Internationale Politik Stolz auf die DDR ?

Tina1
Tina1
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf pschroed vom 03.11.2014, 22:20:10

Sehr interessant, ich habe mir die DDR nicht so schlimm vorgestellt. Gefallen hat mir die Aussage vom Platzeck, daß oft vergessen wird daß trotzdem viele ihr normales Leben führten.
Phil.


phil wenn du sagst das du dir die DDR nicht so schlimm vorgestellt hast und das wo du doch bestimmt schon ganz viel weißt, dann kannst du dir ja vorstellen welches empfinden die menschen hatten die das "schlimme" real erlebt haben, erleben mussten.

auf platzeck zu kommen, ist das nichts neues was er sagt u es wurde auch schon tausend mal hier erwähnt.
niemand der kritik an dem staat übt hat vergessen auch darüber zu schreiben, also das man trotzdem ein normales leben geführt hat, das wir trotzdem auch gelacht u gefeiert haben. das ist doch ganz normal, man hört doch nicht auf zu leben nur weil man in einer diktatur lebt?
ich würde sogar sagen das wir vielleicht besonders viele treffs mit freunden hatten, wir besonders viel gefeiert haben und eng zusammen gerückt sind, weil das für uns die "highlive's" waren u unser leben leichter gemacht hat. außerdem bestand dadurch die möglichkeit neben vielen allgemeinen themen sich auch ausgibig über die vielen und immer neuen engpässe in der versorgung zu unterhlten, über die neuigkeiten der machenschaften des staates was man erfahren hatte und immer wieder die frage diskutiert wurde, wie könnte man dem ganzen entrinnen? gesprächsstoff gab es also genug.

hier mal paar beispiele für das letzte genannte. es wurde darüber gesprochen wie der eine oder andere wieder tage, wochen gerannt ist um einen ganz normalen artikel zu erwerben. den er dringend brauchte.
mir fällt gerade auch was banales ein, was das thema "klamotten" generell u im einzelnen betrifft. es war zb ein sehr anstrengender akt paar klamotten für die jugendlichen zur jugendweihe zu bekommen. es gab in unserer kreisstadt nur ein geschäft dafür, es nannte sich "jugendmode" und dort bekam man 3 artikel angeboten. also egal ob sie gefiehlen oder nicht man musste sie irgenwann kaufen. was ja dann auch dazu führte das viele das gleiche an hatten.. es hätte auch nichts genutzt wo anders hinzufahren, denn das angebot war überall gleich. der jugendliche war also nicht glücklich darüber man sah seinen frust im gesicht!
also es blieb einen nur die möglichkeit schon möglichst monate vorher immer wieder zu schauen was es so gibt. für uns als eltern sah es ncht anders aus. man war oft gezwungen sich zum ende was im teuren "exquisit-laden zu kaufen. wo aber das angebot trotzdem auch dürftig war. das war ein beispiel für vieles. das mag harmlos klingen, aber für den der es erlebt hat, war das frust ohne ende. so lief es generell, egal was man suchte u brauchte.

es gab also immer diskussionen und jeder hat sich mal wieder luft gemacht. und dann kam der gemütliche der lustige teil, wir haben gelacht u getanzt bis zum abwinken.
das zum persönlichen leben in der DDR, was aber nichts mit dem SED-Regime zu tun hatte.
also der mensch ist anpassungsfähig und macht immer das beste draus. so einfach ist das.
tina
Tina1
Tina1
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf ana vom 03.11.2014, 21:36:24
Olga,
lese Dir bitte einmal die Aussage von adam 03.11.-19:09 durch,
diese halte ich persönlich für super ge-beschrieben!

"Das gehört sich einfach nicht,was Gauck hier macht".
Frage an Dich:
WAS macht BP Gauck? Er sagt einen sehr nachdenkenswerten Satz und
darüber sollten wir ernsthaft nachdenken!
ana
geschrieben von ana


ana das ist auch meine meinung, ja es lohnt sich nachzudenken. gauck spricht vorallen die menschen an die dieses system zu spüren bekommen haben und die die heimat verlassen mussten, weil sie es nicht mehr aushielten u es keine möglichkeit gab diesen staat und deren politik zu reformieren.
diese menschen haben erlebt zu was menschen in der lage waren die sich als "links" gerichtet ausgegeben haben. sie haben den staat unterstützt, sie waren mit allen einverstanden, haben sich nicht gegen diese diktatur u das unrecht aufgelehnt, was sie aber als angebliche kommunisten hätten tun müssen, wenn sie wirklich einen sozialistischen staat gewollt hätten.

und solange diese gleichen leute noch in der "Linkspartei" sitzen kann man ihr nicht trauen. wie soll das gehen? auch wenn der vorsitzende ein "Neuer" ist. er entscheidet aber nicht allein.

mir ist es in dem fall unwichtig wer zu dem thema was sagt, wer seine zweifel anmeldet. ich würde bei jedem anderen auch zustimmen. man hat hier das gefühl das die kritik personenbezogen ist. aber m.e. sollte der inhalt der aussage wichtig sein, die aber einigen wahrscheinlich nicht passt.
außerdem sollte ein mann in dem job seine meinung u seine zweifel sagen dürfen, ja müssen. was "schweigen müssen" bedeutet, zu was es geführt hat, haben wir lange genug erlebt.
tina
Edita
Edita
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Edita
als Antwort auf pschroed vom 03.11.2014, 22:20:10

Sehr interessant, ich habe mir die DDR nicht so schlimm vorgestellt. Gefallen hat mir die Aussage vom Platzeck, daß oft vergessen wird daß trotzdem viele ihr normales Leben führten.
Phil.


Phil, niemand, der nicht in der DDR selber gelebt hat, kann sich das vorstellen, auch nicht die, die dort Verwandte hatten und regelmäßige Kontakte per Post und Besuchen pflegte, zu denen ich auch gehöre!
Ich habe, schon als ich noch viel jünger war, die Menschen dort, ich hatte ja selber Oma und Opa und Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins dort wohnen, bewundert, daß sie das aushalten konnten, und nicht nur das, sondern, daß sie dabei auch noch fröhlich und herzlich bleiben konnten!
Auch auf die Gefahr hin, daß ich mich hier bei den immer
" rechthabenwollenden " Wessis und bei den " nichtzubekehrenden " Ossis lächerlich mache, ich stelle mir die Situation von psychologischer Seite her ähnlich vor, wie beim " Stockholm -Syndrom ", bei dem die " Geiseln ein emotional positives Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen "! Es liegt in der Natur des Menschen, immer das Schlechte zu verdrängen, damit man sich am Guten, auch wenn es noch so wenig ist, emotional positiv stimulieren kann! Bei Geiseln ist es schon ein Schluck Wasser, der sie vorm Verdursten retten kann, oder auch die " Erlaubnis " auf die Toilette gehen zu dürfen, um das Positive am Entführer zu entdecken, und bei Menschen in Diktaturen, die fremdbestimmt leben müssen, haben " das Recht auf Arbeit, bezahlbarer Wohnraum, genügend Kindergärten, ausgezeichnete Schulen und ein tolles Gesundheitssystem eine ähnliche Funktion, wie der Schluck Wasser! Ich denke, all diese Dinge muß man mal selber erlebt haben, um überhaupt einschätzen zu können, was die Menschen dort geleistet haben!
huch........ich bin gespannt auf die Prügel.....

Edita

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justus39 †
justus39 †
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von justus39 †
als Antwort auf Edita vom 04.11.2014, 08:17:57
huch........ich bin gespannt auf die Prügel.....

Edita

Es gibt überhaupt keinen Grund, Prügel zu befürchten.
Aus der "Westsicht" hast Du das alles sehr gut, verständnisvoll und einfühlsam beschrieben.
Wir konnten fröhlich sein, weil wir uns, wie die Tiere im Zoo, keine großen Sorgen machen mussten, und da alles knapp war, konnten wir uns auch über viele Dinge freuen, die jetzt selbstverständlich sind und keine besondere Freude mehr auslösen.
In der Gemeinschaft half man sich gegenseitig, und dadurch ging es immer wieder irgendwie weiter.

Nur irgendwann möchte sich eben auch ein, mit allen Notwendigen versorgter Löwe im Zoo, nicht nur seine täglichen Runden hinter Gittern drehen, sondern frei und ungezwungen durch die weite Wüste jagen, auch wenn dort Gefahren lauern.

Ich habe in einem anderen Strang meine Gedanken Empfindungen und Erfahrungen in einer Tierfabel beschrieben.

Eine doch etwas politische Tiergeschichte

Ich weiss, dass Du diese Geschichte verstehen wirst.

m.v.G.
justus
adam
adam
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von adam
als Antwort auf Edita vom 04.11.2014, 08:17:57
Edita,

mir ist es sowas von wurscht, ob ich als Besserwessi bezeichnet werde, als arrogant, feige, oder gar eklig. Das alles sind für mich Versuche, mich daran zu hindern, meine Meinung zu sagen. Ich tue es trotzdem.

Auch wenn ich nicht in der DDR gelebt habe und nie sagen konnte, daß ich so nicht mehr leben wollte, so habe ich doch das verbriefte Recht zu sagen, daß ich nie so leben möchte. Ich habe das Recht, gegen die Verharmlosung von Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen zu schreiben.

Hier ist die DDR das Thema. Es sollte aber nicht vergessen werden, daß im gesamte Ostblock der damaligen Zeit diese Zustände herrschten, nicht nur in der DDR und daß die Befreiung nicht in der DDR begann. In Polen z.B. wurde bereits 1980 die Solidarnosc aus der Streikbewegung heraus gegründet. Hierzu kann ich nur einige Beiträge von Carlos1 empfehlen, der das immer wieder angesprochen hat.

Dein Beitrag Edit ist wichtig, denn er hilft zu verstehen, wie auch andere politische Ereignisse von der Verharmlosung der Unfreiheit betroffen sind. Ein wichtiges Beispiel ist, was die einen Befreiung nennen und andere als Osterweiterung der Nato verdammen. Es geht nicht darum, Angst vor rhetorischer Prügel zu beziehen. Die tut sowieso nicht weh, wenn sie aus der entsprechenden Ecke kommt. Es geht um die Grundeinstellung, zuerst einmal für Freiheit, Menschen- und Bürgerrechte zu sein, für eine humanistisch ausgerichtete Verfassung und darauf das Weltbild aufzubauen, für das man streitet.

--

adam
Tina1
Tina1
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf Edita vom 04.11.2014, 08:17:57

Sehr interessant, ich habe mir die DDR nicht so schlimm vorgestellt. Phil.


Phil, niemand, der nicht in der DDR selber gelebt hat, kann sich das vorstellen, auch nicht die, die dort Verwandte hatten und regelmäßige Kontakte per Post und Besuchen pflegte, zu denen ich auch gehöre!
Ich habe, schon als ich noch viel jünger war, die Menschen dort, ich hatte ja selber Oma und Opa und Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins dort wohnen, bewundert, daß sie das aushalten konnten, und nicht nur das, sondern, daß sie dabei auch noch fröhlich und herzlich bleiben konnten! Ich denke, all diese Dinge muß man mal selber erlebt haben, um überhaupt einschätzen zu können, was die Menschen dort geleistet haben!
huch........ich bin gespannt auf die Prügel.....
Edita


edita dein kommentar ist sehr interessant und deine beispiele erklären genau das verhalten was man als DDR- bürger, der "fremdbestimmt" leben musste getan hat um das beste draus zu machen.
wir haben das was gut war versucht in den fokus zu stellen, um das andere alles "aushalten" zu können, so wie du es mit deinem wort beschreibst. es wäre anders garnicht möglich gewesen.

aber das alles hat nicht dazu beigetragen das man das andere was alles sehr schlimm war u. zu diesem staat gehört, vergessen hat, sondern es hat uns damals wie heute psychologisch sehr belastet.

deshalb ist bei dem thema "stolz auf die DDR" nicht das Leben was wir uns selbst geschaffen haben in den vordergrund zu stellen, sondern das was man über das DDR-regime, über ihre Politik berichten kann, wenn man dort gelebt hat. das heißt man redet über "positives u negatives". nur so kann man auch die frage beantworten: "stolz auf die DDR"?

wenn man aber bei dem positiven stehen bleiben will, das negative ignoriert, ja soweit geht das man versucht mit dem positiven das negative zu rechtfertigen, dann ist das nichts anderes wie es zu DDR zeiten passiert ist. man hat uns immer nur die sachen erzählt egal wo, ob in der schule, im job, in den medien die sie wollten. also alles war ok in dem staat, die "planerfüllung" brummte (obwohl es immer weniger zu kaufen gab), alle menschen stehen hinter dem staat, die es nicht waren waren ja nur "wenige" und sowieso nur verbrecher oder vom westen manipuliert. alles negative wurde verschwiegen u nicht nur das sie behaupteten das gab es garnicht. wer darüber öffentlich was sagte war sofort ein "staatsfeind" u wurde demenstprechend behandelt.

wie du sagst man muss das alles selber erlebt haben um darüber urteilen zu können oder man muss bereit sein der ganzen wahrheit ins auge schauen zu können. deshalb sind viele kommentare auch von denen die das nicht selber real erlebt haben, gut u. sachlich richtig.

"Ich denke, all diese Dinge muß man mal selber erlebt haben, um überhaupt einschätzen zu können, was die Menschen dort geleistet haben!"

edita danke für diesen satz, er bedarf keiner worte mehr...
tina

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ana
ana
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von ana
als Antwort auf Tina1 vom 04.11.2014, 07:10:24
Tina,

ich habe viele Deiner Beiträge gelesen und kann alles nachvollziehen
und auch zustimmen,was Du geschrieben hast.
Warum?
Weil ich auch wie Du,in der ehemaligen DDR gelebt habe.
Dort geboren,die Schule besucht,Beruf erlernt und ausgeübt und dann
freiwillig-illegal diesen Staat verlassen.

Für mich war der sogenannte"Westen",ein Neuland-Neubeginn und nicht
ganz so einfach gewesen sich einzuleben und auch zurecht zu finden.
Trotz allem,habe ich nie meine "Tat" bereut!

Daher kann ich auch den nachdenklichen Worten von BP Gauck zu-
stimmen,weil ich diese nachvollziehen kann.

ana
adam
adam
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von adam
als Antwort auf Tina1 vom 04.11.2014, 11:03:25
Tina,

womit wir wieder bei der Frage wären, ob ich etwas erlebt haben muß, um es ablehnen zu dürfen. Die Antwort muß doch "Nein!" heißen.

Muß ich zum xten Mal betonen, daß es nicht darum geht, das Leben von Menschen zu verurteilen, sondern um das totalitäre System, daß zuerst Freiheit verweigerte und den freien Willen über ein humanistisches Maß hinaus einengte?

--

adam
ana
ana
Mitglied

Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von ana
als Antwort auf justus39 † vom 04.11.2014, 09:39:22
justus,

Gratulation zum neuen VK-Bild!

Ja,Deine dunkle Haarpracht ist ergraut und auch ein paar "Jährchen"
bist Du auch älter geworden,wie wir alle auch!

Der Vergleich mit dem Zoo,bestens!
In Freiheit leben zu können und auch zu dürfen,ist doch wohl für
alle Menschen erstrebenswert?!
Daher sollten wir diese niemals "aufs Spiel setzen"-leichtfertig
damit umgehen,das sind meine Bedenken!

Deinen Hinweis:"Eine doch etwas politische Tiergeschichte",werde
ich noch lesen und mich dazu wahrscheinlich auch äußern.

ana
Tina1
Tina1
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Re: Stolz auf die DDR ?
geschrieben von Tina1
als Antwort auf adam vom 04.11.2014, 11:27:22
Tina,

womit wir wieder bei der Frage wären, ob ich etwas erlebt haben muß, um es ablehnen zu dürfen. Die Antwort muß doch "Nein!" heißen.
geschrieben von adam


hier kann ich dir nur zustimmen das ist auch meine meinung wenn es um ein "ablehnen" geht.

in meinem text ging es um das mitreden können, auch wenn man es nicht erlebt hat. da war ich aber auch der meinung das auch das geht wenn man.....

"wie du sagst man muss das alles selber erlebt haben um darüber urteilen zu können oder man muss bereit sein der ganzen wahrheit ins auge schauen zu können. deshalb sind viele kommentare auch von denen die das nicht selber real erlebt haben, gut u. sachlich richtig.

...damit habe ich mich doch klar u deutlich ausgedrückt in bezug "nicht erlebt" haben.. oder?


Muß ich zum xten Mal betonen, daß es nicht darum geht, das Leben von Menschen zu verurteilen, sondern um das totalitäre System, daß zuerst Freiheit verweigerte und den freien Willen über ein humanistisches Maß hinaus einengte?
adam
geschrieben von adam

...und das genau das ist doch auch mein denken und meine kommentare haben immer diesen inhalt. mir ging und geht es immer um das system was ich verurteile, nie um das persönliche leben der menschen. ansonsten würde ich mein eigenes leben ja selber kritisieren, denn ich habe dort gelebt.
und deshalb kritisiere ich ja immer wieder die die über das leben der menschen den staat erklären wollen, ihn sogar damit rechtfertigen wollen.
....sorry, ich glaube hier liegt ein missverständnis vor, kann das sein?
tina

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