Innenpolitik "rechts"- staat

clara
clara
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Re: "rechts"- staat
geschrieben von clara
als Antwort auf nerida vom 16.11.2012, 15:28:18
Er ist auch mit seiner Familie in ein besseres Stadtviertel gezogen, damit er mit diesem Abschaum nicht mehr zu tun hat.

Diese irrsinnige Gleichheit im Denken der Neonazi und diesen türkischen Extremisten ist unfassbar. Aber Faschismus ist eben international.


Es sind nicht nur Extremisten, die aus den Türken-Ghettos der Großstädte wegziehen. Es sind oft gut integrierte Familien, arbeits-und strebsam, die Wert auf eine gute Zukunft ihrer Kinder legen.
Der Junge im Video ist rechtsextremistisch manipuliert, wenn ihm die Antworten nicht sogar vorher eingetrichtert wurden.

Clara
justus39 †
justus39 †
Mitglied

Re: "rechts"- staat
geschrieben von justus39 †
als Antwort auf nerida vom 16.11.2012, 12:03:04

Tatsache ist doch, dass nach Kriegsende in der neugegründeten DDR die Methoden der Nazis nahtlos übernommen worden sind.
Da hat sich nur die Farbgebung geändert und eine Aufarbeitung der Nazizeit gab es nicht.
Eine nötige gesellschaftliche Veränderung, wie sie bei uns im Westen z.b. während der sogenannten 68er Jahre stattfand, die gab es in diesem Staate nicht und es ging weiter im Gleichschritt marsch.

Dass gerade in den neuen Bundesländern jetzt der Rechtsradikalismus zur neuen Blüte kam, das hat nichts mit dem schlechten Einfluss aus dem Westen zu tun, das ist ein trauriges Relikt aus der eigenen Vergangenheit.


Eigentlich wollte ich an solchen Diskussionen nicht mehr teilnehmen, aber ich glaube, hier etwas korrigieren zu müssen.

Richtig ist, dass die DDR zwar als bürgerlich demokratischer Staat geplant war, aber unter Walter Ulbricht durch die Beschneidung demokratischer Grundrechte immer mehr zu einer Diktatur wurde, die in vielen Einzelheiten und Methoden der Hitlerdiktatur glich.
Dafür gibt es viele Beispiele von den Wahlen bis zu den Staatsorientierten Organisatiionen.

Aber was die Aufarbeitung des Naziregimes betrifft so kann ich mich immerhin noch erinnern, dass im Betrieb meines Vaters (er war Monteur bei den Stadtwerken) auch der kleinste Nazi verfolgt und entlassen wurde.
Der Direktor des Gaswerkes schnitt sich die Pulsadern auf, ein kleiner Rohrnetzmeister, der Mitglied der SA war, vergiftete sich mit Gas.
Mein Vater musste an einen Umerziehungslehrgang teilnehmen weil er Mitglied in einem so genannten "faschistischen Sportklub" war.
Wir waren die Einzigsten, die weiter in der Werkswohnung wohnen durften, da man auf Vaters Fachwissen nicht verzichten konnte.
Weiter erinnere ich mich, dass sich jeder, dem man der Nationalsozialistischen Gesinnung verdächtigte oder ihm eine Mitgliedschaft nachweisen konnte, über Nacht verschwand. Wer nicht, wie man sagte nachts abgeholt werden wollte setzte sich nach dem Westen ab.

Unsere Schulbücher informierten vom ersten Schuljahr an über die Verbrechen der Nazis, und es gab zahlreiche Filme und Pflichtliteratur über die Konzentrationslager, das Warschauer Getto und die Verfolgten des Naziregimes VVN. Wer als solcher anerkannt war, genoss einige Sondervergünstigungen.
Es gab Broschüren und Dokumentationen über das Hitlerattentat und die Urteile des Volksgerichtshofes. Ein Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald und der Gedenkstätte gehörten zum Geschichtsunterricht.
Wir bekamen Jugendbücher wie, "Das Schiff ohne Hafen", oder "Miriam in Amerika", die über das Schicksal von Kindern in jüdischen Flüchtlingsfamilien informierten. Filme wie "Ehe im Schatten", oder Dramen wie "Das Tagebuch der Anne Frank" und "Professor Mamlock" wurden im Unterricht gelesen, die Ringparabel aus "Nathan der Weise" haben wir auswendig gelernt, und die Theateraufführungen geschlossen besucht.

Ich erinnere mich auch dass unsere Westverwandtschaft bei ihren Besuchen sehr verständnislos auf dieses, wie sie nannten "Aufwärmen alter Geschichten" reagierte und meinte, dass man diese Dinge doch endlich mal ruhen lassen sollte.

Das sich in den Neuen Bundesländern nach der Wende rechtsradikale Gruppen ungehindert entfalten konnten, liegt daran, dass der ganze Polizeiapparat der DDR, der auf die Verfolgung rechter Strömungen ausgerichtet war, durch Beamte ersetzt wurde, die einzig und allein auf linksextreme Gruppen orientiert und auf dem rechten Auge blind waren.

justus
hugo
hugo
Mitglied

Re: "rechts"- staat
geschrieben von hugo
als Antwort auf justus39 † vom 16.11.2012, 16:49:05
hallo justus,,,jaa, Deine Beschreibung bezüglich der Aufarbeitung und dem Umgang mit Nazis nach 1945 kommt meinen Erinnerungen sehr nahe,,

Da mögen einige Details örtlich etwas unterschiedlich gehandhabt worden sein, je nach Umsetzung der Vorgaben durch die Kommandanturen, je nach eigener Betroffenheit der selbsternannten und beauftragten Richter und Naziverfolger usw. aber im Prinzip war es so und jeder Versuch der Ostzone bzw der Anfangs-DDR eine besondere Nazinähe, Nazifreundlichkeit o.ä. zu unterstellen ist grobe Geschichtsverfälschung.

Das ändern auch einige wenige Ausnahmen von der Regel nicht (in die SU überführte Ex-Experten, Spezialisten,,,wie das schon immer und überall nach einem Kriege üblich war, das sich der Sieger nach Möglichkeit bedient,,,)

aber da die Zeitzeugen allmählich müde werden bzw aussterben wird sich die verfälschte Geschichtsscheibung wie üblich,,,bald durchsetzen.

woher auch sollen die Ex-Ossis wissen wie es früher tatsächlich war,,,zumal sie ja nicht mal die aufklärende BILD zur Verfügung hatten,,na, also

hugo

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pschroed
pschroed
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Re: "rechts"- staat
geschrieben von pschroed
als Antwort auf sittingbull vom 16.11.2012, 12:25:02
@ phil.

natürlich ist es so ... aber aus welchen gründen ?

die menschen in den "neuen bundesländern" wurden jeder hoffnung und perspektive beraubt ,
sie wurden belogen und betrogen , ausgeplündert und kaltgestellt .

zusammen mit dem sturmfeuer "antikommunistischer propaganda" , bleibt vielleicht nur
die flucht in die rechte scene .

sitting bull


Hallo sittingbull

Der Zulauf zu den Rechten ist nachvollziehbar.

Ein sehr grosser Teil der jungen Generation wissen zum Teil nicht
was der Ursprung der NPD oder den Rechsradikalen ist.

Das schlimmste was einem Mensch passieren ist wenn er hungert oder sich
so einschränken muß, weil es hinten und vorne finanziell nicht klappt.
In den jungen Jahren ging es mir aus den geschriebenen Gründen mit zwei kleinen Kinder auch sehr schlecht.

Dann kommt Hass auf die Besserverdiener, sowie werden Edelkarrossen in Brand gesetzt usw....

Und die CDU..FDP..CSU tauchen den Kopf in den Sand.
Es ist ja nicht so daß Frau Merkel nicht wissen sollte wo das Problem liegt.

Menschen welche in solch Situationen abgedriftet sind entwickeln eine ungeheure Wut (sie sind ja nicht dumm) und das nicht nur in Deutschland, das ist mittlerweile in ganz Europa so.

Darum schon Gebetsmühlenartig muß man dem arbeitenden Volk eine der Würde gerechten Entlöhnung anbieten.

Trifft das nicht zu, dann kann man nur sagen Gott bewahre uns.
Kapitalismus, Geld ist vorhanden.

Phil.
pschroed
pschroed
Mitglied

Re: "rechts"- staat
geschrieben von pschroed
als Antwort auf yuna vom 16.11.2012, 12:21:22
Was ist mit anderen rechten Parteien, die in den alten Bundesländern gewählt werden, wie proNRW und einige andere, kleinere Parteien, die besonders in NRW in jenen Ecken Zulauf finden, wo die Armut um sich greift?
Sollte man die dann nicht fairerweise mit einbinden, wenn es um das Thema geht?
geschrieben von yuna


Hallo Yuna

Sebstverständlich muß man diese mit einbinden.

Phil
Re: "rechts"- staat
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf pschroed vom 16.11.2012, 17:57:52
Das schlimmste was einem Mensch passieren ist wenn er hungert oder sich
so einschränken muß, weil es hinten und vorne finanziell nicht klappt.


Also ich möchte auch viel an Frau Merkel kritisieren, doch den Spruch den du da grad abgelassen hast, ist jetzt für mich nicht verständlich.

Ich darf mal daran erinnern, dass Deutschlands größter Ausgabeposten im Hauhalt seit Jahrzehnten "Arbeit und Soziales" ist, also wenn hier in diesem Land jemand hungern muss, dann ist das nicht vordringlich die Schuld von Frau Merkel, als da gehst du jetzt zu weit.
Die Ursachen können vielseitig sein.

Und wenn sich jemand einschränken muss, weil es hinten und vorne nicht langt, das der Grund für Radikalismus sein soll, dann darf ich einmal daran erinnern, wie das wohl unsere Eltern gelöst haben, nach dem Krieg, da war einschränken tagtäglich angesagt.

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justus39 †
justus39 †
Mitglied

Re: "rechts"- staat
geschrieben von justus39 †
als Antwort auf vom 16.11.2012, 18:32:29
Und wenn sich jemand einschränken muss, weil es hinten und vorne nicht langt, das der Grund für Radikalismus sein soll, dann darf ich einmal daran erinnern, wie das wohl unsere Eltern gelöst haben, nach dem Krieg, da war einschränken tagtäglich angesagt.
geschrieben von picaro

Die Armut ist relativ.
Wer nach dem Krieg einen Sack Kartoffeln oder ein Brot besaß war glücklich, weil es viele gab, die das nicht hatten.
Eine Familie, die zu viert in einem heizbaren Zimmer wohnte war glücklicher als die, die kein Dach über den Kopf hatten, und wer ein Paar Schuhe besaß war reicher als der, der barfuss gehen musste.
Aber es betraf alle, und wer gar nichts besaß war immer noch froh, dass er überlebt hatte.

Heute dagegen gibt es welche, die schon ein extra Zimmer nur für ihre Schuhe benötigen.
Die Schere zwischen denen, die sich mit einem Hunderter die Zigarre anzünden und denen, die nach jedem Cent suchen müssen, ist eben unendlich groß geworden, und Werbung und Fernsehen präsentieren noch die Reichen und Schönen bis zum erbrechen in ihren übergeschnappten Luxus..
Das macht wütend und da geht die rechte Saat auf.

justus
nerida
nerida
Mitglied

Re: "rechts"- staat
geschrieben von nerida
als Antwort auf justus39 † vom 16.11.2012, 19:49:04
[quote=picaro]
Die Schere zwischen denen, die sich mit einem Hunderter die Zigarre anzünden und denen, die nach jedem Cent suchen müssen, ist eben unendlich groß geworden, und Werbung und Fernsehen präsentieren noch die Reichen und Schönen bis zum erbrechen in ihren übergeschnappten Luxus..
Das macht wütend und da geht die rechte Saat auf.

justus


und genau das glaube ich nicht.

Denn der schwarze Mann, der Ausländer, die Homosexuellen stehen nicht für Luxus und übermäßiger Wohllebe, aber sie stehen für "Anderssein".

Diese Neonazies suchen nach einer Orientierung, nach dem Leitwolf und einer Ideologie die ihrer Bildung und ihrem sozialen Stand entspricht.
Sie finden bei Anpassung an die Gruppe Geborgenheit, scheinbare Kameradschaft und Familienersatz.
Dazu gehört auch das gemeinsame Feindbild und die Bekämpfung dessen. Hierfür gibt es Anerkennung und die Möglichkeit in der Hierachie nach oben zu steigen.
Hier findet er seine Idylle.

Das ist das Erfolgsrezept aller Extremistischen Gruppierungen, Sekten und sonstigen Rattenfänger.

Demokratie dagegen fordert das Individuum und gelebt kann es ganz schön anstrengend sein.
Marija
Marija
Mitglied

Re: "rechts"- staat
geschrieben von Marija
als Antwort auf vom 16.11.2012, 18:32:29
Hallo picaro,

die Schere zwischen Arm und Reich klafft inzwischen extrem auseinander.
Wir erleben eine neue Art von Feudalismus.
Zusammen mit dem Phänomen der Globalisierung entsteht eine verhängnisvolle Dynamik, die nach meinem Empfinden bald eine Zerreißprobe entstehen lassen wird.

Nach dem Krieg war die Situation eine andere.
Fast alle Menschen in Deutschland und anderen Ländern Europas erlebten die Not, den Mangel und den Hunger gleichermaßen - und fast jeder hatte Verluste erlitten und war arm.

Gruß
Marija
adam
adam
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Re: "rechts"- staat
geschrieben von adam
als Antwort auf justus39 † vom 16.11.2012, 16:49:05
Das sich in den Neuen Bundesländern nach der Wende rechtsradikale Gruppen ungehindert entfalten konnten, liegt daran, dass der ganze Polizeiapparat der DDR, der auf die Verfolgung rechter Strömungen ausgerichtet war, durch Beamte ersetzt wurde, die einzig und allein auf linksextreme Gruppen orientiert und auf dem rechten Auge blind waren.

justus


@justus,

lies Dir mal den nachfolgenden Link durch:

World Socialist Web Site.......Ist die Ausländerfeindlichkeit im Osten ein Erbe der DDR?

Auch der weiter führenden Link, am Ende des Beitrages, ist sehr interessant.

--

adam

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