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Innenpolitik Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?

pschroed
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Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von pschroed
Künftige Generationen könnten nahezu unsterblich werden.

Heute geborene Kinder werden mit hoher Wahrscheinlichkeit hundert Jahre alt.

»Wir erleben gerade den größten Triumph der modernen Zivilisation«, sagt James Vaupel, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock.

So euphorisch kann man über ein Thema reden, das die wenigsten Menschen mögen: das Altern.

Viele Altersforscher, ob Statistiker, Psychologen oder Mediziner, neigen zu einer hoffnungsvollen, neugierigen Sicht, wenn es um ihr Thema geht.

Wer aber gerade darum kämpft, dass der demente Vater ein Zimmer in einem Pflegeheim bekommt, der kann diesen Optimismus kaum nachempfinden.

Es gibt auch noch die andere Art, auf das Alter zu blicken, die apokalyptische Sicht.

Sie geht von einer unauflösbaren Konkurrenz zwischen Älteren und Jüngeren aus, spricht vom »Krieg der Generationen«, vom bevorstehenden »Aufstand der Jungen«.

Die Älteren würden sich auf Kosten der Jüngeren ein schönes Leben machen.

Von »Seniorenlawine« ist dann die Rede, von »Ausbeutung«. Meist sind es Publizisten, Ökonomen oder jüngere Politiker, die sich die alternde Gesellschaft als Gerontokratie ausmalen – und damit die Wut der Älteren auf sich ziehen.

Produktiv ist das nicht. Das Drohen mit einer demografischen Katastrophe hat schon viel zu lange verhindert, dass wir uns ernsthaft miteinander auseinandersetzen, über die Generationengrenzen hinweg.

Wir müssen diese Diskussion führen, denn unsere Gesellschaft wird bald anders aussehen, als wir sie kannten.

Die Älteren werden darin mehr Macht haben als heute: politische Macht, wirtschaftliche Macht, kulturelle Macht.

Entscheidend ist aber: Sind die Älteren bereit, mit ihrem wachsenden Einfluss auch die entsprechende Verantwortung zu übernehmen?
bongoline
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Re: Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von bongoline
als Antwort auf pschroed vom 08.10.2011, 13:21:03
Meine Mutter ist 94, geistig voll auf der Höhe, organisch vollkommen gesund, die Augen lassen halt a bissel aus und sie muss in diesem Zustand erleben, wie der Stütz- und Gehapparat immer weniger wird. Für sie ist das sehr schlimm.

Und wenn wir darüber quatschen, dann kommt immer die Aussage, so alt werden macht keinen Spaß. Als ich noch jung war, habe ich diese Aussage auch von meiner Großmutter, die 93 wurde, ebenso bis sie die Augen schloß geistig voll da, aber halt die Altersschwäche, gehört, damals hab ich das sozusagen mit einer Handbewegung über die Schulter abgetan.

Heute, dem 70iger so nah, denke ich bei den Worten meiner Mutter auch anders und denke mir, so alt möchte ich nicht werden.

Die Wissenschaft und die Medizin natürlich feiert den Zustand, dass künftige Generationen die 100 und darüber hinaus erreichen werden. Aber sagen sie auch der so hoffnungsfrohen Jugend und folgenden Generationen, was in dem Alter auf sie zu kommt?

Ich habe Freunde, die die 80 überschritten haben und das Leben noch sehr genießen, allerdings, nachdem ihnen in der Seniorenresidenz jede Arbeit und Verpflichtung abgenommen wird, merke ich zusehends den Abbau durch den Verlust der Verantwortlichkeit. Und auch da höre ich jetzt - noch geht es gut, aber ich möchte es nicht erleben, wenn ich mir so Andere anschauen.

Also ich finde, mit diesem Hochpuschen der Lebenserwartung wird der Menschheit kein Gefallen getan.

bongoline
nostalgie
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Re: Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von nostalgie
als Antwort auf bongoline vom 08.10.2011, 13:36:23
So ein Seniorenheim kann der Anfang vom Ende sein.

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bongoline
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Re: Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von bongoline
als Antwort auf nostalgie vom 08.10.2011, 15:48:15
wenn man es so sieht, nostalgie,

dann ist ja faktisch die Geburt der Anfang vom Ende (oder sollte ich is zum Moment der Zeugung zurück gehen? )

aber ich denke, dass dieses für nichts mehr verantwortlich zu sein, nichts mehr selbst organisieren und planen müssen den Abbau bzw. das Ende etwas beschleunigt.

-----------

Aber noch zur Möglichkeit, in Zukunft locker die 100 erreichen zu können, da habe ich vor Kurzem diesen Witz per e-Mail bekommen.

Ehepaar sitzt am Frühstückstisch, bekommt sich in die Wolle und der Mann sagt auf einmal - jaja, ich kann mir schon vorstellen, dass du mir einen baldigen Tod an den Hals wünscht.

Da sagt sie drauf - ich gönn dir ein langes Leben, von mir aus kannst du auch 102 Jahre alt werden, allerdings nur, wenn ich 104 Jahre alt werde, denn die zwei Jahre ohne dich möchte ich so richtig ausgiebig genießen.

bongoline

old_go
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Re: Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von old_go
als Antwort auf bongoline vom 08.10.2011, 13:36:23
"Also ich finde, mit diesem Hochpuschen der Lebenserwartung wird der Menschheit kein Gefallen getan. "

Diese Worte,bongoline

möchte ich nicht unwidersprochen lassen.

Denn:

ich zähle jetzt 82 erlebnisreiche und pflichterfüllende Auguste.
Erst seit 10 Jahren lebe ich "nur" für mich und meinen Wünschen und Neigungen
weil
ich meine Mutter,beinamputiert zwar,aber in geistiger Frische bis zu ihrem fast 93.Lebensjahr betreute und die letzten 5 Wochen pflegte.
Finanziell konnte alles sorglos geregelt werden,Haus,Garten ,etc,
nur meine Mutter habe ich alleine versorgt,weil
-auch-
private Pflegedienste den persönlichen Freiraum meiner Mutter nicht gewährleitsten konnten.
Sie sollte dann wachwerden und aufstehen oder zu Bett gehen können,wann sie es wünschte und nicht,wie es in den jeweiligen Dienstplan passte!

Ich übte also "privat" eine geregelte Arbeit aus....

Da ich in jenen Jahren schon durch einen unverschuldeten schweren Autounfall 80% behindert war,hat mich das letztendlich doch überfordert,aber ich hab bis zur Beerdigung durhalten können.

Und --nicht nur aus diesem Grund!-- fühle ich mich absolut berechtigt,auch mit soviel Lebensjahren noch leben zu "dürfen" ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen!

Ich habe meine Rente selber erarbeitet mit Berufsttätigkeit und Kinderaufziehen !

Dass die von unserer Generation angesparten Rentenbeiträge von den Politikern zweckentfremdet wurden,ist absolut nicht unsere Schuld!

Heute gelten natürlich andere Kriterien!

Durch weniger junge Menschen,weniger Arbeitsplätze,
also weniger Einzahlungen in die allgemeine Rentenkasse muss nun jeder selber rechtzeitig vorsorgen!

Ich wehre nmich ganz entschieden gegen jegliche Art von Vorwurf:
ich würde auf Kosten der Jüngeren leben!

Solange ich meinen Verstand nutzen kann,meine kleine Welt alleine versorge,die Versorgung der Haustiere einbeschlossen,
ich also niemand
"zur Last" falle
will ich leben dürfen und zwar gerne!

Dass ich krebskrank bin??

Was soll's!

Auch da jammer ich nicht rum,sondern schaffe mir genügend Gegengewicht!

Gudrun

pschroed
pschroed
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Re: Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von pschroed
Auf keinen Fall sollten sich Senioren Gedanken machen oder ein schlechtes Gewissen haben wenn sie pflegebedürftig oder Hilfe brauchen.

Unsere Politiker müssen langsam beginnen umzudenken, wenn man bedenkt daß 2030 bis zu 60% der Bevölkerung Senioren sind.

Es ist auch jetzt (meine Meinung), fast nicht zu verstehen daß es noch keine Senioren Partei gibt die sich genau so durchsetzen würde wie die CDU , SPD oder die Grünen.

Es ist ja die Mehrheit die meistens das Sagen hat.
Vielleicht kommt das noch.

Die junge Generation würde das auch schon akzeptieren, weil sie wissen daß ihnen das hohe Alter auch bevorsteht und dementsprechend die Strukturen anpaßen müssen.

Sicherlich gibt es viele Senioren die bis 65 Jahre arbeiten wollen sogar bis 70.
Ich glaube die Resourcen von diesen Senioren werden in einigen Jahren so wertvoll sein daß es anders überhaupt´nicht mehr funktionieren wird.

Phil.






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pschroed
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Re: Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von pschroed
als Antwort auf old_go vom 08.10.2011, 16:35:40
Gudrun

Ich beneide dich wie du dein Leben trotz diesen vielen Herausforderungen gemeistert hast.

Phil
bongoline
bongoline
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Re: Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von bongoline
als Antwort auf old_go vom 08.10.2011, 16:35:40
aber gudrun,

ich hab doch nicht geschrieben, dass Du möglichst bald ins Gras beißen solltest
aber bedenke, Du bist 80 und meine Mutter ist 94 und auch bei Dir kann sich in den kommenden 14 Jahren etwas ereignen, wo du dann vielleicht sagen wirst - es macht so keinen Spaß mehr.

Meine Mutter wirst nie jammern hören, dies oder das tut ihr weh, denn es tut ihr nichts weh (ich wollte, ich wäre so gesund wie sie), aber in diesem an sich sonst absolut noch fit-sein muss sie eben erkennen, dass die Altersschwäche sie einbremst, dass die Muskelkraft, die den Gehapparat stützt, weniger wird.

Ehrlich gudrun, wenn man mir heute versichern kann, dass ich, wenn mich die Medizin auf die 100 oder darüber hinaus trägt, ich dann noch Tennis spielen, meine Wanderungen genießen, meine Finger flink über die Tastur sausen lassen kann und ich keine Altersbeschwerden habe - ja dann möcht ich natürlich auch über 100 werden.

Aber nur 100 zu werden, um dann in meinem Schaukelstuhl vor dem Fernseher dahinzudümpeln, mehrmals am Tag div. Programme zu überschlafen und sich zu wundern, davor war ein Krimi und jetzt ist ein Softporno (so erzählte mir mal meine Mutter von ihrem Abendprogrammerlebnis - zuerst der Kommissar und dann auf einmal ein nackter Hintern am Bildschirm ) essen und trinken (wobei das Durstgefühl im Alter ja sehr nachläßt und eine Unterversorgnung sogar sehr bedenklich sein kann) einfach nur, damit die Verdauung dann am Morgen stimmt und man nicht verhungert oder austrocknet und wenn man Sonderwünsche hat, einem womöglich gesagt wird - aber aber, doch nicht in deinem Alter - oder aber wie Jopi Heesters vorgeführt zu werden, nein, das kann mich nicht begeistern.

Und trotzdem erlebe ich, auch wenn gemault wird, je älter die Leute werden, umso mehr hängen sie am Leben, auch wenn sie beteuern, dass das Leben nicht mehr lebenswert ist. Das allerdings ist wohl bedingt durch die Angst vor dem Tod, nicht zu wissen, was ist danach oder gibt es dann gar nichts mehr.

Also nachdem ich ja den Hund meines Sohnes übernommen habe und wenn ich dessen Durchschnittsalter für große Hunde von 12 Jahren mal annehme, na ja, dann muss ich sowieso auch den 80er hinter mich bringen, dann kann ich sagen, ich hab mein Soll erfüllt

bongoline
old_go
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Mitglied

Re: Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von old_go
als Antwort auf bongoline vom 08.10.2011, 19:23:23
...und bongoline irrt...

ich bin nicht "80",sondern "82"

und ohne die "nötigen" Begleiterscheinungne des äÄlterwerdens
bin ich auch nicht..
aber,
trotz gesundheitlicher Einschränkungen werde ich mich hüten,
im Schaukelstuhl vor dem Fernseher
"dahinzudümpeln",
wie du schreibst!
Wer sich mit den naturgemässen oder,und auch krankheitsbedingten Einschränkungen zu arrangieren weiss,
kann auch im höheren Alter in jeder Weise
beweglich bleiben!

Man muss nur rechtzeitig damit beginnen

Schönen Sonntag noch!

Gudrun
dreht jetzt mit Hund eine herbstliche Runde
bongoline
bongoline
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Re: Übernehmen die Senioren das Sagen in Deutschland ?
geschrieben von bongoline
als Antwort auf old_go vom 09.10.2011, 09:22:58
oh nein gudrun,

wie konnte ich nur diesen gewaltigen Alterssprung von 80 auf 82 übersehen - Du mußt entschuldigen, das ändert natürlich die Situation komplett, denn es sind dann nur mehr 12 Jahre, die Du jünger bist als meine Mutter - und gudrun, ich hoffe, wir beide sind dann noch unter den Lebenden und fähig, einen PC zu bedienen, weißt was, wir unterhalten uns dann in 12 Jahren nochmals drüber, wie Dein und mein Leben verläuft und was Deine Interessen mit 94 und meine mit 79 dann sind.

vielleicht wäre es dann sogar erstrebenswert, im Schaukelstuhl vor dem Fernseher "dahinzudümpeln" (damit meinte ich, dass einem immer wieder mal die Augen zufallen und ein Fernsehnickerchen gemacht wird), denn ich kenne so einige mit 94, die nicht mehr im Schaukelstuhl sitzen können sondern im Bett mit rechts und links die Gitter hochgefahren, damit sie ja nicht rauskugeln können, ihren Tag liegend verbringen. Für die wäre dann sicherlich das Höchste der Gefühle, sitzen zu können und noch ein Höchstgefühl - überhaupt mitzubekommen, was im Fernsehen läuft.

Also ich bin nicht so vermessen, meine heute vorhandene Agilität so in den Vordergrund zu stellen und zu meinen, mit 94 bin ich noch immer genauso. Wobei ich mit Anerkennung respektiere, dass Du ja immerhin auch 13 Jahre mehr am Buckel hast als ich und sehr rege bist. Ja heute - aber, wie schon gesagt, wir schreiben dann in 12 Jahren mal wieder drüber OK?

bongoline

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