Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!

Internationale Politik Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!

nerida
nerida
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von nerida
als Antwort auf Bruny vom 04.08.2014, 20:16:51
24 Stunden Jerusalem war für mich deutlich aufschlussreicher.

diese Sendung lief Anfang des Jahres in der dritten Programmen und war sicher interessant, aber ich frage mich wie man das mit diesem hier gezeigten Gespräch vergleichen kann?
Doch wohl nur, wenn man Null Ahnung hat, um was es eigentlich geht.
Bruny
Bruny
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von Bruny
als Antwort auf nerida vom 04.08.2014, 21:52:00
Ich kann es Dir auch gerne deutlicher sagen. Weil mich das Gespräch nicht überzeugt hat.
Und zum besseren Verständnis: .Es sind immer die Ahnungslosen die anderen vorwerfen keine Ahnung zu haben.
Tina1
Tina1
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von Tina1
"Für 72 Stunden sollen die Waffen ruhen

Nach vierwöchigen Kämpfen haben sich Israel und die radikalislamische Hamas im Gazastreifen erneut auf eine dreitägige Feuerpause geeinigt. Die unter ägyptischer Vermittlung getroffene Vereinbarung sieht vor, dass die Waffen von 7 Uhr deutscher Zeit an ruhen.

Gibt es Chancen auf eine längerfristige Waffenruhe?

Vertreter Israels und der Palästinenser wurden nach Kairo eingeladen, um über eine längerfristige Lösung zu sprechen. ARD-Korrespondent Richard C. Schneider sagte in den tagesthemen, der Vermittler Ägypten "könnte nun dafür sorgen, dass es eine Waffenruhe ohne Vorbedingungen gibt".

Feuerpause im Gaza-Krieg

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Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von ehemaliges Mitglied
"Ob in Nahost oder in der Ukraine: Wo Krieg ist, ist auch Propaganda. Medien wurden dazu bekanntlich immer schon genutzt. Das Internet ist auch ein Propaganda-Schlachtfeld. Darauf gerät man auch manchmal, ohne es zu wissen.
Einerseits kann die Schwarmintelligenz im Internet Lügen entlarven und Fehler aufdecken. Andererseits lassen sich Schwärme auch wunderbar manipulieren. Steht doch der einzelne User in einem Kommunikationsstrom, der sich schwer sortieren lässt. Im Grunde müsste jeder Nutzer zugleich sein eigener Redakteur und Rechercheur sein: woher stammt das Foto, ist es authentisch, ist die Quelle glaubwürdig, gibt es eine zweite Quelle, was sagen Experten dazu?

(fett von mir )

Eigene Recherche ist gefragt...und genaues Hinschauen.
karl
karl
Administrator

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von karl
als Antwort auf vom 05.08.2014, 08:52:16
Eigene Recherche ist gefragt...und genaues Hinschauen.
geschrieben von Inga
So ist es, Inga. Deshalb halte ich z. B. authentische Berichte von realen Personen in Krisengebieten für so wichtig. Auch diese können natürlich nur aus ihrer Perspektive berichten, was sie erleben und sehen, auch sie wissen nicht alles, aber sie sind näher an der Realität als ein Nachrichtensprecher, der einer Facebook Ente aufsitzt oder ein Interviewpartner, der seine Interessen und "Informanten" hat.

Karl
sammy
sammy
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von sammy
als Antwort auf karl vom 05.08.2014, 09:26:17
Auch diese können natürlich nur aus ihrer Perspektive berichten, was sie erleben und sehen, auch sie wissen nicht alles, aber sie sind näher an der Realität als ein Nachrichtensprecher, der einer Facebook Ente aufsitzt oder ein Interviewpartner, der seine Interessen und "Informanten" hat.
geschrieben von karl

...würde sich diese Erkenntnis auch hier mehr durchsetzen, gäbe es bestimmt weitaus sachlichere "Beiträge"....

sammy

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carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Das Sterben geht weiter
geschrieben von carlos1
als Antwort auf karl vom 02.08.2014, 19:00:53
"Der Krieg in Gaza ist ein Krieg gegen Zivilisten. Das sage nicht nur ich, sondern auch die Menschen in Gaza und die Journalisten, mit denen ich spreche, von denen einige so ziemlich sämtliche Kriege der letzten zehn Jahre abgedeckt haben (Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, etc…). Was hier passiert, hat eine besondere Qualität." Martin Lejeune


Wäre ich in Gaza und hätte den Auiftrag zu berichten, würde ich versuchen Gesehenes zu Papier bringen wie Lejeune auch. Die Bombardierung Gazas hat ihre Opfer in Zivilisten und Kindern. Das Elend ist unbeschreiblich. Nur weil Zivilisten umkommen, ist es aber noch kein Krieg gegen Zivilisten allein und ausschlielich. Jeder Krieg hat Ziele. Krieg ist weiter eine besondere Form der Kommunikation. Welche Botschaft wird mit Raketen nach Israel und von Israel nach Gaza transportiert? Israel sendet die Botschaft, dass die Palästinenser Besiegte sind und sich dessen erinnern sollen. Die Pal. dagegen wollen Gleichberechtigung in einem Land, das sie als das ihre ansehen und begehren auf. Nicht mehr eingepfercht sein in einer Art Ghetto.

Worin liegt die besondere Qualität dessen, was passiert (Lejeune)? Das zu beurteilen überlässt Lejeune dem Leser. Er selbst hat genug damit zu tun, sein Leben am Ort des Geschehens zu organisieren und darüber hinaus festzuhalten, was wichtig ist. Will er Leser gegen das Grauen erregen? Die Fakten sprechen für sich. Und warum erwähnt er nur die Kriege der letzten 10 Jahre? Es gibt hier Senioren, die den letzten Krieg erlebt haben und zwar sehr intensiv. Die Opferzahlen der Gaza-Bombardierung liegen unter der Zahl der Verkehrstoten in Dtld. Das Leid der Menschen im letzten Weltkrieg hatte eine andere Dimension (ca. 55 Mio Tote). Die Kriegsschäden sind ungeheuer hoch und werden schon in den Nachrichten mit 8 bis zu MRD Euro beziffert. Das wird so teuer (grob gerechnet) wie etwa S21 oder BER.

Die materiellen Schäden sind groß, der politische und moralische Dauerschaden ist viel größer. Die Folgen, durch Verbitterung und Leid, wenn die Dinge so weiterlaufen sind unabsehbar.

Ein Lichtblick in dieser Diskussion ist der Link, in dem du, lieber Karl, einen Vortrag von Miko Peled im Video gezeigt wird. Er hat diesen Vortrag (oder Vorlesung) vermutlich vor Studenten gehalten. Er geht auf die Kernprobleme des Palästinakonflikts ein. Leider auf Englisch. (Karl 03.08.2014 13:05 als Antwort auf adam vom 03.08.2014 12:54)

Normalerweise sehe ich solche langen Sequenzen nicht an. Aber diese Video ist fesselnd, wegen der Person und der Familengeschichte, die dahinter steht und der bildhaften Sprache. Habe es fast ganz gesehen.

Miko Peled ist der Sohn eines israelischen Offiziers der 1948 im Krieg gegen die Araber kämpfte. 1967 nahm dieser als General am Feldzug gegen die arabischen Gegner teil, als der Sinai, die Golanhöhen, Ost-Jerusalem, Gaza und die West-Bank erobert wurden. Der Großvater gehört zu Gründergeneration. Die Mutter (87 J.) lebt heute in Jerusalem. Sie ist in Jerusalem geboren.

Miko ist heute Schriftsteller und Aktivist der Friedensbewegung. Lebt in San Diego (Californien). Im Jahre 1997 wurde seine 14j. Nichte Senaden Ethanan (1983-1997) durch einen pal. Selbstmordattentäter in Jerusalem getötet. Wer trtägt die Verantwortung für diese Tat, fragt er? Er spricht darüber am Ende des Vortrags. Rache würde nur das Kind einer anderen Mutter töten und ihr Leid zufügen. Das ist ein Signal. Es geht auch ohne das Prinzip Auge um Auge.

Er schrieb ein Buch: Journey of an Israeli in Palestine.

Aus seinem Vortrag einige Gedanken zum Konflikt. Peled lehnt die Formel von den 2 Staaten ab. Das sei Vergangenheit, nicht mehr realisierbar. Palestina sei ein Land mit 2 Völkern. Ein Krieg ist in diesem Land nicht möglich, weil die Pal. nicht in einem Staat leben.

Er fordert seine Zuhörer auf sich vorzustellen, ob sie es zulassen würden oder akzeptabel fänden Immigranten einen großen Teil des Landes für einen Staat zur Verfügung zu stellen, wie es den Palästinensern abverlangt wurde. Die Landfrage sieht er als Kern des Problems an. Die UN-Teilungspläne betrachtet er als unfair.

Der Nakba von 1948 (ca 900 000 Flüchtlinge) folgte nach 1967 die Zerstörung einer Vilezahl von Dörfern im Westjordanland. Die Vertreibungen gehen weiter bis heute ("It began in 1948 and continues up to this day"). Nichts Neues werden viele sagen. Aber es muss gesagt werden. Dann die Bewertung: "How can you tell a catastrophe a revival pf a Jewish state?" Dtsch: Wie kann man diese menschliche Katastrophe eine Wiedergeburt eines jüdischen Staates nennen?

Die Armut der Araber? Sie läge in der Trennung von Israel. Israel verweigert den Pal. das Lebensrecht (Recht auf Arbeit, Freizügigkeit, etc.) . Keine Gleichberechtigung. Es sei unentschuldbar. In der isr. Öffentlichkeit ist das Elend der Palästinenser nicht präsent. Die Medien verweigern sich.

1948 wurde seiner Mutter ein palästinensisches Haus angeboten. Sie lehnte es ab den Besitz einer pal. Familie wegzunehmen. Peled beschreibt den makellose "nationalen Mythos" ("perfect national narrative"). Er ist perfekt: "We asked them to stay but they left." Tatsächlich wurden Hunderttausende gezwungen zu gehen. Zivilisten werden in Gaza bombardiert und leiden , Kinder sterben, weil Hamas dort ist.

1967 war der Krieg für Israel eine Frage der Existenz und "unvermeidbar. " Sein Vater war General in diesem Krieg. Isr. schuf nun einen Staat mit Exklusivrechten nur für das jüdische Volk. Die Siedlungspolitik wurde intensiviert und Fokus der isr. Politik: "West Bank is going to be integrated into Israeli state." General Matti Peled "became a champion of Palestinian rights." Israel wird Besatzungsmacht und als solche gezwungen die Palästinenser zu unterdrücken. Knesseth verabschiedet ein Gesetz, demzufolge Siedlungen legal sind. Schon ab 1983 besteht keine Chance mehr für einen Pal.staat. Der Friedensprozess ist nur eine Schein. Er soll keinen Frieden bringen, sondern nur die Kapitulation der Palästinenser herbeiführen.

Camp David Sommer 2000: Unter Arafat sind die Pal bereit 80% ihres Gebietes aufzugeben. Eine große Konzession. Isr, ist jedoch nie an einem Deal für den Frieden interessiert gewesen. Das Land (West Bank) gehört uns ("The land is ours").

Viele Tausende Palästinenser sind inahftiert, ohneAnklage.

Das sind einige Sätze aus dem langen Vortrag, geschrieben aus dem Gedächtnis.

Mein Ansicht: Ich sehe in seinen Worten einen Appell an Menschlichkeit und Vernunft. Isr. sollte wie Peled vorschlägt und praktiziert auf die Pal zugehen. Gesten der Menschlichkeit auch in einem kriegsähnlichen Zustand sind immer gut. Sie sind notwendig für ein Zusammenleben mit anderen Staaten. Militärisch allein ist der Konflikt nicht lösbar.

Momentan sehe ich kein Konzept für eine Konfliktlösung, keine Personen, die willens oder in der Lage wären eine Lösung voranzutreiben. Es gibt aber auch kein Naturgesetz, dass Araber und Israelis in Ewigkeit Feinde sein müssen, so wenig wie Deutsche und Franzosen oder Deutsche und Polen.
Crimmscher
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Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von Crimmscher
als Antwort auf sammy vom 05.08.2014, 09:43:44
"Israel mordet-und die Welt schaut zu"

Gegenwärtig findet man nicht nur in Sachsen diese Aufkleber.

Sogar an Autoheckscheiben.

Sind wir nun verpflichtet dagegen einzuschreiten oder lieber wegzuschauen?

Immerhin begeht Israel im Gaza so etwas wie Massenmord an Unschuldigen.

Wir Deutschen aber sind Nachfahren jener Menschen, die den Massenmord an Juden einst begangen haben.

Für viele wird Israel gleichgesetzt mit Menschen jüdischen Glaubens.

Deshalb schaut man lieber weg.

Crimmscher
adam
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Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von adam
als Antwort auf Crimmscher vom 05.08.2014, 12:13:07
Carlos hat es in seinem letzten Beitrag vorgemacht: Mit dem Verstand zu beurteilen und zu urteilen. Dann ist sachliche Kritik möglich.

Was nicht sein sollte, ist, Emotionen zu schüren, die zur Hetze ausarten und so eher eine Teilnahme am Krieg bedeuten als zum Beenden beizutragen.

--

adam
Crimmscher
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Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von Crimmscher
als Antwort auf adam vom 05.08.2014, 12:20:56
Na das wäre doch mal ein Lehrbeispiel für Dich!

Nimm es Dir zu Herzen, und denke auf dem Felsen darüber nach.

Auch darüber warum die Afghanen die Russen einst um Hilfe gebeten haben.
Es gehört zum Geschichtsunterricht welcher Dir dienlich sein könnte.

Crimmscher

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