Autoren als ehemalige Fans von Bolz, die diesen als "freien und gewitzten Denker" geschätzt hätten.

Vollständiger Artikel: Wie sich Menschen auf Twitter radikalisieren

P.S. Weiter oben habe ich einen Link von den erwähnten Autoren Jörg Scheller und Wolfgang Ullrich eingestellt.
RE: Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 14.03.2019, 12:58:06

Twitter-Zitat Bolz aus besagtem Artikel:
"Das vollends entnazifizierte Deutschland ist das Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten, in dem sich diejenigen, die "schon länger hier leben", alles gefallen lassen."
Wie sich Menschen auf Twitter radikalisieren

Noch Fragen?

sammy
sammy
Mitglied

RE: Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von sammy
als Antwort auf ttrula vom 14.03.2019, 11:10:05


Abgesehen davon, dass Prof. Bolz hier eine andere Sichtweise auf die hier gerne verteufelten Alternativen Medien anbietet, spricht er auch sehr deutlich am Ende des Gesprächs an, welcher Gefahr man sich als Medienkritiker aussetzt und weshalb er auch erst mit Erreichen des Rentenalters bestimmte Zusammenhänge anspricht und das es leider eine schweigende Menge von Medienleuten gibt, die ihren Broterwerb nicht mit kritischem Verhalten untergraben wollen/können.
 
.......wer ohne "vorgefasste Meinung" sich das Interview anhört, wird feststellen wie gewisse "Mechanismen in der Medienlandschaft, Wirtschaft u. Politik" ablaufen.
Es geht leider in der heutigen Zeit oftmals danach, wer der "Stärkere" ist bestimmt die "Marschrichtung"
und "Konsensfähigkeit" wird in vielen Bereichen immer mehr eine nicht gekannte Eigenschaft.

sammy
 
teri
teri
Mitglied

RE: Medienkompetenz und Medienkritik
geschrieben von teri
als Antwort auf Karl vom 14.03.2019, 12:16:39
Medienkritik ist gut, aber bitte immer auch die eigenen Informationsquellen einbeziehen - und möglichst schwarz-weiß Malerei vermeiden.

Für mich ist die Vielfalt unserer Medienlandschaft etwas Gutes. Ich erkenne keine Gleichschaltung, sondern viele Strömungen. Gut ausgebildete Journalisten halte ich noch immer für einen Gewinn und selbsternannte Nachrichteninterpretierer bei Youtube oder Twitter sind für mich keine Primärquellen.

Karl
geschrieben von karl
Tja, früher galt der Journalismus als "Vierte Macht im Staat" und war als solcher ein wichtiges Element der Demokratie. Heute erfüllen diese Funktion nur wenige Vertreter dieser Zunft.

Man mußte früher schon sehr viel Rüstzeug eines sensiblen, leidenschaftlichen Wahrheitsfanatikers mitbringen, mit dem man gegen große Widerstände Wahrheite zutage fördern konnte.

Wie schon in dem von ttrula eingestelltem Podcast festgestellt, kann das heute vielen guten Journalisten ihre Existenz kosten. Also bleibt man vielfach beim lückenhaften Informationsjornalismus und kann erst meist in der Rente ohne eigene Existenzgefährdung wirklich wahrhaftig schreiben. Dann zählen nicht mehr die vorgefaßten Meinungen etlicher, sondern echte, nachgewiesene Tatsachen.

Deshalb beziehe ich meine Informationen lieber aus Büchern als aus im Internet veröffentlichten Medien.

teri
 

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