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Internationale Politik Die französische Präsidentschaftswahl

Karl
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Administrator

Re: Die französische Präsidentschaftswahl
geschrieben von Karl
als Antwort auf carlos1 vom 14.05.2017, 17:33:15
Liebe Carlos,

mich fasziniert das chinesische Projekt. Technologisch rückt die Welt zusammen und dies ist nicht mehr von Menschen wie Trump, le Pen oder durch die AfD zu ändern. Mich erinnert die derzeitige technologische Entwicklung an die Entwicklung der Eisenbahn.

Ich lerne derzeit sehr viel über deren Funktion bei der Entwicklung Deutschlands, weil mein Enkel uns hier Probevorträge für eine Präsentation in seiner Schule hält.

Wem von den Lesern hier war bewusst, dass die Uhren vor der Eisenbahn in jeder Stadt anders gingen? Die Uhren waren nicht synchronisiert. Im Zeitalter gültiger Fahrpläne natürlich ein Unding. Auch gab es noch praktisch an jedem Fürstentum Schlagbäume. Anfänglich gab es Probleme bei den Spurweiten der Eisenbahnen, wenn Grenzen überbrückt werden sollten.

Mit der Eisenbahn wurden erstmals Überlandreisen auch für den Normalbürger möglich. Der Horizont des Einzelnen weitete sich.

Heute ist die Welt ein Dorf, Grenzen sind im digitalen Zeitalter keine Grenzen mehr, wie am Beispiel des jüngsten Computervirus drastisch vor Augen geführt wurde.

China hat dies erkannt und plant global. China kommt derzeit moderner rüber als die USA mit ihrem bornierten Führer, der sein eigener Gefangener ist.

Man muss hoffen, dass diese Weltmächte ihre sich entwickelnden Konflikte miteinander friedlich lösen - trotz Trump.

Ein Wort aber noch zu Macron: M. E. benötigt er nicht nur verbale Unterstützung. Deutschlands Interesse sollte es sein, ihn nicht scheitern zu lassen, denn mit seinem Erfolg wird der Erfolg des EU-Projekts verbunden sein. Wir sollten die enthaltene Vision nicht nur von kleinlichen Finanzexperten zerstören lassen. Das EU-Projekt sollte gerade auch Deutschland sehr viel Geld wert sein.

karl
carlos1
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Re: Die französische Präsidentschaftswahl
geschrieben von carlos1
als Antwort auf Karl vom 14.05.2017, 17:55:31
Lieber Karl,
die Probleme in Europa sind Luxusprobleme. Wir müssen den Blick weiten und global denken. Die Probleme Asiens, Afrikas Europas zusammensehen, d. h. den Blick weiten. Veränderungen werden auf uns zukommen, denen wir nicht ausweichen können.

Natürlich hat die Eisenbahn einst umwälzend gewirkt, sie hat Menschen und Regionen miteinander verbunden, den Handel erleichtert und
erweitert, sie hat aber auch die Lebens- und Vorstellungswelt der Menschen vereinheitlicht. Deshnalb kann man den Eisenbahnbau in der Didaktik als Paradigma für die industrielle Veränderung nehmen. Die industrielle Revolution hat vor 250 Jahjren in England begonnen, sie dauert aber noch an, ist längst nicht zu Ende, gewinnt an Dynamik.

Die Taschenuhr und dann die Armbanduhr bestimmten in immer stärkerem Maße die Vorstellungswelt und das Leben der Menschen. Der Rhythmus der Maschinen veränderte das Lebensgefühl der traditionelllen Arbeitswelt. Aber wichtiger noch: Langfrisitig auch die soziale Rangordnung.

Die Eisenbahn schaffte, was bisher undenkbar schien, die Überwindung de sozialen Distanz. Der Adelige, selbst der König. kam mit der Eisenbahn nicht früher am Zielpunkt der Reise an als ein Bauer oder Tagelöhner. Die Technik ebnete (symbolisch zumindest) Standesschranken ein. Nicht zletzt deshalb wurden 3 Klassen in den Eisenbahnwaggons eingeführt.

Der Bau der Eisenbahnen hat auch der wirtschaftlichen Entwicklung starke Impulse gegeben und dieser Kontinuität und sich selbst tragendes Wachstum verliehen.

Die Vorstellung, dass die Globalisierung gestoppt, die Länder sich abschotten müssten, sich von Fremden separieren müssten, ist naiv.

Viele Grüße
c.
adam
adam
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Re: Die französische Präsidentschaftswahl
geschrieben von adam
als Antwort auf carlos1 vom 14.05.2017, 17:33:15
Wir sollten nicht so tun, als müssten wir das Katastrophenland Frkrch aus dem Sumpf ziehen.


Carlos,

ich habe Frankreich nicht als Katastrophenland bezeichnet und halte es auch nicht dafür.

Aber als Bundesbürger möchte ich, daß unsere Regierung so eng wie möglich mit Frankreich zusammenarbeitet und den frischen Wind, den die Wahl Macrons mit bringt, für Europa ausnützt und nicht zum Lüftchen verkommen läßt.

Vom Plan "Seidenstraße" habe ich gehört, aber hier schreiben wir ja unter der Überschrift der französischen Präsidentenwahl.

Aber gut: Das Projekt Seidenstraße sehe ich durchaus positiv, aber wir sollten aus der Vergangenheit lernen, daß uns zu enge wirtschaftliche Bindungen an Diktaturen irgendwann auf die Füße fallen und auch zum Vorwurf gemacht werden. Deshalb sollten wir "Seidenstraße" große Aufmerksamkeit schenken, aber vorrangig das Projekt "Westlicher Wirtschaftsraum" mit den USA und Kanada über eine Freihandelszone weiter verfolgen. Trump dauert nicht ewig.

Für Seidenstraße und Freihandelszone brauchen wir ein einiges Europa. Ohne dessen Kraft, wirtschaftlich und politisch, werden die einzelnen Staaten Europas nur eine Nebenrolle spielen. Also, auch in diesem Sinn: Macron ist die Chance für Europa, die genutzt werden muß. Dann kommt alles andere.

--

adam

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carlos1
carlos1
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Re: Die französische Präsidentschaftswahl
geschrieben von carlos1
als Antwort auf adam vom 15.05.2017, 09:51:56
Adam, du hast davon gesprochen, Frkrch zu "helfen", ich auch. In der Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, dass wir mit Geld helfen müssten ("Helfer-Syndrom"). Dem ist nicht so. Frkch kann sich durchaus aus eigener Kraft sich freischwimmen, wenn …... wäre ei nanderes thema.

Niemand kann sich seine Wirtschaftspartner backen. Wenn wir mit Diktaturen keinen Handel treiben wollen, könnten wir gleich die Fabriken schließen. Der internationale Handel verbindet auch. Wir dürfen uns nicht abschotten. Mir geht es wie dir auch: In Verzückung verfalle ich nicht, wenn ich von dem Projekt Seidenstraße höre. Es ist eine Art Marshallplan für drei Kontinente. Ehre dabei zu sein? Nein. es könnte sein, dass dt. Unternehmen sich beteiligen mit Knwo how, z. B. in Kirgistan. Die Chinesen predigen Freihandel, wollen aber ausländische Firmen im eigenen Land nicht so behandeln wie chinesische in Dtld behandelt werden.

Europa wird von den Chinesen als Ganzes gesehen. Europa als zusammengewürfelter Haufen, mehr Gegeneinander als Miteinander Das ist unsere Sicht auf Europa. Deswegen meine Forderung die Sicht zu weiten, aus der Ferne verschwinden die Probleme der Langnasen wie aus chinesischer Sicht. Deswegen muss unsere Sicht auf Europa auch die Sicht Chinas auf Europa sein, Europa als Einheit.

Die EU vertritt Europa in Peking und forderte bereits Gleichberechtigung im Handel und bei Investitionen. Ein Eklat, aber richtige Politik. Gemeinsames Auftreten als Europäer in Namen Europas ist wichtig, darin besteht in bei den EU-Mitgliedern in Peking Einheit. Dies Thema gehört mit zur Präs.wahl in Frkrch, weil es um die Zukunft Europas geht.

Ich sehe wie du die Wahl Macrons als Chance. Die Bedenken gegen TTIP etc habe ich nicht voll geteilt, die Vorteile von TTIP wogen für mich immer stärker als die Nachteile. Abschottung, um es zu wiederholen, ist eine falsche Politik.

Viele Grüße
c
adam
adam
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Re: Die französische Präsidentschaftswahl
geschrieben von adam
als Antwort auf carlos1 vom 15.05.2017, 11:36:26
Wir sind uns ja einig, Carlos, wenn auch nicht synchron, was ja auch ein Wunder wäre.

Zu beachten bei dem Seidenstraßenprojekt ist auch, daß die Entwicklungs- und Schwellenländer inzwischen mehr als die Hälfte des Welthandels ausmachen und so in zunehmendem Maße bestimmen, wohin der Handel sich entwickelt. Der Verlust an dieser Macht ist nicht ungefährlich für die Industriestaaten, weil über diesen Einfluß auf Nachfrage auch wichtige Politik gemacht wird.

Der Euroamerikanische Raum wird TTIP, und damit einem hoch entwickelten Wirtschaftsraum von etwa 1 Milliarde Menschen, noch viele Tränen nachweinen. Was wäre möglich gewesen mit einer gemeinsamen Währung über den Atlantik?! Nur mal angedacht!

--

adam
pschroed
pschroed
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Re: Die französische Präsidentschaftswahl
geschrieben von pschroed
Macron greift russische Medien an, Putin bleibt stumm.
Warum wohl ?
Phil.

ZITAT SPON

Der französische Präsident Emmanuel Macron tat bei seinem Treffen mit Wladimir Putin, was vor ihm noch niemand tat: Er griff in Putins Beisein die russischen Staatsmedien "Sputnik" und Russia Today an, die im Westen aggressiv Russlands Sicht auf die Dinge verbreiten. Macron sagte, sie seien "Werkzeuge der Einflussnahme und der Propaganda - der falschen Propaganda" und begründete auf diese Weise, warum er ihren Mitarbeitern keinen Zugang zu seinem Wahlkampf gewährt hatte. Sie seien keine Journalisten. Macron erinnerte darin, dass RT und "Sputnik" Unwahrheiten über sein Privatleben verbreitet hatten - dass er homosexuell sei. Putin blieb stumm.

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olga64
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Re: Die französische Präsidentschaftswahl
geschrieben von olga64
als Antwort auf pschroed vom 30.05.2017, 08:05:55
Lieber Phil,

gut gefiel mir auch die klare Aussage des Monsieur Macron zu Giftgasanschlägen auf die syrische Zivilbevölkerung und die Verstrickung Russlands zumindest in die Vertuschung derselben.
Putin ging es wohl nur um eine Sache: das Ende der Sanktionen, die Russland immer mehr zu schaffen machen. Die russische Bevölkerung leidet darunter immer mehr und auch Putin muss befürchten,dass in seinem Land, von ihm als Diktator straff geführten System irgendwann Unruhen geschehen, die dann auch die Wahlen beeinflussen können. Ausnahmsweise dann mal im eigenen Land und nicht in anderen LÄndern, wo sich Zar Putin einmischt. Olga

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