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Internationale Politik Iran und China auf Annäherungskurs

luchs35 †
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Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von luchs35 †

Dass Iran einen Ausweg sucht aus dem Dilemma durch die US-Sanktionen ist wohl nachvollziehbar. Dass das Land nun auf der Suche nach einem Weg aus der Krise sich China als Partner aussucht, dürfte kaum überraschen und wiederum einen herben Schlag für Trumps US-Sanktionen bedeuten. 
Das Grundsatzabkommen, das Iran plant, beinhaltet für die nächsten 25 Jahre chinesische Investitionen in Höhe von rund 400 Milliarden Dollar , und als Gegenleistung will Iran der Volksrepublik, die bekanntlich der weltweit größte Öl - Importeur ist, Rohöl zum Sonderpreis- also sehr günstig - liefern, was Iran natürlich eine immense Weiterentwicklung  seiner eigenen Wirtschaft garantieren würde. Das wäre eine heftige Ohrfeige für die USA , die ihrerseits den Iran am Boden sehen möchte. 
China könnte damit seine Rolle im Nahen Osten weiter ausbauen und damit auch seinen politischen und wirtschaftlichen Ausbau voranbringen. 
Die größten Gegner eines solchen Abkommens sitzen im Iran selbst, vor allem durch dem ehemaligen Präsidenten Achmadinedschad, der den geheimen Vertrag als Ausverkauf des Tafelsilbers des Iran bezeichnete.  
Luchs35


 

RE: Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf luchs35 † vom 15.07.2020, 13:02:50

Dem Gottesstaat steht das Wasser bekanntlich bereits bis zu den Ohrenspitzen. Um nicht ganz unterzugehen wird der Iran neue Wege gehen müssen und ich kann mir nicht vorstellen, dass Achmadinedschad auf lange Sicht dagegen Stimmung machen kann. Dazu ist er eigentlich zu unbedeutend, allerdings war er als Präsident schon die Marionette von Ali Chamenei dem „Obersten Führer“ des Iran.
Bruny

luchs35 †
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RE: Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 15.07.2020, 13:15:26

Bruny, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Achmadinedschad und seine Leute  oder die ebenfalls gegnerische Exil-Opposition da noch gehört werden. Der iranische Außenminister Dschawad Sarif entwickelte schon seit 4 Jahren bei einem Gespräch mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping diesen Plan, der nun nach einigen Korrekturen praktisch unterschriftsreif geworden ist. Immerhin geht es dabei um nahezu 100 gemeinsame Projekte, wozu einige Infrastrukturpläne  wie U-Bahnausbau, Flughäfen, Bahnverbindungen , aber auch  der Aufbau eines 5G-Netzes und Freihandelszonen wie gestern die "New York Times" berichtete. 
Und was nicht zu übersehen ist: Diese ganzen Investitionen würden die ganzen US-Sanktionen zunichte machen. Iran wäre gesichert, egal, welche Sanktionen noch verhängt würden, denn eine Entspannung zwischen den USA und Iran  ist bisher noch nicht in Sicht.  Und von Religionsführer Chamenei, dem mächtigsten Mann des Landes,  gibt es bereits Zustimmung, indem er den Plan für "weise"  lobte.
Luchs35 


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RE: Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf luchs35 † vom 15.07.2020, 14:14:58

Ich würde es den Menschen von Herzen wünschen, dass sie aus dieser mehr als ungerechten Sanktionsklammer entkommen. Allerdings tut der Chinese auch nichts ohne entsprechende Gegenleistung, in diesem Fall ist es Irans Öl, das hätte er allerdings auch von Venezuela bekommen können. Der Vertrag muss also schon überaus lukrativ für China sein.

Es bleibt spannend was Mr. Rumpelstilzchen dazu sagt. Dass es ohne Zündeln abgeht, daran kann ich nicht glauben.
Bruny

luchs35 †
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RE: Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 15.07.2020, 14:35:42
Ja, das dürfte er wohl sein, Bruny, denn genau darauf zielen die Gegner des Abkommens ab. Aber andererseits steht dem Iran das Wasser bis zum Hals, denn auch das Volk wird langsam unruhig. Die Chinesen wiederum müssen Geld in die Ölförderung Venezuelas reinpumpen, um die Förderung zu beschleunigen, wobei es auch da nicht um Kleingeld geht. Ich denke schon, dass Iran und China eine win-win- Situation im Auge haben, wobei der Iran allerdings mehr unter Druck stehen dürfte. Befürchtungen betreffs "Rumpelstilzchen" habe ich allerdings auch, zu unberechenbar, wenn er auf Widerstand stößt. 
Luchs35
freddy-2015
freddy-2015
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RE: Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von freddy-2015

China und Russland werden auf jeden Fall den Deal verteidigen und zwar aus naheliegenden Gründen.
China bindet beide durch Abnahme von Öl und Gas und jeder der drei bekommt was er brauch.
Venezuela als Lieferant scheidet langfristig aus weil a zu weit und b die USA da torpedieren können durch den
Suezkanal. Die Frage wie weit ist das iranische Öl weg.???


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olga64
olga64
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RE: Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von olga64
als Antwort auf luchs35 † vom 15.07.2020, 14:46:28

Die Chinesen wiederum müssen Geld in die Ölförderung Venezuelas reinpumpen, um die Förderung zu beschleunigen, wobei es auch da nicht um Kleingeld geht. Ich denke schon, dass Iran und China eine win-win- Situation im Auge haben, wobei der Iran allerdings mehr unter Druck stehen dürfte.
Luchs35
Ein wenig anders verhält sich das aber schon.
Lange Zeit waren die USA treue Abnehmer des Öls aus Venezuela und bezahlten auch für diese Lieferungen. Seitdem sich Maduro zu einem sozialistischen Diktator entwickelte und die USA selbst zum grössten Ölförderland der Welt wurden, ist dieses GEschäft vorbei.
Venezuela verschuldet sich aber seit vielen Jahren bei Russland und China; diese beziehen dann auch Öl aus den teilweise völlig maroden Quellen Venezuelas und verrechnen die Lieferungen mit den Schulden dieses bankrotten Landes.
Auch wenn China jetzt noch mehr investiert, geht dieses Land so, wie es solche Dinge überall handhabt: Kredite werden vergeben,dafür Sicherheit in Form von wertvollen Anlagen oder Institutionen angenommen. Schauen wir nur nach Griechenland und auch nach Italien, dann wird klar, wie China sich nach und nach in die Länder einkauft und irgendwann dort auch massgebliche Rollen spielt.
Von Win-Win sollte man im Zusammenhang mit China selten sprechen; es sei denn, man kooperiert auf Augenhöhe, was bei verschuldeten oder in Not befindlichen LÄndern nie der Fall sein wird. Olga
luchs35 †
luchs35 †
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RE: Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf olga64 vom 15.07.2020, 17:48:04

Iran als überall gesperrter Öl-Lieferant hat aber keine andere Wahl, als sich auf die Chinesen einzulassen, die ihrerseits dringend auf Öl- Lieferungen angewiesen sind, seit Venezuela nicht mehr genug fördert und auch zunehmend unsicherer wird.  Für den Iran ist China eine Art Retter in der Not, und umgekehrt benötigt China dringend Öl, denn mit etwa zehn Millionen Barrel (ca.160 L. p. Tag) importiert China mehr Rohöl als jeder Staat der Welt. Ohne ausreichend Öl würde seine Wirtschaft tüchtig ins Schwitzen kommen. Andererseits bieten die chinesischen Investitionen eine eine wirtschaftliche Weiterentwicklung  für China.
Was soll Teheran auch machen als dem zustimmen, denn es würde ihm ja auch einen gewissen Schutz gegen die US-Daumenschrauben  bieten, denen sich ja Europa auf Kommando aus den USA angeschlossen hat. Ob uns das nun passt oder nicht, Iran hat vielleicht einen Partner gefunden, der dem Land einen gewissen Schutz bietet.
Luchs35
 

olga64
olga64
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RE: Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von olga64
als Antwort auf luchs35 † vom 15.07.2020, 18:14:36

Na dann sollte der Iran beobachten, welche Daumenschrauben noch mehr schmerzen: die der USA oder die von China. China hat übrigens ebenfalls starke wirtschaftliche Verluste und wird demzufolgen nicht mehr so viel Öl brauchen wie in früheren Jahren.

Europa hat sich dem Kommando der USA angeschlossen? WAr es nicht vielmehr so, dass sich keine Unternehmen fanden, die das Embargo brechen wollten und demzufolge ihre eigenen Geschäfte mit den USA,d ie um ein Vielfaches grösser sind als sie es jemals mit dem Iran waren oder sein werden, zu riskieren?
WAr oder ist es nicht auch so, dass die Bemühungen der EU, einen "kleineren Atomwaffensperrvertrag" mit dem Iran zu schliessen, letztendlich daran scheitern, weil der Iran versucht, die EU zu erpressen? Mit exorbitanten Ausfallzahlungen für entgangegen Öllieferungen und vieles mehr?
Es ist auch nicht wichtig, ob "es uns passt oder nicht", wenn der Iran Öl nach China liefern wird. Der Ölmarkt ist überproportional gut gefüllt, die Abverkäufe sinken seit Jahren und gerade in Zeiten, wo die WElt dank Corona mit grossen Problemen zu kämpfen hat. Das merkt jetzt an erster Stelle Putin, der seine lebenslange Regierungszeit auch darauf begründete, dass er dem Volk viele Wohltaten zugestehen möchte und es sich jetzt nicht leisten kann und diese verschieben muss. Olga

luchs35 †
luchs35 †
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RE: Iran und China auf Annäherungskurs
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf olga64 vom 15.07.2020, 18:21:50

Ja, richtig, Olga, und es war auch so, dass die USA lange genug drohte , bis die Vasallen kuschten und ihre Verträge mit dem Iran zurückzogen, was manche Firma - auch in Deutschland- in heftige Krisen brachte. 
Man muss immer beide Seiten ansehen - ohne Sympathien zu verteilen, ganz nüchtern. Luchs35


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