Internationale Politik Achtung, fertig, los!

sittingbull
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Achtung, fertig, los!
geschrieben von sittingbull
"85.000 Polizisten und Soldaten sollen das viele Milliarden teure Großereignis absichern, das mit Eintrittspreisen aufwartet, die für die meisten Brasilianer unerschwinglich sind."

das Volk Brasiliens bleibt Zaungast .

Mögen die Spiele beginnen:

sittingbull

(Foto: AP Photo/Leo Correa)

sitting bull
karl
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Re: Achtung, fertig, los!
geschrieben von karl
als Antwort auf sittingbull vom 05.08.2016, 10:58:36
Da stellt sich die allgemeine Frage, ob solche Großveranstaltungen wie Olympiaden und Fussballweltmeisterschaften einen Sinn ergeben oder nicht. Ich persönlich glaube nicht, dass die Nichtvergabe der Olympischen Spiele oder der Fussbal-WM die Situation in Brasilien wesentlich verbessert hätte. Vielleicht hat eine solche Veranstaltung zumindest die Funktion, die Aufmerksamkeit auch auf die sozialen Brennpunkte zu richten. Ich glaube z. B., dass erst durch die Berichterstattung um solche Ereignisse herum vielen der sozialen Probleme in Brasilien erstmals auch bei uns Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Wir sollten nicht vergessen, dass es Brasilien noch immer deutlich besser geht als Venezuela, ein weiteres Land, das durch sozialistische Experimente zugrunde gerichtet wurde.

Karl
carlos1
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Re: Achtung, fertig, los!
geschrieben von carlos1
als Antwort auf karl vom 05.08.2016, 13:58:13
Lieber Karl,

die Armen in Brasilien revoltieren gegen diese Spiele, weil sie ein Fest für die Reichen sind. Wer will ihnen das verdenken? Als 2009 Bras. den Zushclag für das Ol. Spektakel erhielt, war die Freude groß, und damals war die wirtschaftlich Lage auch noch viel besser.

Was geschieht mit den teuren Bauten nach den 2 Wochen Olympia? Ein Blick nach Griechenland genügt: Dort verfallen und verkommen die Sportstätten der Olympiade. Die Kosten aber der Olympiade in GR drücken als Schulden den griechischen Staat heute noch. Die Eurozone zahlt die Schulden von damals auch ab.

An der Olympiade wird viel Geld verdient. Was ließe sich ändern?

Griechenland ist der Ursprung der olympischen Idee. Die Olympiade war in der Antike Spiele zu Ehren des Zeus. Sie wurden mit einer religiösen Zeremonie eröffnet und beschlossen, dauerten 4 Tage.

Während der Dauer der Spiele hatte in Griechenland Friede zu herrschen, die Waffen hatten zu ruhen. Selbst als der Perserkönig in GR einrückte, wurde von dieser Proedur nicht aberückt. Der Perserkönig sandte Spione aus, um zu erfahren, welche Maßnahmen die Griechen für ihre Verteidigung trafen. Ihm wurde gesagt, die Griechen bereiteten sich auf die Spiele vor. Diese hätten Vorrang.

Meiner Meinung nach gehört die Olympiade nach Griechenland, nach Olympia. Alle vier Jahre sollte dort die Olympiade stattfinden. Wenn die Sportler der Welt sich dort versammeln, sollte Friede herrschen. Wer dazu nicht bereit ist, wird von der Teilnahme ausgeschlossen. Das Gerangel um die Ehre und das große Geldverdienen träte in den Hintergund.

Utopie??

Beste Grüße
c.

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karl
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Administrator

Re: Achtung, fertig, los!
geschrieben von karl
als Antwort auf carlos1 vom 05.08.2016, 20:14:57
Eine mögliche Lösung? Vielleicht, besonders das mit dem Frieden klingt attraktiv. Aber wir könnten uns ja einmal überlegen, welche Staaten dann diesmal nicht mitmachen dürften. Es wären nicht wenige, alle Staaten die in Syrien bomben wären z. B. nicht dabei.

Karl
carlos1
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Re: Achtung, fertig, los!
geschrieben von carlos1
als Antwort auf karl vom 05.08.2016, 20:29:16
"Eine mögliche Lösung? Vielleicht, besonders das mit dem Frieden klingt attraktiv." Karl


Lieber Karl,
kein Zweifel, die Olympischen Spiele haben (noch) eine andere Ausstrahlung als Welt- oder Europameisterschaften. Die völkerverbindende Idee steht dahinter. Die Jugend der Welt trifft sich zu gemeinsamen Wettkämpfen. Die Wettkapfstätten werden reihum vergeben an verschiedene Staaten auf verschiedenen Kontinenten. Rio zog 2009 das glückliche Los. Es wurde als Chance gesehen, auch für die Stadtentwicklung Rios. Eine Chance für das Land. Wenn schon Kommerz, dann bitte auch etwas fürs Gemeinwohl. Schließlich ist es großenteils nicht das Geld des Internat. Olymp. Komitees, sondern des brasislianischen Steuerzahlers.

Genau das ist nicht passiert. Eine Stimme aus deinem Link bemängelt, dass die Chance nicht genutzt wurde. Für Rio ist weiter nichts herausgekommen als eine Tramlinie. Baumängel, Fehlplanung und eine Scheinblüte für kurze zeit. Danach Katzenjammer, Streit und zusätzliche Schulden.

Selbstverständlich sehen Architekten in Olympia die große Chance für eine moderne Stadtgestaltung. Städte wie Barcelona (1996) werden als Beispiel für gute Planung genannt, die auch nach den Spielen noch Nutzen bringt, für alle.

Südafrika, Griechenland sind abschreckende Beispiele.

In der Antike erfolgte in Griechenland die Zeitrechnung nach den Olmpiaden. Daran ersieht man die Bedeutung der Olympiaden. Der Sieger (Fraue nahmen nicht teil an den Spielen, waren auch nicht als Zuschauerinnen erlaubt) erhielt einen Lorbeerkranz aufs Haupt, in seiner Heimatstadt wurde er geehrt mit einer Statue. Ehre und Ruhm, gesellschaftliche Anerkennung, nicht Gold.

Heute werden Athleten zurechtgespritzt, mit Chemie zur Höchstleistung gebracht, um die Leistungsfähigkeit einer Nation oder eines Systems unter Beweis zu stellen. Goldmedaillen können auch die Karriere befördern und eine Geldquelle im Beruf sein.

Nicht die Einzelleistung zählt beim Publikum, sondern mehr noch der Medaillenspiegel. Schneidet eine Nation schlecht ab, werden Maßnahmen zur Förderung überlegt. Medaillen werden geplant wie ein Feldzug im Krieg. Von wegen teilnehmen ist alles.

Der Leistungsport ist verlogen.

Viele Grüße
c
JuergenS
JuergenS
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Re: Achtung, fertig, los!
geschrieben von JuergenS
Bei aller Kritik, berechtigter, an Veranstaltungen wie die olympischen Spiele, jeweils am Ende eine "Olympiade", überleg ich mir immer, dass bei stringenter Anwendung von ethischen Maßstäben vielleicht die WElt der Menschen ganz schön arm wäre.
Vor diesem Hintergrund seh ich auch dominante Weltereignisse. Die gehören halt dazu und müssen aber so "sauber" wie möglich ablaufen. Da hakt es oft.

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ehemaligesMitglied48
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Es geht auch anders...
geschrieben von ehemaligesMitglied48
als Antwort auf sittingbull vom 05.08.2016, 10:58:36
Manche Dinge kann man nicht ändern...so kann man zwar über die immer pompöser und sinnloser werdenden sportlichen Großereignisse (wie auch die Olympiade) lamentieren ...aber es wird sich nix ändern.
Warum gibt Deutschland 150 Millionen Euro für die Förderung von Spitzensportlern aus, von denen man Gold erwartet, obwohl sie gegen Sportler aus Russland oder Kenia antreten ?
Warum definiert sich die Bundesrepublik (wie damals die DDR) über Olympiamedaillen ?
Könnte man das Geld nicht in den Breitensport stecken und so etwas für die Bevölkerung erreichen ?
Wir regen und über Doping von Russland auf....fordern Sanktionen.Warum ziehen wir nicht einfach unsere Olympiateilnahme zurück angesichts der Tatsache, daß bei brasilianischen Sportlern gar keine Dopingkontrollen in den letzten Monaten gemacht wurden ?
Nur solche drastischen Zeichen können etwas bewegen...naja nicht wirklich.Die deutschen Funktionäre sind ebenso korrupt und verlogen, wie die in China oder Kenia... und das Volk will Brot und Spiele.
Re: Achtung, fertig, los!
geschrieben von marina
Report von Amnesty International:

Brasilien: Drastische Zunahme von Tötungen durch die Polizei

02. August 2016 - Die Polizei in Rio hat zwischen April und Juni dieses Jahres 124 Personen getötet. Kurz vor den Olympischen Spielen nahm die Zahl der Tötungen damit im Vorjahresvergleich um 103 Prozent zu. Dies zeigen neueste Zahlen des Instituts für öffentliche Sicherheit des Bundesstaates Rio de Janeiro. Demnach wurden in der Metropole im Juni 49, im Mai 40 und im April 35 Personen von der Polizei getötet - mehr als ein Mensch pro Tag.

Seit Rio im Jahr 2009 den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Spiele erhalten hat, wurden in der Stadt ca. 2.600 Menschen von der Polizei getötet.

"Brasilien hat die Olympischen Spiele schon verloren, bevor sie begonnen haben. Die drastische Zunahme von Tötungen durch die Polizei stellt ernsthaft in Frage, ob die Spiele überhaupt positive Entwicklungen für die Stadt bringen werden", sagt Atila Roque, Direktor von Amnesty International in Brasilien. "Es scheint, dass die Behörden sich nur darum kümmern, wie hübsch der Olympische Park aussieht. Die Zeit für leere Wort und Versprechen ist vorbei: Die Behörden müssen sofort Maßnahmen ergreifen, um weitere Menschenrechtsverletzungen zu stoppen und die Verantwortlichen der Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen."

Laut Roque gibt es weiterhin keine klaren Regeln zur Anwendung von Gewalt bei Polizeieinsätzen. "Mit seiner misslungenen Sicherheitspolitik wiederholt Brasilien die Fehler der Fußballweltmeisterschaft von 2014", so Roque. Damals hatten Tötungen durch die Polizei im Bundesstaat Rio de Janeiro im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zugenommen.

Um zu dokumentieren, wo es in Rio im Vorfeld der Olympischen Spiele zum Einsatz von Schusswaffen kommt, hat Amnesty die App "Kreuzfeuer" (Fogo Cruzado) entwickelt. Sie ermöglicht es, Waffengewalt zu melden. Die App wurde bereits 35.000 Mal heruntergeladen.

Am 2. August hat Amnesty die erste monatliche Auswertung der App veröffentlicht: Allein im Juli meldeten die Nutzerinnen und Nutzer per App 756 Schießereien mit 51 Todesopfer. Die Meldungen werden in einer interaktiven Karte visualisiert (www.fogocruzado.org.br).

Aus den Favelas Complexo do Alemão und Caxias (Baixada Fluminense) wird über die App fast täglich von Schießereien zwischen der Polizei und kriminellen Banden berichtet. Auch aus dem Viertel Complexo da Maré liegen zahlreiche Berichte von Gewalt vor. Diese Gebiete liegen zwischen dem Flughafen und den Austragungsstätten der Olympischen Spiele.

Quelle s. Link:
karl
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Administrator

Re: Achtung, fertig, los!
geschrieben von karl
als Antwort auf JuergenS vom 06.08.2016, 11:07:04
@ heigl,

gegen die strikte Anwendung ethischer Maßstäbe hätte ich nichts. Das nämlich hätte die Fehlplanungen eventuell verhindern können - zumindest Korruption und Doping gestoppt.

Trotzdem sehe ich es wie Du. Die Welt wäre ohne Olympia ärmer. Diese Großereignisse garantieren zwar nicht, dass die Welt besser wird, aber sie haben trotz allem eine hohe Symbolwirkung und tragen zum globalen Bewusstsein bei - und erhöhen somit die Wahrscheinlichkeit positiver Entwicklungen (meine optimistische Meinung).

Karl
rehse
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Re: Achtung, fertig, los!
geschrieben von rehse
als Antwort auf carlos1 vom 06.08.2016, 09:50:44
Dein vorheriger Vorschlag, die Olympischen Spiele nur in Griechenland stattfinden zu lassen ist eine gute Idee.
Aber die Geschäftemacher kämen dann zu kurz und diese sind mit den korrupten Funktionären der Verbände im selben Boot!
Leider wird es nichts werden. Schade, aber es wird sich wohl nichts ändern.

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