Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens

Internationale Politik haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens

karl
karl
Administrator

haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von karl
Das ist eine interessante Lektüre, die ich allen Interessierten empfehle. Vielleicht können wir darüber sachlich diskutieren. haGalil ist ein deutsch-jüdisches Nachrichtenmagazin mit Redaktionen in München und Tel Aviv. haGalil erscheint hauptsächlich in deutscher Sprache und ausschließlich im Internet.

In dem angesprochenen Artikel werden die arabische Revolution und die gleichzeitige Verkleinerung der westlichen Einflußsphäre durch die Emporkömmlinge China, Indien, Brasilien und Russland in Beziehung gesetzt.
Die alte Ordnung des Nahen Ostens zerfällt. So wie die Offiziersrevolution in den 1950ern den arabischen Monarchismus, der auf die Kolonialmächte gebaut hatte, zu Fall brachte, bringt die 2011er Revolution die arabischen Tyrannen, die von den Vereinigten Staaten abhängig waren, zu Fall.
...
Die arabische Befreiungsrevolution wird den Nahen Osten grundlegend ändern. Die Beschleunigung des Untergangs des Westens wir die Welt verändern.
geschrieben von haGalil
Ich habe den ganzen Artikel gelesen und sehe ihn kritisch. Ich würde gerne über ihn im Detail mit Euch diskutieren, allerdings erst, wenn ihr ihn auch gelesen habt.

Karl

adam
adam
Mitglied

Re: haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von adam
als Antwort auf karl vom 06.02.2011, 11:26:19
Mal abgesehen von den sich wiederholenden, platten Vorwürfen gegen den Westen und den darin enthaltenen Widersprüchen, kommt mir jeder Versuch eines Resümees zu früh. Wir wissen doch noch gar nicht, was Sache ist, noch nicht einmal, in welche Richtung sich die Aufstände der arabischen Welt entwickeln.

Man kann erst losrennen, wenn man weiß, wo die Startlinie ist. Und Kenntnisse über das Ziel und die Art des Rennens wären auch nicht schlecht. Also erst mal abwarten und in Ruhe analysieren, was sich mit wem wohin entwickelt.

--

adam

marianne
marianne
Mitglied

Re: haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von marianne
als Antwort auf karl vom 06.02.2011, 11:26:19
Ich habe alles gelesen: inklusive der Kommentare.

"Carters Verrat am Schah?" -da muss ich mich erst schlau machen, bzw. googeln.--

Und: könnte es sein, dass der Neid auf den "Westen" aus diesen Worten spricht?!

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miriam
miriam
Mitglied

Re: haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von miriam
als Antwort auf marianne vom 06.02.2011, 12:14:50

Und: könnte es sein, dass der Neid auf den "Westen" aus diesen Worten spricht?!


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Miriam
karl
karl
Administrator

Re: haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von karl
als Antwort auf adam vom 06.02.2011, 12:04:30
Hallo adam,


da ist was Wahres dran. Noch ist die Revolution in Ägypten nicht wirklich erfolgreich gewesen. Es ist unklar, ob und in welcher Form das System überlebt. Einige kleine Zwischenziele sind zwar erreicht, es wird z. B. keinen Übergang der Macht auf den Sohn Mubaraks geben, aber die Vormachtstellung der Armee ist ungebrochen und diese steht weiterhin dem Westen sehr nahe. Ich weiß sogar, dass ich mir das Gegenteil nicht einmal wünschen würde.

Allerdings wünsche ich mir vor allem, dass die Hoffnung auf mehr Demokratie und eine gerechtere Gesellschaft für die Ägypter in Erfüllung gehen und da haben unsere eigenen Interessen zurück zu treten. Ich möchte deshalb auch, dass unsere Politiker eindeutig Partei für das ägyptische Volk ergreifen und nicht immer nur unsere eigenen wirtschaftlichen Interessen in den Mittelpunkt stellen und deshalb das Mubaraksystem noch immer unterstützen. Das finde ich beschämend. Ich glaube auch nicht, dass eine solche Haltung der westlichen Politiker nachhaltig für unsere Freundschaft zu diesen Völkern ist.

Karl
Medea
Medea
Mitglied

Re: haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von Medea
als Antwort auf karl vom 06.02.2011, 12:23:52
.....aber die Vormachtstellung der Armee ist ungebrochen und diese steht weiterhin dem Westen sehr nahe. Ich weiß sogar, dass ich mir das Gegenteil nicht einmal wünschen würde. (Karl)

Da gehe ich mit Dir völlig konform Karl,
die Besonnenheit und somit das Schützen
der Demonstranten erwarte ich auch vom Militär.

Es muß seine Stärke in dieser außerordentlich schwierigen
Situation beweisen und für die Polizei, die drauflos
knüppelte, Autorität sein.

Nun, der Gedanke an die Türkei bietet sich an.
Dort werden die kemalistischen Generäle zusehens von
der islamistischen Politik Erdogans "unterlaufen" -
für mich keine beruhigende Vorstellung.

M.


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miriam
miriam
Mitglied

Re: haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von miriam
als Antwort auf Medea vom 06.02.2011, 12:52:02

Nun, der Gedanke an die Türkei bietet sich an.
Dort werden die kemalistischen Generäle zusehens von
der islamistischen Politik Erdogans "unterlaufen" -
für mich keine beruhigende Vorstellung.


Genau dieses doppelte Spiel wird hier im Westen wenig bzw. ungern zur Kenntnis genommen.
Und da liegt auch die Gefahr bei dieser sonst so erfreulichen Bewegung.

Miriam
adam
adam
Mitglied

Re: haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von adam
als Antwort auf karl vom 06.02.2011, 12:23:52

karl,

ich glaube nicht, daß das Mubarak System von den USA oder der EU noch gestützt wird. Wir sollten da unterscheiden, wer wessen Freund und was Zweckbündnisse waren. Das Verhältnis zu Despoten ist immer ein Zweckbündnis. Vielleicht, ja sehr wahrscheinlich, haben die Menschen in den arabischen Ländern derzeit niemanden, der es besser mit ihnen meint als die westlichen Staaten. Dort wird, bei allen wirtschaftlichen Interessen, nüchtern kalkuliert, daß ein entmachteter Mubarak mit Leuten an den Schaltstellen, die wissen, daß Willkür nach einer Übergangszeit auf sie zurückfällt, besser ist, als Chaos mit despotische Kräfte, die ein neues totalitäres System aufbauen werden.

Wenn es richtig gemacht wird, konnte vielleicht dem Westen nichts besseres passieren, als die Bekenntnisse der arabischen Völker gegen ihre Despoten. Selbst ein Politiker, dem die Menschen egal sind, wird arabische, afrikanische, asiatische oder lateinamerikanische Despoten zukünftig weniger hofieren, weil diese nicht mehr auf den Rückhalt ihrer Bevölkerung rechnen können. Die Angst der Menschen ist der Erkenntnis gewichen, daß kein totalitäres System den Menschenmassen paroli bieten kann, ihre Informationen holen sie aus den modernen Medien und wissen auch, daß ihre Forderungen so in alle Welt verbreitet werden.

Ich sehe keinesfalls den beschleunigten Untergang des Westens, sondern mit viel Hoffnung, allerdings auch mit vielen "wenns", die Chance, freiheitliches Denken, natürlich auch zu unserem Nutzen, in der Welt zu verbreiten. Schwellenländer mögen zwar die kommenden Wirtschaftmächte sein, sie stehen aber auch alle selber vor schwerwiegenden sozialen Problemen.

Niemand kann sich seine Partner aussuchen, es muß mit denen getanzt werden, die auf der Tanzfläche sind. In Ägypten scheinen sich Gespräche des Regimes mit den Moslembrüdern anzubahnen. Das ist schlecht für uns und auch schlecht für die Ägypter, denn da bahnt sich eine neue undemokratische Vorherrschaft an. Den Moslembrüdern und ihrem Bekenntnis zur Demokratie glaube ich kein Wort. Wäre es ehrlich gewesen, hätten sie abgewartet, was die Gespräche mit den USA ergeben. Jetzt wollen sie diesen Ergebnissen zuvor kommen und sich als Sprecher der Aufständischen etablieren. Bei einer archaischen Gesellschaft, wie in Ägypten, haben sie große Chancen. Ich hoffe, daß sie die Merikaner über Druck auf die Militärs durchsetzen können. Das wäre die bessere Chance für die Menschen und das bessere Signal in die arabische Welt

--

adam

karl
karl
Administrator

Re: haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von karl
als Antwort auf miriam vom 06.02.2011, 13:02:30
@ medea und miriam,

da haben wir eine unterschiedliche Sicht auf die Türkei. Für mich wäre es kein Schreckgespenst, wenn in Ägypten ein ähnlich dem Westen zugewandte säkulare Demokratie wie in der Türkei entstände. Im Gegenteil, für die Ägypter wäre damit schon sehr viel gewonnen und ich könnte mir wahrlich Schlimmeres vorstellen.

@ adam,

es zählen Taten und nicht Worte, deshalb ist Skepsis angebracht, aber keine Vorverurteilung. Ich würde abwarten, wie die Moslembruderschaft sich verhält. Von der Macht ausschließen kann man die größte politische Gruppierung schlecht. Ihre Vertreter haben sich bislang so geäußert, dass sie eine säkulare Demokratie wie in der Türkei anstreben und keinesfalls einen Gottesstaat wie im Iran. Ich denke auch, letzteres wäre in Ägypten nicht durchsetzbar und das Ziel der Jugend ist das gerade nicht, s. auch meinen neuen Thread Das Täuschungsmanöver der Ayatollahs.

Karl
clara
clara
Mitglied

Re: haGalil.com über die arabische Revolution und den Untergang des Westens
geschrieben von clara
Diese deutsch-jüdische Seite lese ich ab und zu. Ob die Prohezeiungen aus dem Artikel eintreffen werden, weiß kein Mensch.

Zitat aus dem Link:
Carters Verrat am Schah brachte uns die Ayatollahs und wird uns bald Ayatollahs mit Atomwaffen bringen. Die Folgen des Verrats an Mubarak durch den Westen werden nicht weniger ernst sein. Es ist nicht nur der Verrat an einem Staatsführer, der dem Westen gegenüber loyal war, der der Stabilität diente und zur Mäßigung beitrug. Es ist der Verrat an jedem Verbündeten des Westens im Nahen Osten und in den Entwicklungsländern.

Ich glaube, dass das iranische Volk auch ohne „Carters Verrat“ (worin bestand der eigentlich?) den Schah gestürzt hätte. Über die fatalen Folgen zum damaligen Zeitpunkt konnte das Volk noch nichts wissen.

Zitat: Die Botschaft ist klar und deutlich: Das Wort des Westens gilt nichts.

Die Einsicht, dass der Freiheitsdrang eines Volkes letztlich von außen nicht zu verhindern ist, muss aber zu dipiomatischem Handeln und wenn nötig, zu einer Änderung der bisherigen Politik führen. Was soll also noch ein Festhalten des Westens an einem unerwünschten Politiker, auch wenn dieser im Nahen Osten stabilisierend wirkte und deshalb für Israel wichtig war! Zumal dieser Politiker die Demokratie im eigenen Land verhinderte. Moral ist in der Politik selten bestimmend, das Festhalten des Westens an Mubarak und anderen Diktatoren war und ist ja auch unmoralisch.
Verständlich, dass nun in Israel Ängste auftauchen und die Frage, wie es weiter geht. Nicht zuletzt die Angst, selbst vom Westen fallen gelassen zu werden.

Bei Anne Will gestern Abend sahen einige Gäste, sowohl auf israelischer, als auch ägyptischer Seite die Zukunft für Israel nicht unbedingt pessimistisch. Es kam auch zur Sprache, dass dem Internet (Facebook, Twitter u.ä.) eine Riesenrolle bei diesen und künftigen Befreiungsbewegungen zukommt. Der anwesende Egon Bahr sprach sogar von einer neuen Art der Kriegsführung.

Clara

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