Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!

Internationale Politik Hilferuf aus Gaza. Schaut nicht weg!

hafel
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Mitglied

Re: Das Sterben geht weiter
geschrieben von hafel
als Antwort auf marina vom 02.08.2014, 18:16:46
Marina: "Du wirst dich wundern, das ist keineswegs der Fall."

Ach Marina, dann bringe doch Dein "vollständiges Weltbild" hier ein eiziges Mal zum Ausdruck.

Bisher eierst Du nur recht einseitig hier herum.

Ich bleibe dabei, dass beide Seiten angeklagt gehören.

Hafel
karl
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Administrator

Re: Das Sterben geht weiter
geschrieben von karl
als Antwort auf hafel vom 02.08.2014, 18:43:22
Sorry hafel, aber Du plapperst nur israelische Kriegspropaganda nach. Lies doch was Martin Lejeune oder Jürgen Todenhöfer direkt aus Gaza berichtet haben oder höre einfach zu.
Die Augenzeugenberichte von Menschen vor Ort in Gaza, die ich kenne, bestätigen alle unisono, dass die Hamas keineswegs Bürger als Schutzschilde verwenden.
Hilferuf aus dem Gazastreifen

Gaza Stadt am 31. Juli 2014
Seit dem 22. Juli bin ich im Gazastreifen und ich kann einfach nicht glauben, was hier passiert. Ich erlebe die schlimmsten Tage meines Lebens. Alle Menschen in Gaza erleben die schlimmsten Tage ihres Lebens. Denn so massiv wie in dieser Wochen waren noch keine Angriffe auf Gaza. Hinter diesen Worten verbergen sich menschliche Tragödien. Die humanitäre Katastrophe in Gaza hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

Der Krieg in Gaza ist ein Krieg gegen Zivilisten. Das sage nicht nur ich, sondern auch die Menschen in Gaza und die Journalisten, mit denen ich spreche, von denen einige so ziemlich sämtliche Kriege der letzten zehn Jahre abgedeckt haben (Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, etc…). Was hier passiert, hat eine besondere Qualität.

Überall schlagen Raketen ein. In Wohnhäuser, in denen Familien leben, in Moscheen, in denen Menschen beten. Am frühen Abend des 30. Juli bombardierte ein F16-Kampfjet das Wohnhaus, das bis dahin schräg gegenüber unseres Hauses stand. Wir saßen gerade auf dem Balkon als die Rakete 50 Meter entfernt einschlug. Kurz zuvor hörte ich noch einen Esel hysterisch wiehern, als ob er den Angriff schon ahnte und uns warnen wollte.

Trümmer fliegen in schneller Geschwindigkeit gegen unsere Hausmauer und verfehlen uns nur knapp. Wir sitzen plötzlich inmitten einer Staubwolke. Der Staub bedeckt meine Brillengläser und meinen Laptop. Der Staub knirscht zwischen meinen Zähen. Es dauert etwa eine halbe Minute bis sich der Rauch legt. Jetzt sehe ich den Vater, mit dem ich mich vorhin noch auf der Straße unterhalten habe, wie er sich mit seinen Kindern hinter einem Bagger verschanzt, um Deckung zu finden, falls ein zweiter Schlag folgt. Der Bagger steht auf einem Parkplatz gegenüber unseres Hauses und gehört einem Baumunternehmer. Ich laufe sofort zu den Trümmern des bombardierten Wohnhauses und sehe die Verletzten. Ich habe die Familie schon mehrmals in unserer Straße spazierengehen sehen. Ich filme mit meinem Handy wie die Rettungswagen eintreffen und die Verletzten ins Krankenhaus bringen. Auf der Straße liegen Steine, Scherben, umgekippte Strommasten.

Seit dem ich hier bin, wurden jeweils am hellichten Tag bei unbedecktem Himmel und bei freier Sicht zahlreiche zivile Ziele bombardiert. Zum Beispiel eine Mädchengrundschule der Vereinten Nationen in Beit Hanoun, in der sich Hunderte Flüchtlinge aufhielten, und dies, obwohl die UN zuvor die GPS-Koordinaten der Schule dem Generalkommando der israelischen Streitkräfte durchgegeben hatte. Ich erinnere schon gar nicht mehr die genaue Zahl der Toten und habe auch kein Internet, um es zu recherchieren. Auch wurde ein Park im Schatti-Flüchtlingslager, vor dessen Eingang acht Kinder spielten, die alle durch den Angriff getötet wurden, bombardiert. Und am späten Nachmittag des 30. Juli fielen der Bombardierung eines Marktes im Norden des Gazastreifens 17 Menschenleben zum Opfer. 160 Palästinenser wurden verletzt, die dort gerade ihre Einkäufe erledigten. Diese Aufzählung an Massakern an der Zivilbevölkerung ließe sich beliebig lang fortsetzen, da seit dem 8. Juli bereits um die 1000 Zivilisten getötet wurden. Ich kann nicht verstehen, weshalb die israelischen Streitkräfte so etwas tun. Weshalb werden offenbar gezielt zivile Ziele und große Menschenansammlungen bombardiert?

Ich weiß, daß die israelischen Streitkräfte darauf hinweist, daß die Hamas die Bevölkerung als Schutzschild mißbrauche. Angeblich würden Menschen von der Hamas in Häuser zurückgetrieben, wenn sie vor Bombardements fliehen. Es wird auch von Krankenhäusern berichtet, deren Dächer als Abschußbasen für Raketen gegen Israel dienen sollen. Ich kann nur von dem berichten, was ich sehe. Und dort, wo ich Zeuge von Bombardements geworden bin, gab es keine Hamas-Raketen. Und daß Hamas Menschen als Schutzschild mißbrauche, habe ich weder beobachten können noch bestätigt bekommen. Und keine Tunnel. Alle Menschen, mit denen ich beisher gesprochen habe, bestreiten, daß von Seiten der Hamas Zwang ausgeübt wurde, ihre Häuser nicht zu verlassen. Das wäre bei über 200.000 Menschen, die schon aus ihren Häusern geflüchtet sind, auch gar nicht möglich.

Die genaue Kenntnis der zu attackierenden Ziele dürfte durch die allgegenwärtigen Aufklärungsdrohnen, die gestochen scharfe Bilder liefern, vorhanden sein. Weshalb töten die Bomberpiloten immer wieder vorsätzlich Frauen und Kinder? Welchen ethischen Maßstäben folgen diese Herren der Lüfte über Leben und Tod? Sie sitzen in den modernsten Kampfjets, die jemals entwickelt wurden und brüsten sich mit "zielgenauen Schlägen". Daß in einem Krieg Soldaten Soldaten töten müssen, ist durch das Völkerrecht legitimiert, aber Zivilisten gezielt zu attackieren, so wie die Familie in unserem Nachbarhaus, die Kinder im Park, die Flüchtlinge in der UN-Schule, das ist rechtlich durch keine Kriegsordnung gedeckt. Die Menschen im Gazastreifen fragen sich, weshalb deutsche und westeuropäische Regierungschefs diese Verstöße gegen internationale Konventionen nicht scharf verurteilen. Das sind Kriegsverbrechen, die hier jeden Tag im Gazastreifen durch die israelischen Streitkräfte verübt werden.

Auch Krankenhäuser, ein Wasserwerk und das einzige Kraftwerk des Gazastreifens wurden bombardiert. In unserem Viertel im Zentrum von Gaza Stadt, das "Beverly Hills" genannt wird und bis vor drei Wochen noch über eine ziemlich intakte Infrastruktur verfügte, hat niemand mehr fließendes Wasser. Wir waschen uns mit Wasser aus Plastikflaschen, die wir im Tante-Emma-Laden um die Ecke kaufen. Wir haben seit der Nacht auf den 29. Juli, in der das Kraftwerk bombardiert wurde, keinen Strom und kein Internet mehr. Das Festnetztelefon ist tot. Das Handy ist das einzige Kommunikationsmittel, das noch funktioniert, was natürlich auf Dauer sehr kostspielig ist. Diesen Text schreibe und versende ich im Al Deira Hotel, das über einen eigenen Generator verfügt und in dem die französische Nachrichtenagentur AFP ihr eigenes WLAN-Netz hat.

Es gibt kein Brot mehr im Gazastreifen. Es gibt nirgendwo mehr Brot zu kaufen. Wir essen das Brot, das die Ehefrau meines Gastgebers Maher zu Hause bäckt im Innenhof unseres Hauses in einem selbstgebauten Ofen, den sie mit Holzkohle befeuert. Wir tunken das Brot in Olivenöl und Za'tar, eine Paste aus Thymian, Sesam und Salz. Das essen wir jeden Tag. Selbst wenn es noch Brot zu kaufen gäbe, hätten wir kein Geld, um es bezahlen zu können. Seit Beginn des Krieges gibt es kein Bargeld mehr an den Geldautomaten, sind die Banken geschlossen, wurde das Finanzministerium komplett zerstört, funktionieren EC- und Kreditkarten nicht mehr. Wenn wir Mehl und Öl kaufen gehen im Laden um die Ecke, lassen wir anschreiben, so wie das alle derzeit tun müssen.

Es gibt kein öffentliches Leben mehr im Gazastreifen. Alle Behörden und Büros, fast alle Geschäfte und Restaurants sind geschlossen. Die Menschen gehen nur aus dem Haus, falls unbedingt nötig. Die Strände und Parks sind menschenleer. Die letzten vier Kinder, die am Strand Fußball spielten, sind von einer israelischen Rakete getötet worden. Es war kein Hamas-Kämpfer oder Raketenabschußrampen in der Nähe, berichteten Augenzeugen übereinstimmend.

Ich wohne in einem zweistöckigen Haus um die Ecke der am 29. Juli zerbombten Al Amin Moschee. Zehn Menschen lebten in dem Haus, bevor der Krieg begann. Jetzt sind es 70, die sich die zwei Wohnungen im Haus teilen. Meine Gastgeber haben 60 Flüchtlinge aus dem Norden des Gazastreifens, der dem Erdboden platt gemacht wurde, bei sich aufgenommen. Die Männer müssen im Hauseingang und im Hausflur schlafen, die Wohnungen sind den Kindern und Frauen vorbehalten. Auf so engem Raum mit fremden Menschen zusammen zu leben und nebeneinander zu schlafen ist für alle nicht leicht und Privatsphäre gibt es gar keine. Auch liegen die Nerven blank nach dreieinhalb Wochen Dauerbombardement, von dem ich ja nur anderthalb Wochen mitbekommen habe. Trotzdem verhalten sich alle 70 Bewohner der zwei Wohnungen immer ruhig und rücksichtsvoll, sind solidarisch und teilen das wenige miteinander, was sie noch haben: das selbstgebackene Brot, den Handy-Akku, die letzte Zigarette, ein Stück Seife zum Waschen. Ich war gestern in einem Kindergarten in unserem Viertel, in dem nachts 80 Menschen pro Gruppenraum schlafen.
geschrieben von Martin Lejeune

Entschuldige Hafel, aber ich kann Dir das Lesen von Berichten über solch grässliche Vorkommnisse nicht ersparen. Es ist immer noch besser es zu lesen als es zu erleben.

Karl
dutchweepee
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Re: Das Sterben geht weiter
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf hafel vom 02.08.2014, 18:47:53
In Gaza werden durch das israelische Militär ganze Stadtbezirke systematische dem Erdboden gleichgemacht - ein beidäugiger hafel glaubt doch wohl nicht, dass dies der Generalsstab der hamas war? Und in der beschossenen UNO-Schule mit Todesopfern und Verletzten befand sich wohl der internationale Geheimdienst der Hamas?

Es geht um die komplette Vernichtung der Infrastruktur im Gazastreifen und nicht um die "hamas".

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Cheval
Cheval
Mitglied

Re: Das Sterben geht weiter
geschrieben von Cheval
als Antwort auf dutchweepee vom 02.08.2014, 19:09:00
Dieses gewaltige Eindringen der Israelis in den Gaza- Streifen ist durch nichts zu rechtfertigen.
Erst wenn alles plattgemacht ist, ist man zufrieden.
Das ist der blanke Hass...das ist kein Krieg mehr.
Schießen, bis der Gaza- Streifen entmenscht ist.

Wie wollen sie das rechtfertigen?

Cheval
karl
karl
Administrator

Re: Das Sterben geht weiter
geschrieben von karl
als Antwort auf dutchweepee vom 02.08.2014, 19:09:00
Leider gibt es noch keine Übersetzung der englischen Texte ins Deutsche, aber ich werde mich vielleicht daran machen wenigstens einige der Kernpunkte herauszuarbeiten, wenn ich noch am Wochenende die Zeit finde.

Ich wurde soeben auf einen offenen Brief des Musikers Brian Eno an seine US-amerikanischen Freunde aufmerksam gemacht.

Brian Eno on the Israel-Gaza crisis: How can you justify images such as this?

Darauf gibt es die sehr pessimistische Antwort des jüdischen Autors Peter Schwartz, eines bekennenden Atheisten, der den Konflikt noch Jahrhunderte schwelen sieht.

Karl
Re: Das Sterben geht weiter
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Cheval vom 02.08.2014, 19:24:02
Dieses gewaltige Eindringen der Israelis in den Gaza- Streifen ist durch nichts zu rechtfertigen.
Erst wenn alles plattgemacht ist, ist man zufrieden.
Das ist der blanke Hass...das ist kein Krieg mehr.
Schießen, bis der Gaza- Streifen entmenscht ist.

Wie wollen sie das rechtfertigen?

Cheval


Hallo, Cheval,

kann man das Gaza-Gefängnis nicht mit dem Warschauer Ghetto
vergleichen?
Da gibt es viele Parallelen!

Gruß Grums

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dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

Re: Das Sterben geht weiter
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf vom 02.08.2014, 19:32:39
Das ist ein gewagter Vergleich Grums, allerdings wurden die im Warschauer Ghetto zusammengepferchten Juden für ihren Mut bewundert, als sie verzweifelt den sinnlosen, bewaffneten Aufstand wagten.

Hafel hingegen billigt den Palästinensern im Ghetto von Gaza nicht zu, dass sie sich gegen das völkerrechtswidrige Einkerkern von Millionen Frauen, Kindern, Greisen und Männern durch die Besatzer-Politik Israels wehren.
hafel
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Re: Das Sterben geht weiter
geschrieben von hafel
als Antwort auf dutchweepee vom 02.08.2014, 19:36:54
Sage mal dutch, bist Du neuerdings des Lesens nicht mehr mächtig?

Zitiere bitte richtig!

Ich habe mich überhaupt nicht für Israel ausgesprochen nur für mehr Ausgeglichenheit hier in der Diskussion.

Heute erst hat die Hamas einen Waffenstillstand wieder abgelehnt. Ihnen (der Hamas) scheint das Schicksal der eigenen Zivilbevölkerung egal zu sein.

Ich bin für einen beidseitigen Waffenstopp .... nur dutch, falls Du wieder mit falschen Zitaten antwortest.

hafel
dutchweepee
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[off topic]
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf hafel vom 02.08.2014, 19:43:34
Regel das mal hafel. Ich geh inzwischen zum Feuerwehrfest.

GLÜCK AUF!
hafel
hafel
Mitglied

Re: [off topic]
geschrieben von hafel
als Antwort auf dutchweepee vom 02.08.2014, 20:03:59
Das soll regeln wer will,

ich bin auch erst einmal weg.

Hafel

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