Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik Die Saat der Gewalt: Israelis und Palästinenser schaffen die Aussöhnung nicht

Internationale Politik Die Saat der Gewalt: Israelis und Palästinenser schaffen die Aussöhnung nicht

wandersmann_1
wandersmann_1
Mitglied

Re: verbrecherischer Krieg gegen Zivilisten
geschrieben von wandersmann_1
als Antwort auf vom 29.07.2014, 21:39:35
Lass doch mal bitte den link zur DLF-Sendung rüberwachsen.
Klingt ja wirklich spannend.
Re: verbrecherischer Krieg gegen Zivilisten
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf vom 29.07.2014, 21:39:35
@grums beitrag 29.07.2014 21:39 und
@wandersmann beitrag 29.07.2014 23:16,
beide auf der vorherigen seite 61, ganz unten.

deutschlandfunk - taz journalist MARTIN LEJEUNE - bericht und vollständiges interview. interview [i]Martin Lejeune ist seit Dienstag (22.07.2014) in Gaza und berichtet als freier Journalist unter anderem für die "taz" (anm.: und der schweizerischen "woz").
Mehr über Martin Lejeune und seine Erfahrungen im Konfliktgebiet können Sie auf Tumblr nachlesen.
[/indent]

über der überschrift ist unter "zensur und restriktion" der button zum interview per audio. das insges.min.9 dauert.

ab min.5 od.6 erzählt lejeune von den restriktionen der hamas.

.

Beitrag vom 26.07.2014, DEUTSCHLAND-FUNK, MARKT UND MEDIEN: Lejeune im Gespräch mit Christoph Sterz

"Die Bedingungen im Nahost-Konflikt zwischen Israel und der Hamas sind schwierig für ausländische Reporter. Texte und Fotos werden von israelischen Behörden zensiert und es gibt praktisch keinen sicheren Ort im Gaza-Streifen, sagte der freie Journalist Martin Lejeune im Deutschlandfunk.

Es sei schwer, überhaupt ins Konfliktgebiet zu gelangen. Ägypten habe die Grenzen zum Gazastreifen komplett geschlossen, es bleibe nur der Weg über Israel und da müsse man mit den israelischen Behörden kooperieren. "Man muss erst einmal im Presseamt des Premierministers von Israel eine Bescheinigung unterschreiben, dass man eben alle Berichte und Fotos der Zensurbehörde vorlegt, die auch 24 Stunden erreichbar ist. Und dann muss man auch noch unterschreiben, dass man die israelische Armee und das Verteidigungsministerium nicht haftbar macht, im Falle einer Verletzung durch israelische Streitkräfte im Gaza-Steifen", sagte Martin Lejeune.
Jeder Text und jedes Foto muss vorgelegt werden

Bilder auf denen israelische Soldaten Gewalt gegen Palästinenser ausüben, seien von den Behörden nicht erwünscht. Die israelischen Streitkräfte hätten Angst vor solchen Bildern, die ganz große Auswirkungen auf die öffentliche Meinungsbildung haben könnten. Auch vonseiten der Palästinenser gebe es Restriktionen. Lange Zeit hätte man auch hier ein Visum für die Einreise gebraucht. Im Moment sei dies jedoch nicht mehr so, weil der Checkpoint durch israelisches Feuer zerstört worden sei."

.

eine MIR wichtige anmerkung zu unerwünschten fotos bei kampfhandlungen:
ich kann mir gut vorstellen, dass eine prüfung solcher fotos auch zum späteren schutz der soldaten und deren angehörigen notwendig ist,
immerhin besteht gefahr der späteren rache.

m./.
.
karl
karl
Administrator

Re: verbrecherischer Krieg gegen Zivilisten
geschrieben von karl
als Antwort auf vom 30.07.2014, 00:35:20
Vielen Dank Margarit für den Link!

Hier sind die ausführlichen Berichte und Bilder von Martin Lejeune auf Tumblr, manchmal sind die Texte auf Englisch, manchmal auf Deutsch. Karl

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karl
karl
Administrator

Re: verbrecherischer Krieg gegen Zivilisten
geschrieben von karl
als Antwort auf karl vom 30.07.2014, 08:48:07
Der Bericht von gestern:

martin-lejeune:

Dieser Text handelt von Ereignissen, die ich zwischen Montag 17.00 Uhr und
Dienstag 05.00 Uhr erlebte.

Eine Spielzeugpistole schwimmt in einer Blutpfütze. In einer anderen
Blutlache liegt in paar Sandalen, das einem der acht Kinder gehörte, die
bis vor wenigen Minuten noch lebten und in dem kleinen Park des Beach
Refugee Camps vielleicht gerade Fangen spielten oder Fußball. Durch die
Wasserrinne auf der Straße rinnt Blut. Die Bäume haben keine Blätter mehr.
Sie liegen auf der Straße, auf den Dächern der zerstörten Autos, in den
Blutlachen. Das Blut, das die grünen Blätter rot färbt, ist von acht toten
Kinder und von drei Erwachsene, die am späten Montagnachmittag gegen 17.00
Uhr Ortszeit bei einer starken Explosion am Eingang des Parks gestorben
sind. Mindestens weitere 40 Personen wurden zum Teil sehr schwer verletzt.
Der Ort der Explosion ist ein Ort des Grauens, an Häuserwänden kleben
Überreste menschlichen Gewebes. Ein Vater rennt mit einer Plastiktüte in
der Hand zu dem Rettungswagen, in dem seine tote Tochter liegt. Der Vater
zeigt dem Sanitäter Gehirnmasse seiner Tochter, indem er den Boden der
Plastiktüte behutsam anhebt. “Nimm das mit für die Bestattung”, sagt er zum
Sanitäter. Ein anderer Vater trägt seinen toten Sohn zu der Ladefläche
eines Pritschenwagens. Er wird von Männern begleitet, die den Tekbir
“Allahu Akbar”, “Gott ist groß”, rufen und dabei Handyfotos von der
verstümmelten Leiche aufnehmen. Anwohner versuchen eine schreiende Frau,
die ihre Schwester verloren hat, zu beruhigen. Ein Mann liegt bewußtlos auf
der Straße. Ein Arzt versucht ihn wiederzubeleben. Szenen eines ganz
normalen Nachmittags in Gaza Stadt.

Die Palästinenser machen einen israelischen Luftangriff für die Explosion
am Park verantwortlich, ein Sprecher des israelischen Militärs bestreitet
dies und macht eine fehlgeleitete Rakete der Hamas für das Massaker
verantwortlich.

Wenige Stunden später: eine ganz normale Nacht in Gaza Stadt. F16- und
F22-Kampfjets donnern mit gewaltigem Lärm im Tiefflug über Gaza Stadt, ihr
Schall findet seinen Wiederhall zwischen den Wänden der Hochhäuser, die
noch stehen. Etwa alle 30 Sekunden feuern sie eine Rakete ab. Das
omnipräsente Sirren der Kampfdrohnen, die über unserem Viertel, die über
jedem Viertel des Gazastreifens kreisen, klingt wie das Motorenbrummen, das
aus den Fernsehlautsprechern einer Formel Eins Übertragung schallt.

Es ist dies wirklich eine imponierende Darbietung militärischer
Zerstörungskraft, deren Dauerbeschuß zu Luft, zu Land und zu See die
Bevölkerung des Gazastreifens in dieser Nacht kollektiv in Todesangst
versetzt. Eine wahrlich außergewöhnliche Aufbietung des Waffenarsenals der
israelischen Streitkräfte, einer der modernsten Streitkräfte der Welt.

Während ich diese Zeilen schreibe, um mich zu beruhigen, bin ich nicht im
al-Deira Beach Hotel am Strand von Gaza, in dem die ausländischen
Korrespondenten Schutz suchen. Ich bin im Wohnhaus einer muslimischen
Familie im Zentrum von Gaza Stadt. Ich höre, wie in den Nachbarwohnungen
unseres Hauses kleine Babys ohne Unterbrechung schreien, verängstigte
Kinder in den Armen ihrer Mütter weinen, die Erwachsenen fluchen.

Die Bombardierungen begannen um 23.30 Uhr Ortszeit mit heftigen
Fliegerangriffen auf das Flüchtlingslager Bureji im Zentrum des
Gazastreifens. Seit 01.00 Uhr stehen wir im Zentrum von Gaza Stadt unter
Feuer. Im Zentrum einer kleinflächigen Stadt, die mit ihren
Hunderttausenden Einwohnern zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der
Welt gehört. Meine Freunde und ich verbarrikadierten uns im Wohnzimmer und
hören, wie die Einschläge der Raketen immer näher in unsere Richtung kommen.

Nach ein paar Stunden hält es mich nicht mehr auf meinem Stuhl und ich gehe
auf den Balkon im zweiten Stock. Was ich sehe, sind nicht mehr die Straßen
von Gaza Stadt, wie ich sie kenne. Vor meinen müden Augen erstreckt sich
eine Trümmerlandschaft, breitet sich das Panorama eines Infernos aus.
Unzählige militärische Leuchtstoffkugeln machen den nächtlichen Himmel über
Gaza zum hellichten Tag und weisen den Raketen der Kampfjets ihren Weg zum
Ziel.

Das Licht der langsam gen Boden gleitenden Leuchtstoffkugeln durchdringt
die Pilzformartigen Staubwolken, die nach jedem Raketeneinschlag aus
Richtung des jeweils zerstörten Hauses in Höhe schießen. Bei jeder
Explosion in unserer Nähe bebt das Fundament unseres Hauses, wackelt der
Sims des Balkons, auf dem ich stehe; ertönen die Alarmanlagen der Autos,
die vor dem Haus parken. Die Hunde bellen wie verrückt, aufgescheuchte
Esel, die hier im Gazastreifen alltägliches und allgegenwärtiges
Transportmittel sind, laufen ziellos durch die Straßen und kreischen noch
lauter als die Babys.

All diese Geräusche des Krieges und Schreie der Angst vermischen sich mit
dem Heulen der Sirenen der Rettungswagen zu der Symphonie einer Großstadt
im Krieg, deren wiederkehrendes Leitmotiv der tosende Donner der Raketen
ist und deren Komponist irgendein die Zerstörung berechnender
Oberbefehlshaber in Jerusalem.

Morgens um fünf, als das Dauerbombardement noch anhält, wird auch noch das
Krähen des Hahnes in unserm Hof in die Symphonie miteinstimmen. Hoffentlich
als finaler Schlußakt. Noch mehr Raketeneinschläge verkraften wir nicht.
Die Kinder, und auch mancher Erwachsene, zittern schon die ganze Nacht am
ganzen Leib. Maher Issa, meinem Gastgeber, läuft der Angstschweiß den
Rücken hinunter. Sein Hemd ist klatschnaß.

Jetzt schlägt wieder eine Rakete nur wenige Hunderte Meter von uns entfernt
ein. Sie trifft die Al Amin Moschee, die ich gestern noch fotografiert habe
und die direkt neben dem Haus des palästinensischen Präsidenten Mahmoud
Abbas (Fatah) liegt. “Ich gehe in der Al Amin Mosche jeden Tag beten”, sagt
Maher. “Jetzt muß ich auf die Al Furqan Mosche ausweichen, die jedoch
deutlich weiter von unserem Haus entfernt liegt. Wenn Al Furqan Mosche
nicht auch heute nacht zerbombt wurde.”

Später erfährt Maher durch den Telefonanruf eines Freundes, das in dieser
Nacht auch das Haus von Ismael Haniya, des palästinensischen
Ministerpräsidenten und Hamas-Führers, zerstört wurde sowie das
Finanzministerium. “Das hat Israel gemacht, damit die Hamas ihren
Angestellten in der Verwaltung und in den Sicherheitsdiensten kein Gehalt
mehr zahlen kann.” In einer Liveschalte des Fernsehsenders Al Jazeera sind
viele Kinder und Frauen mit starken Verbrennungen und schweren Verletzungen
zu sehen, die von selbstlosen Rettungskräften oder Nachbarn ins Al Shifa
Krankenhaus in Gaza Stadt gebracht wurden. Frauen und Kinder, die in dieser
Nacht nur friedlich schlafen wollten.

Inzwischen ist uns klar, daß dies doch keine ganz normale Nacht ist in Gaza
Stadt. “Es sind die heftigsten Angriffe seit Beginn des Krieges vor drei
Wochen und sogar die intensivste Bombardierung während aller der drei
Gaza-Kriege seit Dezember 2008”, konsterniert Maher mit leerem Blick. So
verzweifelt habe ich ihn noch nie erlebt. Daß die Intensität der
Bombardierung dieser Nacht mit keiner Nacht, die Gaza jemals zuvor erlebt
hat, zu vergleichen ist, beobachtet auch der Al Jazeera-Korrespondent, der
gerade aus der Lobby des Al Deira Beach Hotels dem um Fassung ringenden
Moderator in Al Doha ein Telefoninterview gibt.

An Schlaf ist dieser Nacht nicht zu denken in Gaza. Alle bangen um ihr
Leben, alle fürchten sich vor den nächsten Schlägen, alle sorgen sich um
ihre Verwandten und Freunde. “Hayak Allah!”, rufen die Mitglieder meiner
Gastfamilie jedes Mal aus, wenn eine Rakete in den Boden kracht: “Gott
stehe uns bei!” Und nach jedem Bombenanschlag erzählen mir die Jungs, ob
dies nun das Geschoß eines F16-, eines F-22-Fliegers oder eines
Kriegsmarineschiffes war.

Morgen früh, der Morgen, der inzwischen schon heute ist, werden die
Menschen von Gaza, die diese Nacht überlebt haben werden, ihre Toten
zählen. Allerdings nur, sofern dieses Höllenfeuer irgendwann einmal
aufhört. Denn während solcher Angriffe, ob bei Tage oder bei Nacht, kann
niemand aus dem Haus gehen ohne sein Leben zu riskieren. Er wäre sofort im
Visier der Drohnen, welche die Umgebung nach möglichen Zielen
auskundschaften und die genauen Zielkoordinaten in Sekundenschnelle an die
Bomberpiloten übermitteln. “Sobald die Angriffe beendet sind, können wir in
unserer Nachbarschaft nach Verletzten in den zerstörten Häusern suchen”,
sage ich zu Maher, der gerade den Schlauch der Wasserpfeife an seinen
Freund weiterreicht. Er schaut mich ernst an: “Sie werden niemals aufhören
uns anzugreifen. Sie wollen uns bekämpfen bis wir alle tot oder vertrieben
sind. Das ist hier ist ein Völkermord.”

Jetzt, am Dienstag Morgen, auf dem Weg in das Al Deira Beach Hotel, um
diesen Text zu senden, wird das Ausmaß der Zerstörung dieser Nacht
deutlich. Überall auf den Straßen liegen Scherben und Trümmern. Jetzt sehe
ich auch die völlig zerstörte Al Amin Moschee. Quelle
geschrieben von Lejeune
Re: verbrecherischer Krieg gegen Zivilisten
geschrieben von Bruny
als Antwort auf karl vom 30.07.2014, 09:19:46
Eigentlich wollte ich meine Augen und Ohren verschliessen vor solchen Berichten, weil es mir täglich vorführt wie hilflos der einzelne Mensch gegen solche Verbrechen ist. Es ist einfach nur noch zum kotzen und ich entschuldige mich für diesen Ausdruck nicht! Beschreibt er doch wie mir zumute ist. Und was macht Europa, ja die EU denkt über Sanktionen gegen Russland nach.

Man sieht mich fassungslos!
Bruny
justus39 †
justus39 †
Mitglied

Re: verbrecherischer Krieg gegen Zivilisten
geschrieben von justus39 †
als Antwort auf karl vom 30.07.2014, 09:19:46
Danke an margarit und Karl

Nach dem Lesen dieses Berichtes musste ich mich erst einmal beruhigen.

Zwar hatte ich nie die Illusion, dass es den israelischen Aggressoren darum, geht die militärischen Strukturen der Hamas zu zerstören, aber diese bildhafte Schilderung eines Augenzeugen macht mich doch traurig und wütend zugleich.

Es ist beschämend, dass unsere Politiker über Sanktionen und Strafmassnahmen gegen Russland diskutieren während die israelische Kriegsmaschinerie daran ist, ungehindert die Bevölkerung eines besetzten Gebietes auszulöschen, die Infrastruktur zu zerstören und eine ganze Region in das Mittelalter zurückzubomben und das nur, um auch diesen Landstrich noch vollständig besiedeln zu können.

Traurig und beschämend, dass wir uns da wieder einmal mitschuldig machen.

justus

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justus39 †
justus39 †
Mitglied

Re: verbrecherischer Krieg gegen Zivilisten
geschrieben von justus39 †
als Antwort auf vom 30.07.2014, 00:35:20
eine MIR wichtige anmerkung zu unerwünschten fotos bei kampfhandlungen:
ich kann mir gut vorstellen, dass eine prüfung solcher fotos auch zum späteren schutz der soldaten und deren angehörigen notwendig ist,
immerhin besteht gefahr der späteren rache.

m./.
.
geschrieben von margarit


Sie könnten aber auch als Beweise bei einem Kriegsverbrecherprozess dienen.

justus
Edita
Edita
Mitglied

Re: verbrecherischer Krieg gegen Zivilisten
geschrieben von Edita
als Antwort auf justus39 † vom 30.07.2014, 09:57:23

Es ist beschämend, dass unsere Politiker über Sanktionen und Strafmassnahmen gegen Russland diskutieren während die israelische Kriegsmaschinerie daran ist, ungehindert die Bevölkerung eines besetzten Gebietes auszulöschen, die Infrastruktur zu zerstören und eine ganze Region in das Mittelalter zurückzubomben und das nur, um auch diesen Landstrich noch vollständig besiedeln zu können.
justus


Nicht nur korrupt und verlogen sind sie, sie handeln auch menschenverachtend ! Normalerweise müßte unser ganzes Volk sich dagegen mit einem Aufschrei wehren, denn eines schönen Tages erwartet uns nichts anderes!

Edita
Edita
Edita
Mitglied

Re: verbrecherischer Krieg gegen Zivilisten
geschrieben von Edita
als Antwort auf Edita vom 30.07.2014, 10:14:07
Habe gerade ein interessantes Interview von Thilo Kößler vom Deutschlandfunk gelesen, in dem er beschreibt, warum eine neue internationale Nah-Ost initiative unbedingt vonnöten ist, denn die UNO ist wie gelähmt in der Sache, Zitat:

" Die UNO ist gelähmt

Und doch deutet nichts, aber auch gar nichts darauf hin, dass es nach der Katastrophe dieses jüngsten Krieges nun eine Chance gibt, die Dinge zum Besseren zu wenden und den Nahen Osten zu befrieden. Aus eigener Kraft sind die Konfliktparteien nicht in der Lage, sich zu einigen. Aber derzeit ist auch niemand bereit oder willens, sich einzubringen und Druck zu machen. Weder die UNO, noch die USA, noch die EU.

Die UNO ist gelähmt - handlungsunfähig wegen der Blockadepolitik Russlands und Chinas. Die EU ist gespalten und besonders im Nahen Osten kein ernst zu nehmender Akteur. Die USA haben von der ganzen Region genug und werden durch andere Weltkrisen zunehmend absorbiert: Der Krieg in Gaza wird überlagert von der Ukraine-Krise. Von den zunehmenden Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Vom Kräftemessen mit China.

So gesehen ist dieser Krieg in Gaza symptomatisch - er steht für die Abgründe der neuen, asymmetrischen Kriege; für wachsenden Kontrollverlust im Zeichen zunehmender Brutalität; für den schwindenden Einfluss der einstmals so starken USA; für die Schwächung internationaler Institutionen, kurzum: für die neue Welt-Unordnung im multipolaren Zeitalter.

Dazu gehört die Entgrenzung durch Internet und soziale Medien: Der Funke des Gaza-Krieges ist längst übergesprungen. Facebook, Twitter und Co haben die Bilder von den Opfern in alle Welt getragen. Mit jeder getöteten Familie in Gaza, mit jeder Bombe auf Schulen oder Moscheen ist neuer Hass unter Muslimen geschürt worden, weltweit - sei es in Amman oder Kairo, in Lagos oder Islamabad, in Paris oder Berlin.

So gesehen, könnte alles noch schlimmer werden. Deshalb darf sich Gaza nicht wiederholen. Deshalb ist eine neue, internationale Nahost-Initiative die einzig richtige Konsequenz aus diesem blutigen Debakel. Israel muss an den Verhandlungstisch zurückkehren und die längst bekannten Bedingungen erfüllen: den Siedlungsbau einstellen, den Weg zu einem Palästinenserstaat freimachen. Und auch die Palästinenser müssen unter Beweis stellen, dass sie politik- und friedensfähig sind und gewillt, dem Terror ein Ende zu machen. Das ist die Lehre aus der jüngsten Runde der Gewalt: Man darf die Konfliktparteien nicht sich selbst überlassen.

Deshalb müssen sich die USA dem israelisch-palästinensischen Konflikt wieder zuwenden und sich als kraftvoller, ehrlicher Makler einbringen. Deshalb haben die Amerikaner das Recht, von den Europäern eine geschlossene Haltung und mehr Engagement zu verlangen – schließlich liegt der Nahe Osten vor der europäischen und nicht vor der amerikanischen Haustür. "

Der ganze Artikel

Edita
Re: Die Saat der Gewalt: Israelis und Palästinenser schaffen die Aussöhnung nicht
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf sammy vom 29.07.2014, 18:31:24
...sind denn "Glaubensgemeinschaften" per se abzulehnen, wenn sie helfen die "Welt zu verbessern"...?

sammy


Hallo, sammy,

habe lange suchen müssen, um den unten eingestellten Link zu finden, damit Deine Frage beantwortet werden kann.

Gruß Grums

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