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Internationale Politik Erdogans undurchsichtiger Wandel

Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf panda vom 08.10.2014, 12:17:36
"Nur -- die Kurden werden dies wohl nicht vergessen...."von Pande.
Nicht nur die Kurden werden dies nicht vergessen!
Und der Nachbar schaut zu,es gibt ja Ferngläser...
Inga
olga64
olga64
Mitglied

Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von olga64
als Antwort auf Bruny vom 08.10.2014, 12:27:01
GEnauso sehe ich dies auch, Bruny.
Herrn Erdogan,der ja frühzeitig Position gegen den Schlächter Assad in Syrien bezogen hat, befürchtet nun, dass die Nato mit diesem gemeinsame Sache machen wird - Assad dürfte momentan derjenige sein,der sich im Recht sieht.
Deshalb fordert Herr Erdogan,dass dies nicht ausschliesslich eine türkische Angelegenheit sein kann (was ja stimmt). Die Türkei trägt geografisch das grösste Risko, nimmt die meisten Flüchtlinge auf und fordert den Einsatz der Nato-Partner (was ich auch richtig finde). So lange hier keine konkreten Strukturen vorliegen, bleiben wohl die türkischen Truppen ohne Einsatz. Es gibt doch hier so viele Pazifisten - sollen wirklich ausschliesslich türkische Soldaten in den Bodenkampf einsteigen, vor dem sich alle Natopartner (bisher) drücken wollen?
Sehr traurig empfinde ich, dass die bereits erfolgreich laufenden Annäherungsversuche zwischen Türken und Kurden vermutlich zu Ende gehen werden. Es scheint auch vergessen zu sein, dass dieser Konflikt seit vielen Jahrzehnten besteht - mit viel Blutvergiessen auf beiden Seiten.
Man macht es sich als deutscher Senior-Diskutant mal wieder ein wenig zu einfach, wenn man die Zusammenhänge ausblendet - oft auch, weil man sie vermutlich gar nicht kennt, aber gerne ein Vorurteil gegen den Türken Erdogan pflegen möchte. Olga
Tina1
Tina1
Mitglied

Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von Tina1
Kampf um Kobane - Kann der Westen den "IS" nicht stoppen?

"Die seit Tagen umkämpfte syrisch-türkische Grenzstadt Kobane droht zu fallen, die Einwohner fürchten Massaker. Lassen der Westen und die Türkei die Menschen in Kobane im Stich? Ist der Kampf gegen die Terrormiliz “Islamischer Staat” schon verloren? Und wie gefährlich ist der “IS” für die westliche Welt?"

"Harald #Kujat, General a. D., warnt bei #AnneWill: "Vor den Augen der Welt bahnt sich eine Tragödie an."

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Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von ehemaliges Mitglied
" Die syrischen Kurden versuchen verzweifelt, die Henker des "Islamischen Staats" aus ihrer Stadt zu vertreiben. Die türkische Regierung lässt ihre Panzer wenige Kilometer davor Leerrunden drehen, sie taktiert und sucht in der Verzweiflung der anderen noch ihren kleinen Vorteil.

Aber es ist eigentlich noch schlimmer. Für seine mögliche Hilfe stellt der türkische Präsident Erdoğan harte Bedingungen. Die Kurden sollen gefälligst auf jede Autonomie in Syrien verzichten und keine eigene Miliz unterhalten. Dann würde er etwas tun. Von den Amerikanern fordert Erdoğan, dass sie nicht nur die IS-Dschihadisten bombardieren, sondern auch den Diktator Baschar al-Assad. Dagegen hätten zwar Russen und Iraner etwas, aber wenigstens Erdoğan wäre dann voll aufseiten der USA. Da die Türken in der dramatischen Lage in Kobani die einzigen sind, die jetzt wirksam am Boden helfen könnten, sollte man diese Bedingungen einfach Erpressung nennen."
hisun
hisun
Mitglied

Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von hisun
als Antwort auf luchs35 vom 03.10.2014, 16:39:44
Luchs, ich teile Dein Misstrauen gegenüber Herrn Erdogan
voll und ganz, vor allem seit ich verschiedenen TV-Diskussionen
beowohnte.

... gelesen im Blog von Anne Will:

»Eine Schande für die Weltgemeinschaft bei den Geschehnissen in Kurdistan
tatenlos auf diese barbarischen Angriffe der IS auf die Kurden zu reagieren.
Ich frage mich wofür es die NATO und die UN gibt.
Die Türkei hat das schon seit längerem geplant. Die IS sind die türkische
Vertretung in Syrien und im Irak. Die Türkei will die Vorherrschaft im Nahen
Osten erlangen, das ist auch im Sinne der Nato, die einen starken Nato
Verbündeten in der Region gerne sehen würde. Die Türkei versucht durch die IS
schon seit knapp 2 Jahren die kurdische Stadt Kobane einzunehmen. Bis jetzt
erfolglos. Geling es der IS Kobane einzunehmen, dann hat die Türkei einen
Grund, um in Syrien militärisch einzugreifen. Sie wollen eine Pufferzone gründen,
um die kurdischen Bemühungen nach einem demokratischen Staat zu verhindern.
Die Türkei will zum einem die syrische Regierung stürzen und zum anderen die
kurdische Unabhängigkeit in Keim ersticken.«

Ich teile diese Meinung, denn sonst hätte die hochtechnisierte Weltgemeinschaft
schon längst eingegriffen...und statt Putin zu verfolgen,
sollte man ihn miteinbinden und die Konflikte mal ruhen lassen, denn Kobane
zu retten und die IS zu besiegen scheint mir das Wichtigste im Moment und
es geht alle Länder etwas an.

Jedenfalls ist eine Terror-Gruppe wie die IS nicht aus der Luft zu besiegen!

hisun
.*.

PS: ich habe darüber in einem anderen Thread ähnlich geschrieben, da ich
diesen erst jetzt durchgelesen habe...
hisun
hisun
Mitglied

Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von hisun
als Antwort auf hisun vom 11.10.2014, 00:32:41
Neueste Nachrichten

Die Türkische Regierung sieht "keine Tragödie"
Ob die Türkei aber auch Waffenlieferungen erlaubt, ist eher
fraglich. Zuletzt zitierte die US-Zeitung Washington Post einen
hohen Vertreter der in der Türkei regierenden AKP von Präsident
Reccep Tayyip Erdogan: „Es gebe in Kobane keine Tragödie,
es gebe nur einen Krieg zwischen zwei Terrororganisationen“.


So sieht’s also aus!
hisun
.*.

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karl
karl
Administrator

Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von karl
als Antwort auf hisun vom 11.10.2014, 18:03:10
Nachdem ich nun den jüngsten Verlautbarungen von Erdogan zugehört habe, korrigiere ich meine bisherige Interpretation der türkischen Politik wie folgt: Die Türkei will den Kurden nicht zu Hilfe kommen, weil sie in diesem Konflikt nicht einmal neutral ist. Inzwischen glaube ich, dass Erdogan der Erfolg des IS gegen die Kurden gefallen würde. Jedenfalls habe ich inzwischen diesen Eindruck. Damit wird sich die Türkei aber etwas einhandeln:

1. den Aufstand der Kurden im eigenen Land.
2. durch die Nähe zum IS muss das türkische politische System aufpassen, nicht selbst hinweg gefegt zu werden.

Das wäre auch für Europa der Gau. Es rächt sich, dass die EU-Aufnahmeverhandlungen so verzögert und damit die Integration der Türkei in den Westen blockiert wurde. Ich weiß, dass dies viele anders sehen werden, aber m.E. schlittern wir auf eine sehr gefährliche Konstellation hin.

Karl
Edita
Edita
Mitglied

Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von Edita
als Antwort auf karl vom 11.10.2014, 19:54:27
Genau so ist das Karl, ich sehe das nicht anders!

Edita
Bruny
Bruny
Mitglied

Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von Bruny
als Antwort auf karl vom 11.10.2014, 19:54:27
Och Karl, ich glaube dass Herr Erdogan genau weiß was er tut.
Er will dass jemand die verhassten Kurden eliminiert, und darum wird der IS nicht gehindert.
Er hat auch Assad im Visier, und deshalb unterstützt er den IS auch, dann hätte er gleich 2 verhasste Gegner weniger.
Sollte es aber für die Türkei selbst brenzlig werden, wird er sich ganz schnell erinnern, dass die Türkei ein Nato Partner ist und geholfen werden muß.
Das bedeutet dass wir den Krieg so oder so in Europa haben werden.

Bruny
Re: Erdogans undurchsichtiger Wandel
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf karl vom 11.10.2014, 19:54:27
"Es rächt sich, dass die EU-Aufnahmeverhandlungen so verzögert und damit die Integration der Türkei in den Westen blockiert wurde"

Was wäre denn dann anders ?

Gruß
Inga

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