Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!

Internationale Politik Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!

Loana
Loana
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von Loana
als Antwort auf eka231246 vom 16.08.2014, 21:30:53
Das ist ja alles schön und gut, aber kann mir mal bitte jemand erklären, weshalb weder Israelis, noch die Hamas zu einem Frieden bereit sind ?

Jeder ist bisher als Vermittler gescheitert und eine Einigung wurde nicht erzielt.

Beide Völker leiden unter diesen Bedingungen und jeder normale Mensch kann sich an einen Tisch setzen und verhandeln warum ist es hier nicht möglich ?

Loana
justus39 †
justus39 †
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Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von justus39 †
Das Volk, das ein anderes Volk unterjocht, schmiedet seine eigenen Ketten.

Karl Marx
eka231246
eka231246
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von eka231246
als Antwort auf adam vom 16.08.2014, 22:35:28
Adam,

es stimmt, was du sagst, trotzdem wird hier nicht mit gleichen Waffen gekämpft und, was hier niemand so richtig weiß: Die Hams ist nicht so stark, wie es scheint. Die Mehrtzahl der Palästinenser will Frieden, aber nicht zu israelischen Bedingungen. Die vielen erfolglosen Verhandlungen sprechen für sich. Wer das Land gut und lange kennt, glaubt nicht mehr an eine zwei Straatenlösung. Dazu wäre doch als 1. ein zusammenhängendes regierbares Staatsgebiet Voraussetzung, was durch den Siedlungsbau immer weniger möglich wird.

LG Eka

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adam
adam
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von adam
als Antwort auf eka231246 vom 16.08.2014, 23:17:26
Eka,

wo steht geschrieben, daß in einem Krieg mit gleichen Waffen gekämpft werden muß?

Aber auf diese Art möchte ich den Konflikt nicht diskutieren. Das überlasse ich denjenigen, die durch Parteinahme am Krieg teilnehmen und ihn rhetorisch anheizen.

Meines Erachtens sieht es danach aus, daß sich israelische Falken und die Hamas gegenseitig den Ball zuspielen, um an der Macht zu bleiben. Jeder Krieg bringt mit dem Entfachen von Hass der jeweiligen Seite die nötige Unterstützung aus der Bevölkerung.

An einen Frieden unter derzeitigen Umständen glaube ich nicht. Selbst wenn Israelis und Palästinenser sich annähern könnten, gibt es noch jede Menge Interessen anderer Staaten, für die der Konflikt nützlich ist. Mit Israel kann religiöser Hass und Nationalismus gepuscht werden, den die totalitären arabischen Herrscher benötigen, um an der Macht zu bleiben, durch Krisen kann der Ölpreis beeinflußt werden und selbst in der Auseinandersetzung zwischen Sunna und Schia spielt Israel eine Rolle.

An eine Zweistaatenlösung, um Frieden zu bringen, glaube ich schon lange nicht mehr. Du führst territoriale Probleme an und ich denke, daß es dann eben Krieg zwischen zwei Staaten gäbe, der auch die anderen arabischen Staaten wieder auf den Plan bringen könnte. Die Zweistaatenlösung ist Augenwischerei.

Vielleicht ergibt sich eines Tages eine Situation, die eine internationale Lösung zwingend erforderlich macht. Dann wäre das Beispiel der alten Bundesrepublik hilfreich. Verweigert den Bürgern für ein halbes oder ein ganzes Jahrhundert die Entscheidungsfreiheit, gebt ihnen die Möglichkeit, ein gutes Leben zu führen und man bekommt am Ende lauter wohlhabende Pazifisten. Israelis und Palästinenser könnten durchaus friedlich zusammen leben.

Wenn man bedenkt, welche Möglichkeiten diese Region für eine friedliche Nutzung bietet, ist es eine Schande, daß sich diese Aussichten, Milch und Honig fließen zu lassen, der Gewalt, die von innen und außen erzeugt wird, beugen müssen.

--

adam
Bruny
Bruny
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Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von Bruny
als Antwort auf adam vom 17.08.2014, 01:28:58
Adam, Du hast zwar mich nicht angesprochen, aber mit Interesse habe ich jetzt Deinen Bericht gelesen. In der Art hast Du Dich bisher noch nie geäußert und hierbei kann ich voll zustimmen (auch wenn Du darauf wahrscheinlich keinen Wert legst ).
adam
adam
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von adam
als Antwort auf Bruny vom 17.08.2014, 01:38:57
Bruny,

diese Meinung vertrete ich schon seit Jahren. Ebenso argumentiere ich seit Jahren dagegen, den Nahostkonflikt rein emotional aufzubereiten.

Es darf nicht über Tränen diskutiert, sondern um Tränen zu verhindern, muß über die Hintergründe gesprochen werden.

--

adam

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eka231246
eka231246
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von eka231246
als Antwort auf adam vom 17.08.2014, 01:28:58
Adam,

vielen Dank für Deine sachlichen Ausführungen, denen ich aber nur zum Teil zustimmen kann. Ich wurde nach dem Krieg geboren und hoffe, dass ich kriegerische Auseinandersetzungen in Europa nie mehr erleben muss. Schon als ich ein ganz kleines KInd war, wurden die Greueltaten von Nazideutschland thematisiert. Viel später kamen die schrecklichen Geschichten von Überlebenden hinzu.

Genau die gleichen Geschichten höre ich jetzt aus Israel, aber aus der Sicht von palästinensischen Freunden und europäischen NGO Verantwortlichen, die detailliert berichten können, was sich dort abgespielt hat.

Wie kann es sein, dass Schulen und Krankenhäuser, die von internationalen Geldern finanziert wurden und Schutz für 100derten von Flüchtlingen boten, ohne Rücksicht auf die Menschen, die sich dort aufgehalten haben mit Bomben abgefackelt oder dem Erdboden gleich gemacht werden. Die vielgepriesenen Vorankündigungen: Zwei Minuten vorher und das nachts! Wie kann man Kinder aus dem Schlaf gerissen in zwei Minuten in Sicherheit bringen. Das Abschlachten und Morden legalisiert wird. Menschen, die nichts mit der Hamas im Sinn hatten werden vertrieben, enteignet und entrechtet oder umgebracht.

Es gibt in Tel Aviv an der Universität ein Institut für Antisemitismusforschung und eine beachtliche Sammlung von Material, wie Menschen im DR radikalisiert wurden. Jetzt werden auf beiden Seiten ähnliche Parolen verkündet.

Hat denn die aufgeklärte Menschheit aus der Geschichte nichts gelernt?

Es sind 2300 Menschen in Gaza umgekommen und auf israelischer Seite 38 wovon 37 bei den Kämpfen in Gaza ihr Leben verloren haben. Warum schreitet die internationale Gemeinschaft nicht ein?

Wer will kann sich bei Wiki über die Genfer Konventionen und über das humanitäre Völkerrecht schlau machen. Sie enthalten für den Fall eines Krieges oder eines internationalen oder nicht-internationalen bewaffneten Konflikts Regeln für den Schutz von Personen, die nicht an den Kampfhandlungen teilnehmen.

Es hat sich leider bewahrheitet, was ein palästinensischer Jurist in einer Diskussion während eines Seminars zu seinem israelischen Kollegen gesagt hat: Thema friedliche Lösungen: Wenn es hart auf hart kommt, werdet ihr immer auf uns schießen. Wozu jetzt nach Lösungen suchen, die ihr ohnehin nicht einhalten könnt.

Ich glaube auch, dass nur eine radikale Lösung Frieden schaffen kann.
karl
karl
Administrator

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von karl
als Antwort auf adam vom 17.08.2014, 09:17:33
Es darf nicht über Tränen diskutiert ... werden
geschrieben von adam
Sie müssen zur Kenntnis genommen werden. Wer dies nicht tut, wird niemals eine menschliche Lösung anstreben.

Karl
justus39 †
justus39 †
Mitglied

Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von justus39 †
als Antwort auf eka231246 vom 17.08.2014, 10:33:07
eka, ich danke Dir für diesen Beitrag!

Auf dem Kairoer Flughafen ist heute früh die israelische und die palästinensische Delegationen zu Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe eingetroffen.
Wollen wir hoffen, dass die Vernunft über Hass und Machtanspruch siegt, und dass das palästinensische Volk künftig ohne Angst und Terror leben darf.

justus
Re: Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!
geschrieben von marina
als Antwort auf karl vom 17.08.2014, 11:05:44
Dazu passend möchte ich einen Artikel einstellen, der genau diese Kälte und Gleichgültigkeit dem Leid der Menschen gegenüber auf den Punkt bringt.

Deutsche Intellektuelle verweigern den israelischen Kollegen die Solidarität


Wann hat es das eigentlich zuletzt gegeben, dass deutsche Intellektuelle, die sonst doch so viel auf das Pulsmessen im eigenen Land geben, dermaßen kaltherzig ihre Solidarität ihren Kollegen verweigern, die Kritik an ihrem eigenen Land wagen? Ja, bei den israelischen Kritikern ist der Protest gegen das Regierungshandeln ein Wagnis, bei uns ist es das nicht. Die israelische Schauspielerin Gila Almagor wird mit dem Tod bedroht, weil sie nach der grausamen Ermordung des Palästinenserjungen Muhammad Abu Khedir gesagt hat, sie schäme sich nach diesem Verbrechen, eine Israelin zu sein. In diesem Sommer, schreibt die Autorin Lily Galili, habe sich "eine neue Art des Terrorismus im eigenen Land etabliert: die organisierte Hetze gegen alles und jeden, das als linksgerichtet gilt oder sich außerhalb der engen Grenzen des verordneten Konsenses bewegt."

In Israel ist eine nie gekannte Kriegswut ausgebrochen
Publizisten wie Gideon Levy oder Amira Hass spüren am eigenen Leib, wie sich die israelische Gesellschaft, vor allem die jungen Menschen, mental aufrüsten, ideologisch verhärten und in eine bis dahin nie gekannte Kriegswut ausgebrochen sind.
[...]
Selten wurde in Deutschland eine Diskussion mit so großer Kälte und einem derartigen Zynismus geführt wie die um den derzeitigen Gaza-Krieg. . .
geschrieben von Hilmar Klute, Süddeutsche Zeitung


Ein insgesamt sehr interessanter Artikel, der die einseitige Wahrnehmung in Israel und in Deutschland und die Kriegshetze treffend beschreibt. Ich empfehle ihn unbedingt vollständig zu lesen.

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