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JuergenS
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Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von JuergenS

Nachdem wir uns Fairness in der Diskussion vorgenommen haben, wage ich mal eine kühne Idee, auf LaienbasisZwinkern:

China baut die Seidenstrasse, macht damit viele Staaten durch Chinas Finanzierung von Häfen, Flughäfen, Strassen, Geleisen abhängig, ist aber auch eine Chance für diese Staaten.
Natürlich denkt China nicht an Patenschaften für all diese Staaten, sondern an Geschäfte und Vorherrschaften.
Insofern ist der Unterschied zu früheren Kolonisierungen durch europäische Staaten weltweit gar nicht so anders, weil es ja dabei nur bedingt menschlich zugeht.

Afrika ist ein Riesenkontinent, der früher von Kolonien zerstückelt wurde, alles ist inzwischen entkolonialisiert, gehn tuts denen nicht viel besser als früher, Millionen wollen lieber nach Europa.

Einen neuen Ansatz, wenn auch utopisch, sähe ich darin, wenn Europa, in welcher Formation auch immer, sich des Nachbarkontinentes annehmen würde, in einer Art Partnerschaft, nicht wie jetzt durch alle möglichen Ausbeutungen etc., die sich für Afrikanische Staaten ähnlich oder schlimmer als Kolonie sein anfühlt.

Es müßte doch für das "reiche" Europa eine Möglichkeit entwickelt werden, unserem Nachbar-Kontinent als Pate zur Seite zu stehen. Letztenendes würde das, langfristig, eine Normalisierung der Menschendiffusion zwischen Afrka und Europe helfen. 
Denn im Prinzip will fast jeder Mensch dort bleiben, wo seine Heimat ist.

RE: Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf JuergenS vom 14.07.2019, 13:12:17

Ich fürchte, das Europa das längst verpennt hat, denn in ganz Afrika hat China längst viel mehr als nur einen Fuss.

CHina und Afrika hatten bereist Handelsbeziehungen, manchmal über Dritte, die bis auf ca 200 v. Chr. rückverfolgbar ist.
Archäologen haben in kenianischen Dörfern chinesische Porzellane gefunden, die während der Tang-Dynastie (618–907) hergestellt wurden. Es wird jedoch angenommen, dass diese von Zheng He während seiner Seereisen im 15. Jahrhundert mitgebracht wurden

Auf der Insel Lamu vor der kenianischen Küste wird nach lokaler mündlicher Überlieferung behauptet, dass 20 schiffbrüchige chinesische Seeleute, die möglicherweise Teil von Zhengs Flotte sind, vor Hunderten von Jahren an Land gespült wurden. Nachdem sie eine gefährliche Python getötet hatten, erhielten sie die Erlaubnis, sich von lokalen Stämmen niederzulassen, traten zum Islam über und heirateten einheimische Frauen. Es wird angenommen, dass nur noch sechs Nachkommen übrig sind. Im Jahr 2002 bestätigten DNA-Tests, die an einer der Frauen durchgeführt wurden, dass sie chinesischer Abstammung war. Ihre Tochter Mwamaka Sharifu erhielt später ein Regierungsstipendium der VR China, um in China traditionelle chinesische Medizin (TCM) zu studieren.

1980 betrug das Handelsvolumen zwischen China und Afrika insgesamt 1 Milliarde US-Dollar.
1999 waren es 6,5 Mrd. USD und 2000 10 Mrd. USD 
Bis 2005 hatte der chinesisch-afrikanische Handel 39,7 Milliarden US-Dollar erreicht, bevor er 2006 auf 55 Milliarden US-Dollar anstieg.
Damit war China der zweitgrößte Handelspartner Afrikas nach den Vereinigten Staaten, die mit afrikanischen Nationen einen Handelswert von 91 Milliarden US-Dollar hatten.
Die VR China überholte auch den traditionellen afrikanischen Wirtschaftspartner und die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, deren Handelsvolumen 47 Milliarden US-Dollar betrug.
Im Jahr 2010 belief sich der Wert des Handels zwischen Afrika und China auf 114 Mrd. USD  und im Jahr 2011 auf 166,3 Mrd. USD.
In den ersten 10 Monaten des Jahres 2012 waren es 163,9 Milliarden US-Dollar.

Es gibt schätzungsweise 1000 chinesische Unternehmen, die in Afrika Geschäfte tätigen. Die meisten davon sind Privatunternehmen, die in den Infrastruktur-, Energie- und Bankensektor investieren.  Investitionen aus der chinesischen unternehmerischen Migration haben positive (indirekte Arbeitsplätze) und negative (Verdrängung lokaler Händler) Ergebnisse erzielt.

Unbedingte und niedrig verzinsliche Kreditlinien (Zinssätze von 1,5% über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren)  haben die restriktiveren und bedingteren westlichen Darlehen  seit 2000 mehr als abgelöst
Schulden afrikanischer Nationen gegenüber der VR China in Höhe von 10 Mrd. USD wurden gestrichen.

Ein Drittel der chinesischen Ölvorräte stammt aus dem afrikanischen Kontinent, hauptsächlich aus Angola.  Die Investitionen chinesischer Unternehmen im Energiesektor haben in den letzten Jahren ein hohes Niveau erreicht.
In einigen Fällen, wie in Nigeria und Angola, beliefen sich die Explorations- und Produktionsabkommen für Öl und Gas auf mehr als 2 Mrd. USD.
Bei vielen dieser Investitionen handelt es sich um gemischte Hilfs- und Darlehenspakete im Austausch für den Aufbau von Infrastrukturen und Handelsabkommen.

In der Landwirtschaft decken Benin und die Sahelländer Burkina Faso und Mali bis zu 20% des chinesischen Baumwollbedarfs. Während Côte d'Ivoire China mit Kakao versorgt, werden  große Mengen Kaffee aus Kenia importiert.
Bei Fischprodukten bleibt Namibia einer der wichtigsten [quantifizierten] Anbieter.

Im Jahr 2011 stieg der Handel zwischen Afrika und China gegenüber dem Vorjahr um beachtliche 33% auf 166 Mrd. USD. Dies beinhaltete chinesische Importe aus Afrika in Höhe von 93 Mrd. USD, die hauptsächlich aus Mineralerzen, Erdöl und landwirtschaftlichen Erzeugnissen bestanden, und chinesische Exporte nach Afrika in Höhe von 93 Mrd. USD, die hauptsächlich aus Industriegütern bestanden.

Um den rasch wachsenden Handel zwischen dem afrikanischen Kontinent und China zu umreißen, stieg der Handel zwischen diesen beiden Weltregionen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2012 gegenüber dem Vorjahr weiter um über 22% auf 80,5 Mrd. USD.
Die Einfuhren aus Afrika stiegen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2012 um 25,5% auf 49,6 Mrd. USD, und die Ausfuhren von in China hergestellten Produkten wie Maschinen, Elektro- und Verbrauchsgütern sowie Bekleidung und Schuhen stiegen um 17,5% auf 30,9 Mrd. USD.
China blieb 2011 das vierte Jahr in Folge Afrikas größter Handelspartner (ab 2008).

Die Notwendigkeit, Chinas vermehrte Investitionen in Afrika zu schützen, hat eine Abkehr von Chinas traditioneller Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder zu neuen diplomatischen und militärischen Initiativen zur Lösung der Unruhen im Südsudan und in Mali bewirkt.

Während des FOCAC-Treffens im Dezember 2015 in Johannesburg, Südafrika, verpflichtete sich der chinesische Präsident Xi Jinping über einen Zeitraum von drei Jahren zu 60 Milliarden US-Dollar für Darlehen und Unterstützung für den afrikanischen Kontinent.  Chinas Bemühungen sind es, Fabriken zu unterstützen, die Waren für den Export herstellen. Neben Straßen und Häfen zeigte der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari seinen Wunsch, festgefahrene Eisenbahnprojekte entlang der Küste fertigzustellen, insbesondere eine 1400 km lange Eisenbahnstrecke von Lagos nach Calabar, die etwa 200.000 Arbeitsplätze bietet.

Quelle

digi
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RE: Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von digi
als Antwort auf WoSchi vom 14.07.2019, 13:35:03

Auch Indien hat in Afrika nie geschlafen
https://www.dw.com/de/indiens-vielf%C3%A4ltige-interessen-in-afrika/a-19386018


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RE: Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von dicker68
als Antwort auf WoSchi vom 14.07.2019, 13:35:03
Ich fürchte, das Europa das längst verpennt hat, denn in ganz Afrika hat China längst viel mehr als nur einen Fuss.


Die Notwendigkeit, Chinas vermehrte Investitionen in Afrika zu schützen, hat eine Abkehr von Chinas traditioneller Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder zu neuen diplomatischen und militärischen Initiativen zur Lösung der Unruhen im Südsudan und in Mali bewirkt.
 
Früher war ein Chinese mit einem Fahrrad und einer Nähmaschine ein sehr reicher Mann - von uns belächelt.
Heute schauen wir im wahrsten Sinn des Wortes nach Fahrrad und Nähmaschine. Sie haben uns längst überholt - nur wir dünken uns immer noch vorn.......
JuergenS
JuergenS
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RE: Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf dicker68 vom 14.07.2019, 14:04:21

aller Anfang ist schwer, und China wiegt schwer, auch Indien, aber es gibt kein Naturgesetz, das besagt, wer später startet, scheitert.
Es geht ja um über 50 Staaten, die da einbezogen werden müssten.


Im übrigen gebe ich ja zu, mein Ansatz müßte woanders hin, nicht nur in unser Seniorenforum.

Nick42
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RE: Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von Nick42
als Antwort auf JuergenS vom 14.07.2019, 13:12:17

 


Afrika ist ein Riesenkontinent, der früher von Kolonien zerstückelt wurde, alles ist inzwischen entkolonialisiert, gehn tuts denen nicht viel besser als früher, Millionen wollen lieber nach Europa.

Einen neuen Ansatz, wenn auch utopisch, sähe ich darin, wenn Europa, in welcher Formation auch immer, sich des Nachbarkontinentes annehmen würde, in einer Art Partnerschaft, nicht wie jetzt durch alle möglichen Ausbeutungen etc., die sich für Afrikanische Staaten ähnlich oder schlimmer als Kolonie sein anfühlt....

 


Ein schöner Gedanke, Kolonisierung durch Partnerschaft zu ersetzen.

Vor 50 Jahren war die Kolonisierung Afrikas offiziell beendet und viele europäische Staaten haben Ministerien eingerichtet, mit Entwicklungshilfe die afrikanischen Staaten in ihrer neuen Freiheit zu unterstützen. Später hat man in Deutschland das Ministerium in „Wirtschaftliche Zusammenarbeit“ umbenannt. Dass es nicht nach neuer Kolonisierung riechen soll. Der Gedanke ist also nicht neu.

Seither sind viele Milliarden an Entwicklungshilfe nach Afrika geflossen. Nach glaubwürdigen Berichten von Kritikern aber nicht in Entwicklungshilfeprojekte, sonder auf Schweizer Nummernkonten von Leuten, die in Afrika das sagen haben. Und Afrika hat sich kaum weiterentwickelt. Im Gegenteil, vieles ist noch schlimmer.

Was also tun?
 

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Nick42
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Mitglied

RE: Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von Nick42
als Antwort auf dicker68 vom 14.07.2019, 14:04:21
 
Früher war ein Chinese mit einem Fahrrad und einer Nähmaschine ein sehr reicher Mann - von uns belächelt.

haben uns längst überholt - nur wir dünken uns immer noch vorn.......
Man kann das heutige China bewundern, fürchten oder Scherze darüber machen. Aber was ist mit Afrika? Was tun?
wandersmann_1
wandersmann_1
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RE: Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von wandersmann_1
als Antwort auf Nick42 vom 14.07.2019, 19:07:44


Ein schöner Gedanke, Kolonisierung durch Partnerschaft zu ersetzen.


 
Ein schöner Gedanke, mehr aber auch nicht.

In dem Wirtschaftssystem, in welchem wir derzeit leben müssen, ist Solidarität unter Völkern einfach nicht vorgesehen. Die "Werte" heißen Gewinn, Interessen, Vorteil, Wettbewerbsfähigkeit.
JuergenS
JuergenS
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RE: Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf Nick42 vom 14.07.2019, 19:07:44

sorry, der Gedanke ist schon neu, denn die sporadischen versickernden Gelder sind eben der falsche Weg gewesen, es müßte sich um einen Gesamtplan für Afrika handeln, nicht um Fleckerlteppiche. Und im Mittelpunkt müßte der Gewinn für alle sein, da muß man halt Arbeit reinstecken.

 

RE: Patenschaft Europas für Afrika
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf Nick42 vom 14.07.2019, 19:17:15

..dicker bezog sich auf meinen Beitrag , in dem ich auf die mehr als 2000jährige Handesbeziehung zwischen Afrika und Vhina hinwies und auf die immensen Handelsbeziehungen zwischen dem Kontinent und dem Riesenland - da ist China den Europäern gegenüber längst im Vorteil.

Bei den bestehenden Handelsbeziehungen zwischen EU und den diversen Afrikanischen Ländern  wird so viel falsch gemacht, das alles abzusellen wäre sinnvoller, als noch mehr "Entwicklingshilfe" durch den Schornstein gehen zu lassen - zumal davon bei den Menschen dort, die es bräuchten, nichts ankommt.

Solange wir hier gesammelte und gespendete Altkleider nach Afrika verschiffen und verkaufen, die dort wiederum mit Handkuss von Händlern aufgekauft und verscherbelt wird und damit einheimische kleine Schneidereien und Näherinnen arbeitslos machen und solange wir tiefgefrorene Geflügelkarkassen dorthin verkaufen, weil die feinen Europäer ja nur noch  Brust und Keulen und eventuell Flügel essen und so afrikanische kleine Geflügelzüchter ihr gesund aufgezogenes Huhn nicht mehr los werden, weil es ggü der EU-Importe viel zu billig ist, wird die Armut nur immer grösser. Und solange Multikonzerne wie Nestlé Millionen Liter Wasser aus dem Boden pumpen, um damit auch mit den Ärmsten Geschäfte macht und das Schweizer Schoggigesetz diesem Unternehmen jährlich mehr als 20 Mio Fränkli Subventionen in die Kasse spült, weil die ja so fleissig Babynahrung an die Afrikaner verticken, solange kann Europa sich nur schämen-


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