Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien

Internationale Politik Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf Bruny vom 18.10.2017, 14:16:35

Immer öfter werden in Barcelona ind anderen Städten Kataloniens Autos von spanischen Nationalisten gestoppt, die die Insassen dreist auffodern, "Viva Espana" zu skandieren, vorher lässt man sie nicht weiter fahren. Ich fürchte, auf die Katalanen kommt noch so einiges zu. Sie wirtschaftlich austrocknen zu wollen kann nicht der richtige Weg sein und eine Aberkennung der bisherigen Autonomie wird alls noch schlimmer machen

Bruny
Bruny
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RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von Bruny
als Antwort auf WoSchi vom 19.10.2017, 17:47:08

Und nicht zu vergessen, Carles Puigdemont ist sehr beliebt in Katalonien und wenn die spanische Regierung ihn absetzt, dann werden Demonstrationen folgen, auch der gewaltbereiten Separatisten, denn dann haben sie ja nichts mehr zu verlieren.
Katalonien ist nicht nur eine wirtschaftlich starke Region, sie ist auch die wasserreichste und wenn Katalonien den Wasserhahn zudreht, dann sieht es düster aus für die stark vom Wasser abhängigen Agrarregionen. Es hat also schon einen Grund warum die Regierung in Madrid sich vehement gegen eine Unabhängigkeit wehrt.
Aber ich schreibe es nochmal, ursprünglich wollten die Katalanen nur mehr Selbstbestimmungsrecht und es war nur ein Referendum für oder gegen eine totale Unabhängigkeit. Madrid hätte also ruhig die Stimmauszählung abwarten können und dann Gespräche anbieten. Aber nein, mit der Entsendung der „Hooligans“ (der spanischen Guardia Civil) kam auch die Wende beim Volk, denn nun heißt es auch in Katalonien und jetzt erst recht. 
Die einen wollen die Katalanen an die Kette legen und die anderen wollen mehr Freiheit. 
Was tun sprach Zeus? Nur der kann in Spanien nicht helfen, der hat genug in Elláda zu tun.
Bruny

JuergenS
JuergenS
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RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf Bruny vom 19.10.2017, 19:24:14

Das muß ich jetzt mal loswerden.

Wir haben hier in dem thread den Vorzug, wirklich Kompetentes über den Konflikt zu erfahren, von denen, die entweder dort wohnen oder die Vorgänge genau kennen.

Ich muß zugeben, ich war noch nie in Spanien, traurig macht es mich, dass so ein wichtiger Staat in Europa in einer derart komplizierten Situation ist und hilflos zu sein scheint, angemessen damit umzugehen. Voll von Ambivalenz. Ein Konflikt voller Widersprüche trotz demokratischer Strukuren.

 


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RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf Bruny vom 19.10.2017, 19:24:14

Ja, es ist schon beängstigen - und man darf gespannt sein, wie die Banken und wie Madrid reagieren wird, wenn die Katalanen der Protestbewegung sehr zahlreich folgen und ihr Geld in bar von der Bank holen.  Die Bevölkerung zeigt damit ihren Unmut gegen das Offshoring einiger Banken. Mal sehen, wie lange die Banken friedlich mitmachen.
Gleichzeitig wird die Sorge wegen der wirtschaftlichen Verschlechterung Katalonies durch den Boykott katalanischer Produkte im übrigen Spanien grösser und das destabilisiert die politische Krise noch mehr. Dass viele kalananische Unternehmer da bereits in Angst leben, kann man gut verstehen.
Was für ein Irrsinn, der fatal an faschistische Methoden erinnert... "kauft nicht von Katalanen!" .... wer zettelt sowas an? Lange muss man da nicht nachdenken. Die Faschisten scheinen aus ihren Löchern zu kriechen und zeigen sich wieder - und sie rekrutieren so viele junge Menschen, das macht Sorge.

Dabei ist der Boykott alleine doch schon völlig aberwitzig. Denn auf der Fertigpizza , hergestellt in Katalonien, die nun in den Regalen bleibt, liegen doch Tomaten und Oliven aus Extremadura und Andalusien und deren Bauer werden ihre Ware nun auch nicht mehr los, genau so wenig wie der galizische Fischer seinen Thunfisch und seine Sardinen, die auf der Pizza sind ... welcher ökonomische Schaden da entsteht, wie viele Arbeitsplätze das betreffen wird, wird noch keiner zu beziffern wagen.

Auch die Balearen ziehen da ja mit gegen die Katalanen, gleichzeitig beziehen sie aber 80% aller Waren vom Ausland und Festland über den hafen Barcelona. Wenn sich der Konflikt nun verhärtet und der Hafen Barcelona bestreikt wird, dann wird sich auf den Balearen alles enorm verteuern, gerade bei den vielen Waren die aus dem übrigen Europa importiert werden - denn die LKWs müssen dann bis Valencia fahren und das sind min. 350km mahr bis da hin, auch  hat Valencia Hafen gar nicht die Logistik (Kühlhäuser usw) wie Barcelona, um dieses zusätzliche Volumen löschen zu können. 

Aber am  meisten benachteiligt sind die katalanischen Arbeiter und Arbeitslosen und die Menschen, die auf soziale Unterstützung angewiesen sind, nicht die Bourgeoisie

 

Bruny
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RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von Bruny
als Antwort auf JuergenS vom 20.10.2017, 09:39:56

Lieber Heigl, in Spanien regiert leider die Willkür. Dieses Land bräuchte ganz dringend einen vertrauenswürdigen Staatschef, der die Mentalität der Menschen in den verschiedenen Regionen kennt, versteht und auch damit umgehen kann. Das kann Mariano Rajoy leider nicht, wie er in dem Katalonien Konflikt ja bewiesen hat. Stattdessen regiert er mit einer Härte, die weder angemessen noch förderlich ist. Und was noch schlimmer ist, Spanien ist eine Papierdemokratie und wehe demjenigen der die Willkür eines Polizeistaates zu spüren bekommt. Die Katalanen bekamen sie zu spüren. Schade, denn die wirtschaftlichen Auswirkungen wird ganz Spanien zu spüren bekommen. Es ist zum heulen.
Bruny
 

olga64
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RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von olga64

DEr "Papierdemokrat" Rajoy hat aktuell die Opposition und alle Gerichte im Rücken für seine Entscheidung, diesen grössenwahnsinnigen Katalanen in die SChranken zu weisen. DAs ist doch auch gelebte Demokratie, wie ich finde und weniger die des Regionalfürsten,der eine Minderheit von 40% Abstimmer benützen möchte, um eine Unabhängigkeit auszurufen oder doch nicht auszurufen oder was auch immer.
Ich beglückwünsche das schöne Spanien,dass solche Typen keine grosse politische Karriere vor sich haben, weil das Volk klüger ist und diese Machenschaften frühzeitig durchschaut.
Ich wünsche Herrn Rajoy nur sehr, dass er allmählich die vielen anderen Probleme, die Spanien immer noch hat, angehen und auch lösen kann.
Sollten heute Neuwahlen in Spanien stattfinden, hätte er übrigens berechtigte Chancen mit einer anständigen Mehrheit weiterregieren zu können (auch wenn dies manchen nicht passt, die vielleicht gar nicht wählen können in Spanien?). Olga


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luchs35
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RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von luchs35
als Antwort auf Bruny vom 20.10.2017, 15:47:52

Inzwischen stärken auch noch die EU-Bosse Rajoys Rücken - außer dem belgischen Premierminister, Charles Michel , der völlig richtig meinte, dass Gewaltaktionen keine Antwort sind , und es sich für  Europäer gehört, zum politschen Dialog aufzurufen, wenn es politsche Krisen gibt.  Er weiß, von was er spricht, denn auch in Belgien gibt es immer wieder Unruhen zwischen frankofonen Wallonen und  niederländisch sprechenden Flamen, die dann mit Gesprächen gelöst werden. 
Rajoy verbat sich umgehend diese Einmischung, bestellte den belgischen Botschafter ein  und drohte die belgische Kandidatin für die europäische Strafverfolgungsbehörde Europol zu verhindern. 
Um ein wenig von der Schärfe dieser Konfrontation zu nehmen, wurde  Michel beim Abendessen neben Rajoy plaziert. Ob die beiden auch miteinander redeten , ist unbekannt, zumal Rajoy  außer französisch keine andere Sprache beherrscht.

Noch hat Puigdemont die Unabhängigkeitserklärung nicht in Kraft gesetzt, denn seine Bestrebungen laufen auf einen Dialog hinaus, der von Vermittlern geleitet wird. Allerdings dürfte da das Angebot durch die EU nicht mehr infrage kommen, denn da haben sich die Mitglieder um Rajoy geschart. 
Derweilen planen katalanische Separatisten den Widerstand, um auch Puigdemont unter Druck zu setzen, der sich inzwischen im Regierungsgebäude  samt Leibwache eingerichtet hat, um nicht einem Anschlag auf dem Weg nach Hause zum Opfer zu fallen.

Luchs35

Bruny
Bruny
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RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von Bruny
als Antwort auf luchs35 vom 20.10.2017, 17:04:56

So sind die Europäer, kennen sich mit den verschiedenen Mentalitäten nicht aus, wissen nicht dass Franco Luft durch die Amtsstuben weht aber helfen zu dem der zur rohen Gewalt aufgefordert hat, der Demonstrationen verbieten läßt, der Separatistenanführer verhaften lässt.
Es sind traurige Tage für die Demokratie!
Bruny
 

olga64
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RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von olga64
als Antwort auf luchs35 vom 20.10.2017, 17:04:56

Man sollte nochmals auf den Grund und den Anfang dieser Sezessionsbestrebungen dieses seltsamen Herrn P. zurückblicken: es ging und geht um Geld, das die Katalanen (nicht mehrheitlich) aufgrund mangelnder Solidarität nicht mehr an REstspanien bezahlen möchten.
Es geht nicht darum, dass Katalanen nicht die eigene Sprache sprechen dürfen oder anderweitig menschenunwürdig schikaniert werden.
Die EU ist ein Länderverbund und kein Verbund für Regionen in den einzelnen LÄndern.
Man kann sich auch gut ausmalen, was geschähe, wenn die Unabhängigkeit Kataloniens erfolgreich würde: die Firmen ziehen dort ab, weil sie keinen Zugang mehr zu den Vorteilen der EU und deren Märkte haben. Katalonien verarmt schneller, weil dann auch alle Hoheitsaufgaben regional bezahlt werden müssen.
Irgendwann benötigt Katalonien finanzielle Hilfe vom Zentralstaat Spanien, der sich dann wieder an die Zentralregierung in Spanien wenden würde und die gesamtspanischen Steuerzahler für diesen SEzessionsausflug zur Kasse bitten würde.
Auch solche Eventualitäten müssen Politiker berücksichtigen, wenn sie entscheiden, wie sie entscheiden. Herr Rajoy hat die Opposition auf seiner Seite ebenso wie die spanischen Gerichte - Herr Puigdemont hat nicht viel im Rücken, wie ich befürchte. Olga

luchs35
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RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von luchs35
als Antwort auf olga64 vom 20.10.2017, 17:39:11

Es geht nicht einfach um Geld, Olga, sondern darum, dass die Region Katalonien durch seine wirtschaftliche Tüchtigkeit einer der steuerlichen Hauptzahler an die Regierung Rajoy ist, aber im Gegenzug von nichts profitiert, die Investitionen werden an regierungsnahe Regionen vergeben, die Katalanen gehen leer aus, aber bezahlen dürfen sie kräftig. An zweiter Stelle kommt die Art und Weise, wie Madrid mit dieser Region umgeht . Ob Kultur oder Sprache -letztere wird Bauernsprache betitelt- und die Kultur wird verhöhnt. 
Die Katalanen sind ein tüchtiges ,stolzes Volk und möchten zumindest ebenbürtig behandelt werden - die Francozeit hat sehr tiefe Wunden hinterlassen, die sicher nicht durch die Arroganz Madrids verheilen. 
Für uns sind die Katalanen eben Spanier, Mitglieder der EU- und da darf/ sollte nicht gekratzt werden. 

Rajoy verhält sich in höchstem Maße politisch unprofessionell und hätte mit ein wenig Entgegenkommen diesen Aufstand verhindern können, aber er musste noch eine Demütigung draufsetzen , indem er am 1. Oktober die GC aufforderte, sehr  hart durchzugreifen- und wie das aussah, hat die Welt miterlebt. 

Hätte Rajoy den Vertrag von 2006 , der alle Seiten zufriedenstellte,  nicht zum Scheitern gebracht, wäre auch heute wohl noch alles in Ordnung.  Einem derart unklugen Politiker sollte man den Stuhl wegnehmen. 

Luchs35


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