Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik Die Saat der Gewalt: Israelis und Palästinenser schaffen die Aussöhnung nicht

Internationale Politik Die Saat der Gewalt: Israelis und Palästinenser schaffen die Aussöhnung nicht

Re: Kein Platz für Off Topic Geplänkel hier
geschrieben von marina
als Antwort auf adam vom 20.07.2014, 23:41:03

Reuven Moskovitz zeichnet ein Bild der Menschlichkeit, aber nicht das Bild der Interessenlage im Nahen Osten. Ebenso verschätzt er sich in den Möglichkeiten des Westens. Insgesamt sieht er nicht, daß sich Politik, die etwa von einem Dutzend Interessenvertretern, mit unterschiedlichen Philosophien im Hintergrund, beeinflußt wird, nicht durch Appellen eines Friedensaktivisten mit politischen Scheuklappen ändern läßt.

Er sollte sich erst einmal bemühen, selber mit denjenigen friedlich umzugehen, die er anklagt und verurteilt.

Dann kommt ihm vielleicht die Erkenntnis, daß es mit einem moralisch erhobenem Zeigefinger nicht getan ist. Die Welt, wie sie ist, hüpft nicht durch einen hingehaltenen Reifen, in den sie mächtig und reich hinein springt und auf der anderen Seite hilflos und arm landet.

Denselben Tipp, den ich Reuven Moskovitz gerne geben würde, gebe ich hier im Forum denjenigen, die sämtliche Informationen, die den Konflikt erklären und auch die Interessen Israels berücksichtigen, ignorieren und Andersdenkende mit Verachtung strafen. Sie handeln so wie es Moskovitz Netanjahu vorwirft, als Ankläger, Richter und Vollstrecker des eigenen Urteils.

adam
geschrieben von adam

Jetzt habe ich mir dann doch mal die Beiträge hier angetan und kann nicht fassen, mit welcher Menschenverachtung, Ignoranz, Arroganz und Borniertheit betr. der Lage der Palästinenser argumentiert wird.
Insbesondere der eingebildete Adam, der erste Mensch und große Welterklärer, will einen Reuven Moskowitz belehren, einen israelischen Friedensaktivisten, der das israelisch-arabische Friedensdorf Neve Shalom mitgegündet und den Aachener Friedenspreis erhalten hat. Ich habe ihn persönlich kennengelernt und mit großem Interesse sein Buch Der lange Weg zum Frieden gelesen.

Der Mann ist allerdings der Meinung, dass dieser Konflikt nicht militärisch gelöst werden kann, sondern nur politisch. Und dazu gehört, dass man den Palästinensern nicht das Leben zur Hölle macht, sondern ihnen dazu verhilft, ein menschenwürdiges Dasein zu führen mit einem eigenen Staat. Die israelische Regierung tut alles dazu, dies zu verhindern, und sie war es, die vor Jahren die Hamas selber groß gemacht hat, weil sie sie gebrauchen konnte als Gegenpartei zur PLO, die sie seinerzeit schwächen wollte.

Es geht Israel vor allem darum, diesen Staat zu verhindern, indem man die Vereinigung von Hamas und Fatah versucht zu zerschlagen und im Westjordanland durch immer neue Siedlungen das Land so zerstückelt, dass dies niemals möglich sein wird.
Die Palästinener werden seit Jahren systematisch von ihrem Grund und Boden vertrieben, und Gaza ist ein großes Gefängnis, aus dem niemand rein oder raus kann. Die Kriegsschäden der Kriege von 2008/9 und 2012 konnten zum größte Teil noch gar nicht beseitigt werden, weil keine Baumaterialien durchkonnten außer durch die selbstgebauten Tunnel, die waren dringend notwendig, damit die Bewohner sich mit dem Nötigsten versorgen konnten. Und jetzt wird wieder alles zerstört, vor allem Zivilisten werden umgebracht ohne Rücksicht auf Verluste und die Menschen obdachlos gemacht.
Wisst ihr, dass das Wasser verseucht ist, weil die Abwässer nicht geklärt werden können? Alles auch eine Frage der fehlenden Materialien. Und Strom und Wasser haben die Menschen schon seit Jahren nur stundenweise am Tag. Möchtet ihr unter solchen Bedingungen nur einen Tag leben?

Ich möchte nicht wissen, wie hier Adam und andere, die nur bei der Hamas die Schuld sehen, selber handeln würden, wenn sie in dieser Hölle leben müssten. Mir ist einfach unbegreiflich, mit wie wenig bzw. gar keinem Einfühlungsvermögen hier geurteilt wird. Und dann sind die Bewohner auch noch selber schuld, wenn sie umkommen (s. Nerida), dieser menschenverachtende Zynismus ist unfassbar. Und das in einem Landstrich, wo die Menschen kaum Luft zum Atmen geschweige denn zum Fliehen haben. Im Gegensatz zu Israel, dort können sich die Leute in Bunker flüchten, dadurch haben sie kaum Verluste.

Die Hamas-Vertreter sind keine Waisenknaben, das ist klar. Aber immer noch nicht so schlimm wie ISIS und Al Kaida, selbst israelische Hardline-Politiker wissen das und wollen sie als Ordnungmsmacht nicht ganz vertreiben, darauf hat Karl ja schon hingewiesen. Das sagen auch Todenhöfer und Lüders übereinstimmend.

Israels Regierung hat nämlich mit der Hamas durchaus immer wieder verhandelt, sie haben immer wieder Abkommen getroffen, die gegenseitigen Angriffe zu unterlassen, daran hat die Hamas sich lange gehalten. Woran man sieht, dass es möglich ist, mit ihr zu verhandeln. Mit ISIS und Al Kaida gäb es diese Möglichkeiten nicht mehr.

Ich schreibe später mehr, dann kommt noch ein AI-Statement. Eigentlich wollte ich mich nicht beteiligen an dieser Diskussion, weil sie mich zu sehr aufregt, aber es ist einfach nicht auszuhalten, was für Nebelkerzen hier geworden werden. Dem muss ich einfach etwas entgegensetzen. Die einzigen, die den Durchblick haben, sind Karl und Luchs.
sittingbull
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Mitglied

Re: Kein Platz für Off Topic Geplänkel hier
geschrieben von sittingbull
als Antwort auf dutchweepee vom 21.07.2014, 13:02:43
Dieses Video macht mich sehr wütend
geschrieben von dutch


Ernst Busch hat in seinem Solidaritätslied schon vor jahrzehnten
auf die lösung hingewiesen ...

" reden erst die völker selber , werden sie schnell einig sein . "

dazu braucht es die entmachtung und enteignung der bürgerlichen
klassen ... und die etablierung der sozialistischen volksmacht .



sitting bull
karl
karl
Administrator

Re: Kein Platz für Off Topic Geplänkel hier
geschrieben von karl
als Antwort auf marina vom 21.07.2014, 13:09:13
Danke marina,

dass Du mit Deinem AI-Hintergrundswissen Dich doch auch zu Wort meldest in dieser Diskussion. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass viele Menschen auch von den Diskutanten hier eine völlig andere Sicht auf die Dinge hätten, wenn sie nur mehr darüber wüssten. Aber uns wird ja Information vorenthalten, schon weil Journalisten durch Tunnel in den Käfig nach Gaza einreisen müssen. Wer tut das schon außer einem Todenhöfer in diesen Tagen?

@ sittingbull,

wenn Du wüsstest wie kommunistische Floskeln jetzt auf mich wirken.

@ felide,

kein Problem, dieses Video hätte ich sowieso jedem empfohlen, sich zweimal anzuschauen.

Karl

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Re: Kein Platz für Off Topic Geplänkel hier
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf marina vom 21.07.2014, 13:09:13
Die einzigen, die den Durchblick haben, sind Karl und Luchs.

marina, deiner ansicht müss bzgl. der einzigen, die den durchblick haben, ja noch dein name hinzugefügt werden,
nicht wahr?

durchblick hat man immer von zwei seiten.

und nur den von der anderen seite "durchblickenden" testierst du Menschenverachtung, Ignoranz, Arroganz und Borniertheit und -wie auch andere hier- noch schlimmeres.

israel steht vielen feinden gegenüber, nicht nur den hamas.
alle wollen die zerstörung des landes und die vertreibung der juden ...
die bevölkerung im gaza-streifen mit seinen "ordnungshütern", den hamas, lebt in sehr schlimmen umständen ...

ich glaube, das problem ist -möglicherweise nie- auf dem verhandlungswege lösbar und hoffe, dass ich mich irre.

m./.
.
sittingbull
sittingbull
Mitglied

Re: Kein Platz für Off Topic Geplänkel hier
geschrieben von sittingbull
als Antwort auf karl vom 21.07.2014, 13:20:41
wenn Du wüsstest wie kommunistische Floskeln jetzt auf mich wirken.
geschrieben von karl


kann ich mir gut vorstellen ... karl ,
ziert man sich doch ob der letzten konsequenz und
glaubt verzweifelt , dass dieser kapitale misthaufen lösungen
liefern könnte .

sitting bull
karl
karl
Administrator

Kriegsverbrechen auf beiden Seiten
geschrieben von karl
als Antwort auf karl vom 21.07.2014, 13:20:41
Von Amnesty International steht jetzt die Pressemitteilung vom 18.7.2014 auf Deutsch zur Verfügung:

PDF der Pressemitteilung von Amnesty International vom 18.7.2014 (deutsch)

PDF der Pressemitteilung von Amnesty International vom 18.7.2014 (englisches Original)

Karl

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Cheval
Cheval
Mitglied

Re: Darf Freiheit für Palästinser in Gaza kein Verhandlungsziel sein?
geschrieben von Cheval
als Antwort auf luchs35 vom 21.07.2014, 11:24:47
Neue Frage: Haben die neuesten Auseinandersetzungen zwischen Israel und Gaza im Wesentlichen womöglich in erster Linie mit Wirtschaftsinteressen zu tun? Denn vor der Küste von Gaza sollen grosse Erdgasvorkommen lagern.

Das würde diesem Krieg wiederum einen ganz anderen Inhalt verleihen,dessen Folgen ich mir nicht auszumalen getraue. Beim Googeln habe ich mehrere Berichte darüber gefunden.


Israel beteurt immer wieder, "die Einnahme des Gaza- Streifens", also die Kontrolle in Gänze, käme Israel zu teuer.

Ein Ablenkungsmanöver?

Und: Warum wird den palästinensern Geld als Hilfe anstatt in Form von Naturalien gewährt?
Waffenlobby?
Gezielte Destabilisierung des Nahen Ostens?

Cheval
Re: Kein Platz für Off Topic Geplänkel hier
geschrieben von marina
als Antwort auf karl vom 21.07.2014, 13:20:41
Karl, das ist das Problem. Es wird eben nie von dem berichtet, was die israelische Armee in den besetzten Gebieten anrichtet außer in Kriegen wie jetzt. Seit Jahren schon greift die Armee immer wieder an, aber nur über die Raketen der Hamas wird berichtet. Keiner weiß, dass die Palästinenser im Gazastreifen schon seit Jahren fast täglich irgendwelche Angriffe ertragen müssen, auf die sie lange gar nicht reagiert haben. Und dass täglich im Westjordanland Häuser und Olivenhaine zerstört werden.
Und dann kommen die Schlaumeier hier, die nicht einmal vernünftige Zeitungen lesen und meinen, sie wüssten alles besser. Das ist fast unerträglich, wenn man die Berichte von Menschenrechtsorganisationen regelmäßig verfolgt.
Re: Kriegsverbrechen auf beiden Seiten
geschrieben von marina
als Antwort auf karl vom 21.07.2014, 13:46:51
Da bekanntlich die Links sowieso meistens nicht angeklickt werden,
hier ein Auszug aus der AI-Pressemitteilung, vielleicht wird er dann gelesen:

„Absichtliche Angriffe auf zivile Wohngebäude sind ein Kriegsverbrechen, und das überwältigende Ausmaß der Zerstörung ziviler Wohngebäude, zuweilen mit ganzen Familien darin, weist auf ein besorgniserregendes Muster wiederholter Verstöße gegen die Gesetze des Krieges hin“, so Philip Luther.
Die israelischen Behörden haben keine Informationen zu spezifischen Fällen bereitgestellt, die solche Angriffe rechtfertigen würden. Sollten sie dies nicht tun, so gelten alle diese Attacken als Kriegsverbrechen und laufen auf eine kollektive Bestrafung hinaus.

Selbst wenn sich in dem Haus ein Mitglied einer bewaffneten palästinensischen Gruppe befinden sollte, ist ein Luftschlag auf ein ziviles Wohngebäude, in dem sich eine ganze Familie aufhält, höchstwahrscheinlich ein unverhältnismäßiger Angriff.
In einigen Fallen führten israelische Streitkräfte Luftschläge auf zivile Wohnhäuser durch, ohne überhaupt eine Art Warnung abgegeben zu haben, oder sie ließen den Bewohnern nicht genug Zeit, um ihre Häuser zu evakuieren. In anderen Fällen wurden Zivilisten draußen auf der Straße von israelischen Raketen getroffen und getötet, auch wenn in dem Gebiet keine sichtbaren Aktivitäten bewaffneter palästinensischer Gruppen stattfanden.
Israelische Luftangriffe und Bombardierungen haben auch zu verheerenden Schäden an der Wasser- und Abwasserinfrastruktur im gesamten Gazastreifen geführt. Drei Arbeiter starben bei dem Versuch, dringende Reparaturarbeiten durchzuführen, und aufgrund der fortlaufenden Feindseligkeiten sind solche Arbeiten in vielen Gebieten zu gefährlich geworden. Am 16. Juli 2014 berichteten die Vereinten Nationen, dass mindestens die Hälfte der Bevölkerung des Gazastreifens – rund 900.000 Menschen – kein Wasser mehr erhalten. Schäden an Abwasser- und Pumpanlagen und die potentiellen Verunreinigungen, die daraus resultieren, haben eine allgemeine gesundheitliche Krisensituation geschaffen.
„Die Infrastruktur des Gazastreifens steht kurz vor dem Zusammenbruch, und die Konsequenzen eines fortlaufenden Mangels an sauberem Trinkwasser könnten katastrophal sein“, sagte Philip Luther.

Seit der Konflikt seinen Anfang nahm, sind im Gazastreifen mindestens 84 Schulen beschädigt worden, und mindestens 13 Gesundheitseinrichtungen waren gezwungen zu schließen. Als die Rehabilitationsklinik al-Wafa in Shuja’iyyeh am 17. Juli 2014 zum zweiten Mal unter Beschuss kam, musste die Belegschaft all die Patienten evakuieren, Berichten zufolge noch während weiter gefeuert wurde. Und dann wurde das Krankenhaus zerstört.
„Anstatt unter Verstoß gegen das internationale Völkerrecht medizinische Einrichtungen unter Beschuss zu nehmen, müssen die israelischen Streitkräfte medizinisches Personal und Patienten schützen und dafür Sorge tragen, dass verwundete Personen sicher in eine medizinische Einrichtung im Gazastreifen gelangen und, wenn nötig, auch nach außerhalb des Gazastreifens gebracht werden“, so Philip Luther.
Israel und auch Ägypten müssen beide sicherstellen, dass dringend benötigte medizinische Güter und Hilfslieferungen sowie ausreichende Mengen an Treibstoffen auf kontinuierlicher Basis in den Gazastreifen gelassen werden." (Amnesty International)

Es wurden übrigens viele Krankenhäuser angegriffen, und dann wird scheinheilig behauptet, die Armee würde versuchen, zivile Opfer zu vermeiden.
Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen, um das mal ganz deutlich zu sagen. Und leider fallen viele darauf herein.
Re: Kein Platz für Off Topic Geplänkel hier
geschrieben von ehemaliges Mitglied
Die andere Sicht:

"Die Aufnahmen von den Toten und Flüchtenden werden es sein, die vom Gaza-Krieg 2014 im kollektiven Gedächtnis zurückbleiben. Am Kriegsverlauf werden sie vorerst wohl nichts ändern.

Das Schicksal der Menschen im Gazastreifen ist den Hamas-Kämpfern gleichgültig, das Leid der Zivilisten dient ihrem Zweck: Je mehr unschuldige Opfer es gibt, desto größer wird die internationale Kritik an Israel.

Kaum jemand nahm am Wochenende die Hamas-Kämpfer zwischen den flüchtenden Menschen in Schedschaija wahr. Die Milizen achteten genau darauf, dass Journalisten keine Fotos von ihnen machten, sprachen auch Drohungen aus. Manche der Kämpfer trugen Frauenkleidung und hatten sich Gesichtsschleier übergeworfen - aber unter ihren Gewändern ragten die Kalaschnikows hervor. Sie nutzten den humanitären Waffenstillstand aus, um in dem Wohnviertel neue Schusspositionen einzunehmen. "

Zwei Wirklichkeiten...?

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