Internationale Politik Das Kalifat Nr. 1 ist da

Crimmscher
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Re: Das Kalifat Nr. 1 ist da
geschrieben von Crimmscher
als Antwort auf Bruny vom 21.07.2014, 16:32:22
Wenn wir von Veranlagung zur Aggressivität bei Jugendlichen sprechen, begeben wir uns auf Glatteis.

Sigmund Freud der Begründer der Psychoanalyse war einst dieser Auffassung.

Dass es nicht so ist, hat die Forschung in Verhaltensanalysen erwiesen.

Danach wird das Motivationssystem des menschlichen Gehirns von gemachten Erfahrungen ausgelöst.

Es bestimmt auf welche Art und Weise der Mensch sich in bestimmten Situationen verhält.

Auch Feindlichkeit gegenüber Andersdenkender wird nicht angeboren.

Crimmscher
Bruny
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Re: Das Kalifat Nr. 1 ist da
geschrieben von Bruny
als Antwort auf panda vom 21.07.2014, 16:51:11
Panda, ich finde es äußerst angenehm sich mit Dir über diese Fragen auszutauschen, ohne gleich in die Schranken gewiesen zu werden, wie es einige so gerne tun.
Eigentlich unterscheiden sich unsere Auffassungen zu diesem Thema nicht, denn ich habe ja die meisten Punkte mit einem Fragezeichen gekennzeichnet, weil mir das Hintergrundwissen fehlt um eine "Punktlandung" zu machen.
Etwas näher würde ich doch noch auf Deine Aussage eingehen: "Dass es Menschen gibt die aus Lust töten". Das ist unbestritten dass es diese Menschen gibt. Meine Frage dazu wäre, ob es Menschen gibt, denen das Empathie Gen fehlt? Oder sind das Menschen, deren Hemmschwelle so niedrig, deren Adrenalinausstoss jedoch so hoch ist, dass sie meinen nicht anders zu können.
Ich würde annehmen, dass im ersten Fall diese Menschen nicht, im zweiten jedoch schon therapiert werden könnten.

Ich kann allerdings auch völlig falsch liegen. Nur wenn wir die Jugend wieder zurück gewinnen wollen, dann wird sich die Gesellschaft wohl Gedanken machen und auch handeln müssen. Je schneller desto besser.
karl
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Re: Das Kalifat Nr. 1 ist da
geschrieben von karl
als Antwort auf Bruny vom 21.07.2014, 17:31:50
Ich finde die hier laufende Diskussion zwischen Euch auch spannend.
Nur wenn wir die Jugend wieder zurück gewinnen wollen, dann wird sich die Gesellschaft wohl Gedanken machen und auch handeln müssen. Je schneller desto besser.
Da wir an der Biologie wenig ändern können, muss über die Gesellschaft versucht werden, das Aggressionspotential in die richtigen Bahnen zu lenken. Das kann durchaus gelingen.

Niemandem ist vorherbestimmt aufgrund genetischer Anlagen anderen den Kopf einzuschlagen. Wenn es gelingt das Aggressionspotential, das ohne Frage bei vielen jungen Männern da ist, in die richtigen Bahnen zu lenken, wird eine Gesellschaft friedlicher.

Sport z. B. ist ein hervorragendes Ventil für das, was junge Männer umtreibt. Die Hooligans spielen leider nicht selber Fussball, täten sie dies, würden sie sich nicht prügeln.

Das Problem, an dem sich diese Diskussion entzündet hat, hat allerdings auch etwas damit zu tun, dass es sehr viele Gerechtigkeitslücken in unserer Gesellschaft vor Ort, aber auch zwischen Gesellschaften weltweit gibt. Junge Männer sehen diese und deshalb werden sie auch oft als die " zornigen jungen Männer" bezeichnet, Testosteron macht Politik.

karl

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panda
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Re: Das Kalifat Nr. 1 ist da
geschrieben von panda
als Antwort auf Bruny vom 21.07.2014, 17:31:50
@ bruny u.Grimmscher !

damit ich nicht falsch verstanden werde...
Es gibt kein Mörder - Gen !

Sigmund Freud hat übrigens hauptsächlich den Zusammenhang zwischen Sexualität und Aggression erforscht .

es ist heute relativ gesichert , daß es immer eine Wechselwirkung zwischen Angeborenem UND Umfeld , also Sozialisation , gibt.
Nun sagt sich das so leicht.
Denn :
Wieso werden Menschen , die in katastrophalen Umständen großwerden , zu ganz " normalen , friedlichen " Menschen .....
und Andere , die die besten Bedingungen zum Aufwachsen haben , eben zu diesen oft sehr brutalen und sadistischen Tätern ?
man nimmt Folgendes an :

Eine sehr schlechtes Umfeld benötig zum Ausreifen einer " psychopathologischen " Struktur eine besondere genetische Anlage.
liegt diese Nicht vor , passiert -Nichts.
warum dann aber die Entwicklung in diese Richtung bei den " guten " Verhältnissen ?
Weil wir schlicht nicht genau wissen, was in jedem Falle " gutes Umfeld " ist.
denn ob es diesen Wohlstands-Mördern an Strenge oder Güte , oder was auch immer , gefehlt hat -- das kann kein Mensch im Nachhinein wissen.
Umgekehrt müssen sehr schlechte Bedingungen nicht SOO sein , daß eben ein Anlage ( die da wäre ) reifen MUß.
Aber daß da etwas Angeborenes sein MUß , das geben heute sogar die Psychologen und Psychiater zu , die sich lange gegen jegliche " Anlage " gewehrt haben.

In der Verhütung und Vorbeugung einer solchen Entwicklung ist das natürlich enorm frustrierend , denn worauf soll man achten ?
es könnte alles falsch oder richtig sein , zuviel Strenge , zuviel Güte , wo ist das Maß ?
denn , -- eins ist leider klar : Ein Mörder hat immer den ersten Mord frei , das kann der nette Mensch von Nebenan sein , aber der böse blickende Penner muß es nicht sein !
Bruny
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Mitglied

Re: Das Kalifat Nr. 1 ist da
geschrieben von Bruny
als Antwort auf panda vom 21.07.2014, 18:03:22
So betrachtet dürfte es schwierig sein die Jugendlichen wieder einzugliedern. Das würde bedeuten man müßte sich mit jedem einzelnen befassen, weil das Verhaltens"Muster" vielseitig sein dürfte.
Ich habe längere Zeit in der Entwicklungshilfe gearbeitet. Die zu betreuenden Jugendlichen waren Reservats Indianer und Indios aus Mexico. Beide Gruppen konnten ausschließlich von mir betreut werden, weil beide Gruppen die Betreuung durch Amerikaner strikt ablehnten. Bei einigen indianischen Jugendlichen war das Hasspotential äußerst besorgniserregend und zwar auch mir gegenüber. Sie machten die weiße Bevölkerung verantwortlich dafür dass sie keine Kindheit hatten, vom Staat den Eltern weggenommen und in sogenannte Boardingschools gesteckt wurden. Die Tatsache dass ihre Eltern nicht für sie sorgen konnten, weil sie dem Alkoholismus verfallen waren, machte die Angelegenheit nur schlimmer. Einige dieser Jugendlichen waren begnadete Baseballspieler, aber wenn gegen "Weiße" gespielt wurde, musste vorher Leibesvisite durchgeführt werden. Und obwohl ich mich mit jedem einzelnen der Jugendlichen nahezu 24 Stunden beschäftigt hatte, sind etliche davon in die Kriminalität abgerutscht und zwar diejenigen mit denen ich am wenigsten "Probleme" hatte. Auf 2 wartete die Todesstrafe, sie wurden beide des Mordes überführt.
Die Indios aus Mexico hatten diese Probleme nicht, sie wurden ihren Familien nicht weg genommen. Der "Wiedereingliederungsprozess" ist reibungslos verlaufen.
panda
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Re: Das Kalifat Nr. 1 ist da
geschrieben von panda
als Antwort auf Bruny vom 21.07.2014, 18:42:12
Da hast Du aber schon eine Menge erlebt.Hoch-interessant !

Aber du hast ja wohl selbst am besten erfahren , wie schwierig die Differenzierung des Zusammenhangs von " angeboren " und bekanntem ( oder angenommenem ) früherem Umfeld wohl sein muß...
genau wie beim Alkoholismus.
da gibt s auch viele Theorien , aber letztlich laufen sie auch auf die " Wechselwirkung " hinaus ( also in der Entstehung , denn die Therapie ist wohl bei Allen die Gleiche ).
denn auch die oft angenommene " Vererbung " stimmt so nicht.
Viele von uns kennen Fälle , wo Kinder von Alkoholikern ( die mit ihnen aufwuchsen ) eben nicht Alkoholiker wurden , usw.

Danke , und schönen Abend.

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