Internationale Politik Mursi on Tour

hafel
hafel
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Mursi on Tour
geschrieben von hafel
Die große Frage ist: Wie geht man mit einem Staatspräsidenten um, der zwar demokratisch gewählt wurde, aber beileibe keine demokratischen Spuren zeigt? Der die Israeli offen und antisemitisch als "Blutsauger" bezeichnet? Dessen eigene Bürger gegen ihn und seine islamische Regierung auf die Straße gehen?

Sein Europabesuch hatte er auf wenige Stunden zusammen gestrichen, um sich um die eigenen Brandherde zu kümmern.

Ich gehe davon aus, dass die Kanzlerin hinter verschlossenen Türen deutlich das gesagt hat, was gesagt werden muss. Vor den Mikrofonen ist sie ihm respektvoll begegnet, wie es einem Staatschef eines der wichtigsten arabischen Länder gebührt.

In Syrien ist ein lang anhaltender Bürgerkrieg mit offenem Ausgang, In Libyen herrscht ein sehr gefährliches Machtvakuum und ob die Franzosen in Mali erfolgreich sein werden, ist ungewiss.

Sollte somit Ägypten in ein Chaos verfallen. Dann kann sich der arabische Frühling in einen Winter verwandeln. Das kann Niemand recht sein.

Somit hat die Kanzlerin Realpolitik betrieben, die zwar nicht schön, aber notwendig ist. Was hätte es gebracht, Mursi in aller Öffentlichkeit sein Sündenregister vorzuhalten?

Somit hat wohl auch Westerwelle recht, dass wir uns noch in Geduld üben müssen. Doch diese Geduld ist m. E. endlich. Spätestens, wenn Mursi das Militär gegen das eigene Volk in Stellung bringt, sollten (besser dürfen) Demokraten nicht schweigen.

Hafel
clara
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Re: Mursi on Tour
geschrieben von clara
als Antwort auf hafel vom 31.01.2013, 12:06:41
Westerwelle hatte sich zu früh auf die Seite Mursis gestellt, anstatt erstmal abzuwarten, welche Richtung dieser einzuschlagen gedenkt. Beteuerungen, demokratisch zu handeln, helfen nichts, und die Ermahnung Merkels, auf Religionsfreiheit zu achten, ebenso wenig. Sollten die Fundamentalisten endgültig an die Macht gelangen, ist Religionsfreiheit nur Schall und Rauch.
Bei den derzeitigen Zuständen im Land geht es mit der Wirtschaft rasant abwärts, auch in der Tourismusbranche. Aber nur aus diesem Grund erfolgte ja der Besuch des ägypt. Präsidenten. Die Frage stellt sich (mir), ob bei wirtschaftlichem Aufschwung auch mit Hilfe der BRD die Islamisten nicht doch eine wirkliche Demokratie verhindern würden. Dafür möchte ich keine Steuergelder ausgeben!

Clara
hobbyradler
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Re: Mursi on Tour
geschrieben von hobbyradler
als Antwort auf hafel vom 31.01.2013, 12:06:41
Spätestens, wenn Mursi das Militär gegen das eigene Volk in Stellung bringt, sollten (besser dürfen) Demokraten nicht schweigen.


Demokraten müssen gottlob nie schweigen. Bei einem Bürgerkrieg darf Europa allerdings nicht mitmischen.

Anders sehe ich es in Mali, hier gab es, zwar nach einem Bürgerkrieg, einen klaren Angriff von außen.

Würde ich hier im ST nicht gelyncht werden, würde ich sogar den Einsatz von amerikanischen Aufklärungsdrohnen befürworten. Aber ich schweige lieber, will mich nicht fertig machen lassen.

Ciao
Hobbyradler

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hafel
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Re: Mursi on Tour
geschrieben von hafel
als Antwort auf hobbyradler vom 31.01.2013, 13:17:16
Ich schrieb ja nur, "dass Demokraten dann nicht schweigen sollten". "Mitmischen" ohnehin nicht.

Was die von Dir angesprochenen Drohnen angeht, werde ich mich ebensowenig äußern.

Hafel
Medea
Medea
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Re: Mursi on Tour
geschrieben von Medea
als Antwort auf hafel vom 31.01.2013, 13:20:44
Mursi versicherte der Kanzlerin Ägypten wird ein Rechtsstaat sein (so lese ich es), aber was soll das genau heißen?
Ein Rechtsstaat auf der Basis der Sharia? Ein Rechtsstaat, in dem
Körperstrafen verhängt und ausgeführt werden?
Islamisten traue ich nicht über den Weg; an Zusagen bzw. Versprechen eines/r Ungläubigen gegenüber fühlen sie sich nicht gebunden - nun wir werden sehen, in einigen Monaten werden Parlamentswahlen über eine neue Regierung entscheiden.

M.
julchentx
julchentx
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Re: Mursi on Tour
geschrieben von julchentx
als Antwort auf Medea vom 31.01.2013, 16:50:25
Mursi umgibt sich Beratern die oeffentlich sagen der Holocaust sein ein Mythos, eine Erfindung
der Amerikaner um Deutschland schlecht zu machen.

In der Tat seien 6 Millionen Juden seinerzeit in die US gebracht worden und nicht
ermordet worden vom Nazi Regime.

Auf welchem Weg Agypten ist, ist mir dann schon ein bisschen klarer....Demokratie? Maybe not so much!

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hafel
hafel
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Re: Mursi on Tour
geschrieben von hafel
als Antwort auf julchentx vom 31.01.2013, 19:56:08
Julchen:

Ich habe mir Deinen Link angeschaut, wirrer geht es kaum noch.

Ich sage mal, das passt gut in die Karnevalssession.

Hafel
julchentx
julchentx
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Re: Mursi on Tour
geschrieben von julchentx
als Antwort auf hafel vom 31.01.2013, 20:04:11
ok dann probier die mal....der ist nicht viel besser.

Nach dem fertiglesen was da so alles "missverstanden" wurde, dacht ich nur, der Mann koennte
glatt den Eifelturm verkaufen!!!
karl
karl
Administrator

Re: Mursi on Tour
geschrieben von karl
als Antwort auf julchentx vom 31.01.2013, 20:35:22
Was Mursi über Juden gesagt hat, ist übel und verrät viel über seine Gesinnung.

Dass Mursi jetzt versucht, diese Äußerungen möglichst zu relativieren, ist natürlich besser, als wenn er sie bestätigen würde, aber die Skepsis kann er damit natürlich nicht wegwischen, denn das taktische Verhalten ist offensichtlich.

Trotzdem ist es gut zu erkennen, dass auch das Ägypten Mursis auf den Westen angewiesen ist und sich deshalb moderat verhalten muss. Ägypten ist u. a. auf den Tourismus angewiesen und die Realitäten werden zeigen, dass niemand in einen Willkürstaat reisen möchte. Schon deshalb hoffe ich, dass sich Ägypten tatsächlich zu einem Rechtsstaat entwickelt.

Wir werden es beobachten. Die Parlamentswahlen werden wichtig sein.

Karl
luchs35
luchs35
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Re: Mursi on Tour
geschrieben von luchs35
als Antwort auf karl vom 03.02.2013, 11:24:24
Derzeit setzt Mursi sein Ansehen aufs Spiel- nicht nur durch seine Äußerungen über Israel, das den Westen hochschreckte, sondern auch durch das Verhalten seiner Regierung, die nur noch Gewalt einzusetzen weiß.

"Freiheit,Brot und Würde" waren die Parolen der jungen Ägypter beim Aufstand gegen Mubarak.

Freiheit : Mit der ersten freien Wahl in Ägypten wurde Mursi legitimer Präsident. Immerhin! Ob man damit aber schon das Ziel "Freiheit" erreicht hat, sei dahingestellt nach den Bildern, die wir lediglich im Fernsehen beurteilen können.

Brot: Damit wird es noch lange Zeit dauern , denn die Wirtschaft und der wichtige Tourismus liegen am Boden, und es ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die USA haben letzten Herbst ihre Zahlungen eingestellt, und die Europäer verhalten sich abwartend.

Würde: Ein wichtiges Wort im Islam, ein hohes Anliegen. Aber die Gewalt der Staatsmacht auf den Strassen tritt die Würde unübersehbar mit den Füßen. Polizeimilizen schleifen Menschen, denen sie zuvor die Kleider vom Leib gerissen haben, nackt zu den Polizeiautos.

Nach wie vor wird geschlagen, gefoltert und gedemütigt. Vom Versprechen Mursis, in den ersten 100 Tagen seiner Regierungszeit die Sicherheitskräftezu reformieren, ist auch nach 200 Tagen nichts zu sehen.

Vieles erinnert an die Zeiten unter Mubarak, die islamistische Regierung Mursis unterscheidet sich in keinster Weise.

Im April soll ein neues Parlament gewählt werden. Es wäre höchste Zeit von der Opposition,die Machtanmaßung der islamistischen Bruderschaft zu hinterfragen und dabei die Fehler und gebrochenen Versprechungen sowie die ganze Unzulänglichkeit der Regierung Mursi im Wahlkampf argumentativ bloßzustellen.

Der fortdauernde Strassenkampf ist dabei kein gutes Mittel, es erschreckt die Mehrheit der Ägypter eher. So werden von der säkularen Opposition Ideale aufs Spiel gesetzt und die Glaubwürdigkeit in Frage gestellt.

Der angedeutete "Schmusekurs" zwischen Mursi und seinem iranischen Amtskollegen Ahmadinejad ist sicher nicht das, was Ägypten weiterhelfen kann -eher ein Alarmzeichen für die Opposition.

Luchs

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