Internationale Politik Stolz auf die DDR ?

Tina1
Tina1
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf vom 25.10.2014, 18:07:45
seinerzeit an der zonengrenze herrschte immer beklemmung, wenn man
über die grenze per auto oder zug wollte.

ich kann mich erinnern, daß die 'deutschen' grenzsoldaten teilweise
richtig fiese kerle waren, die die 'anderen' deutschen regelrecht
schikanierten.

am schlimmsten waren die weiblichen grenzer. die haben wohl alle,
die aus dem westen kamen, regelrecht gehasst.

das waren meine erinnerungen an die zeit der DDR.
erstaunlich, aber wahr.
geschrieben von karin2


karin ja so war es an der "zonengrenze" das haben uns unsere verwandten ebenfalls erzählt. meine tante war jedesmal fix und fertig nach passieren der grenze.
ich kann mir auch gut vorstellen das diese grenzposten die größte freude hatten am schikanieren, denn in ihren augen hatten sie den sogenannten "klassenfeind" nun real vor sich und hatten in dem moment die totale macht über ihn. nun wollten sie zeigen wer sie sind, was sie doch für eine macht haben.
ich bin mir auch sicher wenn es nach ihnen gegangen wäre hätten sie ein "einreiseverbot" vom westen ausgerufen, denn an die grenzübergänge kamen natürlich nur die 1000% igen, die "allerschärfsten" des regims. die waren so gedrillt das sie nicht mehr unterscheiden konnten zwischen "feind und besuchern" also ganz normale bürger aus dem westen.

das schlimme war dann noch das sie das gleiche an den grenzen
ins soz. ausland mit uns DDR-bürgern gemacht haben. wir waren viel in der CSSR u haben jedesmal an der grenze gezittert, denn man wusste nie was sie vorhaben, man kam sich vor wie ein verbrecher.
sie hatten nicht mal zu ihren bürgern vertrauen.
tina
lupus
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von lupus
als Antwort auf Tina1 vom 25.10.2014, 09:57:25
Da warst du ja gerade ein aufmüpfiger todesmutiger Widerstandskämpfer!
Für eine Anpassung an die "neue" Zeit und Lesart sind deine Beiträge ein leuchtendes Beispiel. Respekt!

lupus
Tina1
Tina1
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf lupus vom 26.10.2014, 08:03:10
Ich schreibe das was Tatsachen waren, was einige aber gern verdrängen wollen, am liebsten nichtig machen wollen. Das ist aber Geschichte u. gehört zur DDR u. das darf nicht vergessen werden!
Das ist meine Meinung, die ich heute auch sagen darf.
Tina

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pschroed
pschroed
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von pschroed
als Antwort auf Tina1 vom 26.10.2014, 08:12:10
Ich schreibe das was Tatsachen waren, was einige aber gern verdrängen wollen, am liebsten nichtig machen wollen. Das ist aber Geschichte u. gehört zur DDR u. das darf nicht vergessen werden!
Das ist meine Meinung, die ich heute auch sagen darf.
Tina


Hallo Tina

Für mich sind deine Beiträge sehr interessant, Danke. Phil.
Kurz nach dem Mauerfall waren wir eine Familie in die DDR besuchen. Diese Freundlichkeit von diesen Menschen war einfach genial. Ich erinnere mich daß ein Dorfbewohner uns die Gegend zeigte. Wir fuhren mit seinem Skoda etwas sehr älteren Baujahr, ich saß hinten und konnte über dem Fahren das Drehen des hinteren Rades erkennen zwecks Durchrostung, stolz erzählte mir der Fahrer, Skoda ist ein sehr gutes Auto und ich werde ihn noch circa 10 Jahre behalten müssen. Wütend zeigte der Mann mir dann eine Bungalow Siedelung oben auf einer Anhöhe und sagte, seht, dort da oben sitzen sie, die Bonzen, die leisten sich alles. Die Frau betrieb ein Friseursalon, ein kleines normales Zimmer mit einem einfachen Waschbecken das ganze getrennt mit einem einfachen Vorhang, es war ihr ganzer Stolz und finanzierte zu einem Teil ihre Familie.
Am Abend wurde in einem Hinterhof eine Party aufgezogen als Überraschung für uns, ein langer Tisch welcher mit allem aufgetischt war, jeder brachte eine Kleinigkeit mit und es wurde richtig gefeiert. Nein diese Erfahrung zeigte mir genug. Die Menschen konnten nicht dafür, sie waren einfach zur falschen Zeit auf dem falschen Platz bevor sie mit Gewalt eingesperrt wurden.

Phil.
Tina1
Tina1
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf klaus vom 25.10.2014, 19:20:15


Die Rechtssicherheit an den Grenzen der DDR bestand darin, dass man als Bürger der DDR nur ausreisen durfte, wenn man dazu die staatliche Genehmigung besaß. Das wurde nur Rentnern gestattet ( war ohnehin günstig, wenn die gleich drüben blieben - Rentenzahlungen fielen da weg) und einigen wenigen profilierten DDR-Bürgern.
UND - sie bestand darin, dass natütlich alle BRD-Bürger die DDR betreten durften, wenn sie ordentlich Eintrittsgeld bezahlten.
Die anderen mussten, wenn sie die Grenze überschreiten wollten, damit rechnen, dass sie auf eine Miene treten, die die Beine wegriss ( wird dich als Arzt vielleicht interessieren) oder dass sie erschossen werden oder gefasst, um mehrere Jahre weggesperrt zu werden.


Man darf auch nicht vergessen das die Rentner zwar in die BRD reisen durften, aber immer noch nicht ins kapitalistische Ausland.
Es gibt Generationen wie meine Eltern die nie was von der Welt sehen durften, sie waren ein Leben lang eingesperrt. Sie waren also nach der Wende zu alt oder schon zu krank das sie das nicht mehr wahr nehmen konnten. Mein Vater hätte sich gern vieles von der Welt angesehen, was ihn aber der Staat verboten hat. Was ist das für ein Staat der den Menschen jegliche Freiheit verbietet, der bestimmt wie der Mensch zu leben hat? Ich bin froh das er wenigstens noch die Wende erleben durfte und daher wusste das es seinen Kindern und Enkeln möglich sein wird die Welt kennenzulernen, sie leben dürfen wie sie es für richtig halten
Tina
Tina1
Tina1
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf pschroed vom 26.10.2014, 08:26:24

Hallo Tina

Für mich sind deine Beiträge sehr interessant, Danke. Phil.
Kurz nach dem Mauerfall waren wir eine Familie in die DDR besuchen. Diese Freundlichkeit von diesen Menschen war einfach genial. Ich erinnere mich daß ein Dorfbewohner uns die Gegend zeigte. Wir fuhren mit seinem Skoda etwas sehr älteren Baujahr, ich saß hinten und konnte über dem Fahren das Drehen des hinteren Rades erkennen zwecks Durchrostung, stolz erzählte mir der Fahrer, Skoda ist ein sehr gutes Auto und ich werde ihn noch circa 10 Jahre behalten müssen. Wütend zeigte der Mann mir dann eine Bungalow Siedelung oben auf einer Anhöhe und sagte, seht, dort da oben sitzen sie, die Bonzen, die leisten sich alles. Am Abend wurde in einem Hinterhof eine Party aufgezogen als Überraschung für uns, ein langer Tisch welcher mit allem aufgetischt war, jeder brachte eine Kleinigkeit mit und es wurde richtig gefeiert. Nein diese Erfahrung zeigte mir genug. Die Menschen konnten nicht dafür, sie waren einfach zur falschen Zeit auf dem falschen Platz bevor sie mit Gewalt eingesperrt wurden.
Phil.


Hallo Phil

Für mich sind deine Beiträge auch immer sehr interessant, vorallem sind sie realistisch und nie einseitig u du diskutierst immer sachlich. Danke.

Deiner erlebten Geschichte kann ich nur zustimmen, denn das war ein Ausschnitt des Alltags, des Lebens in der DDR. Auch wir mussten immer nur sehr alte Autos fahren, das erste Auto war ein Trabant P50.
Da gab es natürlich immer einige Rostflecken und es ging vieles nach u nach kaputt.
Wir wussten manchmal nicht ob wir in den Urlaub überhaupt fahren können und vorallem auch nicht ob wir mit den Autos gut zurückkommen? Denn es gab keine Ersatzteile, vieles wurde daher nur provisorisch gemacht, wenn es ging. Es war oft ein Wagnis, ein Abenteuer auf was wir uns eingelassen hatten.
Ansonsten haben sich unsere Männer immer zu helfen gewusst jeder kannte jemand der Ahnung von Autos hatte und es wurden viele Ersatzteile selbst hergestellt oder man ließ sie "unter der Hand" herstellen. "Eine Hand wäscht die Andere" das war das Motto. Die Männer lagen mehr unterm Auto, als wie sie drin gesessen hatten..*lach. Es wurde ständig was repariert. Wir mussten damit leben weil man 15 Jahre auf einen neuen Trabant warten musste und den musste man dann noch bar bezahlen können. Mit all dem hatten wir uns abgefunden, weil wir es nicht anders kannten.

Diese "Bungalow Siedlungen" der Bonzen gab es überall. Vorallem die Stasi-Leute hatten alle ein Grundstück und einen Bungalow, denn sie wurden gut bezahlt für ihren "Spitzeljob". Ich kannte genug von diese Leuten, auch in der Verwandtschaft u die erzählten dann auch noch darüber. Sie schämten sich nicht uns mit diesen "Lockmittel Geld" anwerben zu wollen!

phil du hast recht wir konnten nichts dafür, wir waren zur falschen Zeit auf der falschen Seite und damit ist uns vieles entgangen. Wir waren daher gezwungen aus diesem Schicksal das Beste zu machen. Ich finde es toll wenn Menschen wie du, die das alles garnicht live erleben mussten, die Sache trotzdem so realistisch sehen können.

Meine Meinung ist nach wie vor, alles was gut war in der DDR rechtfertigt aber in keinster Weise das man von diesem Staat gezwungen wurde so zu leben wie sie es wollten, das man nur ihre Meinung haben durfte, rechtfertigt nicht das der Staat eine Mauer gebaut hat, das Menschen erschossen wurden, in den Knast kamen und das nur weil sie die DDR verlassen wollten, rechtfertigt nicht das man Aufstände niederschlug mit Panzern sich entgegen stellte (1953, 1969), das man anders Denkende in den Knast brachte, das man die Kinder der Inhaftierten in ein Heim steckte, das es Zwangsadoptionen gab, das man nur dort hin reisen durfte was vom Regime bestimmt wurde, das man nur als "Linientreuer" oder ohne "Westverwandte" seine Berufswünsche erfüllen konnte......das man das Volk einfach entmündigt hat.
Dafür gibt es kein "Schönreden" oder verleumden oder vergessen wollen. Das ist meine Meinung.
Tina

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silhouette
silhouette
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von silhouette
als Antwort auf justus39 † vom 25.10.2014, 20:00:41
aber die Abfertigung auf Flughäfen ist mir noch immer sehr unangenehm.

justus

Für wen nicht, justus, für wen ist sie das nicht!
Aber ich kann dir versichern, das war sie nicht immer, für diejenigen, die immer frei reisen konnten. Wir verdanken diese Prozeduren Ereignissen, die man durch Schlagwörter wie "München 1972", "Mogadischu 1977", und vor allem (seit daher interessierten sich auch die Amerikaner, und das ziemlich hysterisch, aber verständlich) "9-11".

Tja, und das sind alles Ereignisse, die von den Tätern und ihren Gefolgsleuten mit immer derselben pseudo-religiösen, in Wahrheit kranken kriminellen Begründung gerechtfertigt werden - und von viel zu vielen toleranzbesoffenen Zeitgenossen hierzulande verniedlicht oder sogar der Politik der Regierungen der Opfer angelastet werden. Was für eine Verirrung!
ana
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von ana
als Antwort auf justus39 † vom 25.10.2014, 18:05:22
"Wenn das der Walter und die Lotte wüßten!"

justus,sehr humorvoll von Dir geschrieben woren,finde ich gut!

Zu den Prozeduren beim einschecken im Flughafen,hat Silhouette
heute,(26.10.)Dir die Gründe dafür genannt!
Auch ich wünschte mir weniger strenge Kontrollen,aber es ist er-
forderlich geworden.

Genieße die offenen Grenzen auch weiterhin und vor allem auch,
die Deutschen Einheit!

ana
Tina1
Tina1
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf silhouette vom 26.10.2014, 11:35:09

Für wen nicht, justus, für wen ist sie das nicht!
Aber ich kann dir versichern, das war sie nicht immer, für diejenigen, die immer frei reisen konnten. Wir verdanken diese Prozeduren Ereignissen, die man durch Schlagwörter wie "München 1972", "Mogadischu 1977", und vor allem (seit daher interessierten sich auch die Amerikaner, und das ziemlich hysterisch, aber verständlich) "9-11".
Tja, und das sind alles Ereignisse, die von den Tätern und ihren Gefolgsleuten mit immer derselben pseudo-religiösen, in Wahrheit kranken kriminellen Begründung gerechtfertigt werden - und von viel zu vielen toleranzbesoffenen Zeitgenossen hierzulande verniedlicht oder sogar der Politik der Regierungen der Opfer angelastet werden. Was für eine Verirrung!


..ich kann dir nur zustimmen
Tina
Tina1
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf justus39 † vom 25.10.2014, 18:05:22
Es war schon ein recht merkwürdiges Bauwerk, diese Mauer.

Ihr werdet es nicht glauben, aber es ist jetzt auch schon eine ganze Weile her, da wurde diese Mauer einfach wieder abgerissen, ganz einfach so.

aber trotzdem wird immer noch so viel und so ausgiebig über diese Mauer, von der niemand die Absicht hatte sie zu bauen, gesprochen, obwohl sie nicht mehr da ist.


Die Mauer war kein "merkwürdiges Bauwerk", auch wenn du es gern ironisch so verpacken willst. Es sollte noch lange und ausgiebig über diese Mauer gesprochen werden, auch wenn sich manche wünschen das sie einfach vergessen werden soll.
Und die Mauer wurde auch nicht einfach mal so abgerissen, sondern
da gab es vorher vieles was mutige Menschen getan haben. Menschen die die Mauer nicht wollten, die die Trennung Deutschlands nicht wollten, ansonsten stände sie heute noch. Mir gibt das Thema keinen Grund zum schmunzeln wie dir. Bei dem Thema kannst du mit Ironie nur deinen Standpunkt nochmal deutlich zum Ausdruck bringen, wenn man beherrscht zwischen deinen Zeilen zu lesen.
Tina

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