Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...

Internationale Politik "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...

JuergenS
JuergenS
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Re: "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf Selina47 vom 14.02.2017, 15:15:38
ich teile deine Enttäuschung über den Status der EU, aber nicht deinen Pessimismus.

Im Gegensatz zu dir geh ich nicht davon aus, dass niemand reformieren will und dafür nichts tut.

Sogar Gysi, dem der Orden gegen den tierischen Ernst in Aachen verliehen wurde, plädiert pro EU.
Dass er dabei auch utopische Ziele nennt, ist ihm unbenommen. Aber immerhin ist es für Linke ungewöhnlich, einen Staatenbund zu wollen, nicht die Weltrevolution, und alle über einen Kamm scheren.
olga64
olga64
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Re: "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...
geschrieben von olga64
als Antwort auf Selina47 vom 14.02.2017, 15:15:38
xxxxdie einen haben Kindergeld 9 Euro, die Anderen 200 Euro und das Alles soll eine Gemeinschfat sein?
Gesundheitswesen ist in Deutschland vorbildlich, aber unbezahlbar,
in Schweden kostet nichts und die Menschen leben länger.
Keiner will vom Anderen etwas lernen, übernehmen.
[/quote]

Wie so üblich bei Ihnen, werfen Sie mal wieder alles in einen Topf und kochen eine ungeniessbare, zu dünne Suppe daraus:
Sozialleistungen eines Landes werden immer auf der Basis ausbezahlt, wie sie finanziert werden können. Deutschland als das wirtschaftlich stärkste Land in Europa leistet sich hier einen sehr grosszügigen Sozialhaushalt, weil es die Bürger bei einer Beschäftigungsquote von 44% es sich (noch) leisten können.

Unser Gesundheitssystem ist nicht nur vorbildlich sondern auch bezahlbar (es gibt Überschüsse und kein Minus), obwohl die Bevölkerung immer älter wird und demzufolge immer mehr Leistungen daraus erhält.
In Schweden kostet die Gesundheitsversorgung ebenfalls; allerdings wird dies dort wie andere Sozialleistungen über exorbitant hohe Steuern finanziert.
Wenn Sie die Steuerquote in Deutschland plus Sozialleistungen addieren, kommen sie auf ähnliche Beträge wie in Schweden beim Steuersatz.
Ich bat Sie schon einmal darum, als Basis für Ihre Beiträge FAkten zu nehmen und nicht davon auszugehen, dass andere darüber ebenfalls nicht verfügen. Olga
karl
karl
Administrator

Re: "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...
geschrieben von karl
als Antwort auf sittingbull vom 14.02.2017, 11:27:09
"Laut einer EU-Länderanalyse von Eurostat leben vergleichsweise über ein Drittel der Polen in Armut. Sie können sich keinen jährlichen Urlaub leisten (32 %) - und 21 Prozent haben Probleme, sich mit Lebensmitteln ausreichend zu versorgen. Noch schlechter allerdings ist es in Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Lettland und Portugal bestellt."

Polen ist seit 2004 in der EU und leidet noch heute unter der Erblast der kommunistischen Misswirtschaft nach dem 2. Weltkrieg.

Jetzt der EU die Schuld an der verbesserungswürdigen Gesamtsituation zu geben ist eine Offenbarung Deiner einseitigen, um nicht zu sagen einfältigen Denkweise. Wahrscheinlich hast Du keinerlei Kenntnisse über die tatsächliche Entwicklung, aus erster Hand wahrscheinlich sowieso nicht. Aber Dir kommt es eben auch nur auf das Miesmachen der EU an.

Ich werde Henryk einmal bitten, seine Sicht der Dinge hier zu erläutern.

Karl

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carlos1
carlos1
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Re: "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...
geschrieben von carlos1
als Antwort auf marina vom 14.02.2017, 12:07:29
@marina
Die Frage ist doch, was Sparen heißt. Wer Geld nicht ausgibt, das er hat, um es sinnvoll zu investieren, der spart. Wer Geld ausgibt, das er nicht hat, das also geliehen ist, der lebt auf Kosten der Zukunft.

Die Lage in GR und anderen südlichen Peripheriestaaten hängt mit einem eklatanten Fehlverhalten lange vor der Krise zusammen. Die Kreditzinsen vor der Einführung des Euro mussten auf ein vergleichbares Niveau abgesenkt werden. Nachdem der Euro da war, stieg die Verschuldung überaus massiv an. So billig war Geld noch nie zu haben. In Spanien wurde es in Immobilien angelegt. In GR lagen die Kreditzinsen vor Euroeinführung zwischen 12% und 16%. In Italien war es ähnlich. In Gr wurden die Löhne über Gebühr erhöht und die Renten ebenso. Mit 55 Jahren konnte man in Rente gehen. Nichts gegen soziale Wohltaten, wenn sie nachhaltig sind. Wenn aber die Steuerzahler anderer Länder das auf Dauer finanzieren müssen entwickeln diese Wohltaten Sprengkraft. Das Prinzip der Nachhaltigkeit gilt grundsätzlich bei jeder Form der Verteilungsgerechtigkeit. Diese setzt solide Finanzierung voraus.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass unterschiedlicher Entwicklungsstand der Länder und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit von vornherein zum Scheitern der Zusammenarbeit und Funktionsunfähigkeit der Eurozone führen musste. Es fehlte eine europ. Wirtschaftsministerium. Die souveränen Staaten sind bis heute nicht bereit diesbezüglich einen Souveränitätsverzicht zu leisten. Es gibt auch kein Reglement, dass Verletzungen der Mastricht-Regeln unterbindet. Dtld verstieß als erster Staat dagegen.

Eurobonds, d. h. Anleihen, für die alle Eurostaaten gemeinschaftlich haften, würden Sinn machen, wenn es eine europäische Wirtschaftsregierung gäbe und eine funktionierende Bankenunion mit für alle verbindlichen Regeln der Schuldenaufnahme. Eine Vergemeinschaftung von Schulden ohne strikte Auflagen darf es aber nicht ohne weiteres geben. Im Fall GR ist die Insolvenz nichts Ungewöhnliches. Der Staat war dort schon oft in der Vergangenheit insolvent.

Die EU darf nicht mit der Eurozone gleich gesetzt werden. Die wirtschaftlich starken Länder darunter vor allem Dltd (höchster Beitrag zum EU-Haushalt), unterstützen die schwächeren über verschieden EU-Fonds. Damit soll eine Angleichung der Produktivität erreicht werden. Es darf aber nicht dazu führen, dass die wirtschaftlich erfolgreicheren Staaten auf Dauer die Staatshaushalte der weniger erfolgreichen Staaten mitfinanzieren müssen. Jeder Staat ist für sein Finanzgebaren verantwortlich und muss die vereinbarten Regeln von Mastricht hinsichtlich Verschuldung einhalten.

Ich muss ergänzen. An den Hilfspaketen für GR und andere Staaten sind alle Staaten der Eurozone beteiligt, nicht nur Dtld. Im Fall Irland mit Erfolg. Spanien und Portugal sind auf dem Weg der Besserung. Die EZB meldet geringes Wachstum von 0.3% für GR in 2016 und Wachstum für alle Staaten der Eurozone.

Die Leistungsbilanzüberschüsse sind ein Problem, weil jeder Leistungsbilanzüberschuss ein Leistungsbilanzdefizit eines anderen Staates ist. Das heißt aber auch: Ein Leistungsbilanzdefizit wäre auf Dauer für Dtls auch ein größere Problem für Dtld. Dtld ist rohstoffarm. Es mus importieren und diese Importe bezahlen. Es ist richtig, dass viele Milliarden des Leistungsbilanzüberschusses wieder ins Ausland gehen. Allein für Energieeinfuhren werden ca 80 bis 90 Mrd Euro benötigt. Andere Rohstoffe müssen ebenfalls eingeführt werden. Auch reiche Ölländer verschenken ihren Reichtum nicht, weil die Einnahmen aus dem Ölverkauf über des Budget für ihre Bevölkerung benötigt werden. Viele Milliarden des Überschusses werden im Ausland investiert in vor Ort produzierenden Unternehmen. Damit werden im Ausland Arbeitsplätze geschaffen. BMW ist mit 70 000 Beschäftigten in den USA der größte Autoexporteur noch vor General Motors. Siemens unterhält 60 Standorte in den USA. Fresenius Med ist ein weiterer Großinvestor, Bayer will Monsanto übernehmen. Dt. Unternehmen investieren weltweit in Standorte.

Baden Württemberg ist ein stark exportorietiertes Bundesland, ebenso Bayern. Beide Bundesländer tragen im Finanzausgleich mit Hessen wesentlich dazu die finanzschwächeren anderen Länder zu unterstützen. Sachsen erhielt im letzten Jahr 1 Mrd EUR. Berlin 3,5 Mrd EUR . Es lässt sich beobachten, dass auf Dauer laufende Ausgleichszahlungen nicht dazu führen, dass diese Länder eigene Anstrengungen unternehmen, um von diesen Zahlungen unabhängig zu werden. Das gilt selbstredend auch für die Empfänger von Hilfspaketen auf europäischer Ebene.

Ich las in einem Forum unlängst einen Beitrag, in dem Statistiken von Patentanmeldungen auf deutscher und europ. Ebene aufgelistet wurden, der Zahl nach und nach der Zahl der daraus folgenden Innovationen, sowie der Patentanmeldungen. Baden-Württemberg und Bayern liegen mit Hessen weit vorn. Es gibt vermutlich eine Korrelation zwischen Steuerkraft und Patentanmeldungen. Allerdings ist nicht von vornherein daraus zu folgern, dass jede Patentanmeldung automatisch ein wirtschaftlicher Erfolg sein muss. Dort wo große Konzerne angesiedelt sind (Bosch, Daimler mit Zulieferern) und den Universitäten, gedeihen solche Ideenschmieden. In den neuen Bundesländern gibt es keinen einzigen DAX-Konzern. Das ist bezeichnend. Die neuen Bundesländer sind auch exportschwach und haben geringere Steuereinnahmen pro Kopf.

Der Bosch-Konzern ist übrigens keine Aktiengesellschaft, ist auch kein Familienunternehmen, sondern beruht auf einer Stiftung. Der Gewinn wird investiert und verbleibt im Unternehmen. Die Bosch-Stiftung unterstützt soziales und gesellschaftliches Engagement.

Ich halte es für eine gewagte These, dass der dt. Überschuss andere an der Entwicklung hindert. Wirtschaftliche Entwicklung beginnt im Kopf und nicht mit Geldausschüttung aus dem Hubschrauber.

»Im Fall von Deutschland gibt es nun genau dieses Problem: Die Exporte übersteigen seit sechs Jahren die Importe immer stärker, während es in den USA seit Langem umgekehrt ist und die Amerikaner weit mehr Waren und Kapital importieren, als sie exportieren. Niemand verlangt, dass die Deutschen sich komplett von ihrem Modell verabschieden; nur eine Korrektur, eine Normalisierung wäre sinnvoll. Was also ist zu tun?« Süddt. Zeitung s. Link bei marina


Das ist richtig. Ein ausgeglichener Außenbeitrag muss das Zielsein. Der ist aber seit 26 Jahren im Plus, nicht erst seit 6 Jahren. Die Schuld an der Misere, deren industrieller Sektor regelrecht geschreddert wurde der USA liegt aber nicht bei den deutschen Exporten, sondern in der irrigen Meinung der US-Ökonomen und Politik, dass der Dienstleistungssektor (und Finanzindustrie, Wall Street) genügend Arbeitsplätze schaffen könnte. Der Anteil des Primärsektor (Industrie, Handwerk ..) ging auf etwa 12% Anteil am Bruttoinlandsprodukt zurück. In Dtld liegt er doppelt so hoch. Unglaublich hoch ist das Defizit der US-Leistungsbilanz (etwa 478 Mrd USD 2016). Das Credo der USÖkonomen lautete in den 90er Jahren: Arbeit wird sich in den Dienstleistungsberufen finden. Das sei der Trend der Gesellschaft der Zukunft. Es wurden Jobs en masse geschaffen, aber schlecht bezahlte, oft nur kurzfristige. In Amerika gilt das Prinzip des »hire and fire« und die Leute fühlten sich im Stich gelassen.

Die Mahnung der anderen Länder geht in die richtige Richtung: Dtld soll Binnenachfrage erhöhen ( = höhere Löhne). Das ist geschehen, die Reallöhne sind gestiegen, es wird wegen des niederen Zinsniveaus entspart (niedrig verzinste Anlagen werden aufgelöst), die Binnenkonjunktur läuft gut, aber es reicht nicht. Trotzdem wieder ein gigantischer Überschuss. Es liegt auch daran, dass dt. Produkte gefragt sind, trotz des hohen Preisniveaus. Vermutlich wird die dt. Regierung nicht umhin können ein umfassendes öffentliches Investitionsprogramm aufzulegen zur Sanierung der Infrastruktur, wie bereits in der Planung angelaufen. Die Versuche der USA aber die verlorenen Arbeitsplätze aus China zurückzuholen werden scheitern. Protektionismus und Zollmauern sind keine geeigneten Mittel. Auch Dtld wird in den letzten Jahren verlorene Arbeitsplätze aus China nicht zurückholen können (Stahlindustrie, Solarindustrie). Es gilt so schnell wie möglich sich anzupassen.

Der technologische Wandel birgt viele Überraschungen. Wer sich hinter Zollmauern verschanzt, fällt im technologischen Wandel zurück.

Leider ein langer Schrieb, aber marinas Beitrag ist wichtig, in vielem richtig und fordert zum Nachdenken auf.
JuergenS
JuergenS
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Re: "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf carlos1 vom 14.02.2017, 22:25:08
das ist zu viel Text.
Bei langen Texten hab ich immer den Verdacht des Belehrungsversuches, der unterstellt, dass andere zu wenig wissen oder denken.
karl
karl
Administrator

Off topic
geschrieben von karl
als Antwort auf JuergenS vom 15.02.2017, 08:58:23
Das finde ich nicht. Ich finde, es ist immer sehr informativ, die Texte von Carlos1 zu lesen, auch wenn wir uns im Zeitalter von Twitter befinden.

Karl

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JuergenS
JuergenS
Mitglied

Re: Off topic
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf karl vom 15.02.2017, 09:10:25
o.k. Karl, dann ist es mein persönliches Empfinden.
Beruflich war ich es gewöhnt, dass essentielle kurz und knapp zu vermitteln, weil man damit mehr Menschen erreicht.

140 Zeichen wie bei Twitter ist natürlich Schmarrn, weil es von Thema abhängt.
Re: "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...
geschrieben von klaus
als Antwort auf JuergenS vom 15.02.2017, 08:58:23
"das ist zu viel Text."


Nun ja - "carlos" neigt zu langen Texten - und schreibt ja selbst "Leider ein langer Schrieb".
ABER - interessant zu lesen und passend zum Thema.

Wie oft werden hier 30-minütige bis 2-stündige Videos oder ellenlange Zeitungskommentare verlinkt und wehe man antwortet, ohne es vollständig gelesen oder gesehen zu haben. Wie dann der "Verlinker" dazu steht, ist oft nicht erkennbar.

Also KURZ gesagt - ich lese seine EIGENEN Zusammenstellungen gern und habe sie eigentlich nie als Belehrungsversuche empfunden.
Außerdem kann man sich ruhig mal belehren lassen.
karl
karl
Administrator

Re: "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...
geschrieben von karl
als Antwort auf klaus vom 15.02.2017, 09:21:13
Außerdem kann man sich ruhig mal belehren lassen.
Die Eigenschaft zuzuhören und zu lernen, sollten wir uns auch im Alter erhalten. Danke für diese Bemerkung!

Karl
JuergenS
JuergenS
Mitglied

Re: "Europa muss sich ändern oder wird zerfallen." ...
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf klaus vom 15.02.2017, 09:21:13
Das vernünftige Mittelmass scheint mir zu sein, zu versuchen, möglichst viele Diskutanten zu gewinnen, das ist nicht einfach, weder mit zu kurzen noch zu langen Mitteilungen.

Sogar beim Beichten ist man gezwungen, daran zu denken, dass andere auch noch reinwollen, nachher.

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