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Internationale Politik Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien

karl
karl
Administrator

Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von karl
Die Demonstranten haben das Land verändert. Ben Ali tritt zurück.
Zuvor hatte Ben Ali den Ausnahmezustand im ganzen Land verhängt, die Regierung abgesetzt und Neuwahlen ausgerufen. Er beauftragte Ghannouchi, eine Übergangsregierung bis zu Neuwahlen innerhalb von sechs Monaten zu führen.
geschrieben von tagesschau.de

Damit wird das Land noch nicht zur Ruhe gekommen sein. Die Ursachen für die Unruhen sind nicht beseitigt, sondern schwelen weiter. Was soll aus den vielen jungen Tunesiern werden, die ohne Perspektive sind?

Die Probleme Tunesiens sind die manch anderer arabischer Staaten in Nordafrika. Das Durchschnittsalter ist sehr jung, die Führungseliten überaltert und die Strukturen autoritär. Die junge Bevölkerungsmehrheit will Mitsprache. Ich bin gespannt, was diese Entwicklung in Tunesien bringt und ob es zu einer Kettenreaktion kommt.

Karl
adeline
adeline
Mitglied

Re: Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von adeline
als Antwort auf karl vom 14.01.2011, 22:51:45
Ich lese seit Stunden den u.a. Link der BBC.

Das Zeit-Blog hat sich leider ab 20.00h aus der Berichterstattung verabschiedet.

Gruss Adeline





BBC
dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

Re: Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf karl vom 14.01.2011, 22:51:45
Mir macht nur sorgen, wie parteiisch unsere Medien sind. Wenn in Tunesien das Volk auf die Straße geht, um gegen soziale Ungerechtigkeit und Jugendarbeitslosigkeit zu protestieren, so sind das "Zeichen eines politischen Wandels". Geschieht das selbe in den Vorstädten von Paris oder gar in Berlin, so ist das "sinnlose Randale von Chaoten".

Die sozialen Ursachen sind ohne Zweifel die selben, nur die Darstellung in den deutschen Medien ist unterschiedlich und ungerechtfertigt.

Ich verfolge ebenso aufmerksam wie brutal die extrem gut ausgerüsteten und vernetzten Polizeikräfte sowohl in Tunesien, als auch in Deutschland dabei gegen die relativ ungeschützten Demonstranten vorgehen. Man achte dabei besonders auf die geschickte Zusammenarbeit von zivilen und uniformierten Polizeikräften.

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Re: Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von klaus
als Antwort auf dutchweepee vom 15.01.2011, 02:55:22
"Die sozialen Ursachen sind ohne Zweifel die selben, nur die Darstellung in den deutschen Medien ist unterschiedlich und ungerechtfertigt."


Eines ist sicher - von den sozialen Umständen in Tunesien im Vergleich zu Deutschland- scheinst du absolut keine Ahnung zu haben.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit weit über 30% ungleich höher, als in Deutschland.
Nordafrika allgemein ist auf diesem Gebiet leider "führend" - Tunesien unter den afrikan. Staaten noch mal "ganz vorn".
Das durchschnittliche Grundeinkommen beträgt 8-11%!!! vom deutschen Einkommen.
Jugendliche Arbeitslose bekommen in Tunesien nahezu keine finanzielle Unterstützung.

Warum sollen die deutschen Medien die sozialen Umstände in Deutschland den sozialen Umständen in Tunesien gleichstellen.
Es wäre eine Lüge.
Sie sind nicht gleich - und das weißt du !

Ich weiß auch nicht, warum du den Einsatz tunesischer Polizeikräfte, die massiv auf Demonstranten geschossen haben- es gab über 60 Tote und hunderte z.T. Schwerverletzte- den Einsätzen deutscher Polizeikräfte gleichstellen willst.

Man könnte annehmen - und das nicht nur durch diesen Beitrag- du hättest gern in Deutschland schwere Unruhen, um deiner Linkspartei an die Macht zu bringen, weil das über demokratische Wahlen ja nicht zu klappen scheint, wie die Umfragewerte zeigen.




hafel
hafel
Mitglied

Re: Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von hafel
als Antwort auf karl vom 14.01.2011, 22:51:45

Es zeigt sich wieder einmal, dass mit Gewalt ein massiver Bürgerstand nicht zu bremsen ist. Dieses Protestfeuer kann sehr leicht auf andere nordafrikanische Nachbarländer übergreifen. In Algerien und Marokko etwa ist der Frust der "verlassenen jungen Generation" kaum geringer als in Tunesien und die dortigen Machthaber gelten auch nicht unbedingt als Demokraten.

Die große Frage hat Karl schon gestellt: wie geht es weiter? OB Regierungschef Ghannouchi, der bisher nur eine Marionette Ben Alis war, und jetzt vorübergehend das Präsidialamt übernimmt, die Staatskrise meistern kann? Eine Riesenherausforderung.

Ich denke, es ist noch viel zu früh zum Jubeln.

Hafel
wolfgang
wolfgang
Mitglied

Re: Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von wolfgang
Arabische Potentaten bangen um Macht und Leben. Ich hatte auf die in Algerien oder auch in Ägypten getippt. Nun ist es der in Tunesien. Allen arabischen Potentaten ist gemeinsam, dass sie "unsere" Schurken sind, vom Westen an die Macht gebrachte und gestützte Quislinge, Bauern im großen Schachspiel um "unser" in arabischer Erde liegendes Erdöl / Erdgas. Schau'n mer mal, welcher Potentat demnächst fällt.

--
Wolfgang

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wolfgang
wolfgang
Mitglied

Re: Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von wolfgang

wsws.org, 15.01.2011
Soziale Konflikte im Maghreb haben internationale Bedeutung
Von Ann Talbot


Die anhaltenden Proteste in Tunesien und Algerien drohen sich über den ganzen Maghreb auszubreiten und sogar den Nahen Osten zu erfassen, wo die gleiche Armut und Unsicherheit herrscht.

Steigende Lebensmittelpreise, soziale Ungleichheit und Massenarbeitslosigkeit, besonders unter Jugendlichen, lassen die sozialen Spannungen täglich zunehmen. Die globale Finanzkrise hat das Pulverfass Nordafrika und den Nahen Osten in Brand gesteckt.

[...]

--
Wolfgang
dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

Re: Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf klaus vom 15.01.2011, 11:26:36
@Klaus

Soweit weg von den 30% Jugendarbeitslosigkeit liegen die EU-Staaten auch nicht.

Zitat Infothek Arbeitslosigkeit: Auch wenn die Situation der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren in Deutschland als sehr angespannt gilt, besitzt die BRD mit rund 10 % eine der niedrigeren Quoten innerhalb der EU-Staaten. Der EU-Durchschnitt liegt bei ca. 20 % (Eurozone) bzw. 20,6 % (EU-27). Die Niederlande weisen die geringste Quote auf (7,3 %), während Staaten bzw. Regionen wie Spanien (41 %), das Baltikum (> 30 %), Italien (28,2 %), Irland (28,6 %), Ungarn (27,6 %), Schweden (26,6 %) und Griechenland (27,5 % - Wert von Dez. 2009) weit über dem Durchschnitt liegen (Stand Feb. 2010). Ein Grund für das relativ günstige Abschneiden Deutschlands liegt in dem spezifischen Ausbildungsweg, dem sog. Dualen System,..."

Die sozialen Brennpunkte wie die französischen Vorstädte oder Arbeiterbezirke in UK oder Deutschland weisen weit höhere Prozentzahlen auf als 40% Jugendarbeitslosigkeit. Das ist sozialer Sprengstoff, der immer brisanter wird. und sich entzünden wird wie zum Beispiel auch bereits in Griechenland.
Re: Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von klaus
als Antwort auf dutchweepee vom 15.01.2011, 13:49:58
@dutchweepee

Es ging bei deiner Einlassung um den Vergleich und die Gleichsetzung Tunesien-Deutschland und nicht um Griechenland oder irgendwelche französische Brennpunkte...
Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland liegt im Moment unter 10% ( in einigen Bundesländern weit unter 5% - nämlich z.B. in seit langer Zeit unionsgeführten Ländern - komisch - was ? ) und nicht bei 30%.
Das solltest du wenigstens berücksichtigen.

Übrigens - die mit Abstand meisten Polizeieinsätze gegen Demonstranten mit den meisten Verletzten gibt es im seit langer Zeit von SPD und deiner Partei LINKE geführten Berlin.
Vielleicht denkst du in diesem Zusammenhang mal darüber wenigstens nach.

wolfgang
wolfgang
Mitglied

Re: Politischer Wandel im Urlaubsparadies Tunesien
geschrieben von wolfgang

--
Wolfgang

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