Internationale Politik Planet der Nomaden

miriam
miriam
Mitglied

Planet der Nomaden
geschrieben von miriam
In einem anderen Thread schrieb ich bereits heute, dass mir im Zusammenhang mit einigen der Themen die wir zurzeit im Forum diskutieren, der Titel einer Sendung eingefallen war, die ich vor einigen Jahren beim Sender 3sat gesehen hatte.

Die Sendung hieß "Planet der Nomaden – Herausforderung Migration" - und ich fand auch meine damaligen Notizen zum Thema wieder.

Nebenbei bemerkt: Herr Sarrazin würde sich auch über die Inhalte der damaligen Sendung sehr freuen.

Die Tatsache, dass wir im Zeitalter der Migrationen leben, lässt sich genau so wenig verleugnen oder wegdenken, wie z.B. die Globalisierung.

Ein anderer wichtiger Punkt in Bezug zu diesem Thema scheint mir die Frage zu sein, inwiefern wir dazu beigetragen haben, dass Hunger und Not einen großen Teil dieser Migration verursacht haben.

Und noch eine wichtige Frage: haben wir ausschließlich Negatives zu vermerken in diesem ganzen Komplex von Themen – oder trifft es vielleicht doch zu, dass wir im Zusammenhang mit dieser vielschichtigen und auch schwierigen Problematik, auch Positiven erfahren haben?

Eine historische Realität die ich gleich am Anfang hier festhalten möchte, ist die Tatsache, dass die Migration "seit jeher die zentrale Kraft der Veränderungen war" – wie einer der Diskutanten es im Laufe der Sendung festhielt.

Was aber rückt in den Vordergrund, wenn man von Migration und von den Migranten spricht oder berichtet?
Die Kriminalität, der Islamismus, der Ehrenmord, das anscheinend hierzulande unerträgliche Kinderreichtum, usw.

Auch das sind Realitäten – und sie sind sehr ernst zu nehmen um zum Beispiel gegen den Islamismus vorzugehen – doch die anderen Aspekte dabei zu vergessen, wäre eine sehr selektive und tendenziöse Wahrnehmung, geleitet von einem gewissen politischen Hintergrund - den wir auch mal von Näher betrachten sollten.

Miriam
loretta †
loretta †
Mitglied

Re: Planet der Nomaden
geschrieben von loretta †
als Antwort auf miriam vom 06.09.2010, 13:48:41
Sehr schön, miriam, ein vielschichtiges Thema mit hoher Brisanz.

Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt verlassen ihre Heimat, um ihren Lebensmittelpunkt an einen anderen Ort zu verlegen. Mehr als 150 Millionen Menschen weltweit leben als Migranten in einem Staat, der nicht ihre ursprüngliche Heimat ist. Dies entspricht etwa der doppelten Bevölkerungszahl der Bundesrepublik. Internationale Migration geht aus von Menschen, die ihre Familien zusammenbringen möchten, von hoch ebenso wie niedrig qualifizierten Arbeitsmigranten sowie von Asylbewerbern und anderen Flüchtlingen. Einige wollen nur für kurze Zeit an einem fremden Ort bleiben, andere für mehrere Jahre oder gar den Rest ihres Lebens. Staaten haben immer wieder versucht, Migration durch Gesetze zu steuern. Dieses Themendossier beschäftigt sich umfassend mit den kontrovers diskutierten Themen Zuwanderung und Integration in Deutschland, es zeigt, wie das Zuwanderungs- und Asylrecht auf europäischer Ebene geregelt wird und bietet Daten, Fakten und Einschätzungen zu den globalen Trends im Migrationsgeschehen.

Migration

loretta
miriam
miriam
Mitglied

Re: Planet der Nomaden
geschrieben von miriam
als Antwort auf loretta † vom 06.09.2010, 14:02:17
Danke dir Loretta - ich freue mich - auch wegen der Tatsache, dass durch deinem Beitrag, die "Bundeszentrale für politische Bildung" (eine nachgeordnete Behörde des Innenministeriums), ins Blickfeld rückt. Ich finde deren Broschüren, Stellungnahmen etc...zu aktuellen Themen, sehr gut.

Zur Diskussionsrunde beim Thema "Planet der Nomaden", waren drei Teilnehmer bzw. wissenschaftliche Esperten eingeladen.
Ihre Beiträge zum Thema fand ich hoch interessant - wenn man da auf manche reellen Fakten stößt, sollte man sich nochmals frage, was die Sarrazinischen Thesen(?) wohl bezwecken.

Die Teilnehmer der Diskussion waren:

- Klaus J. Bade, Migrationsforscher, Universität Osnabrück

- Havva Engin, Erziehungswissenschaftlerin, Pädagogische Hochschule Karlsruhe

- Amélie Mummendey, Sozialpsychologin, Universität Jena

Ich versuche nun, kurz gefasst, die Hauptpunkte über die sich die drei Teilnehmer unterhielten, hier wiederzugeben:

Klaus J. Bade sprach über die "ausgesprochen mässige Lernfähigkeit" auf, die die Politik hierzulande beweist.
In den achtziger Jahren hatte Bade selber Programme aufgestellt die zu einer positiven Integrationspolitik mitbeitragen sollten. Wenn er die Ansätze dieser Programme nun wiederholte, werden diese als "hoch interessant" - zugleich aber als völlig unbekannt, bezeichnet. Ohne polemisch zu werden, stellt sich die Frage wofür diese Experten, wenn man ihre guten Ansätze nichteinmal zur Kenntnis genommen hat, bemüht hatten?

Noch wichtiger scheint mir in diesem Zusammenhang die Frage, ob man angesichts solcher Fakten über die nicht existente Bereitwilligkeit zur Integration der Migranten sprechen darf?

Amélie Mummendey zeigte sehr einleuchtend auf welcher Weise sich die öffentliche Meinung bezüglich Integration bildet: es wird nicht die ganze Bandbreite, die die Normalität ausmacht, wahrgenommen - sondern nur das, was sich außerhalb der Norm abspielt.

Natürlich gab es und gibt es auch Auffälligkeiten bis hin zur Gewalt, aber es gibt bei weitem viel öfter das normale sich Integrieren, welches sich völlig unauffällig vollzieht.

Dazu meinte Klaus Bade, dass die Normalität, die Unauffälligkeit auf diesem Gebiet, 90% der Fälle ausmacht.
Wobei beides: die Auffälligkeit und auch die Normalität, Formen der Bewältigung der Zuwanderung sind.
Nochmals: die Normalität finden wir in 90% der Fälle. Doch diese ist für die Medien, für die Presse und für die Stammtische uninteressant - und so wird zum Teil ungewollt - zum Teil auch gewollt, ein völlig falsches Bild vermittelt.

(Fortsetzung folgt gleich)

Miriam




Anzeige

carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Planet der Nomaden
geschrieben von carlos1
als Antwort auf miriam vom 06.09.2010, 13:48:41
"Eine historische Realität die ich gleich am Anfang hier festhalten möchte, ist die Tatsache, dass die Migration "seit jeher die zentrale Kraft der Veränderungen war" – wie einer der Diskutanten es im Laufe der Sendung festhielt." miriam


Ob es die zentrale Kraft der Veränderung war in der Geschichte, sei dahingestellt. Der Karl aus 'Trier Trier war da anderer Meinung. Aber Migration war nicht nur die Ursache , sondern meist immer auch die Folge von Veränderungen. "Das Zeitalter der Nomaden" erinnert an Phasen der Menschheitsentwicklung, in der Menschen nicht sesshaft waren, sondern Sammler und Jäger. Der Übergang zur Sesshaftigkeit war ein Übergang zu einer völlig neuen Lebensweise und Kultur. Staat, Kultur, Recht, Eigentum als Institution sind ohne Sesshaftigkeit nicht denkbar. Ebensowenig der Wohlstand udn Reichtum. Der Nomade lebt mit dem und aus dem, was die Natur ihm bietet, er sucht die Freundschaft der Gleichgesinnten, er beutet die Natur nicht aus, nimmt sich nur, was er benötigt. Der Sesshafte sucht sich abzugrenzen und ist gegenüber anderen misstrauisch. Das Misstrauen zwischen Sesshaften und Momaden zeigt sich bei uns im Verhältnis von Einheimischen und fahrendem Volk, etwa den Zigeunern (Roma).

n einer Kultur, die die Erdoberfläche in abgemessene Grundstücke aufteilt, ist der Nomade mit seiner Lebensweise, die nimmt, was die natur bietet, ein Fremdling und ein potenzieller Schädling und wird misstrauisch beäugt. Wir sollten nicht vergessen: Unsere Ahnen waren in der Vorzeit Nomaden.

Für die Wanderungen der Gegenwart sollten wir nicht von Nomaden sprechen. Flüchtlinge wäre das bessere Wort. Heimatlose, Verfolgte. Der zweite Weltkrieg löste eine der größten Wander- und Fluchtbewegungen der Geschichte aus. Der Begriff Völkerwanderung wäre dafür angebracht, viel eher als für die so genannte germanische Völkerwanderung, der angeblich das römische Reich zum Opfer fiel. Auslöser für die ersten Wanderzüge von Germanenstämmen (Kibern, Teutonen und Ambronen ab 113. v.Chr.)waren vermutlich Naturkatastrophen. Der
Einfall der Hunnen in Südrussland zerstörte das Reich der Ost- und Westgoten, die Zuflucht fanden im römischen Reich und Land forderten. Sie schlugen sogar den oströmischen Kaiser in der Schlacht von Adrianopel (heute Edirne). Vor genau 1600 Jahren eroberte Alarich der zornige Anführer der Ostgoten, der sich durch die Römer getäuscht sah, das Haupt bder Welt, Rom. Es geschah am 23. August 410. Rom wurde geplündert und in Brand gesetzt. Bei den Zeitgenossen hinterließ dies Ereignis einen unauslöschlichen Eindruck. Für sie war das Ende der Welt gekommen. Aber Rom erhölte sich wieder. Das Ende des weströmischen Reiches kam erst 476, 66 Jahre später.

Aber auch danach drehte sich die Welt weiter. Das "Abendland" entstand aus den Wirrungen. Träger der neuen Kultur warne die alten barbarischen Eroberer. Heute betrachten wir das Römische Reich als ein Gebilde, das eine Voraussetzung der europäischen Kultur war. Nicht auszudenken, was Thilo Sarrazin geschrieben hätte, wäre er Bürger Roms in jener Zeit gewesen.

Um 410 lebte Sarrazin noch nich, dafür aber der heilige Augustin. Er sah in der Eroberung und Zerstörung Roms Gottes Strafgericht. Er, der Christ, hielt seinen "laschen Christen" vor, wie hingebungsvoll, mit Aufopferung und großer Disziplin, edel und bescheiden, die alten Römer (die Heiden!) ihren Staat aufgebaut hätten. In diesem Geist, aber "umso mehr" müssten nun die Christen nach dem streben, was droben ist. Augustin entwickelte seinen "Gottesstaat" , die erste christliche Staatshteorie gleich nach 410 auf den Ruinen Roms. Den reichen Römern, die sich auf ihre afrikanischen Landgüter gerettet hatten und ihrem Bischof die Ohren vollheulten, entgegnete er kühl, sie hätten sich besser Schätze im Himmel angesammelt, da könnte auch kein Alarich ran.

Was Sarrazin den Römern geraten hätte in dieser Situation können wir erahnen, müssen es aber nicht ausmalen.

Kein Situation ist je beschissen genug, als dass man nicht daraus noch eine moralische Lehre ziehen könnte.

c.

miriam
miriam
Mitglied

Re: Planet der Nomaden
geschrieben von miriam
als Antwort auf carlos1 vom 06.09.2010, 17:24:29
Danke dir Carlos für deinen Beitrag, auf den ich erst später eingehen werde, vielleicht erst morgen Nachmittag.

Zuvor war mein PC zusammengebrochen - und so blieb der letzte Teil meines Berichtes über die Sendung "Planet der Nomaden", aus.

Ich hole dies nun nach:

Über die Institutionen sprach Havva Engin und zeigte wie viel Humankapital durch Bürokratie, durch den Mangel an Sachkenntnissen, verloren geht.

Ein kleines Beispiel für das vergeudete Humankapital: die vorhandene, natürliche Mehrsprachigkeit der Migranten, wird nicht zur Kenntnis genommen - parallel dazu aber gibt es teure Programme zur künstlichen Förderung der Mehrsprachigkeit.

Ein wichtiger Punkt sind die Statistiken und die Art wie diese erstellt werden.
Dazu zeigte Klaus Bade, dass man einerseits auf die hohe Zahl der Ausländer in Deutschland hinweist, ohne auch zu sagen, dass anders als in den Niederlande und in Frankreich, Deutschland wesentlich weniger Einbürgerungen vorweisen kann.

Was die Kriminalitätsstatistik betrifft - denn auf die berufen sich so gerne gewisse Kreise: in diese fließen z.B. auch Gruppen von Hooligans ein, die anläßlich eines kurzen Aufenthaltes (z. B. Fußballspiel), Randale gemacht haben - so wie andere Ausländer, die sich nur auf der Durchreise befinden.

Miriam


Re: Planet der Nomaden
geschrieben von marina
als Antwort auf miriam vom 06.09.2010, 19:13:16
Ich stelle mal den Link zu dieser Sendung ein, da kann man noch einiges darüber lesen bei den Themen unten.
Schade – die Sendung habe ich verpasst. Ich werde jetzt öfter auf die Sendungen von Scobel achten, sie sind eigentlich immer sehr interessant.


Anzeige

silhouette
silhouette
Mitglied

Re: Planet der Nomaden
geschrieben von silhouette
als Antwort auf miriam vom 06.09.2010, 19:13:16
Einen arbeitsfähigen Menschen als "Kapital" zu bezeichnen, steht im krassen Widerspruch zu der tollen Toleranz und Sensibilität, die wie eine Monstranz durch dieses Forum getragen wird. Davor schützt auch nicht die Vorsilbe "human", weil der Ausdruck eben gerade NICHT human ist.

Nicht bemerkt, Miriam?

Und die zitierte Dame ist Professorin für Sprachen, ausgerechnet von ihr darf man eine andere Ausdrucksweise erwarten.
Re: Planet der Nomaden
geschrieben von marina
als Antwort auf silhouette vom 07.09.2010, 14:33:05
Sieh an, sieh an. Ladique aus dem Nachbarforum in "Potemkin", euer Komplimentbegriff für den ST. Ist das nicht unter deiner Würde, in einem solchen Forum wieder zu erscheinen? Und sprachliche Nuancen sind plötzlich wieder wichtig? Obwohl in selbigem Nachbarforum nichts anderes stattfindet als allerübelste Hetze, in dem Komplimente wie „Gutmensch“ für die „Linksextremen“ (unter die schon Leute fallen, die diese Hetze ablehnen) in jedem 2. Beitrag hochgehalten werden wie eine Monstranz.
Nicht gewusst, dass dieser Begriff von den Hetzern der Nazizeit geprägt wurde?
Wie ich mal irgendwo gehört oder gelesen habe, warst du Übersetzerin oder Dolmetscherin, gehört da nicht sprachliche Sensibilität dazu? Und Unterscheidungsvermögen? Ausgerechnet von dir darf man also eine andere Ausdrucksweise und insgesamt mehr Differenzierungsvermögen erwarten als von so manchen schlichten Gemütern dort, die zwar durchaus eloquent sind, aber deren Argumente absolut deckungsgleich sind mit denen, die aus der ganz braunen Ecke kommen. Mit denen du dich allerdings sehr gut zu verstehen scheinst.

Also bevor du plötzlich in dein verachtetes "Potenkim" einschneist wie die freundliche Mary Poppins zu den Kindern, die sie belehren soll, nur etwas weniger freundlich, lieber etwas zurückhaltender sein. Es könnte Leute geben, die ihre Augen auch noch anderswo haben.


silhouette
silhouette
Mitglied

Re: Planet der Nomaden
geschrieben von silhouette
als Antwort auf marina vom 07.09.2010, 15:14:56
Armseliges Dummerle!
Re: Planet der Nomaden
geschrieben von marina
als Antwort auf silhouette vom 07.09.2010, 18:11:51
Mehr fällt dir dazu nicht ein?
Na, da hätte ich dir doch glatt eine intelligentere Antwort zugetraut. Ich gebe dir das Kompliment nicht einmal zurück, denn auf dieses Niveau möchte ich mich nicht begeben. Im Übrigen würde es auch nicht stimmen, denn im Gegensatz zu mir bist du tatsächlich intelligent. Aber es gibt auch dumme Intelligente (nachzulesen im Thread über die Dummheit, in dem viel Kluges steht und den ich dir bei dieser Gelegenheit gern ans Herz lege).
Liebe Grüße!

Anzeige