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Internationale Politik Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien

JuergenS
JuergenS
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Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von JuergenS
Ein von mir respektiertes ST-Mitglied mit stets interessanten Denkanstössen ist empört über die Medien, die im Gleichschritt sozusagen, seit einiger Zeit schlecht informieren, beeinflussen.

Ich stelle das mal zur Diskussion.

Ich persönlich teile sie insoweit, als viele Medien auf mich den Eindruck machen, als würden sie sich freiwillig gleichschalten, was ja in einer Demokratie weder notwendig, vor allem aber schlecht ist. Dabei geht es weniger um belesene Menschen, die sich ihre Meinung aus verschiedenen Quellen holen und daraus eine selbstständige eigene Meinung bilden, sondern um die, ich sag mal, Brotzeit-Leser, die schnell zwischen zwei Aktivitäten Manipulationen durch Medien gegenüber empfänglich sind, wenn diese nicht unterschiedlich sind.
Allerdings mir fällt vor allem ein bedeutender Abfall der Formulierungs-Qualität auf, plumpe einfache, Gewaltsportarten entlehnte Begriffe und Metaphern, quer durch alle Medien.

Früher sagte man z.B. in München:

Welche der beiden wichtigsten Münchner Tageszeitungen ist besser?

Antwort: Der Merkur, weil immer das Gegenteil stimmt; nicht die SZ, weil man stets über das Präsentierte nachdenken muß.
silhouette
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Re: Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von silhouette
als Antwort auf JuergenS vom 16.07.2015, 14:51:00

Allerdings mir fällt vor allem ein bedeutender Abfall der Formulierungs-Qualität auf, plumpe einfache, Gewaltsportarten entlehnte Begriffe und Metaphern, quer durch alle Medien.

Das scheint mir ein Spiegelbild unserer Gesellshaft geworden zu sein. Und die überwiegende Mehrheit der Pressekonsumenten sind vermutlich tatsächlich Brotzeitleser.
Schau dir mal hier in diesem Bericht des Spiegel von 2011, den ich aus einem anderen Grund gefunden und für interessant befunden habe, die etwa 8 ersten Absätze an. Das ist BILD, wie sie leibt und lebt. Hetzerisch, aufreißerisch im Ton und in der Setzung der inhaltlichen Akzente.

Eine Bombenidee?

Es wäre cross posting, auf den (dann seriösen) Inhalt näher einzugehen. Und außerdem hängt mir das besprochene Thema schon lange zum Hals heraus.
olga64
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Re: Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von olga64
als Antwort auf JuergenS vom 16.07.2015, 14:51:00
Heigl - ich bin ja auch von frühester Kindheit an mit Münchner Zeitungen "gefüttert" worden - bei uns war es immer die Südd. Zeitung und nie der "rechte" Merkur. Manchmal gönnte ich mir aber auch wegen des Klatsches und Tratsches die Abendzeitung (die ist ja verkauft) - TZ aber nie.
Ich glaube schon aus eigener Erfahrung, das was man als Kind miterlebt und lernt, begleitet das ganze Leben auch bei Medien.
Obwohl auch ich mir manchmal denke, es ist ganz schön teuer, einen Südd.Zeitungs-Geschmack zu haben -die kostet ja mittlerweile im Abo auch mehr als 50.--Euro monatlich.Olga

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JuergenS
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Re: Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von JuergenS
sogar die Süddeutsche ist eher schlechter geworden, Highlights bei sauber recherchierten Themen mal ausgenommen, Brotzeit-Niveau aber ist billiger zu haben, auch die SZ ist Meinungs-trendy geworden, hat ja auch nicht mehr eine Auflage von 500 000, sondern fast das dreifache.
Re: Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf JuergenS vom 16.07.2015, 16:52:51
sogar die Süddeutsche ist eher schlechter geworden

Das liegt in der Natur der Sache Heigl. Die Printmedien sind unter enormen Druck geraten. Jüngere und junge Menschen lesen online (wenn überhaupt) und mit den Online Nachrichten ist leider ein Journalismus eingetreten, der keiner mehr ist. Es muss sofort alles zum Bürger gelangen, Recherchen sind dabei unerwünscht.
Und so kommt es, dass wöchentlich eine neue Sau durch das Dorf getrieben wird .
Bruny
olga64
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Re: Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von olga64
als Antwort auf JuergenS vom 16.07.2015, 16:52:51
Ich lese die SZ erst wieder täglich, seitdem ich nicht mehr berufstätig bin. Vorher wäre mir dies nicht möglich gewesen - sie erfordert doch mindestens 2 - 3 Stunden täglich, wenn ich sie aufmerksam durcharbeite. Auch dann bleiben einige Sparten auf der Strecke, meist die, die mich sowieso nicht so sehr interessieren.
Viele Leute lesen sie aber heute nicht mehr Print-Ausgabe, sondern digital, insbesondere Deutsche, die nicht mehr hier leben, aber auf ihre SZ nicht verzichten wollen.
Ich setze mich immer kritisch mit der Zeitung meines Vertrauens auseinander, weil mir ja bekannt ist, dass jeder einzelne Schreiberling auch als Mensch und Bürger eigene Gedanken einfliessen lässt, die nicht unbedingt meine sein müssen.
Allerdings freue ich mich jeden Morgen, wenn ich sie aus den Briefkasten hole und auch am Wochenende, wenn ich das Bündel in Händen halte, das mir doch einige interessante Stunden verspricht. Olga

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JuergenS
JuergenS
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Re: Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 16.07.2015, 16:59:22
Das stört mich am allermeisten, dass man wöchentlich in voller Medienbreite gemeinsam eine Sau durchs Dorf treibt, alle überstürzen sich, als müßten sie die ersten sein, dabei sollten sie nicht die erstbesten sein.

Daneben gibt es aber nach wie vor die Betonpresse, die ideologisch ausgerichtet trommelt, immer das gleiche, ganz rechts oder ganz links, das ist aber eher langweilig als ärgerlich.
silhouette
silhouette
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Re: Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von silhouette
als Antwort auf JuergenS vom 16.07.2015, 17:19:02
Wenn du täglich Säue im Dorf sehen willst, dann musst du bei facebook und twitter reinschauen, wo sich ja auch Politiker und Journalisten betätigen, nebst ihren Anhängern. Ich bin bei beiden nicht angemeldet, bekomme aber sehr oft diese Art von Beiträgen per link in einer Online-Ausgabe der von dir angesprochenen Presse serviert. Mannonmann, das ist heutige Medienkultur (und Kommunikation) vom feinsten.

Man müsste nochmal 20 sein und Internet-Anwalt werden, Spezialgebiet Beleidigungsklagen, dann hätte man ausgesorgt.
Re: Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf JuergenS vom 16.07.2015, 17:19:02
Stören tut es mich auch und meistens werde ich erst mit dem Kopf darauf gestoßen durch Links welche hier eingestellt werden.
Aber woher sollen wir unsere Informationen denn erhalten? Ich bin in der glücklichen Lage, dass ein englischer Radiosender, der an der Costa Blanca ansässig ist, ein neutraler Sender ist und ich mich gut informiert fühle. Und ich kann natürlich vor Ort von dem Flüchtlingsdrama und der Versklavung der Flüchtlinge berichten, jedoch habe ich dann keine Links, also bin ich dann unglaubwürdig, wie ja desöfteren schon geschrieben wurde.
Vor etlichen Jahren sagte mein Vater zu mir, er mag keine Nachrichten mehr sehen/hören, weil er die eingeschleusten Fremdwörter (englisch) nicht verstünde. Ich kann heute sagen, dass ich keine Nachrichten mehr sehen/hören mag, weil ich mir fast sicher bin, dass ich angelogen werde.
Bruny
justus39
justus39
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Re: Qualität und Gleichförmigkeit der deutschen Medien
geschrieben von justus39
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 16.07.2015, 16:59:22
Der Mensch, der gar nichts liest, ist besser informiert als derjenige, der nur Zeitung liest.

Walter Scheel

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