Internationale Politik Stolz auf die DDR ?

nerida
nerida
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von nerida
als Antwort auf tessy vom 21.10.2014, 22:12:07
Dame Olga beschreibt hier ein Touristen-Bayern- so echt wie Disneyland.

Meine Wurzel liegen auch in Bayern und einer meiner Vorfahren war ein waschechter gestandener Schafhirte.
Ich bin also keinesfalls edlen Geblüt und degeneriert. Uns treibt es gern mal in die Ferne und wir kommen immer wieder gern zurück in ein Bayern, das so garnichts mit dem von Olga dargestellten Bayern zu tun hat.
Gott sei Dank, denn sonst ich würde es hier nicht aushalten......
ehemaligesMitglied41
ehemaligesMitglied41
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von ehemaligesMitglied41
..ich bin nach längerer Pause zurück und stelle fest, dass sich unter den Diskutierenden zu diesen Thema wenig am Verhalten verändert hat (was positive wie negative Eindrücke vermittelt).
Der überwiegende Teil der DDR Bürger hat sich insbesondere zu Zeiten des kalten Krieges und der gegenseitigen Beschuldigungen recht sicher dort gefühlt.
Den wenigsten DDR Bürgern waren die „Unrechtstaten“ bekannt, sie wurden erst im Zuge der Aufarbeitung nach der Wende öffentlich.
Und da, da begann bei vielen eine veränderte Einstellung zu dem Staat, in dem sie 40 Jahre gelebt haben und glücklich waren.
Bei vielen Bürgern machte sich Enttäuschung und Wut breit.
Der ganz normale DDR Bürger hat sich nicht ständig um die Politik gekümmert, ist im vereinten Deutschland nicht anders. Es war auch der ganz normale Bürger, der seinen Unmut über so manche „Engpässe“ laut verkündete.
Und zum besseren Verständnis, nicht jeder, der sich „Luft“ gemacht hat, wurde bespitzelt, verhört, bestraft oder wie auch immer.
In aller Regel war es doch so, wenn Westbesuch kam, hat dieser natürlich nicht gejammert, er hat auf den Putz gehauen, kam mit gemieteten Wagen, die als Eigentum ausgewiesen wurden und einiges mehr.
Und der DDR Bürger, der hat keinen Widerspruch eingelegt, er hat sehr oft in Diskussionen die Haltung des Besuches bekräftigt und geschwärmt, wie schön es wäre, könnte er auch so leben.
Vergessen wurde dabei stets was angenehm und gut war.
Vom „..reichenWesten“ verblendet waren diese dann die ersten, die enttäuscht waren.
Warum sollten wir nicht stolz gewesen sein, viele waren es, ganz einfach auch als Unwissendheit.
Man sollte sich auch mal die Frage stellen, wie ist es umgekehrt?
Wir Bundesbürger wissen längst nicht alles über die Machenschaften, das Gerangel und die Korruptionen in unserem Land.
Und trotzdem sage ich, dass, wenn ich die Welt mir anschaue, dass ich froh bin, hier in Deutschland zu leben.
Mich ärgert es, wenn sich Menschen anmaßen zur urteilen, obwohl sie nicht dazu legitimiert sind.
Diese Phrasen, die gedroschen werden, sind immer die Gleichen, es kommen immer die gleichen Vorwürfe und Argumente und wo ist der Wille, dass wir ein Volk sind?
Ich meine, es gehört auch dazu, dass man zuhört und akzeptiert.
Warum gibt es immer die Diskussion besser oder schlechter?
In der DDR war es so und in der BRD war und ist es so.
Das kann ich auf jedes beliebige Land in der Welt ebenfalls anwenden und daraus meine Schlüsse ziehen.
Ich kann nichts dafür, dass ich auf der anderen Seite geboren wurde, schäme mich nicht dafür, auch nicht dafür, dass ich nicht zu denen gehört habe, die als Erste auf die Straße gegangen sind.
Kann sich ein ursprünglicher „Wessi“ denn nicht vorstellen, dass der DDR Bürger einen Entwicklungsprozess durchmachen musste um zu verstehen, was passiert ist?
Kann sich ein ursprünglicher „Wessi“ nicht vorstellen, dass sich der DDR Bürger enttäuscht, wütend und verraten vorgekommen ist?
40 Jahre wirft man nicht einfach weg, 40 Jahre Leben!
Die Wirtschaft der BRD hat auch viele Jahre sehr gut von den „Billigprodukten“ aus der DDR gelebt, da wurde keiner bedauert, wenn es das gleiche Produkt im Osten nicht zu kaufen gab.
Es hat nichts damit zu tun, Dinge zu beschönigen oder schön zu reden, wenn man über seine Vergangenheit redet. Die Art und Weise lasse ich mir nicht vorschreiben und ich finde es anmaßend wenn unterstellt wird, dass man alte Zeiten o.ä. zurück haben möchte.
Es ist durchaus ein sensibles Thema, nach wie vor, wo Vermutungen und Spekulationen oft mehr Zwiespalt bringen.
siebenboerner
ehemaligesMitglied41
ehemaligesMitglied41
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von ehemaligesMitglied41
als Antwort auf olga64 vom 08.10.2014, 17:31:11
...Ja, die Schikanen, wenn jemand studieren wollte, fand ich immer sehr grausam. Gysi hat ja mal erzählt, er musste vorher Melker werden, bevor er Jura studieren durfte - ..


Frau Olga, dass stimmt so nicht!!
Jeder, der in der DDR Jura studiert hat, musste vorher ein 6 oder 12 monatiges Praktikum in der Wirtschaft absolvieren. Egal ob Arbeiter-und Bauernkind oder Akademiker Kinder. Viele haben ihr Abitur in Kombination mit der Facharbeiterausbildung absolviert.
Und warum so negativ?
Das hat doch den Vorteil, dass zumindest eine abgeschlossene Berufsausbildung vorhanden war.
Begründung:
Die angehenden Richter, Staats- und Rechtsanwälte sollten einen Bezug zur Arbeit in der Produktion gewinnen, damit sie diese schätzen und ehren.
Daher die Tätigkeiten Melker, Fleischer, Gärtner o.ä.. Verwaltungstätigkeiten waren ausgeschlossen.
Ich konnte aus eigener Erfahrung feststellen, wie wenig Verständnis zur arbeitenden Bevölkerung aus den produzierenden Bereichen nach der Wende vorhanden war.
siebenboerner

Anzeige

justus39 †
justus39 †
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von justus39 †
als Antwort auf ehemaligesMitglied41 vom 22.10.2014, 02:34:22
Kann sich ein ursprünglicher „Wessi“ nicht vorstellen, dass sich der DDR Bürger enttäuscht, wütend und verraten vorgekommen ist?
40 Jahre wirft man nicht einfach weg, 40 Jahre Leben!
geschrieben von ein_laecheln_fuer_dich

Herzlich Willkommen, und Danke für Deinen Beitrag.

So und ähnlich fühlen und denken wohl die meisten unserer Landsleute, aber viele sind es wahrscheinlich inzwischen müde geworden, immer wieder die gleichen spitzen Bemerkungen und Unterstellungen zu lesen.
Ich habe inzwischen auch mit der Vergangenheit aufgeräumt und wende mich lieber der Zukunft unserer Kinder und Enkel zu.

Viele Grüße
justus
justus39 †
justus39 †
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von justus39 †
als Antwort auf ehemaligesMitglied41 vom 22.10.2014, 02:38:07
Die angehenden Richter, Staats- und Rechtsanwälte sollten einen Bezug zur Arbeit in der Produktion gewinnen, damit sie diese schätzen und ehren.
Daher die Tätigkeiten Melker, Fleischer, Gärtner o.ä..
geschrieben von ein_laecheln_fuer_dich

Ich finde es ganz nützlich, wenn ein Rechtsanwalt gelernt hat, wie richtig gemolken wird.

justus
silhouette
silhouette
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von silhouette
als Antwort auf justus39 † vom 22.10.2014, 11:59:19

Ich finde es ganz nützlich, wenn ein Rechtsanwalt gelernt hat, wie richtig gemolken wird.

justus

Unbedingt! Er muss gelernt haben, wie er später seine Klienten gut melken kann - zumindest gilt das für die BRD.

Anzeige

adam
adam
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von adam
als Antwort auf ehemaligesMitglied41 vom 22.10.2014, 02:38:07
...Ja, die Schikanen, wenn jemand studieren wollte, fand ich immer sehr grausam. Gysi hat ja mal erzählt, er musste vorher Melker werden, bevor er Jura studieren durfte - ..
geschrieben von ein_laecheln_fuer_dich


Frau Olga, dass stimmt so nicht!!
Jeder, der in der DDR Jura studiert hat, musste vorher ein 6 oder 12 monatiges Praktikum in der Wirtschaft absolvieren. Egal ob Arbeiter-und Bauernkind oder Akademiker Kinder. Viele haben ihr Abitur in Kombination mit der Facharbeiterausbildung absolviert.
Und warum so negativ?
Das hat doch den Vorteil, dass zumindest eine abgeschlossene Berufsausbildung vorhanden war.
Begründung:
Die angehenden Richter, Staats- und Rechtsanwälte sollten einen Bezug zur Arbeit in der Produktion gewinnen, damit sie diese schätzen und ehren.
Daher die Tätigkeiten Melker, Fleischer, Gärtner o.ä.. Verwaltungstätigkeiten waren ausgeschlossen.
Ich konnte aus eigener Erfahrung feststellen, wie wenig Verständnis zur arbeitenden Bevölkerung aus den produzierenden Bereichen nach der Wende vorhanden war.
siebenboerner


Das ist alles richtig und ich kann es aus dem eigenen Lebenslauf bestätigen. Für mich waren es wertvolle Erfahrungen, mir als Schüler in den Ferien etwas Geld dazu zu verdienen und mir mit Jobs mein Studium selber zu finanzieren. Nicht bestätigen kann ich die Geringschätzung der Bevölkerung an den "produzierenden Bereichen". Wer sind die produzierenden Bereiche? Und sollen die Familien die eigenen Mitglieder, die ihr Geld als Arbeiter verdienten, gering geschätzt haben? Bestimmt nicht. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, daß gute Leute von den Chefs oder Firmeninhabern sehr wohl und sehr hoch geschätzt wurden.

Man sollte aber nicht übersehen, daß die Menschen, die vor dem Studium eine mehr körperlich orientierte Lehre durchlaufen mußten, einmal zu einer Übersättigung dieses Arbeitsmarktes beitrugen und vor allem der Volkswirtschaft nach dem Studium ein Jahr später zur Verfügung standen. Zum einen ist das verschwendete Arbeitskraft, zum anderen ein nicht zu unterschätzender Verlust für die Volkswirtschaft.

Und noch ein Punkt: In meiner späteren Bürotätigkeit, nach dem Studium, habe ich mir einige Male gewünscht, daß gewisse Leute, aus dem "produzierendem" Prozess, auch mal in ein Studium hinein geschnuppert hätten oder im Büro tätig gewesen wären. Dann wäre es sicher nicht zu der Geringschätzung gekommen, die es von Arbeitern gegenüber Angestellten und Chefs gab und gibt.

--

adam
pschroed
pschroed
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von pschroed
als Antwort auf adam vom 22.10.2014, 13:06:22
Hallo Adam.

Auf beiden Seiten schnuppern ist schon ok. Die Zeit wo ich auf Schicht war (80ziger),mußten Ingenieure egal mit oder ohne Doktertitel für 4 Monate auf Schicht. Sie lernten den Prozess kennen bzw. wurden sie vom Schichtarbeiter trainiert wie die Prozesse funktionierten. Ab der 3ten Woche waren sie selbst für die Organisation der Schicht verantwortlich. Erst nach dieser Zeit war der Weg frei zwecks einer regulären Einstellung. Als eines der Ziele war, das Teamverhalten zu verstehen. So mancher tat sich am Anfang sehr schwer in Bezug schon alleine der sieben Nachtschichten.

Phil.
olga64
olga64
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von olga64
als Antwort auf adam vom 22.10.2014, 13:06:22
Da ich bereits mit 15 Jahren Halbwaise und auch mein Bruder auf den Sprung ins Gymnasium und auf die Uni war, wäre es für unsere Mutter unmöglich gewesen, unsere Ausbildung zu finanzieren. Ich wusste dies auch mit 16 Jahren schon und arbeitete neben der Schule in einem Supermarkt, was mir übrigens grossen Spass machte, weil ich mit völlig anderen Leuten zusammenkam und auch noch Geld bekam.
Als junge Studentin musste ich mein Zimmer in der WG finanzieren und meinen Lebensunterhalt. Meine Halbwaisenrente blieb bei meiner Mutter und meinem Bruder. Ich jobbte an einer Tankstelle, in einer Bar usw. DAs ging gut und vermittelte mir in jedem Fall die Sicherheit,dass es in meinem Leben so schlimm gar nicht kommen kann,weil ich schon irgendwie durchkomme.
Besonders wichtig war für mich natürlich auch die zeitliche Begrenzung- ich wusste ja - und es war auch so - dass ich nach Studiumsende gute Jobs finde, wo es mir dann sehr viel besser ging. Aber geschadet hat mir der persönliche Einsatz nie. Olga
lupus
lupus
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von lupus
Bürokratie ( und politisch motivierte Regelungen in der DDR) aus eigenem Erleben:

Ich wohnte im Wohnheim u.A. mit zwei Studenten.
Die Eltern des ersten hatten eine große Gärtnerei und er kam manchmal, zur damaligen Zeit schon recht besonders, mit dem Auto zum Studium.

Der Vater des zweiten war blind und versuchte seinen Lebensunterhalt mit Besenbinden , einer selbständigen Tätigkeit, zu bestreiten. Er musste nach zwei Semester aufgeben.

Der Besenbindersohn erhielt kein Stipendium, da Sohn eines Selbständigen.
Der Gärtnersohn erhielt ein Stipendium, da Gärtnereien zur Landwirtschaft gezählt wurden.

Tragisch aber Tatsache.

lupus

Anzeige